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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1847-04-20, Seite 89

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bekenntnisſchriften 2 · Luther 1

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Der Lutheraner.

„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“

Herausgegeben von C. F. W. Walther.

Jahrgang 3.

St. Louis, Mo., den 20. April 1847.

No. 17.

Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche davon die Hälfte
vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft.

(Eingeſandt von Paſtor Schiefeidecker.)
Die Viſitationsartikel,
eine dentliche Darſtellung des Unterſchiedes
zwiſchen der lutheriſchen und reformirten
Lehre.

Bald im Anfang der Reformation entſtand
der Streit wegen des heil. Abendmahls, deſſen
Haupturheber Carlſtadt, Zwingli und Oekolam⸗—
padius waren. Um dieſen Streit zu heben,
wurde 1529 von Philipp, Landgraf zu Heſſen,
das Religionsgeſpräch zu Marburg angeſtellt;
da aber Zwingli und ſeine Gleichgeſinnten bei
ihrer Irrlehre beharrten, ſo ging das Geſpräch
fruchtlos ab. Inzwiſchen fingen doch Einige,
die es zuvor mit Zwingli gehalten hatten, an,
ſich der Lehre Luthers zu nähern, und 1536
kam es ſogar zu einem Vertrag zwiſchen Lu—
ther und den Straßburger Theologen Bucer und Capito, welche von den oberländiſchen
Städten, Straßburg an der Spitze, nach Wit—
tenberg geſandt worden waren, um einen Ver—
gleich mit Luther zu ſtiften. Dies war die ſo⸗
genannte Wittenberger Coneordie,
durch welche der Zwieſpalt in der Lehre vom
Abendmahl unter den Evangeliſchen in Deutſch—
land für jetzt glücklich gehoben war, indem
Straßburg und die andern oberländiſchen
Städte die Lehre Luthers annahmen, und ihren
vorigen Irrthum verließen. Da auch die
Schweizer einige Hoffnung machten, dem Ver—
trag beizutreten, ſo ſchwieg man auf beiden
Theilen einige Jahre ſtill. Deſſen ungeachtet
behielten die Schweizer nicht nur ihren Irrthum
vom Saerament bei, ſondern ſuchten denſelben
auch unter der Hand auszubreiten. Luther ſahe
voraus, wie es nach ſeinem Tode gehen werde,
er entſchloß ſich daher, noch einmal vor ſeinem
Ende wider den Irrthum vom Sacrament mit
allem Ernſt zu ſchreiben und gab 1544 ſeine
kurze Confeſſion vom heil. Abendmahl heraus.
Nach ſeinem Tode geſchah die völlige Trennung
der Reformirten von unſerer Kirche, welche be—
ſonders Joh. Calvin nebſt einigen andern be—
förderte. Bisher betrafen die Streitigkeiten zwi—
ſchen den Lutheranern und Zwinglianern vor—
nehmlich die Lehre vom heil. Abendmahl. Als
aber der Calvinismus emporkam, wurden auch
andere Lehren, beſonders von der Mittheilung
der göttlichen Eigenſchaften und Gemeinſchaft
beider Naturen in Chriſto, von der Gnaden⸗
wahl und von der Taufe in den Streit gezogen.

Der Calvinismus griff mehr und mehr um ſich;
er fand ſogar unter denen viele Anhänger,
welche ſich äußerlich zur Augsburgiſchen Con—
feſſion bekannten, die daher den Namen der
Crypto⸗, d. i. heimlichen Calviniſten erhielten.
Und wer hätte es denken ſollen, daß gerade
Wittenberg, wo die reine Lehre zuerſt
durch das theure Rüſtzeug Gottes D. M. Luther
angegangen, und in alle Welt ausgebreitet wor—
den war, der Schlupfwinkel dieſer heimlichen
Calviniſten werden würde! Gleichwohl hatte
es Luther ſchon 1537 in ſeiner Krankheit zu
Schmalkalden vorausgeſagt, daß er nach ſeinem
Tode zu Wittenberg Zwieſpalt und Verände—
rung in der Lehre vermuthe. Denn es entging
ſeinem ſcharfen Auge nicht, wie nicht nur Me⸗
lanchthon, ſondern auch andere von den Wit—
tenberger Theologen anfingen wankend zu wer⸗
den. Einſtmals fand man von Luthers Hand
in ſeiner Stube die Worte auf den Tiſch ge—
ſchrieben: „Nostri theologi examinandi sunt
de coena“ d. i. man ſoll unſeren Theologen in
dem Punet vom Abendmahl aufs Gewiſſen
fühlen. Luther klagte beſonders ums Jahr 43
und 44 mehrmals, er wiſſe gar nicht, wie er
mit Melanchthon in der Sacramentsſache daran
wäre. Zwar hatte ſich Melanchthon mehrmals
öffentlich für die evangeliſche Wahrheit wider
die Zwinglianer erklärt. „1537 ſchrieb er an
den Churfürſten, daß es mit den Zwinglianern
nur Vorwitz, Frevel und Vernunftwahn ſei,
womit man vor Gott nicht beſtehen könne. Im
Jahr 1540 hat er in ſeinem Teſtament ver⸗
ſichert, daß er bei der Lehre der Wittenberger
Concordie bis in den Tod bleiben wollte. Auch
unterſchrieb er 1542 ein Reſponſum der ge—
ſammten theologiſchen Facultät wider die
Zwinglianer. Gleichwohl zeigte er bei ver—
ſchiedenen Gelegenheiten eine Hinneigung zu
den Zwinglianern. Dieſe Neigung bewog ihn
zu einer eigenmächtigen Veränderung der Augs⸗
burgiſchen Confeſſion, indem er den 10. Arti⸗
kel vom heil. Abendmahl dergeſtalt änderte, daß
die Calviniſten ihren Irrthum verbergen konn—
ten. Und da er dieſe geänderte Confeſſion ſei—
nem corpus doctrinae, welches als chriſtliches
Lehrbuch in den meiſten Kirchen und Schulen
Sachſens eingeführt ward, einverleibte, ſo
wurde dardurch die alte ungeänderte Augsbur—
ger Confeſſion faſt ganz verdrängt. Obwohl
Melanchthon ſich nicht öffentlich für die Cal—
viniſten erklärte, ſo ſtand er doch mit denſelben

in vertrautem Briefwechſel, und widerſetzte ſich
ihrem Thun auf keine Weiſe. Er ließ geſche—
hen, daß ſich die Calviniſten allenthalben ein—
drängten. Um das Jahr 1566, d. i. ſechs
Jahre nach Melanchthons und 20 Jahre nach
Luthers Tode war es ſo weit gekommen, daß
die evangeliſch-lutheriſche Lehre nur noch an
wenig Orten in und außerhalb Sachſen öffent—
lich im Schwange ging. Wie weit der Sauer—
teig calviniſcher Lehre zu Wittenberg das
reine Bekenntniß verderbt hatte, ſieht man aus
dem Bekenntniß der Wittenberger vom heiligen
Abendmahl, welches ihnen der Churfürſt Au—
guſt abverlangt hatte, und welches von Paul
Eberus abgefaßt worden war; in demſelben
geſtehen ſie, Luthers Lehre ſchnurſtraks zuwi—
der, den Gottloſen im Abendmahl nichts wei—
ter zu, als die Empfangung des Brodes und
Weines. Im Jahr 1571 kam auf Anſtiften
Dr. Casp. Peueer's (Melanchthons Schwie—
gerſohn) ein Katechismus heraus, durch welchen
der Calvinismus ſich auch in Schulen und Fa⸗
milien Eingang zu verſchaffen ſuchte. Es
wurde aber wegen dieſes Katechismus ein
Convent der Lüneburgiſchen und Braunſchwei⸗
giſchen Theologen, welche der reinen Lehre
zugethan waren, zu Celle gehalten, und der
neue Wittenbergiſche Katechismus in vielen
Schriften widerlegt. Hierauf gaben die Wit—
tenberger eine heftige Schrift heraus, betitelt:
Die Grundfeſte von der Perſon und Menſch⸗
werdung unſres HErrn JEſu Chriſti ꝛc., welche
aber freilich nichts weniger, als eine Grund—
feſte der reinen Lehre war, indem ſie darin
allerhand der Perſon und Ehre Chriſti nach—
theilige Sätze behaupteten. Auch noch durch
einige andere Schriften offenbarten die Witten—
berger ihren Abfall von Luthers Lehre und
ihre Vorliebe zum Calvinismus. Dies trieben
ſie ſo lange, bis der fromme, und für das
Wohl der Kirche ernſtlich beſorgte Churfürſt
Auguſt, auf vielfältige Warnungen von ver—
ſchiedener Seite her, die Sache unterſuchte.
Er berief die Wittenbergiſchen Theologen zu
einem Convent nach Torgau, woſelbſt ihnen
gewiſſe Lehr-Artikel vorgelegt wurden, die ſie
mit Ja oder Nein beantworten ſollten. Die—
jenigen, welche ſich zu keiner Unterſchrift ver⸗
ſtehen wollten, kamen in gefängliche Haft; da
ſie ſich aber endlich entſchloſſen, unter gewiſſen
Bedingungen zu unterſchreiben, ſo erhielten ſie
ihre Freiheit wieder, zugleich aber auch die

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Der Lutheraner.

"God's Word and Luther's teaching shall never pass away."

Published by C. F. W. Walther.

Volume 3.

St. Louis, Mo., April 20, 1847.

No. 17.

Terms: Der Lutheraner is published once every two weeks, at a subscription price of one dollar for out-of-town subscribers, who must pay half of this in advance and bear the postage themselves. — In St. Louis, each single issue is sold for 5 cents.

(Submitted by Pastor Schiefeidecker.)
The Visitation Articles: A Clear Presentation of the Difference between the Lutheran and Reformed Doctrine.

Soon at the beginning of the Reformation there arose the controversy concerning the holy Lord's Supper, whose principal instigators were Carlstadt, Zwingli, and Oecolampadius. In order to settle this controversy, the religious colloquy at Marburg was arranged in 1529 by Philip, Landgrave of Hesse; but since Zwingli and his like-minded associates persisted in their false doctrine, the colloquy came to nothing. Meanwhile, some who had previously sided with Zwingli began to draw nearer to Luther's teaching, and in 1536 there even came about an agreement between Luther and the Strasbourg theologians Bucer and Capito, who had been sent to Wittenberg by the Upper German cities, with Strasbourg at their head, in order to bring about a reconciliation with Luther. This was the so-called Wittenberg Concord, by which the division in the doctrine of the Lord's Supper among the Evangelicals in Germany was for the time being happily resolved, in that Strasbourg and the other Upper German cities accepted Luther's teaching and abandoned their former error. Since the Swiss too gave some hope of joining the agreement, both sides kept silent for some years. Notwithstanding this, the Swiss not only retained their error concerning the Sacrament, but also sought secretly to spread it further. Luther foresaw how things would go after his death; he therefore resolved once more, before his end, to write in all earnestness against the error concerning the Sacrament, and in 1544 published his Short Confession Concerning the Holy Supper. After his death the complete separation of the Reformed from our Church took place, which was promoted especially by John Calvin along with some others. Up to this point the disputes between the Lutherans and the Zwinglians concerned chiefly the doctrine of the holy Lord's Supper. But when Calvinism arose, other doctrines too were drawn into the controversy, especially those concerning the communication of the divine attributes and the communion of the two natures in Christ, concerning election by grace, and concerning Baptism.

Calvinism spread more and more; it found many adherents even among those who outwardly professed the Augsburg Confession, who therefore received the name of Crypto-Calvinists, that is, secret Calvinists. And who would have thought that Wittenberg of all places — where the pure doctrine had first gone forth through God's precious instrument Dr. M. Luther and had been spread throughout the whole world — would become the hiding place of these secret Calvinists! Yet Luther had already, in 1537, during his illness at Schmalkalden, predicted that he suspected there would be division and change in doctrine at Wittenberg after his death. For it did not escape his keen eye how not only Melanchthon, but also others among the Wittenberg theologians, were beginning to waver. Once, words written in Luther's own hand were found on the table in his room: "Nostri theologi examinandi sunt de coena," that is, our theologians ought to be searched in conscience on the point of the Lord's Supper. Luther complained repeatedly, especially around the years '43 and '44, that he did not know at all where he stood with Melanchthon in the matter of the Sacrament. To be sure, Melanchthon had on several occasions publicly declared himself for the evangelical truth against the Zwinglians. In 1537 he wrote to the Elector that with the Zwinglians it was only presumption, wickedness, and a delusion of reason, with which one could not stand before God. In the year 1540 he affirmed in his testament that he intended to remain faithful to the doctrine of the Wittenberg Concord until death. He also signed, in 1542, a Responsum of the entire theological faculty against the Zwinglians. Nevertheless, on various occasions he showed an inclination toward the Zwinglians. This inclination moved him to an unauthorized alteration of the Augsburg Confession, in that he changed the tenth article on the holy Lord's Supper in such a way that the Calvinists could conceal their error under it. And since he incorporated this altered confession into his corpus doctrinae, which was introduced as a Christian textbook in most of the churches and schools of Saxony, the old, unaltered Augsburg Confession was thereby almost entirely displaced. Although Melanchthon did not publicly declare himself for the Calvinists, he nevertheless stood in confidential correspondence with them and did not oppose their activity in any way. He allowed the Calvinists to force their way in everywhere. By about the year 1566 — that is, six years after Melanchthon's and twenty years after Luther's death — matters had come to such a pass that the evangelical-Lutheran doctrine was still publicly current in only a few places in and outside Saxony. How far the leaven of Calvinist doctrine had corrupted the pure confession at Wittenberg can be seen from the confession of the Wittenbergers on the holy Lord's Supper, which the Elector August had demanded of them and which had been drawn up by Paul Eber; in it they admit — flatly contrary to Luther's teaching — that the ungodly receive in the Supper nothing more than the reception of the bread and wine. In the year 1571, at the instigation of Dr. Caspar Peucer (Melanchthon's son-in-law), a catechism appeared, by means of which Calvinism sought to gain entrance into schools and families as well. But on account of this catechism a convention of the Lüneburg and Brunswick theologians, who were devoted to the pure doctrine, was held at Celle, and the new Wittenberg catechism was refuted in many writings. Thereupon the Wittenbergers published a vehement writing entitled The Foundation Concerning the Person and Incarnation of Our Lord Jesus Christ, etc., which, however, was assuredly nothing less than a foundation of pure doctrine, since in it they asserted all sorts of propositions detrimental to the person and honor of Christ. Through some other writings as well, the Wittenbergers revealed their falling away from Luther's teaching and their preference for Calvinism. They carried this on until the pious Elector August, earnestly concerned for the welfare of the Church, investigated the matter after receiving manifold warnings from various quarters. He summoned the Wittenberg theologians to a convention at Torgau, where certain doctrinal articles were laid before them, which they were to answer with Yes or No. Those who would not consent to sign were placed under arrest; but when they finally resolved to sign under certain conditions, they received their freedom again, but at the same time also the