Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 3, Nummer 17 › Seite 91

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1847-04-20, Seite 91

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bekenntnisſchriften 2 · Liebe zum Nächſten 2 · Luther 1 · Taufe 47

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3. Alle, die in IEſum Chriſtum getauft
ſind, die ſind in ſeinen Tod getauft, und durch
die Taufe mit ihm in ſeinen Tod begraben,
und haben Chriſtum angezogen.

4. Die Taufe iſt das Bad der Wiedergeburt,
darum, daß in derſelben wir von neuem gebo—
ren und mit dem Geiſt der Kindſchaft verſiegelt
und begnadet werden.

5. Es ſei denn, daß jemand geboren werde
aus dem Waſſer und Geiſt, ſo kann er nicht in
das Reich Gottes kommen: Doch iſt der Noth—
fall hier nicht gemeint.

6. Was vom Fleiſch geboren iſt, das iſt
Fleiſch, und von Natur ſind wir alle Kinder
des Zorns Gottes, denn aus ſündlichem Sa⸗
men ſind wir gezeuget, und in Sünden werden
wir allt empfangen.

Der vierte Artikel.
Von der Gnadenwahl und ewiger Verſehung
Gottes.

Diereine und wahrhaftige Lehre
unſerer Kirchen von dieſem
Artikel.

1. Daß Chriſtus für alle Menſchen geſtor—
ben, und als das Lamm Gottes der ganzen
Welt Sünde getragen hat.

2. Daß Gott Niemanden zur Verdammniß geſchaffen, ſondern will, daß allen Menſchen
geholfen werde, und ſie zur Erkenntniß der
Wahrheit kommen. Befiehlet allen, daß ſie
ſeinen Sohn Chriſtum in dem Evangelio hören
ſollen, und verheißt dadurch Kraft und Wir—
kung des heiligen Geiſtes zur Bekehrung und
Seligkeit.

3. Daß viele Menſchen durch ihre eigene
Schuld verdammt werden, die entweder das
Evangelium von Chriſto nicht hören wollen,
oder aus der Gnade wieder ausfallen durch
Irrthum wider das Fundament, oder durch
Sünde wider das Gewiſſen.

4. Daß alle Sünder, die Buße thun, zu
Gnaden angenommen und keiner ausgeſchloſſen
werde, wenn ſeine Sünden gleich blutroth wä—
ren. Sintemal Gottes Barmherzigkeit viel
größer iſt, denn aller Welt Sünde, und Gott
ſich aller ſeiner Werke erbarmet.

**

Falſche und irrige Lehre der Calviniſten.

Vom heiligen Nachtmahl.

1. Daß obgeſetzte Worte Chriſti figürlicher
Weiſe zu verſtehen ſeien, und nicht wie ſie
lauten.

2. Daß im Abendmahl nur bloße Zeichen
ſeien, abey der Leib Chriſti ſei ſo weit von dem
Brod, als der höchſte Himmel von der Erden.

3. Daß Chriſtus allda gegenwärtig ſei nur
mit ſeiner Kraft und Wirkung, und nicht mit
ſeinem Leibe, gleich wie die Sonne mit ihrem
Schein und Wirkung hienieden auf Erden ge—
genwärtig und kräftig iſt, aber die Sonne ſelbſt
iſt droben im Himmel.

4. Daß es ein typicum corpus, ein figürli⸗
cher Leib ſei, der nur bedeutet und vorgebildet
werde.

5. Daß er allein mit dem Glauben, welcher
ſich hinauf in den Himmel ſchwingt, und nicht
mündlich empfangen werde.

91

6. Daß ihn allein die Würdigen empfahen,
die Unwürdigen aber, ſo ſolchen Glauben nicht
haben, der hinauf in den Himmel ſteigen kann,

nichts denn Brod und Wein empfahen.

* *
*

Falſche und irrige Lehre der Calviniſten:

Von der Perſon Chriſti, ſo vornehmlich wider
den dritten und vierten Artikel reiner
Lehre ſtreitet.

1. Daß Gott Menſch iſt und der Menſch
Gott ſei, das ſei eine figürliche Rede.

2. Daß die Menſchheit mit der Gottheit nicht
in der That und Wahrheit, ſondern allein nach
dem Namen und Worten Gemeinſchaft habe.

3. Daß Gott unmöglich ſei mit aller ſeiner
Allmacht, zu verſchaffen, daß Chriſti natürli—
cher Leib auf einmal mehr, denn an einem
Orte ſei.

4. Daß Chriſtus nach ſeiner Menſchheit
durch ſeine Erlöſung allein erſchaffene Gaben
und gemeſſene Gewalt empfangen habe, und
nicht alles wiſſe und vermöge.

5. Daß Chriſtus nach ſeiner Menſchheit ab⸗
weſend regiere, gleichwie der König von Hi—
ſpanien über die neuen Inſeln regieret.

6. Daß eine verdammliche Abgötterei ſei,
wenn man das Vertrauen und den Glauben
des Herzens auf Chriſtum nicht allein nach
ſeiner Gottheit, ſondern auch nach ſeiner
Menſchheit ſetzet und die Ehre der Anrufung
darauf richtet.

* *
Falſche und irrige Lehre der Calviniſten.
Von der heiligen Taufe.

1. Die Taufe ſei ein äußerlich Waſſer-Bad,
damit eine innerliche Abwaſchung von Sünden
allein bedeutet werde.

2. Die Taufe wirke oder gebe nicht die Wie—
dergeburt, den Glauben, Gnade Gottes und
Seligkeit, ſondern bezeichne und verſiegle
allein dieſelbige.

3. Nicht alle, die mit Waſſer getauft werden,
erlangen hiemit die Gnade Chriſti oder Gabe
des Glaubens, ſondern allein die Auserwähl—
ten.

4.Die Wiedergeburt geſchehe nicht in und bei
der Taufe, ſondern erſt hernach bei erwachſenen
Jahren, in etlichen auch wohl gar im Alter.

5. Die Seligkeit hange nicht an der Taufe,
daher denn auch die Nothtaufe in der Kirche nicht ſoll geſtattet werden, ſondern, wenn man
den Kirchendienſt nicht haben mag, ſoll das
Kindlein immer ohne Taufe ſterben.

6. Der Chriſten Kinder ſind heilig vor der
Taufe und von Mutterleibe an, ja noch in
ihrer Mutter Leib, in dem Bunde des ewigen
Lebens, ſonſt könnte ihnen die heilige Taufe
nicht mitgetheilt werden.

*
*

Falſche und irrige Lehre der Calviniſten.
Von der Gnaden⸗Wahl und Verſehung Gottes.

1. Daß Chriſtus nicht für alle Menſchen, ſon⸗
dern allein für die Auserwählten geſtorben ſei.

2. Daß Gott den meiſten Theil der Men⸗
ſchen zur ewigen Verdammniß geſchaffen, und
wolle nicht haben, daß ſie bekehrt und ſelig
werden.

*

3. Daß die Auserwählten und Neugebornen
nicht können den Glauben und heiligen Geiſt
verlieren und verdammt werden, wenn ſie gleich
allerlei große Sünde und Laſter begehen.

4. Die, ſo nicht erwählt ſind, müſſen ver⸗
dammt werden, und können nicht zur Seligkeit
kommen, wenn ſie gleich tauſendmal getauft
würden und täglich zum Abendmahl gingen,
auch ſo heilig und unſträflich lebten, als es
immer möglich.

Puſeyismus — Jeſuitismus.

Herr Redacteur!

Als ich jüngſt in Ihrem Blatte die Jeſuiten⸗
moral las, wurden in mir Erinnerungen aus
meinem Aufenthalte in England geweckt, die es
mir zur Pflicht machen, folgende Thatſachen
zu veröffentlichen, als welche einen der vielen
Beweiſe liefern dürften, daß die Jeſuiten un—
ſerer Tage denſelben ſchändlicheen Grund⸗
ſätzen huldigen, die jeder ehrbare Weltmenſch,
geſchweige denn ein Chriſt an ihren Vätern
verdammen muß. — Es ſind nun über drei
Jahre her, daß ich von Londoner Freunden
nach Oxford als deutſcher Sprachmeiſter em⸗
pfohlen wurde. Der Name meines Lehrers,
des Philologen Thierſch in München, ver⸗
ſchaffte mir bald Eintritt in die vornehmſten
Collegien (colleges) dieſer alten Univerſität.
Aber auch bald merkte ich, an welch einen un⸗
heimlichen, unſauberen Ort ich gerathen ſei.
Hatte ich früher in München Gelegenheit ge—
habt, die ſchamloſe Proſelytenmacherei der
Römlinge verabſchenen zu lernen, ſo war ich
hier vom Regen in die Traufe gekommen;
denn hier fand ich ganze Zünfte von anglo⸗
katholiſchen Jeſuite —die Puſeyiten
mit dieſem Namen zu belegen, wird das Fol⸗
gende rechtfertigen. An Gelehrſamkeit die er⸗
ſten, an Gewandtheit und Schmiegſamkeit die
trefflichſten, mußte ich hören, wie ſie ſich jedes
Talentes unter den jungen Studenten durch al⸗
lerlei arge Kunſtgriffe zu bemächtigen trachteten.
Da gab's nach ihrer beredten Darſtellungsweiſe
keine ruchloſeren Menſchen, als die alten Re⸗
formatoren der Kirche, über die man laut das
Anathema ausſprach; da war der heilige Geiſt
nirgends zu finden, als in der Römiſchen Kirche,
wo er zu der Apoſtel Zeit von Hand zu Hand
durch die Weihe auf die Biſchöfe übergegangen
ſei, wo ſich— in Cölibat, Möncherei, Faſten ꝛc.
allein das heilige Leben, und in ihren Gottes⸗—
dienſten, d. i. in ihrem gottesläſterlichen Meß⸗—
opfer allein die wahrhaft an dächtigen Ge⸗
bärden und die rechte Gottesverehrung
(Worshipping) fänden; da las man mit Be⸗
wunderung die theologiſchen Schriften der al⸗
ten franzöſiſchen Jeſuiten und fand nur in ih-
nen die alte Gelehrſamkeit; da wußte man nur
der römiſchen Hure Lob zu ſingen, als die die
rechte Kirche ſei. Und das thaten Män⸗
ner, die dazumal noch alle äußerlich
zur engliſchen Hochkirche gehörten, von
ihr Pfründen zogen, ihre Lehrſtühle einnahmen,
ihre 39 Artikel des Glaubens beſchworen
hatten.“)

*) Hieraus erſieht der Leſer, was für Leute es ſind, die der
39

English translation AI translation

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3. All who are baptized into Jesus Christ are baptized into his death, and through Baptism are buried with him into his death, and have put on Christ.

4. Baptism is the washing of regeneration, because in it we are born anew and are sealed and endowed with grace by the Spirit of adoption.

5. Unless a man be born of water and the Spirit, he cannot enter into the kingdom of God; the case of necessity, however, is not meant here.

6. That which is born of the flesh is flesh, and by nature we are all children of God's wrath, for we are begotten of sinful seed, and in sin are we all conceived.

The Fourth Article.
On Election by Grace and God's Eternal Foreordination.

The pure and true doctrine of our churches on this article.

1. That Christ died for all men, and as the Lamb of God has borne the sin of the whole world.

2. That God has created no one for damnation, but wills that all men be helped and come to the knowledge of the truth. He commands all that they should hear his Son Christ in the Gospel, and thereby promises the power and working of the Holy Spirit for conversion and salvation.

3. That many men are damned through their own fault — those who either will not hear the Gospel of Christ, or who fall again from grace through error against the foundation, or through sin against conscience.

4. That all sinners who repent are received into grace, and none is excluded, even though his sins be blood-red. For God's mercy is far greater than the sin of the whole world, and God has mercy on all his works.

* * *

False and Erroneous Doctrine of the Calvinists.

On the Holy Supper.

1. That the aforesaid words of Christ are to be understood figuratively, and not as they read.

2. That in the Supper there are only bare signs, and that the body of Christ is as far from the bread as the highest heaven is from the earth.

3. That Christ is present there only with his power and working, and not with his body — just as the sun is present and effective here below on earth with its light and working, but the sun itself is up above in heaven.

4. That it is a typicum corpus, a figurative body, which is only signified and prefigured.

5. That it is received only by faith, which soars up into heaven, and not orally.

6. That only the worthy receive it, but the unworthy, who do not have such a faith as can ascend into heaven, receive nothing but bread and wine.

* * *

False and Erroneous Doctrine of the Calvinists:

On the Person of Christ, which conflicts chiefly with the third and fourth articles of the pure doctrine.

1. That "God is man" and "man is God" is a figurative expression.

2. That the humanity has communion with the deity not in fact and in truth, but only in name and words.

3. That it is impossible for God, with all his omnipotence, to bring it about that Christ's natural body be in more than one place at once.

4. That Christ, according to his humanity, has received through his redemption only created gifts and a measured power, and does not know and is not capable of all things.

5. That Christ, according to his humanity, rules in absence, just as the King of Spain rules over the new islands.

6. That it is a damnable idolatry when one places the trust and faith of the heart in Christ not only according to his deity but also according to his humanity, and directs the honor of invocation to it.

* * *

False and Erroneous Doctrine of the Calvinists.
On Holy Baptism.

1. That Baptism is merely an outward water-bath, by which only an inward washing away of sins is signified.

2. That Baptism does not work or give regeneration, faith, the grace of God, and salvation, but only signifies and seals the same.

3. Not all who are baptized with water thereby obtain the grace of Christ or the gift of faith, but only the elect.

4. That regeneration does not take place in and at Baptism, but only afterward, in the years of adulthood — in some cases, indeed, only in old age.

5. That salvation does not depend on Baptism; therefore emergency baptism should not be permitted in the Church, but if the service of the Church cannot be had, the little child should simply die without Baptism.

6. The children of Christians are holy before Baptism and from the mother's womb onward — indeed, even while still in their mother's womb — within the covenant of eternal life; otherwise holy Baptism could not be administered to them.

* * *

False and Erroneous Doctrine of the Calvinists.
On Election by Grace and God's Foreordination.

1. That Christ died not for all men, but only for the elect.

2. That God created the greater part of mankind for eternal damnation, and does not will that they be converted and saved.

3. That the elect and the regenerate cannot lose faith and the Holy Spirit and be damned, even if they commit all manner of grievous sin and vice.

4. Those who are not elect must be damned and cannot attain salvation, even though they were baptized a thousand times and went daily to the Lord's Supper, and even lived as holy and blameless a life as is at all possible.

Puseyism — Jesuitism.

Mr. Editor!

When I recently read the piece on Jesuit morality in your paper, memories were awakened in me from my stay in England which make it my duty to publish the following facts, as these may furnish one of the many proofs that the Jesuits of our day pay homage to the same shameful principles which every honorable man of the world — let alone a Christian — must condemn in their forebears. It is now more than three years since I was recommended by friends in London to Oxford as a teacher of German. The name of my teacher, the philologist Thiersch of Munich, soon gained me entrance into the foremost colleges of this ancient university. But I soon also perceived into what an uncanny, unclean place I had come. If I had earlier had occasion in Munich to learn to abhor the shameless proselytizing of the Romanists, then here I had jumped out of the frying pan into the fire; for here I found whole guilds of Anglo-Catholic Jesuits — to call the Puseyites by this name will be justified by what follows. Foremost in learning, and most accomplished in dexterity and adaptability, I had to hear how they sought, by all sorts of wicked artifices, to get hold of every talented young student. According to their eloquent presentation, there were no more wicked people than the old Reformers of the Church, upon whom they pronounced the anathema aloud; the Holy Spirit, they said, was to be found nowhere except in the Roman Church, where from the time of the apostles it had passed from hand to hand upon the bishops through ordination; where — in celibacy, monkery, fasting, etc. — alone the holy life was to be found, and in their divine services, that is, in their blasphemous sacrifice of the Mass alone, the truly devout gestures and the right worship (worshipping) were to be found; there one read with admiration the theological writings of the old French Jesuits and found in them alone the old learning; there they knew only how to sing the praises of the Roman harlot, as being the true Church. And this was done by men who at that time still outwardly belonged entirely to the English High Church, drew benefices from it, occupied its professorial chairs, and had sworn to its Thirty-Nine Articles of Faith.*)

*) From this the reader may see what sort of people they are, who belong to the