# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 06 15_S117 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Wiſſe, der du ſo klagſt, andere bekennen im Ge— gentheil, daß ſie ſchon viel Nutzen aus den Ver— ſammlungen geſchöpft haben. Vielleicht liegt auch an dir ſelbſt einige Schuld, daß du unge— ſegnet bleibſt? Oder vielleicht hältſt du fälſch— lich nur das für einen Segen, was dein Herz nicht beunruhigt, ſondern darin einen ſüßen, ſtillen Frieden und angenehme Gefühle und Empfindungen unterhält und hervorruft? Dann irrſt du aber. Du kannſt Segen haben, indem du ſehr unangenehm bewegt und mit Sorge, Kummer und Betrübniß erfüllt worden biſt. Und wenn du nnr, durch Beobachtung der Uebelſtände in der Gemeinde mit eigenen Augen, zur herzlichen Fürbitte für ſie bewegt wirſt, ſo iſt das ſchon ein großer Nutzen. Uebrigens aber hebt auch der Mangel an eignem Nutzen deine Verpflichtung für deinen Nächſten keineswegs auf. Auch hier heißt es: „Gehor— ſam iſt beſſer, denn Opfer.“ Findeſt du kei⸗ nen Nutzen, wenn du zu Zöllnern und Sündern nach deiner Meinung gehſt, ſo ſuche du ihnen deſto mehr zu nutzen. Endlich wird aber auch mancher klagen, daß die Verſammlungen zu häufig vorkommen, ſo daß man für ſie zu viel Zeit opfern muß. Hierauf antworte ich: Werden die Verſamm⸗ lungen beſſer beſucht und ſtrenger bewacht wer— den, ſo wird auch nicht mehr ſo viel vergeblich geredet und geſtritten werden, und in weni— ger Zeit werden wir dann mehr beſprechen und ſchneller zu unſerm Zwecke kommen. Möge der gnädige Gott meine redliche Ab— ſicht, etwas dazu beizutragen, daß unſere Ver⸗ ſammlungen nicht nur beſſer beſucht, ſondern auch fruchtbarer für das Heil unſerer Gemeinde werden, mir aus Gnaden gelingen laſſen. Hierzutregiere er unſer aller Herzen um JEſu Chriſti, unſeres theuren Heilaͤndes willen. Amen. (Eingeſandt.) Kirchliche Nachricht aus Miſſouri. Im Januar d. J. kam der auf der Univerſi⸗— tät Göttingen gebildete und von theuren Glau— bensbrüdern in Deutſchland zum Zwecke ſeiner Anherreiſe unterſtützte Candidat der Theologie, Herr Carl Johann Hermann Fick aus Han⸗ nover, hier in St. Louis glücklich an. Die Liebe zu den verlaſſenen Lutheranern in Nord— America und das Verlangen, zur Verbreitung unſerer Kirche hier mit zu helfen, hatte ihn hieher getrieben. Einige Wochen nach ſeiner Ankunft in St. Louis geſchah ein öffentlicher Aufruf der deutſchen evaugeliſch-lutheriſchen Gemeinde zu Neumelle in St. Charles County, Mo., wegen eines zu berufenden Predigers. Herr Fick meinte auf dieſen Aufruf achten zu müſſen. Er ſchrieb an die Gemeinde. Er wurde zu einer Probepredigt eingeladen, welche er am Palmſonntage hielt, und wurde darauf einſtimmig von der Gemeinde zu ihrem Predi— ger und Seelſorger erwählt und berufen. Zu Pfingſten ſollte er ſein Amt antreten. Er be— ſuchte die während dieſer Zeit zu Chicago, Ills., verſammelte deutſche evangeliſch-lutheriſche Synode von Miſſouri, Ohio und andern Staa— 11⁷ ten und wurde von derſelben als Glied aufge— lommen. Um ihn nach ſeinemdund der Ge— neinde Wunſch vor der Gemeinde zu ordini— ren und in das heil. Amt einzuweiſen, wurden wir, Herr Paſtor Schieferdecker von Monroe County, Ills., und ich, der Unterzeichnete, von dem Präſes der gedachten Synode beauftragt, dahin zu reiſen. Wir ritten den 27. Mai von St. Louis fort und kamen Tags darauf, vom beſten Wetter begünſtigt, in Neumelle an, wel— ches 45 Meilen nordweſtlich von St. Louis, 12 Meilen landeinwärts vom linken Ufer des Miſſourifluſſes und 25 Meilen oberhalb St. Charles an der Straße nach Marthasville liegt. Wir fanden in einer anmuthigen Gegend eine ſeit acht Jahren von zwei jungen Hannovera— nern gegründete und namentlich von Luthera— nern aus den zwei Kirchſpielen Melle und Buer im Fürſtenthum Osnabrück bevölkerte blühende Niederlaſſung. Die Gemeinde, gegenwärtig aus 60 Familien beſtehend, hatte in der Mitte ihrer Niederlaſſung ein paſſendes Grundſtück mit Häuſern und 40 Acker Land für 300 Dol⸗ lars als Kirchengut an ſich gekauft. Ein neues zweiſtöckiges, fein gearbeitetes Blockhaus von 20 Fuß Tiefe und 30 Fuß Länge, mit einem weiten Porticus verſehen, war zur Kirche, zur Schule und Wohnung des Paſtors eingerichtet. Im untern Stock, der in 2 Zimmer getheilt iſt, dient ein Zimmer zur Schule, das andere zur Wohnung des Paſtors. Der obere Stock, ein geräumiger Saal mit einer einfachen Kanzel und Bänken, iſt für die kirchlichen Verſamm— lungen beſtimmt. Bei dieſem Hauſe befinden ſich noch zwei geräumige Nebengebäude. Auch ſind zwei Acker urbar und bepflanzt. In der Nähe iſt ein eingezäunter Gottesacker. Es war lieblich anzuſehen, wie am Sonnabende die Gemeindeglieder einmüthig beſchäftigt waren, noch manches an dem gemeinſamen Kirchengut zu arbeiten; einige gruben einen Brunnen, andere fuhren Steine, andere bauten am Hauſe. Am Trinitatis ſonntag war die Ordinations⸗ feier. Um 10 Uhr Morgens begann der Gottes— dienſt. Der erſte Theil deſſelben bezog ſich auf das Feſt von der heiligen Dreieinigkeit. Herr Paſtor Schieferdecker predigte über das Evan— gelium und behandelte das Thema: „Der Glaube der Chriſten iſt der Glaube an den Dreieinigen Gott.“ Nach der Predigt wur-— den einige Verſe eines Ordinationsliedes aus dem Osnabrückiſchen Geſangbuch geſungen und darauf hielt ich eine Rede über 2 Cor. 2, 17.: „Wir ſind nicht, wie etlicher viele, die das Wort Gottes verfälſchen; ſondern als aus Gott, vor Gott, reden wir in Chriſto;“ und ſtellte auf Grund dieſes Textes dar: „Den rechten Prediger des Wortes Gottes.“ Nach dieſer Rede wurde der Lebenslauf des neuen Paſtors verleſen. Die Ordination geſchah nach dem Formular der Löhe'ſchen Agende, mit Verpflichtung auf ſämmtliche ſymboliſche Bücher der evangeliſch— lutheriſchen Kirche; darauf wurde von den Hrn. Paſtoren Fick und Schieferdecker das heil. Abendmahl genoſſen und die Gemeinde mit dem Segen entlaſſen. Es war eine große Verſammlung von we— nigſtens 200 Seelen, die ſehr andächtig und mit unverkennbarer Rührung zuhörten, ſangen und beteten. Gerade während der Ordinations— handlung entlud ſich ein Gewitter mit ſtarkem Donner und vielem Regen. Ein ſchönes Ab— bild von dem Geſetz und Evangelio, das, wie wir zuverſichtlich hoffen, auch von dieſem neu ordinirten, eifrigen Diener und Streiter IEſu Chriſti kräftig gepredigt werden wird. Der HErr wolle dem Donner ſeines Geſetzes Kraft verleihen und allezeit folgen laſſen einen mil— den Regen des Evangelii, daß die Gemeinde fruchtbar werde an den Früchten des Geiſtes zum ewigen Leben! Der treue Gott ſegne und behüte dieſe Gemeinde mit ihrem Prediger, daß Zion auch ferner von denſelben erfreuliche Nachrichten erhalten möge! Friedrich Bünger. Die Lehre der erſten Kirche vom heil. Abendmahl. Ein Beitrag zur Aufdeckung methodiſtiſcher Geſchichtsverfalſchung. Noch immer können die ſchwärmeriſchen Methodiſten nicht ruhen, die reine Lehre vom heil. Abendmahle zu verläſtern. Noch neuer-— dings haben ſie wieder über die rechte Deutung der Worte unſeres hochgelobten HErrn und Heilandes IEſu Chriſti, die er bei Einſetzung ſeines heil. Sacraments gebraucht hat, ein lan— ges Geſchwätz drucken laſſen. Wir fühlen uns nicht gedrungen, darauf auch nur ein Wort zu erwiedern. Jeder vernünftige Menſch ſieht, ohne den Nachweis eines andern zu bedürfen, daß es eben ein leeres Geſchwätz iſt, durch wel⸗ ches die armen Methodiſten die von ihnen ge— fangenen Lutheraner, die noch ein Gewiſſen für das Wort des allmächtigen und wahrhaf— tigen Sohnes Gottes haben, in Nebel hüllen wollen, daß ſie daſſelbe nicht mehr ſehen ſollen. Das wird ihnen nicht gelingen. Das Wort JEſu Chriſti hat eine göttliche Kraft, die Ge— wiſſen zu binden und alle Nebel, mit denen man es bedecken will, zu zerſtreuen. In dem „Apologeten“ vom 28. vorigen Mo⸗ nats ſchreibt jedoch ein Methodiſt etwas, was wir nicht ganz unbeantwortet laſſen können, da es eine geſchichtliche Verfälſchung enthält, und nicht jeder im Stande iſt, nachzu⸗ ſehen, ob es eine Verfälſchung ſei oder nicht. Ein Methodiſt ſchreibt nehmlich daſelbſt: „Die erſten chriſtlichen Kirchen haben wohl Chriſti geiſtliche Gegenwart gelehrt, aber nie ſeine leibliche. . . . Es konnte auch Lutherus im Jahr 1529 bei ſeiner Disputation mit Zwingli, gehalten zu Marburg, keinen einzigen Kirchenvater der erſten Jahrhunderte namhaft machen, der ſeiner Meinung vom heil. Abend⸗ mahl günſtig war, wohingegen ſeine Gegner die heil. Schrift, ſo wie die angeſehenſten der Väter auf ihrer Seite hatten.“ Daß die Methodiſten weder wiſſen, was die erſte Kirche vom heil. Abendmahl gelehrt hat, noch was Luther und ſeine Genoſſen auf dem Marburger Colloquium geredet und gethan ha— ben, das verſteht ſich von ſelbſt und das wird ihnen niemand zum Vorwurf machen, da es