# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 11 24_S46 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) innerhalb der Generalſynode vergeblich geſucht wird, und daß eine Verbindung mit ihr nicht die mindeſte Garantie (Gewähr) für Bewahrung und Fortpflanzung der lutheriſchen Lehre gibt, alſo daß er ſogar unter No. 1 ſeiner Gründe der Be⸗ fürchtung einer Gefährdung derſelben vorbeugen zu müſſen glaubt. Nichtsdeſtoweniger tritt er als Advocat dieſer Verbindung auf. Glaubt denn der Standard wirklich und ernſt⸗ lich, daß nach Gottes Wort eine Synodal-, alſo kirchliche, folglich auch Glaubensgemeinſchaft mit denjenigen einzugehen zuläſſig und alſo auch Gott wohlgefällig iſt, welche Zertrennung und Aerger⸗ niß anrichten, neben der von den Apoſteln empfan⸗ genen Lehre, von welchen die Chriſten nach Got⸗ tes Wort weichen ſollen, Röm. 16, 17.?“ Kann der Standard leugnen, daß die Generalſynode dieſe Zertrennung und dieſes Aergerniß wirklich angerichtet hat? Iſt nicht die erſte Bedingung einer Synodalvereinignng, welche eine Abſpiege⸗ lung der apoſtoliſchen Einigkeit im Geiſte ſein ſoll, Einträchtigkeit im Glauben, Lehre und Bekennt⸗ niß, wie uns St. Paulus lehrt Eph. 4, 3—6.2 Und was ſoll eine Vereinigung bezwecken, wenn ihr höchſter und vornehmſter Zweck, Bewahrung und Fortpflanzung reiner, heilſamer Lehre, nicht erreicht wird, wenn man ſich mit der kümmer⸗ lichen Verſicherung begnügen muß, es werde keine Verleugnung der lutheriſchen Lehre u. ſ. w. ver⸗ langt?*) Wenn ferner der Standard unter Nr. 2 ſeiner Gründe ſagt, es ſchließe eine Vereinigung mit der Generalſynode nicht nothwendig auch eine Billigung oder Sanctionirung irgend einer eigen⸗ thümlichen Lehre oder Maaßregel in ſich, welche von einzelnen Gliedern derſelben vertheidigt werde, ſo ſteht er offenbar unter dem Einfluſſe einer dop⸗ pelten Illuſion (Selbſttäuſchung), indem er die Lehre der Generalſynode beſſer findet, als die ein⸗ zelner Glieder derſelben, da es ja notoriſch (all⸗ bekannt und durch Thatſachen erhärtet) iſt, daß die Generalſynode als ein Körper den Grund des lutheriſchen Bekenntniſſes in mehreren wichtigen Artikeln verlaſſen hat, und im Gegentheile wohl mit mehr Grund der Wahrheit geſagt werden könnte, die Lehre einzelner Glieder ſei beſſer, als die des Ganzen; und wie dieſer zweite Grund das Gewiſſen eines treuen Lutheraners befriedigen könne, iſt uns unmöglich, einzuſehen. Denn ſoll „nicht billigen und nicht ſanctioniren“ euphe⸗ miſtiſch (nach einem mildernden Ausdrucke) im Sinne der lutheriſchen Bekennmißſchriften ſo viel heißen als: „die Irrlehre verwerfen und verdam⸗ men“, und wollte jemand von dieſer Freiheit, die Irrlehren der Generalſynode in dieſem Sinne nicht zu billigen, Gebrauch machen, ſo würde es bald offenbar werden, daß man eine Concordia discors (eine uneinige Einigkeit) geſchloſſen hätte, und der Riß würde nur um ſo ärger werden. Verſteht aber der Lutheran Standard das „nicht *) Gerade ſo ſagte auch Se. Maj. der König von Preußen zu den Lutheranern, als dieſe ſich nicht uniren laſſen woll⸗ ten, aber was helfen Verſicherungen der Gründer einer Union, daß man darum keine Verleugnung des lutheriſchen Glaubens fordere, wenn dieſelbe nun doch damit ge⸗ ſchieht? D. R. 46 billigen und ſanctioniren“, im Sinne der Laodi⸗ ceer, als ein „anderer Meinung ſein“ in gewiſſen Lehren, die jedoch nicht weſentliche Lehren ſind (nach dem beliebten Grundſatz der Generalſynode: Einigkeit in weſentlichen, Freiheit in unweſent⸗ lichen Lehren, zu welchen letzteren ſie auch die Lehre von der wahren Gegenwart des Leibs und Bluts Chriſti im Abendmahl zählt), dann thut es uns herzlich leid, den Lutheran Standard auf Seiten dieſer vulgären Union zu ſehen; denn zwiſchen einer Union der Lutheraner und Refor⸗ mirten und der der Lutheraner und Pſeudoluthe⸗ raner (Schein-oder Afterlutheraner) wiſſen wir keinen weſentlichen Unterſchied zu machen. Wenn endlich der Standard ſagt, eine Synode könne eine Verbindung mit der Generalſynode eingehen und doch ihre gegenwärtige Conſtitution beibehalten, ſo mag dies wohl von vielen Syno⸗ dalconſtitutionen gelten; aber was kann uns, die man Altlutheraner nennt, der Standard zum Troſte ſagen, wie wir mit unſerer Conſtitution durchkommen ſollen? wird uns die Generalſynode nicht die Verpflichtung auflegen, etliche ihr an⸗ ſtößige Paragraphen umzuändern? oder, wenn das ſelbſt nicht geſchähe, wie würden wir vor unſerm eignen Gewiſſen den Widerſpruch verbergen kön⸗ nen, in den wir mit unſerer Conſtitution ge⸗ riethenꝰ In der That, wir hätten vom Standard eine ganz andere Erwiederung auf die Vereinigungs⸗ anträge der Generalſynode erwartet. Anſtatt die unbedingte Zuläſſigkeit einer ſolchen Vereinigung mit zehn Gründen beweiſen zu wollen, hätte er die unerläßlichen Bedingungen einer wahrhaft apoſtoliſchen Einigkeit im Geiſte nach Epheſ. 4. entwickeln und es alsdann der Generalſynode überlaſſen ſollen, ob ſie ihm über denſelben die Hand bieten wolle. So, dünkt uns, ſollte es einem Blatte gebühren, welches den Beruf über⸗ nommen hat, ein Lutheran Standard zu ſein. Nachbemerkung des Redaeteurs. Da die Synode von Ohio, deren Organ der Stand- ard iſt, ſich erſt vor kurzem zu ſämmtlichen ſym⸗ boliſchen Büchern unſerer Kirche aufs neue öffent⸗ lich bekannt hat, ſo fragen wir: Wie reimt ſich dies mit einer Vereinigung mit der General⸗— ſynode? Was nach unſern Bekenntnißſchriften von einer ſolchen Union zu halten ſei, zeigen fol⸗ gende Ausſprüche. Erſtlich heißt es in der Augs⸗ burgiſchen Confeſſion: „Es wird auch gelehrt, daß allezeit müſſe eine heilige chriſtliche Kirche ſein und bleiben, welche die Verſammlung aller Gläubigen, bei welchen das Evangelium rein geprediget, und die heiligen Sacramente laut des Evangelii gereicht werden.“ (Art. 7.) Ferner heißt es in der Apologie: „Doch ſoll man fal⸗ ſche Lehrer nicht annehmen oder hören, denn dieſelbigen ſind nicht mehr an Chriſtus ſtatt, ſon⸗ dern ſind Widerchriſten.“ (Art. 8.) Ferner im kleinen Katechismus: „Wer aber anders leh⸗ ret und lebet, denn das Wort Gottes lehret, der entheiliget unter uns den Namen Gottes; da behüt uns für, himmliſcher Vater.“ (3. Haupt⸗ ſtück, 1. Bitte.) Ferner in den Schmalkaldiſchen Artikeln: „Paulus gebeut, daß man falſche Pre⸗ diger meiden und als ein Greuel verfluchen ſoll. Und 2 Cor. 6. ſpricht er: Ziehet nicht am fren⸗ den Joch mit den Ungläubigen, denn was hat das Licht für Gemeinſchaft mit der Finſterniß? a. Schwer iſt es, daß man von ſo viel Landen und Leuten ſich trennen und eine ſondere Lehre fühten will. Aber hie ſtehet Gottes Befehl, daß Jeder⸗ mann ſich ſoll hüten, und nicht mit denen einhel⸗ lig ſein, ſo unrechte Lehre führen ꝛc.“ (Siehe im Anhang. New Yorker Ausg. des Concomb. Seite 324.) Ferner heißt es in dor Concordien⸗ formel ſelbſt von Mitteldingen, daß ſie denn nicht anzunehmen ſeien: „wann ſolche Ceremonien da⸗ hin gemeint, alſo erfordert oder aufgenommen (werden), als ob damit und dadurch beide wider⸗ wärtige Religionen verglichen und Ein Corpus werden.“ (C. B. S. 629.) Endlich heißt es in demſelben Bekenntniſſe: „Ich rechne ſie alle in Einen Kuchen, das iſt, für Sacramentirer und Schwärmer, wie ſie auch ſind, die nicht glauben wollen, daß des HErrn Brod im Abendmahl ſei ſein rechter natürlicher Leib, welchen der Gottloſe und Judas eben ſowohl mündlich empfänget, als St. Petrus und alle Heiligen: wer das (ſage ich) nicht glauben will, der laſſe mich nur zufrieden, und hoffe bei mir nur keiner Gemein-— ſchaft, da wird nichts anders aus.“ (S. 590.) Einigkeit. Nur das iſt eine wahre Einigkeit, die im Glau⸗ ben beſteht; wo dieſe nicht iſt, da iſt Uneinigkeit gut, Einigkeit verderblich. Gregor v. Nazianz. Mittheilung von Welthändeln. Die letzten europäiſchen Nachrichten, welche bis zum 14. October reichen, ſind immer wieder ſehr aufregender Beſchaffenheit und geben Raum zu noch ſchlimmern Befürchtungen. In Berlin iſt zwar der befürchtete Aufſtand nicht erfolgt, indem der König nachgegeben und dem Reichstag ſeinen Willen gethan hat; dagegen iſt am 6. October in Wien eine große Revolution ausgebrochen, in welcher die Volks⸗ oder demokratiſche Partei den Sieg davon getragen hat. Der Kriegsminiſter La⸗ tour iſt auf barbariſche Weiſe ermordet und noch an ſeinem Leichnam hat man unmenſchliche Rache ausgeübt. In Folge deſſen iſt der Kaiſer mit dem ganzen Hofe geflohen und hat ein Manifeſt hinterlaſſen, worin er ſagt, er werde bald wieder⸗ kehren, um ſeinem von einer kleinen, aber kühnen Partei unterjochten Volke zu Hülfe zu kommen. Die nächſte Urſache dieſes Aufſtandes iſt das Offenbarwerden der reactionären Geſinnung des Hofes; der Kaiſer nemlich hatte, nachdem bereits große Truppenmaſſen in der Nähe Wiens con⸗ centrirt worden waren, eine Proclamation er⸗ laſſen, in welcher der Ungariſche Reichstag auf⸗ gelöſet und der verhaßte Croatenfürſt Jellachich, der mit ſeinen ſiegreichen Horden bis in die Nähe von Peſt vorgedrungen war, zum Generalgouver⸗ neur von Ungarn ernannt worden war, und als nun am 6. October ſogar deutſche Grenadier⸗ Regimenter ausrücken ſollten, um gegen die Un⸗