# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 01 25_S85 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Wach' auf: es iſt jetzt hohe Zeit! Es rückt heran die Ewigkeit, Dir deinen Lohn zu geben! Der Handwerksburſche blieb ſtehen, hörte zu, und ward gerührt. Einer ſeiner Mitgeſellen, der an dieſem Morgen verreiſen wollte und ein from— mer Menſch war, begegnete ihm auf der Straße und ſagte: Bruder! haſt du wohl gehört, was der Wächter ſang? Der Vers ward auch für dich geſungen. Du haſt recht, Bruder, antwortete dieſer, ich habe ihn wohl gehört, er hat mich ge⸗ rührt; von nun an will ich auch mit Gottes Beiſtand ein anderer, beſſerer Menſch werden. Von heute an will ich von meiner liederlichen Lebensweiſe ablaſſen und Gott um Vergebung bitten. Er wird mich nicht verſtoßen! Dies ſprach er, und hielt auch Wort. So weiß der HErr die Begebenheiten dergeſtalt zu lenken, daß die Men⸗ ſchen bisweilen ganz beſonders gerührt und er— griffen werden. Der du dies lieſeſt, hat dich nicht ein Vers, den dir eine Gemeinde entgegen ſang, oder ein Spruch der Bibel manchmal ganz beſon⸗ ders getroffen und aus deinem Schlaf erweckt? O, danke dem HErrn für ſolche Weckſtimmen und achte ihrer mit Sorgfalt: ſie werden zu dei⸗ nem Frieden dienen! — Matth. 18, 35.: „Alſo wird euch mein himm⸗ liſcher Vater auch thun, ſo ihr nicht vergebet von eurem Herzen, ein jeglicher ſeinem Bruder ſeine Fehle.“ In Antiochien lebten ein Presbyter, Sapricius, und ein anderer Chriſt, Nicephorus, lange Zeit in vertrauter Freundſchaft. Einſt aber entzweiten ſie ſich und wurden ſich ſo feind, daß ſie ſich nicht einnal auf der Straße grüßten. Nicephorus ſchlug zuerſt in ſich, und ſchickte dem Presbyter Boten zur Verſöhnung, und als dieſe zweimal unerhört zurückkehrten, warf er ſich ſelbſt ſeinem ehemaligen Freunde zu Füßen und bat: „Vergib mir um des HErrn willen, mein Vater!“ Aber der Presbyter blieb unbeweglich. Nicht lange darauf brach eine Verfolgung ein. Sapricius, als ein Lehrer der Chriſten, wurde vor den Statthalter geführt und legte ein herrli⸗ ches Bekenntniß ab. Folter und Qualen wurden angewandt, aber ſie vermehrten nur ſeinen be⸗ harrlichen Muth, und er wurde zum Schwerte verurtheilt. Mit hoher Freudigkeit ging Sapri— cius ſeinen Todesgang. Da lief ihm auf dem Wege zur Hinrichtung Nicephorus entgegen, fiel vor ihm nieder und bat: „Zeuge Chriſti, vergib mir, daß ich dich beleidigt habe!“ Schweigend ging der Märtyrer vorüber. Noch einmal erneu⸗ erte der Arme vergeblich ſeine Bitte. Die Henker aber verlachten ihn und ſagten: „Einen ſolchen Narren ſahen wir noch nie; dieſer geht, um ent⸗ hauptet zu werden, und du bitteſt ihn noch jetzt um Verzeihung!“ Sie ſtanden auf der Todes⸗ ſtätte. „Ach!“ rief Nicephorus, „es ſteht ja ge⸗ ſchrieben: Bittet, ſo wird euch gegeben!“ Aber auch dies Wort Gottes ſelbſt, deſſen Kraft ihm jetzt ſo nöthig war, machte keinen Eindruck auf den Unverſöhnlichen. Eben, indem Sapricius niederknieen ſoll, um den Todesſtreich zu empfan⸗ —85 — gen, fühlt er ſich plötzlich von Gott verlaſſen. „Haltet ein!“ ruft er den Henkern zu, „ich will thun nach des Kaiſers Gebot, ich will den Göt— tern opfern!“ Da rief Nicephorus ihm zu: „Sündige nicht, mein Bruder, falle nicht ab, verleugne nicht Chriſtum, unſern HErrn, ver— ſcherze die Krone nicht, die ſo bald dein iſt!“ Aber Sapricius achtete nicht auf ihn, und die Henker triumphirten. Da wendet ſich Jener zu ihnen und ſpricht: „Ich glaube an den Namen des HErrn JEſu Chriſti, den Jener verleugnet hat; ſo tödtet denn mich!“ Die rohen Menſchen bringen erſtaunt dem Statthalter die wunderbare Botſchaft. Sapri⸗ cius wird zurückgeführt und Nicephorus ent⸗ hauptet. Thatſächlicher Beweis, daß das Hören des göttlichen Wortes nicht vergeblich iſt. Zwiſchen Kopenhagen und der Inſel Saltholm — ſo erzählt Paſtor Heiberg in der kirchenhiſto— riſchen Schilderung „Peter Palladius, der erſte evangeliſche Biſchof Seelands“ — waren in der erſten Hälfte des ſechszehnten Jahrhunderts am Tage vor Mariä Verkündigung ungefähr 80 Fi⸗ ſcher auf dem Eiſe verſammelt, um Aale zu fan— gen. Das Eis brach unter ihnen, ſo daß ſie bis an die Hüften ins Waſſer kamen und mit dem ſich ſpaltenden Eiſe fortgetrieben wurden, bis ſie zuletzt von einander getrennt wurden; 28 oder 29 von ihnen verloren das Leben. Aber während ſie noch beiſammen waren, hatte einer von den Fiſchern, Hans Bentſen, der in Odenſee geboren und ein Schüler des Biſchofs Palladius geweſen war, zugleich mit einigen Andern ihren Gefähr⸗ ten zugerufen: Lieben Brüder, laſſet uns nicht in Verzweiflung fallen, weil wir im Waſſer umkom⸗ men müſſen, ſondern laſſet uns durch die That beweiſen, daß wir das Wort Gottes ge⸗ hört haben. Sie hatten darauf den Geſang: „Nun bitten wir den Heil'gen Geiſt“ und dann das Sterbelied: „Mit Fried' und Freud' ich fahr' dah in“ mit einander geſungen. Nach der Been⸗— digung dieſes Geſanges fielen ſie auf die Kniee, ſo daß das Waſſer ihnen bis unter die Arme ging, und baten Gott, daß Er ſie durch einen ſeligen Tod hinweg nehmen möchte. — Bei Erzählung dieſer Geſchichte werden die Kopenhagener wegen ihrer ausnehmenden Luſt am Worte Gottes und ihres fleißigen Beſuchs des Gotteshauſes gelobt. Möchte dieſe einfache Erzählung die Leſer dazu reizen, ſich desſelben Lobes würdig zu machen! (Eingeſandt von Paſtor Löber.) Erinnerung an die Gedächtnißfeier des vor zwei hundert Jahren geſchloſſenen Weſtphäliſchen Friedens. Die kirchlichen Nachrichten, welche in den Ac⸗ tis historico-ecclesiasticis vom Jahr 1748 aufgezeichnet ſind,“) liefern unter Andrem auch eine ausführliche Beſchreibung von den großen Feierlichkeiten, womit die lutheriſche Kirche vor *) Vergl. Bd. XII. Pag. 880 ff. und Bd. XIII. Pag. 727 ff. nunmehr hundert Jahren das Jubelfeſt zum An⸗ denken an jenen wichtigen und unvergeßlichen Frieden gefeiert hat, durch welchen der gnädige Gott im Jahre 1648 den ſchrecklichen Drangſalen des dreißigjährigen Krieges ein Ende machte. Wer nur einigermaßen von dieſem Kriege gehört oder geleſen hat, der wird wiſſen, wie der⸗ ſelbe nicht nur unſer deutſches Vaterland aufs jämmerlichſte verwüſtet, unzählige Kirchen, Dör⸗ fer und Städte eingeäſchert und ganze Gegenden faſt menſchenleer gemacht, ſondern namentlich auch dem evangeliſch-lutheriſchen Zion vor menſchlichen Augen beinahe den Untergang gebracht hat. Denn es war dies der längſte und blutigſte Krieg, der wohl überhaupt ſeit Menſchengedenken und vor⸗ züglich um der Religion willen geführt worden iſt. Es war ein furchtbares Gericht Gottes, wo⸗ mit Er damals unſere Kirche gezüchtigt und heim⸗ geſucht hat, eine jammervolle Zeit, wovon noch viele Ruinen im Vaterlande zu ſehen, viele Denk⸗ mäler in der Geſchichte, wie in den Liedern und Gebeten unſerer lutheriſchen Vorfahren zu finden ſind. Darum iſt es wohl begreiflich, daß man vor hundert Jahren, wie auch in der Fortſetzung von Heinſius' Kirchengeſchichte zu leſen iſt, mit großem Dank und Preis gegen Gott das An⸗ denken jenes Friedens gefeiert hat, wodurch un⸗ ſerer Kirche aufs Neue die ungehinderte und freie Religionsübung geſichert worden iſt. Unzählige Schriften ſind in den angeführten Nachrichten angegeben, welche vor hundert Jahren erſchienen ſind, um der ganzen evangeliſchen Chriſtenheit und allen ihren Kindern und Nachkommen die Erinnerung an jenen ſchauerlichen Krieg und an die Wohlthat des darauf erfolgten Friedens tief ins Gedächtniß einzuprägen. Wir glauben darum auch ganz gewiß, daß die evangeliſche Kirche unſeres deutſchen Vaterlandes das gegenwärtige Jahr ebenfalls nicht wird vor— übergehen laſſen, ohne das Gedächtniß jener großen weltgeſchichtlichen Begebenheit zum zwei⸗ ten Mal feierlichſt zu begehen. Es entſtehet nun aber die Frage, ob auch wir Evangeliſch-Luthe⸗ riſchen in Amerika uns an dieſe Jubelfeier mit an ſchließen wollen, welche doch zunächſt nur für die vaterländiſche Kirche geſchichtliche Bedeutung hat? — Hierauf möchten folgende Gründe zu er⸗ wägen ſein, die uns zu einem ſolchen Anſchluß allerdings bewegen könnten: 1. Gottes Wort lehrt uns an unzähligen Stel⸗ len, dasjenige, was Gott vor Alters an ſeinem Volke gethan hat, bis auf die ſpäteſten Zeiten zum Preiſe ſeines Namens, zur Warnung, zum Troſt und zur Hoffnung in treuem Andenken zu bewahren. 2. Wir alle haben mehr oder weniger die Früchte und Folgen jenes Weſtphäliſchen Friedensſchluſſes von Jugend auf genoſſen und darum in den mei⸗ ſten Ländern unſerer Heimath von Seiten katho⸗ liſcher Regenten und Obrigkeiten keine Hinderung des Gottesdienſtes zu erleiden gehabt. 3. Wir alle bedürfen der ernſten Warnungen vor Lauheit und Sicherheit, und müſſen, wie in dem Schmalkaldiſchen Kriege, der alsbald nach den geſegneten Zeiten der Reformation entſtand,