Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 4, Nummer 1 › Seite 1
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1847-09-08, Seite 1
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl · Beichte · DWW S Verenumioſchrinen · Zeugnis des Geiſtes 4 · Regierung 11
Der Lutheraner.
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten.
Redigirt von C. F. W. Walther.
Zahrgang 4.
St. Louis, Mo., den 8. September 1847.
No. 1.
Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben
vorauszubezahlen und das Poſtgeld
E Nur die Briefe, welche
tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft.
Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc.
enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden.
Vorwort des Redacteurs zum vierten
Jahrgang des Lutheraner.
So tritt denn der Lutheraner mit dem nun⸗
mehrigen Beginn ſeines vierten Jahrgangs nicht
nur in veränderter Form, ſondern auch als Or⸗
gan einer ganzen größeren kirchlichen Körper⸗
ſchaft vor unſere lieben Leſer. Wir glauben daher
vor allem Antwort auf die, nun ſehr natürlich
entſtehende Frage ſchuldig zu ſein: Wird der
Lutheraner dem Bekenntniſſe, das er bisher ge⸗
führt hat, unverändert treu bleiben, und wird er
auch in der Folge den bisher von ihm behaupteten
Charakter (in Betreff der Auswahl des Stoffs
und des Zieles ſeiner Wirkſamkeit) behalten?
Was erſtlich den Glauben betrifft, der bisher
in unſerem Blatte bekannt worden iſt, ſo iſt es
kein anderer geweſen, als dieſer: die Bibel Alten
und Neuen Teſtamentes iſt Gottes unwandelbares,
ewiges Wort, vom erſten Buch Moſis an bis zur
Offenbarung St. Johannis vom Heiligen Geiſte
eingegeben Wort für Wort. Dieſe heiligen Schrif⸗
ten der Apoſtel und Propheten ſind daher die
einige Regel und Richtſchnur alles Glaubens, die
einige Quelle aller ſeligmachenden Erkenntniß
und die einige Richterin aller, die chriſtliche Lehre
betreffenden Streitigkeiten. Dieſe geſchriebene
Offenbarung des allerhöchſten Gottes ſoll daher
weder nach der blinden menſchlichen Vernunft,
noch nach dem verkehren menſchlichen Herzen aus⸗
gelegt werden, ſie erklärt ſich ſelbſt; es ſoll weder
etwas davon noch dazu gethan und von keinem
Buchſtaben derſelben, weder zur Rechten noch zur
Linken, abgewichen, ſondern alles ſo in kindlich
demüthigem, einfältigen Glauben angenommen
werden, wie die Worte lauten. Da aber von
jeher faſt alle Schwärmer und Ketzer in der Chri⸗
ſtenheit heuchleriſch mit dem Munde vorgegeben
haben, daß die heilige Schrift der Grund auch
ihres Glaubens ſei und daß ſie auch ihre Lehren
aus derſelben gezogen haben, während ſie die
Schrift nur dazu benutzten und noch benutzen,
ihren Vernünfteleien oder Schwärmereien trügeriſch
den Stempel göttlichen Urſprungs aufzudrücken,
ſo hat ſich der Lutheraner ohne Rückhalt auch zu
den ſämmtlichen, öffentlichen Bekenntniſſen der
wahren Kirche aller Zeiten, jetzt lutheriſch genann⸗
ten, bekannt, als da ſind: das apoſtoliſche, ni⸗
cäniſche und athanaſianiſche Symbolum, die un⸗
geänderte Augsburgiſche Confeſſion, deren Apo⸗
logie, die Schmalkaldiſchen Artikel, der kleine und
grpoße Katechismus Dr. M. Luthers und die
Concordienformel. Indem der Lutheraner dieſe
herrlichen und in Gottes Wort wohl gegründeten
und aus Gottes Wort genommenen Bekenntniſſe,
welche die rechtgläubigen Chriſten wider die Ver⸗
fälſchungen und Verdrehungen der Ketzer auf⸗
geſtellt haben, auch für die Bekenntniſſe ſeines
Glaubens erklärt hat, ſo hat er ſich damit zu⸗
gleich losgeſagt von allen Ketzern und Secten und
ihren alten und neuen falſchen Lehren.
Weit entfernt nun, daß dadurch, daß der Lu⸗
theraner von nun an als Organ der lutheriſchen
Synode von Miſſouri, Ohio u. a. Staaten er⸗
ſcheint, in dem bisher geführten Bekenntniſſe des⸗
ſelben eine Veränderung eintreten ſollte, ſo über—
nimmt es dieſelbe vielmehr von nun an als eine
heilige Pflicht, darüber zu wachen, daß in dieſem
ihrem Blatte auch in Zukunft keine andere Lehre
vorgetragen, und durch dasſelbe verbreitet und
vertheidigt werde, als die reine und lautere Lehre
des Wortes Gottes, wie dieſelbe in den kirchlichen
Bekenntnißſchriften klar dargelegt iſt. Die ge—
nannte Synode gehört nemlich nicht zu den—
jenigen, welche, wie viele hier zu Lande, von dem
Lutheriſchen faſt nichts, als den Namen behalten,
reformirte Lehren und ſchwärmeriſch methodiſtiſche
Praxis angenommen haben; der Hauptzweck dieſer
Synode iſt vielmehr gerade dieſer, gemeinſchaftlich
dahin zu wirken, daß die abgewichenen Lutheraner
wieder zu ihrer Kirche und ihrer reinen Lehre
zurückgerufen und um das Panier ihrer nie ver⸗
altenden Bekenntniſſe vereinigt werden. Unter an⸗
derm heißt es in der Conſtitution dieſer Synode:
„Bedingungen, unter welchen der Anſchluß an
dieſe Synode ſtatt finden und die Gemeinſchaft
mit derſelben fortdauern kann, ſind: 1. Das
Bekenntniß zu der heiligen Schrift Alten und
Neuen Teſtaments, als dem geſchriebenen Worte
Gottes und der einzigen Regel und Richtſchnur
des Glaubens und Lebens; 2. Annahme der
(obengenannten) ſämmtlichen ſymboliſchen Bücher
der ev.⸗lutheriſchen Kirche, als der reinen und
ungefälſchten Erklärung und Darlegung des gött⸗
lichen Wortes. 3. Losſagung von aller Kirchen⸗
und Glaubensmengerei, als da iſt: das Be⸗
dienen gemiſchter*) Gemeinden, als ſolcher, von
Seiten der Diener der Kirche; Theilnahme an
dem Gottes dienſt und den Sacramentshandlungen
falſchgläubiger und gemiſchter Gemeinden; Theil⸗
nahme an allem falſchgläubigen Tractaten⸗ und
Miſſionsweſen u. ſ. w. 4. Alleiniger Gebrauch
reiner Kirchen- und Schulbücher (Agenden, Ge⸗
ſangbücher, Katechismen, Lehrbücher u. ſ. w.)“
Hiernach dürfen ſich gewiß die lieben Leſer der gu⸗
ten Hoffnung hingeben, die Synode werde mit
allem Ernſt darauf ſehen, daß dieſes Blatt ſeinen
lutheriſchen Titel nicht, wie gewiſſe andere Blät⸗
ter dieſes Landes, nur zum Schein führe und die
Lutheraner damit betrüge, keine falſchen und
überhaupt keine neuen Lehren einführe, keiner
Secte das Wort rede, kurz aufrichtig und redlich
im Dienſte der lutheriſchen Kirche ſtehe,
ſeinem Motto getreu: „Gottes Wort und
darum auch Luthers Lehr', weil nemlich Lu⸗
thers Lehre nicht Menſchenwort, ſondern das Wort
Gottes enthält, vergehet nun und nimmer⸗
mehr.“
Was nun zweitens den Charaͤkter betrifft, den
der Lutheraner bisher behauptet hat, ſo war der⸗
ſelbe ein polemiſcher, das heißt, der Inhalt des
Blattes hat ſich faſt immer darauf bezogen, die
reine Lehre gegen die Verfälſchungen und Angriffe
der Ungläubigen, Falſchgläubigen und Schwär⸗
mer zu vertheidigen. Auch in dieſer Beziehung
wird mit dem gegenwärtigen neuen Jahrgang
keine Veränderung vorgehen. Zwar hat die Sy⸗
node in ihrer erſten jährlichen Verſammlung zu
*) Das ſind ſolche Gemeinden, die aus Lutheranern
und Reformirten oder ſogenannten Evangeliſchen (Unirten,
Proteſtanten) zuſammengeſetzt ſind und nicht ſelten von ſo⸗
genannten lutheriſchen Predigern bedient werden, die alſo
dann natürlich doppelartig, d. i. den Lutheriſchen lutheriſch
und den Reformirten reformirt ſein müſſen.
2
English translation AI translation
The Lutheraner.
"God's Word and Luther's teaching shall never now nor ever pass away."
Published by the German Evangelical Lutheran Synod of Missouri, Ohio, and Other States.
Edited by C. F. W. Walther.
Volume 4.
St. Louis, Mo., September 8, 1847.
No. 1.
Conditions: The Lutheraner appears once every two weeks, for an annual subscription price of one dollar for out-of-town subscribers, who must pay this in advance and bear the postage. In St. Louis each individual issue is sold for 5 cents. Only letters containing contributions for the paper are to be sent to the editor; all others, which contain business matters, orders, cancellations, moneys, etc., are to be sent here under the address: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.
Preface by the Editor to the Fourth Volume of the Lutheraner.
Thus, with the present beginning of its fourth volume, the Lutheraner now comes before our dear readers not only in a changed form, but also as the organ of an entire, larger ecclesiastical body. We believe, therefore, that above all we owe an answer to the question that now very naturally arises: Will the Lutheraner remain unchangingly faithful to the confession it has hitherto maintained, and will it also in future retain the character it has thus far claimed (with respect to the choice of its material and the goal of its activity)?
As to the faith that our paper has hitherto confessed, it has been none other than this: the Bible of the Old and New Testaments is God's unchanging, eternal Word, inspired word for word by the Holy Spirit from the first Book of Moses to the Revelation of St. John. These holy Scriptures of the apostles and prophets are therefore the sole rule and standard of all faith, the sole source of all saving knowledge, and the sole judge of all controversies concerning Christian doctrine. This written revelation of the most high God is therefore to be interpreted neither according to blind human reason nor according to the perverse human heart; it explains itself. Nothing is to be taken away from it or added to it, and no letter of it, neither to the right nor to the left, is to be departed from; rather, everything is to be accepted in childlike, humble, simple faith, just as the words read. But since from earliest times almost all enthusiasts and heretics in Christendom have hypocritically claimed with their mouths that Holy Scripture was also the foundation of their faith, and that they too had drawn their teachings from it, while they only used and still use Scripture to deceitfully stamp their rationalizings or fanaticisms with the seal of divine origin, the Lutheraner has therefore also confessed, without reservation, all the public confessions of the true Church of all ages, now called Lutheran, namely: the Apostles', Nicene, and Athanasian Creeds, the unaltered Augsburg Confession, its Apology, the Smalcald Articles, the Small and Large Catechisms of Dr. M. Luther, and the Formula of Concord. In declaring these glorious confessions — well grounded in and taken from God's Word, which orthodox Christians set up against the falsifications and distortions of the heretics — to also be the confessions of its own faith, the Lutheraner has thereby at the same time renounced all heretics and sects and their old and new false teachings.
Far from it, then, that the fact that the Lutheraner from now on appears as the organ of the Lutheran Synod of Missouri, Ohio, and other states, should bring about any change in the confession it has hitherto maintained — rather, it takes up this confession from now on all the more as a sacred duty, watching over the fact that no other teaching be presented in this its paper in the future, and spread and defended through it, than the pure and clear teaching of the Word of God as it is clearly set forth in the Church's confessional writings. For the aforesaid Synod does not belong to those who, like many in this country, have retained almost nothing of the Lutheran but the name, having adopted Reformed teachings and enthusiastic Methodist practice; the chief purpose of this Synod is rather precisely this: to work together toward calling the estranged Lutherans back to their Church and its pure teaching, and to unite them under the banner of their never-aging confessions. Among other things, the constitution of this Synod states: "The conditions under which membership in this Synod may take place, and fellowship with it may continue, are: 1. Confession of the Holy Scripture of the Old and New Testaments as the written Word of God and the sole rule and standard of faith and life; 2. Acceptance of all the (above-named) symbolical books of the Evangelical Lutheran Church, as the pure and unfalsified explanation and exposition of the divine Word. 3. Renunciation of all mingling of churches and of faiths, such as: the serving of mixed* congregations as such by ministers of the Church; participation in the worship services and sacramental acts of congregations of false belief and of mixed congregations; participation in all tract and mission work of false believers, etc. 4. The exclusive use of pure church and school books (agendas, hymnals, catechisms, textbooks, etc.)" In light of this, our dear readers may certainly entertain the good hope that the Synod will watch with all earnestness that this paper does not, like certain other papers in this country, bear its Lutheran title merely for the sake of appearance and thereby deceive Lutherans; that it will introduce no false, and altogether no new, teachings; that it will speak the word for no sect; in short, that it will stand sincerely and honestly in the service of the Lutheran Church, true to its motto: "God's Word, and therefore also Luther's teaching too — because Luther's teaching contains not human word but the Word of God — shall never now nor ever pass away."
As to, secondly, the character that the Lutheraner has hitherto maintained: it has been a polemical one — that is, the content of the paper has almost always been concerned with defending pure doctrine against the falsifications and attacks of unbelievers, false believers, and enthusiasts. In this respect too, no change will take place with the present new volume.
* These are such congregations as are composed of Lutherans and Reformed, or so-called Evangelicals (United, Protestants), and are not infrequently served by so-called Lutheran preachers, who then, of course, must necessarily be of a double character, that is, Lutheran to the Lutherans and Reformed to the Reformed.