Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 4, Nummer 11 › Seite 85
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-01-25, Seite 85
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl · Betehrung 6 · Bekehrung 17 · Vater Unſer. —5. Bitte 10
Wach' auf: es iſt jetzt hohe Zeit!
Es rückt heran die Ewigkeit,
Dir deinen Lohn zu geben!
Der Handwerksburſche blieb ſtehen, hörte zu,
und ward gerührt. Einer ſeiner Mitgeſellen, der
an dieſem Morgen verreiſen wollte und ein from—
mer Menſch war, begegnete ihm auf der Straße
und ſagte: Bruder! haſt du wohl gehört, was
der Wächter ſang? Der Vers ward auch für dich
geſungen. Du haſt recht, Bruder, antwortete
dieſer, ich habe ihn wohl gehört, er hat mich ge⸗
rührt; von nun an will ich auch mit Gottes
Beiſtand ein anderer, beſſerer Menſch werden.
Von heute an will ich von meiner liederlichen
Lebensweiſe ablaſſen und Gott um Vergebung
bitten. Er wird mich nicht verſtoßen! Dies ſprach
er, und hielt auch Wort. So weiß der HErr die
Begebenheiten dergeſtalt zu lenken, daß die Men⸗
ſchen bisweilen ganz beſonders gerührt und er—
griffen werden. Der du dies lieſeſt, hat dich nicht
ein Vers, den dir eine Gemeinde entgegen ſang,
oder ein Spruch der Bibel manchmal ganz beſon⸗
ders getroffen und aus deinem Schlaf erweckt?
O, danke dem HErrn für ſolche Weckſtimmen und
achte ihrer mit Sorgfalt: ſie werden zu dei⸗
nem Frieden dienen! —
Matth. 18, 35.: „Alſo wird euch mein himm⸗
liſcher Vater auch thun, ſo ihr nicht vergebet von
eurem Herzen, ein jeglicher ſeinem Bruder
ſeine Fehle.“
In Antiochien lebten ein Presbyter, Sapricius,
und ein anderer Chriſt, Nicephorus, lange Zeit
in vertrauter Freundſchaft. Einſt aber entzweiten
ſie ſich und wurden ſich ſo feind, daß ſie ſich nicht
einnal auf der Straße grüßten. Nicephorus
ſchlug zuerſt in ſich, und ſchickte dem Presbyter
Boten zur Verſöhnung, und als dieſe zweimal
unerhört zurückkehrten, warf er ſich ſelbſt ſeinem
ehemaligen Freunde zu Füßen und bat: „Vergib
mir um des HErrn willen, mein Vater!“ Aber
der Presbyter blieb unbeweglich.
Nicht lange darauf brach eine Verfolgung ein.
Sapricius, als ein Lehrer der Chriſten, wurde
vor den Statthalter geführt und legte ein herrli⸗
ches Bekenntniß ab. Folter und Qualen wurden
angewandt, aber ſie vermehrten nur ſeinen be⸗
harrlichen Muth, und er wurde zum Schwerte
verurtheilt. Mit hoher Freudigkeit ging Sapri—
cius ſeinen Todesgang. Da lief ihm auf dem
Wege zur Hinrichtung Nicephorus entgegen, fiel
vor ihm nieder und bat: „Zeuge Chriſti, vergib
mir, daß ich dich beleidigt habe!“ Schweigend
ging der Märtyrer vorüber. Noch einmal erneu⸗
erte der Arme vergeblich ſeine Bitte. Die Henker
aber verlachten ihn und ſagten: „Einen ſolchen
Narren ſahen wir noch nie; dieſer geht, um ent⸗
hauptet zu werden, und du bitteſt ihn noch jetzt
um Verzeihung!“ Sie ſtanden auf der Todes⸗
ſtätte. „Ach!“ rief Nicephorus, „es ſteht ja ge⸗
ſchrieben: Bittet, ſo wird euch gegeben!“ Aber
auch dies Wort Gottes ſelbſt, deſſen Kraft ihm
jetzt ſo nöthig war, machte keinen Eindruck auf
den Unverſöhnlichen. Eben, indem Sapricius
niederknieen ſoll, um den Todesſtreich zu empfan⸗
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gen, fühlt er ſich plötzlich von Gott verlaſſen.
„Haltet ein!“ ruft er den Henkern zu, „ich will
thun nach des Kaiſers Gebot, ich will den Göt—
tern opfern!“ Da rief Nicephorus ihm zu:
„Sündige nicht, mein Bruder, falle nicht ab,
verleugne nicht Chriſtum, unſern HErrn, ver—
ſcherze die Krone nicht, die ſo bald dein iſt!“
Aber Sapricius achtete nicht auf ihn, und die
Henker triumphirten. Da wendet ſich Jener zu
ihnen und ſpricht: „Ich glaube an den Namen
des HErrn JEſu Chriſti, den Jener verleugnet
hat; ſo tödtet denn mich!“
Die rohen Menſchen bringen erſtaunt dem
Statthalter die wunderbare Botſchaft. Sapri⸗
cius wird zurückgeführt und Nicephorus ent⸗
hauptet.
Thatſächlicher Beweis, daß das Hören des
göttlichen Wortes nicht vergeblich iſt.
Zwiſchen Kopenhagen und der Inſel Saltholm
— ſo erzählt Paſtor Heiberg in der kirchenhiſto—
riſchen Schilderung „Peter Palladius, der erſte
evangeliſche Biſchof Seelands“ — waren in der
erſten Hälfte des ſechszehnten Jahrhunderts am
Tage vor Mariä Verkündigung ungefähr 80 Fi⸗
ſcher auf dem Eiſe verſammelt, um Aale zu fan—
gen. Das Eis brach unter ihnen, ſo daß ſie bis
an die Hüften ins Waſſer kamen und mit dem
ſich ſpaltenden Eiſe fortgetrieben wurden, bis ſie
zuletzt von einander getrennt wurden; 28 oder 29
von ihnen verloren das Leben. Aber während
ſie noch beiſammen waren, hatte einer von den
Fiſchern, Hans Bentſen, der in Odenſee geboren
und ein Schüler des Biſchofs Palladius geweſen
war, zugleich mit einigen Andern ihren Gefähr⸗
ten zugerufen: Lieben Brüder, laſſet uns nicht in
Verzweiflung fallen, weil wir im Waſſer umkom⸗
men müſſen, ſondern laſſet uns durch die That
beweiſen, daß wir das Wort Gottes ge⸗
hört haben. Sie hatten darauf den Geſang:
„Nun bitten wir den Heil'gen Geiſt“ und dann
das Sterbelied: „Mit Fried' und Freud' ich fahr'
dah in“ mit einander geſungen. Nach der Been⸗—
digung dieſes Geſanges fielen ſie auf die Kniee,
ſo daß das Waſſer ihnen bis unter die Arme ging,
und baten Gott, daß Er ſie durch einen ſeligen
Tod hinweg nehmen möchte. — Bei Erzählung
dieſer Geſchichte werden die Kopenhagener wegen
ihrer ausnehmenden Luſt am Worte Gottes und
ihres fleißigen Beſuchs des Gotteshauſes gelobt.
Möchte dieſe einfache Erzählung die Leſer dazu
reizen, ſich desſelben Lobes würdig zu machen!
(Eingeſandt von Paſtor Löber.)
Erinnerung an die Gedächtnißfeier des vor zwei
hundert Jahren geſchloſſenen Weſtphäliſchen
Friedens.
Die kirchlichen Nachrichten, welche in den Ac⸗
tis historico-ecclesiasticis vom Jahr 1748
aufgezeichnet ſind,“) liefern unter Andrem auch
eine ausführliche Beſchreibung von den großen
Feierlichkeiten, womit die lutheriſche Kirche vor
*) Vergl. Bd. XII. Pag. 880 ff. und Bd. XIII. Pag.
727 ff.
nunmehr hundert Jahren das Jubelfeſt zum An⸗
denken an jenen wichtigen und unvergeßlichen
Frieden gefeiert hat, durch welchen der gnädige
Gott im Jahre 1648 den ſchrecklichen Drangſalen
des dreißigjährigen Krieges ein Ende
machte. Wer nur einigermaßen von dieſem Kriege
gehört oder geleſen hat, der wird wiſſen, wie der⸗
ſelbe nicht nur unſer deutſches Vaterland aufs
jämmerlichſte verwüſtet, unzählige Kirchen, Dör⸗
fer und Städte eingeäſchert und ganze Gegenden
faſt menſchenleer gemacht, ſondern namentlich auch
dem evangeliſch-lutheriſchen Zion vor menſchlichen
Augen beinahe den Untergang gebracht hat. Denn
es war dies der längſte und blutigſte Krieg, der
wohl überhaupt ſeit Menſchengedenken und vor⸗
züglich um der Religion willen geführt worden
iſt. Es war ein furchtbares Gericht Gottes, wo⸗
mit Er damals unſere Kirche gezüchtigt und heim⸗
geſucht hat, eine jammervolle Zeit, wovon noch
viele Ruinen im Vaterlande zu ſehen, viele Denk⸗
mäler in der Geſchichte, wie in den Liedern und
Gebeten unſerer lutheriſchen Vorfahren zu finden
ſind. Darum iſt es wohl begreiflich, daß man
vor hundert Jahren, wie auch in der Fortſetzung
von Heinſius' Kirchengeſchichte zu leſen iſt,
mit großem Dank und Preis gegen Gott das An⸗
denken jenes Friedens gefeiert hat, wodurch un⸗
ſerer Kirche aufs Neue die ungehinderte und freie
Religionsübung geſichert worden iſt. Unzählige
Schriften ſind in den angeführten Nachrichten
angegeben, welche vor hundert Jahren erſchienen
ſind, um der ganzen evangeliſchen Chriſtenheit
und allen ihren Kindern und Nachkommen die
Erinnerung an jenen ſchauerlichen Krieg und an
die Wohlthat des darauf erfolgten Friedens tief
ins Gedächtniß einzuprägen.
Wir glauben darum auch ganz gewiß, daß die
evangeliſche Kirche unſeres deutſchen Vaterlandes
das gegenwärtige Jahr ebenfalls nicht wird vor—
übergehen laſſen, ohne das Gedächtniß jener
großen weltgeſchichtlichen Begebenheit zum zwei⸗
ten Mal feierlichſt zu begehen. Es entſtehet nun
aber die Frage, ob auch wir Evangeliſch-Luthe⸗
riſchen in Amerika uns an dieſe Jubelfeier mit
an ſchließen wollen, welche doch zunächſt nur für
die vaterländiſche Kirche geſchichtliche Bedeutung
hat? — Hierauf möchten folgende Gründe zu er⸗
wägen ſein, die uns zu einem ſolchen Anſchluß
allerdings bewegen könnten:
1. Gottes Wort lehrt uns an unzähligen Stel⸗
len, dasjenige, was Gott vor Alters an ſeinem
Volke gethan hat, bis auf die ſpäteſten Zeiten
zum Preiſe ſeines Namens, zur Warnung, zum
Troſt und zur Hoffnung in treuem Andenken zu
bewahren.
2. Wir alle haben mehr oder weniger die Früchte
und Folgen jenes Weſtphäliſchen Friedensſchluſſes
von Jugend auf genoſſen und darum in den mei⸗
ſten Ländern unſerer Heimath von Seiten katho⸗
liſcher Regenten und Obrigkeiten keine Hinderung
des Gottesdienſtes zu erleiden gehabt.
3. Wir alle bedürfen der ernſten Warnungen
vor Lauheit und Sicherheit, und müſſen, wie in
dem Schmalkaldiſchen Kriege, der alsbald nach
den geſegneten Zeiten der Reformation entſtand,
English translation AI translation
Wake up: it is now high time!
Eternity is drawing near
To give you your reward!
The journeyman stopped, listened, and was moved. One of his fellow journeymen, who intended to travel that very morning and was a devout man, met him on the street and said: Brother! did you hear what the watchman sang? That verse was sung for you too. You are right, brother, the other answered; I did hear it, and it moved me. From now on, with God's help, I too will become a different, better man. From today I will give up my dissolute way of life and ask God for forgiveness. He will not cast me out! So he spoke, and he kept his word. Thus does the Lord know how to guide events in such a way that people are sometimes moved and seized in quite a special manner. You who read this — has not a verse that a congregation once sang to you, or some saying of the Bible, at times struck you in a very particular way and roused you from your sleep? Oh, thank the Lord for such awakening voices and heed them carefully: they will serve your peace! —
Matt. 18:35: "So likewise shall my heavenly Father do also unto you, if ye from your hearts forgive not every one his brother his trespasses."
In Antioch there lived a presbyter, Sapricius, and another Christian, Nicephorus, for a long time in close friendship. But once they fell out and became such enemies that they would not even greet one another on the street. Nicephorus was the first to search his own heart, and he sent messengers to the presbyter seeking reconciliation; and when these returned unheeded twice, he himself threw himself down at the feet of his former friend and begged: "Forgive me, for the Lord's sake, my father!" But the presbyter remained unmoved.
Not long afterward a persecution broke out. Sapricius, being a teacher of the Christians, was brought before the governor and made a glorious confession. Torture and torments were applied, but they only increased his steadfast courage, and he was condemned to the sword. With great joy Sapricius walked his way to death. Then, on the road to the execution, Nicephorus ran to meet him, fell down before him, and begged: "Witness of Christ, forgive me for having offended you!" The martyr passed by in silence. Once more the poor man renewed his plea in vain. But the executioners mocked him and said: "We have never seen such a fool; this man is on his way to be beheaded, and still you beg him for forgiveness!" They reached the place of execution. "Ah!" cried Nicephorus, "it is written: Ask, and it shall be given you!" But even this word of God itself, whose power he now needed so badly, made no impression on the unforgiving man. Just as Sapricius was about to kneel down to receive the death-stroke, he suddenly felt himself forsaken by God. "Stop!" he cried to the executioners, "I will do as the emperor commands; I will sacrifice to the gods!" Then Nicephorus called out to him: "Do not sin, my brother, do not fall away, do not deny Christ our Lord, do not forfeit the crown that will so soon be yours!" But Sapricius paid no heed to him, and the executioners triumphed. Then the other turned to them and said: "I believe in the name of the Lord Jesus Christ, whom this man has just denied; so kill me instead!"
The crude men, astonished, brought the governor this remarkable news. Sapricius was led back, and Nicephorus was beheaded.
An actual proof that the hearing of God's Word is not in vain.
Between Copenhagen and the island of Saltholm — so relates Pastor Heiberg in his church-historical account "Peter Palladius, the First Evangelical Bishop of Zealand" — in the first half of the sixteenth century, on the day before the Feast of the Annunciation, about eighty fishermen were gathered on the ice to catch eels. The ice broke beneath them, so that they sank into the water up to their hips and were carried off with the splitting ice, until at last they were separated from one another; twenty-eight or twenty-nine of them lost their lives. But while they were still together, one of the fishermen, Hans Bentsen, who was born in Odense and had been a pupil of Bishop Palladius, called out to his companions, together with several others: Dear brothers, let us not fall into despair because we must perish in the water, but let us prove by our deeds that we have heard the Word of God. Thereupon they sang together the hymn "Come, Holy Spirit, Lord and God" and then the dying hymn "In Peace and Joy I Now Depart." When this singing was finished, they fell on their knees, so that the water reached up to under their arms, and they prayed God that He would take them away by a blessed death. — In the telling of this story the people of Copenhagen are praised for their exceptional love of the Word of God and their diligent attendance at church. May this simple account move its readers to make themselves worthy of the same praise!
(Submitted by Pastor Löber.)
Recollection of the Commemoration of the Peace of Westphalia, Concluded Two Hundred Years Ago.
The church reports recorded in the Acta Historico-Ecclesiastica of the year 1748 supply, among other things, a detailed description of the great festivities with which the Lutheran Church, now a hundred years ago, celebrated the jubilee in memory of that important and unforgettable peace by which gracious God, in the year 1648, put an end to the terrible afflictions of the Thirty Years' War.*)
*) Cf. vol. XII, p. 880ff., and vol. XIII, p. 727ff.
Whoever has heard or read even a little about this war will know how it not only devastated our German fatherland most wretchedly, reduced countless churches, villages, and towns to ashes, and left whole regions almost uninhabited, but also very nearly brought about the downfall of evangelical-Lutheran Zion before the eyes of men. For this was the longest and bloodiest war ever waged, probably, within human memory, and it was fought chiefly for the sake of religion. It was a fearful judgment of God, with which He then chastised and visited our Church — a woeful time, of which many ruins are still to be seen in the fatherland, and many memorials are to be found in history, as well as in the hymns and prayers of our Lutheran forefathers. It is therefore quite understandable that, a hundred years ago — as may also be read in the continuation of Heinsius's Church History — the memory of that peace was celebrated with great thanksgiving and praise to God, through which our Church was once again assured of unhindered and free exercise of religion. Countless writings are listed in the reports cited, which appeared a hundred years ago in order to impress deeply upon the memory of the whole of evangelical Christendom, and of all its children and descendants, the recollection of that dreadful war and of the blessing of the peace that followed it.
We therefore also firmly believe that the evangelical Church of our German fatherland will likewise not let the present year pass without solemnly celebrating, for the second time, the memory of that great world-historical event. But now the question arises whether we too, the Evangelical Lutherans in America, wish to join in this jubilee celebration, which, after all, has historical significance chiefly for the Church of the fatherland. On this point the following reasons might be worth considering, which could indeed move us to join in such an observance:
1. God's Word teaches us in countless places to preserve, down to the latest times, in faithful remembrance — to the praise of His name, for warning, for comfort, and for hope — what God did for His people in ancient days.
2. We have all, more or less, enjoyed since our youth the fruits and consequences of that Peace of Westphalia, and have therefore, in most of the countries of our homeland, suffered no hindrance to public worship from Catholic rulers and authorities.
3. We all need earnest warnings against lukewarmness and false security, and must, as in the Schmalkaldic War, which arose soon after the blessed times of the Reformation,