Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 3, Nummer 21 › Seite 117
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1847-06-15, Seite 117
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl—Gegenwart 14 · Gemeindeverſammlung 9
Wiſſe, der du ſo klagſt, andere bekennen im Ge—
gentheil, daß ſie ſchon viel Nutzen aus den Ver—
ſammlungen geſchöpft haben. Vielleicht liegt
auch an dir ſelbſt einige Schuld, daß du unge—
ſegnet bleibſt? Oder vielleicht hältſt du fälſch—
lich nur das für einen Segen, was dein Herz
nicht beunruhigt, ſondern darin einen ſüßen,
ſtillen Frieden und angenehme Gefühle und
Empfindungen unterhält und hervorruft?
Dann irrſt du aber. Du kannſt Segen haben,
indem du ſehr unangenehm bewegt und mit
Sorge, Kummer und Betrübniß erfüllt worden
biſt. Und wenn du nnr, durch Beobachtung
der Uebelſtände in der Gemeinde mit eigenen
Augen, zur herzlichen Fürbitte für ſie bewegt
wirſt, ſo iſt das ſchon ein großer Nutzen.
Uebrigens aber hebt auch der Mangel an eignem
Nutzen deine Verpflichtung für deinen Nächſten
keineswegs auf. Auch hier heißt es: „Gehor—
ſam iſt beſſer, denn Opfer.“ Findeſt du kei⸗
nen Nutzen, wenn du zu Zöllnern und Sündern
nach deiner Meinung gehſt, ſo ſuche du ihnen
deſto mehr zu nutzen.
Endlich wird aber auch mancher klagen, daß
die Verſammlungen zu häufig vorkommen, ſo
daß man für ſie zu viel Zeit opfern muß.
Hierauf antworte ich: Werden die Verſamm⸗
lungen beſſer beſucht und ſtrenger bewacht wer—
den, ſo wird auch nicht mehr ſo viel vergeblich
geredet und geſtritten werden, und in weni—
ger Zeit werden wir dann mehr beſprechen
und ſchneller zu unſerm Zwecke kommen.
Möge der gnädige Gott meine redliche Ab—
ſicht, etwas dazu beizutragen, daß unſere Ver⸗
ſammlungen nicht nur beſſer beſucht, ſondern
auch fruchtbarer für das Heil unſerer Gemeinde
werden, mir aus Gnaden gelingen laſſen.
Hierzutregiere er unſer aller Herzen um JEſu
Chriſti, unſeres theuren Heilaͤndes willen.
Amen.
(Eingeſandt.)
Kirchliche Nachricht aus Miſſouri.
Im Januar d. J. kam der auf der Univerſi⸗—
tät Göttingen gebildete und von theuren Glau—
bensbrüdern in Deutſchland zum Zwecke ſeiner
Anherreiſe unterſtützte Candidat der Theologie,
Herr Carl Johann Hermann Fick aus Han⸗
nover, hier in St. Louis glücklich an. Die
Liebe zu den verlaſſenen Lutheranern in Nord—
America und das Verlangen, zur Verbreitung
unſerer Kirche hier mit zu helfen, hatte ihn
hieher getrieben. Einige Wochen nach ſeiner
Ankunft in St. Louis geſchah ein öffentlicher
Aufruf der deutſchen evaugeliſch-lutheriſchen
Gemeinde zu Neumelle in St. Charles County,
Mo., wegen eines zu berufenden Predigers.
Herr Fick meinte auf dieſen Aufruf achten zu
müſſen. Er ſchrieb an die Gemeinde. Er
wurde zu einer Probepredigt eingeladen, welche
er am Palmſonntage hielt, und wurde darauf
einſtimmig von der Gemeinde zu ihrem Predi—
ger und Seelſorger erwählt und berufen. Zu
Pfingſten ſollte er ſein Amt antreten. Er be—
ſuchte die während dieſer Zeit zu Chicago, Ills.,
verſammelte deutſche evangeliſch-lutheriſche
Synode von Miſſouri, Ohio und andern Staa—
11⁷
ten und wurde von derſelben als Glied aufge—
lommen. Um ihn nach ſeinemdund der Ge—
neinde Wunſch vor der Gemeinde zu ordini—
ren und in das heil. Amt einzuweiſen, wurden
wir, Herr Paſtor Schieferdecker von Monroe
County, Ills., und ich, der Unterzeichnete, von
dem Präſes der gedachten Synode beauftragt,
dahin zu reiſen. Wir ritten den 27. Mai von
St. Louis fort und kamen Tags darauf, vom
beſten Wetter begünſtigt, in Neumelle an, wel—
ches 45 Meilen nordweſtlich von St. Louis, 12
Meilen landeinwärts vom linken Ufer des
Miſſourifluſſes und 25 Meilen oberhalb St.
Charles an der Straße nach Marthasville liegt.
Wir fanden in einer anmuthigen Gegend eine
ſeit acht Jahren von zwei jungen Hannovera—
nern gegründete und namentlich von Luthera—
nern aus den zwei Kirchſpielen Melle und Buer
im Fürſtenthum Osnabrück bevölkerte blühende
Niederlaſſung. Die Gemeinde, gegenwärtig
aus 60 Familien beſtehend, hatte in der Mitte
ihrer Niederlaſſung ein paſſendes Grundſtück
mit Häuſern und 40 Acker Land für 300 Dol⸗
lars als Kirchengut an ſich gekauft. Ein neues
zweiſtöckiges, fein gearbeitetes Blockhaus von
20 Fuß Tiefe und 30 Fuß Länge, mit einem
weiten Porticus verſehen, war zur Kirche, zur
Schule und Wohnung des Paſtors eingerichtet.
Im untern Stock, der in 2 Zimmer getheilt iſt,
dient ein Zimmer zur Schule, das andere zur
Wohnung des Paſtors. Der obere Stock, ein
geräumiger Saal mit einer einfachen Kanzel
und Bänken, iſt für die kirchlichen Verſamm—
lungen beſtimmt. Bei dieſem Hauſe befinden
ſich noch zwei geräumige Nebengebäude. Auch
ſind zwei Acker urbar und bepflanzt. In der
Nähe iſt ein eingezäunter Gottesacker. Es war
lieblich anzuſehen, wie am Sonnabende die
Gemeindeglieder einmüthig beſchäftigt waren,
noch manches an dem gemeinſamen Kirchengut
zu arbeiten; einige gruben einen Brunnen,
andere fuhren Steine, andere bauten am Hauſe.
Am Trinitatis ſonntag war die Ordinations⸗
feier. Um 10 Uhr Morgens begann der Gottes—
dienſt. Der erſte Theil deſſelben bezog ſich auf
das Feſt von der heiligen Dreieinigkeit. Herr
Paſtor Schieferdecker predigte über das Evan—
gelium und behandelte das Thema: „Der
Glaube der Chriſten iſt der Glaube an den
Dreieinigen Gott.“ Nach der Predigt wur-—
den einige Verſe eines Ordinationsliedes aus
dem Osnabrückiſchen Geſangbuch geſungen
und darauf hielt ich eine Rede über 2 Cor. 2,
17.: „Wir ſind nicht, wie etlicher viele, die
das Wort Gottes verfälſchen; ſondern als
aus Gott, vor Gott, reden wir in Chriſto;“
und ſtellte auf Grund dieſes Textes dar:
„Den rechten Prediger des Wortes Gottes.“
Nach dieſer Rede wurde der Lebenslauf des
neuen Paſtors verleſen.
Die Ordination geſchah nach dem Formular
der Löhe'ſchen Agende, mit Verpflichtung auf
ſämmtliche ſymboliſche Bücher der evangeliſch—
lutheriſchen Kirche; darauf wurde von den
Hrn. Paſtoren Fick und Schieferdecker das heil.
Abendmahl genoſſen und die Gemeinde mit
dem Segen entlaſſen.
Es war eine große Verſammlung von we—
nigſtens 200 Seelen, die ſehr andächtig und mit
unverkennbarer Rührung zuhörten, ſangen und
beteten. Gerade während der Ordinations—
handlung entlud ſich ein Gewitter mit ſtarkem
Donner und vielem Regen. Ein ſchönes Ab—
bild von dem Geſetz und Evangelio, das, wie
wir zuverſichtlich hoffen, auch von dieſem neu
ordinirten, eifrigen Diener und Streiter IEſu
Chriſti kräftig gepredigt werden wird. Der
HErr wolle dem Donner ſeines Geſetzes Kraft
verleihen und allezeit folgen laſſen einen mil—
den Regen des Evangelii, daß die Gemeinde
fruchtbar werde an den Früchten des Geiſtes
zum ewigen Leben! Der treue Gott ſegne und
behüte dieſe Gemeinde mit ihrem Prediger,
daß Zion auch ferner von denſelben erfreuliche
Nachrichten erhalten möge!
Friedrich Bünger.
Die Lehre der erſten Kirche vom heil.
Abendmahl.
Ein Beitrag zur Aufdeckung methodiſtiſcher
Geſchichtsverfalſchung.
Noch immer können die ſchwärmeriſchen
Methodiſten nicht ruhen, die reine Lehre vom
heil. Abendmahle zu verläſtern. Noch neuer-—
dings haben ſie wieder über die rechte Deutung
der Worte unſeres hochgelobten HErrn und
Heilandes IEſu Chriſti, die er bei Einſetzung
ſeines heil. Sacraments gebraucht hat, ein lan—
ges Geſchwätz drucken laſſen. Wir fühlen uns
nicht gedrungen, darauf auch nur ein Wort zu
erwiedern. Jeder vernünftige Menſch ſieht,
ohne den Nachweis eines andern zu bedürfen,
daß es eben ein leeres Geſchwätz iſt, durch wel⸗
ches die armen Methodiſten die von ihnen ge—
fangenen Lutheraner, die noch ein Gewiſſen
für das Wort des allmächtigen und wahrhaf—
tigen Sohnes Gottes haben, in Nebel hüllen
wollen, daß ſie daſſelbe nicht mehr ſehen ſollen.
Das wird ihnen nicht gelingen. Das Wort
JEſu Chriſti hat eine göttliche Kraft, die Ge—
wiſſen zu binden und alle Nebel, mit denen
man es bedecken will, zu zerſtreuen.
In dem „Apologeten“ vom 28. vorigen Mo⸗
nats ſchreibt jedoch ein Methodiſt etwas, was
wir nicht ganz unbeantwortet laſſen können,
da es eine geſchichtliche Verfälſchung
enthält, und nicht jeder im Stande iſt, nachzu⸗
ſehen, ob es eine Verfälſchung ſei oder nicht.
Ein Methodiſt ſchreibt nehmlich daſelbſt:
„Die erſten chriſtlichen Kirchen haben wohl
Chriſti geiſtliche Gegenwart gelehrt, aber nie
ſeine leibliche. . . . Es konnte auch Lutherus
im Jahr 1529 bei ſeiner Disputation mit
Zwingli, gehalten zu Marburg, keinen einzigen
Kirchenvater der erſten Jahrhunderte namhaft
machen, der ſeiner Meinung vom heil. Abend⸗
mahl günſtig war, wohingegen ſeine Gegner
die heil. Schrift, ſo wie die angeſehenſten der
Väter auf ihrer Seite hatten.“
Daß die Methodiſten weder wiſſen, was die
erſte Kirche vom heil. Abendmahl gelehrt hat,
noch was Luther und ſeine Genoſſen auf dem
Marburger Colloquium geredet und gethan ha—
ben, das verſteht ſich von ſelbſt und das wird
ihnen niemand zum Vorwurf machen, da es
English translation AI translation
Know this, you who complain so: others confess the opposite, that they have already drawn much benefit from the meetings. Perhaps some of the fault that you remain unblessed lies with you yourself? Or perhaps you wrongly regard as a blessing only that which does not disturb your heart, but rather sustains and calls forth in it a sweet, quiet peace and pleasant feelings and sensations? But there you are mistaken. You can have blessing even while being moved very unpleasantly and filled with worry, sorrow, and affliction. And if merely by observing with your own eyes the shortcomings in the congregation you are moved to heartfelt intercession for it, that alone is already a great benefit. Moreover, the lack of benefit to yourself by no means lifts your obligation toward your neighbor. Here too it holds: "Obedience is better than sacrifice." If you find no benefit in going, as you see it, to tax collectors and sinners, then seek all the more to be of benefit to them.
Finally, some will also complain that the meetings occur too often, so that one must sacrifice too much time for them. To this I answer: if the meetings are better attended and more strictly kept in order, then there will also no longer be so much idle talk and quarreling, and in less time we will then discuss more and come more quickly to our purpose.
May gracious God, out of grace, let succeed my honest intention to contribute something toward our meetings becoming not only better attended but also more fruitful for the salvation of our congregation. To this end may he rule all our hearts, for the sake of Jesus Christ, our dear Savior. Amen.
(Submitted.)
Church News from Missouri.
In January of this year the candidate of theology, Mr. Carl Johann Hermann Fick of Hanover — educated at the University of Göttingen and supported by dear brothers in the faith in Germany for the purpose of his journey here — arrived safely here in St. Louis. Love for the forsaken Lutherans in North America, and the desire to help spread our church here, had driven him hither. A few weeks after his arrival in St. Louis, the German Evangelical Lutheran congregation at New Melle in St. Charles County, Missouri, issued a public call concerning a preacher to be summoned. Mr. Fick felt he ought to heed this call. He wrote to the congregation. He was invited to preach a trial sermon, which he delivered on Palm Sunday, and was thereupon unanimously elected and called by the congregation to be their preacher and pastor. He was to enter upon his office at Pentecost. During this time he attended the German Evangelical Lutheran Synod of Missouri, Ohio, and other states, assembled at Chicago, Illinois, and was received by it as a member. In order to ordain him before the congregation, according to his own wish and that of the congregation, and to install him in the holy office, we — the Reverend Pastor Schieferdecker of Monroe County, Illinois, and I, the undersigned — were commissioned by the president of the aforesaid synod to travel there.
We rode out from St. Louis on the 27th of May and arrived the next day, favored by the finest weather, at New Melle, which lies 45 miles northwest of St. Louis, 12 miles inland from the left bank of the Missouri River, and 25 miles above St. Charles on the road to Marthasville. In a charming region we found a flourishing settlement, founded eight years ago by two young Hanoverians and populated chiefly by Lutherans from the two parishes of Melle and Buer in the Principality of Osnabrück. The congregation, at present consisting of 60 families, had purchased in the middle of its settlement a suitable tract of land with buildings and 40 acres of land for $300 as church property. A new two-story, finely built log house, 20 feet deep and 30 feet long, furnished with a wide porch, had been fitted out as church, school, and dwelling for the pastor. On the lower floor, which is divided into two rooms, one room serves as the school, the other as the pastor's dwelling. The upper floor, a spacious hall with a simple pulpit and pews, is set aside for the church services. Beside this house there are also two spacious outbuildings. Two acres, too, have been cleared and planted. Nearby is a fenced burial ground. It was a lovely sight to see how, on the Saturday, the members of the congregation were busy in unity, still working on various things for the common church property; some were digging a well, others were hauling stone, others were building on the house.
On Trinity Sunday the ordination service was held. The worship service began at 10 o'clock in the morning. Its first part pertained to the festival of the Holy Trinity. The Reverend Pastor Schieferdecker preached on the Gospel, treating the theme: "The faith of Christians is faith in the triune God." After the sermon several verses of an ordination hymn from the Osnabrück hymnal were sung, and thereupon I delivered an address on 2 Corinthians 2:17: "For we are not as many, which corrupt the word of God: but as of sincerity, but as of God, in the sight of God speak we in Christ," and on the basis of this text set forth: "The True Preacher of the Word of God." After this address the curriculum vitae of the new pastor was read aloud.
The ordination took place according to the rite of Löhe's Agenda, with commitment to all the symbolical books of the Evangelical Lutheran Church; thereupon the Holy Supper was partaken of by the Reverend Pastors Fick and Schieferdecker, and the congregation was dismissed with the blessing.
It was a large gathering of at least 200 souls, who listened, sang, and prayed with great devotion and unmistakable emotion. Just during the ordination rite a thunderstorm broke out with loud thunder and much rain — a beautiful image of the Law and the Gospel, which, as we confidently hope, will also be powerfully preached by this newly ordained, zealous servant and warrior of Jesus Christ. May the Lord grant power to the thunder of his Law, and let there always follow a gentle rain of the Gospel, that the congregation may become fruitful in the fruits of the Spirit unto eternal life! May the faithful God bless and keep this congregation together with its pastor, that Zion may continue to receive joyful tidings from them!
Friedrich Bünger.
The Doctrine of the Early Church Concerning the Holy Supper.
A Contribution to Exposing Methodist Falsification of History.
Still the fanatical Methodists cannot rest from vilifying the pure doctrine of the Holy Supper. Quite recently they have again had a long piece of chatter printed concerning the correct interpretation of the words which our highly praised Lord and Savior Jesus Christ used at the institution of his Holy Sacrament. We do not feel compelled to answer this with even a single word. Every reasonable person sees, without needing anyone else's proof, that it is nothing but empty chatter, by which the poor Methodists wish to shroud in fog those Lutherans held captive by them who still have a conscience regarding the word of the almighty and truthful Son of God, so that they may no longer see it. In this they will not succeed. The word of Jesus Christ has a divine power to bind consciences and to disperse all the fog with which one seeks to cover it.
In the "Apologist" of the 28th of last month, however, a Methodist writes something which we cannot leave entirely unanswered, since it contains a historical falsification, and not everyone is in a position to check whether it is a falsification or not. A Methodist writes there, namely:
"The early Christian churches did indeed teach Christ's spiritual presence, but never his bodily presence. . . . Even Luther, in the year 1529, at his disputation with Zwingli held at Marburg, could not name a single church father of the first centuries who was favorable to his view of the Holy Supper, whereas his opponents had Holy Scripture, as well as the most esteemed of the fathers, on their side."
That the Methodists know neither what the early church taught concerning the Holy Supper, nor what Luther and his companions said and did at the Marburg Colloquy, is self-evident, and no one will hold that against them, since it