# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 04 20_S91 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) 3. Alle, die in IEſum Chriſtum getauft ſind, die ſind in ſeinen Tod getauft, und durch die Taufe mit ihm in ſeinen Tod begraben, und haben Chriſtum angezogen. 4. Die Taufe iſt das Bad der Wiedergeburt, darum, daß in derſelben wir von neuem gebo— ren und mit dem Geiſt der Kindſchaft verſiegelt und begnadet werden. 5. Es ſei denn, daß jemand geboren werde aus dem Waſſer und Geiſt, ſo kann er nicht in das Reich Gottes kommen: Doch iſt der Noth— fall hier nicht gemeint. 6. Was vom Fleiſch geboren iſt, das iſt Fleiſch, und von Natur ſind wir alle Kinder des Zorns Gottes, denn aus ſündlichem Sa⸗ men ſind wir gezeuget, und in Sünden werden wir allt empfangen. Der vierte Artikel. Von der Gnadenwahl und ewiger Verſehung Gottes. Diereine und wahrhaftige Lehre unſerer Kirchen von dieſem Artikel. 1. Daß Chriſtus für alle Menſchen geſtor— ben, und als das Lamm Gottes der ganzen Welt Sünde getragen hat. 2. Daß Gott Niemanden zur Verdammniß geſchaffen, ſondern will, daß allen Menſchen geholfen werde, und ſie zur Erkenntniß der Wahrheit kommen. Befiehlet allen, daß ſie ſeinen Sohn Chriſtum in dem Evangelio hören ſollen, und verheißt dadurch Kraft und Wir— kung des heiligen Geiſtes zur Bekehrung und Seligkeit. 3. Daß viele Menſchen durch ihre eigene Schuld verdammt werden, die entweder das Evangelium von Chriſto nicht hören wollen, oder aus der Gnade wieder ausfallen durch Irrthum wider das Fundament, oder durch Sünde wider das Gewiſſen. 4. Daß alle Sünder, die Buße thun, zu Gnaden angenommen und keiner ausgeſchloſſen werde, wenn ſeine Sünden gleich blutroth wä— ren. Sintemal Gottes Barmherzigkeit viel größer iſt, denn aller Welt Sünde, und Gott ſich aller ſeiner Werke erbarmet. ** Falſche und irrige Lehre der Calviniſten. Vom heiligen Nachtmahl. 1. Daß obgeſetzte Worte Chriſti figürlicher Weiſe zu verſtehen ſeien, und nicht wie ſie lauten. 2. Daß im Abendmahl nur bloße Zeichen ſeien, abey der Leib Chriſti ſei ſo weit von dem Brod, als der höchſte Himmel von der Erden. 3. Daß Chriſtus allda gegenwärtig ſei nur mit ſeiner Kraft und Wirkung, und nicht mit ſeinem Leibe, gleich wie die Sonne mit ihrem Schein und Wirkung hienieden auf Erden ge— genwärtig und kräftig iſt, aber die Sonne ſelbſt iſt droben im Himmel. 4. Daß es ein typicum corpus, ein figürli⸗ cher Leib ſei, der nur bedeutet und vorgebildet werde. 5. Daß er allein mit dem Glauben, welcher ſich hinauf in den Himmel ſchwingt, und nicht mündlich empfangen werde. 91 6. Daß ihn allein die Würdigen empfahen, die Unwürdigen aber, ſo ſolchen Glauben nicht haben, der hinauf in den Himmel ſteigen kann, nichts denn Brod und Wein empfahen. * * * Falſche und irrige Lehre der Calviniſten: Von der Perſon Chriſti, ſo vornehmlich wider den dritten und vierten Artikel reiner Lehre ſtreitet. 1. Daß Gott Menſch iſt und der Menſch Gott ſei, das ſei eine figürliche Rede. 2. Daß die Menſchheit mit der Gottheit nicht in der That und Wahrheit, ſondern allein nach dem Namen und Worten Gemeinſchaft habe. 3. Daß Gott unmöglich ſei mit aller ſeiner Allmacht, zu verſchaffen, daß Chriſti natürli— cher Leib auf einmal mehr, denn an einem Orte ſei. 4. Daß Chriſtus nach ſeiner Menſchheit durch ſeine Erlöſung allein erſchaffene Gaben und gemeſſene Gewalt empfangen habe, und nicht alles wiſſe und vermöge. 5. Daß Chriſtus nach ſeiner Menſchheit ab⸗ weſend regiere, gleichwie der König von Hi— ſpanien über die neuen Inſeln regieret. 6. Daß eine verdammliche Abgötterei ſei, wenn man das Vertrauen und den Glauben des Herzens auf Chriſtum nicht allein nach ſeiner Gottheit, ſondern auch nach ſeiner Menſchheit ſetzet und die Ehre der Anrufung darauf richtet. * * Falſche und irrige Lehre der Calviniſten. Von der heiligen Taufe. 1. Die Taufe ſei ein äußerlich Waſſer-Bad, damit eine innerliche Abwaſchung von Sünden allein bedeutet werde. 2. Die Taufe wirke oder gebe nicht die Wie— dergeburt, den Glauben, Gnade Gottes und Seligkeit, ſondern bezeichne und verſiegle allein dieſelbige. 3. Nicht alle, die mit Waſſer getauft werden, erlangen hiemit die Gnade Chriſti oder Gabe des Glaubens, ſondern allein die Auserwähl— ten. 4.Die Wiedergeburt geſchehe nicht in und bei der Taufe, ſondern erſt hernach bei erwachſenen Jahren, in etlichen auch wohl gar im Alter. 5. Die Seligkeit hange nicht an der Taufe, daher denn auch die Nothtaufe in der Kirche nicht ſoll geſtattet werden, ſondern, wenn man den Kirchendienſt nicht haben mag, ſoll das Kindlein immer ohne Taufe ſterben. 6. Der Chriſten Kinder ſind heilig vor der Taufe und von Mutterleibe an, ja noch in ihrer Mutter Leib, in dem Bunde des ewigen Lebens, ſonſt könnte ihnen die heilige Taufe nicht mitgetheilt werden. * * Falſche und irrige Lehre der Calviniſten. Von der Gnaden⸗Wahl und Verſehung Gottes. 1. Daß Chriſtus nicht für alle Menſchen, ſon⸗ dern allein für die Auserwählten geſtorben ſei. 2. Daß Gott den meiſten Theil der Men⸗ ſchen zur ewigen Verdammniß geſchaffen, und wolle nicht haben, daß ſie bekehrt und ſelig werden. * 3. Daß die Auserwählten und Neugebornen nicht können den Glauben und heiligen Geiſt verlieren und verdammt werden, wenn ſie gleich allerlei große Sünde und Laſter begehen. 4. Die, ſo nicht erwählt ſind, müſſen ver⸗ dammt werden, und können nicht zur Seligkeit kommen, wenn ſie gleich tauſendmal getauft würden und täglich zum Abendmahl gingen, auch ſo heilig und unſträflich lebten, als es immer möglich. Puſeyismus — Jeſuitismus. Herr Redacteur! Als ich jüngſt in Ihrem Blatte die Jeſuiten⸗ moral las, wurden in mir Erinnerungen aus meinem Aufenthalte in England geweckt, die es mir zur Pflicht machen, folgende Thatſachen zu veröffentlichen, als welche einen der vielen Beweiſe liefern dürften, daß die Jeſuiten un— ſerer Tage denſelben ſchändlicheen Grund⸗ ſätzen huldigen, die jeder ehrbare Weltmenſch, geſchweige denn ein Chriſt an ihren Vätern verdammen muß. — Es ſind nun über drei Jahre her, daß ich von Londoner Freunden nach Oxford als deutſcher Sprachmeiſter em⸗ pfohlen wurde. Der Name meines Lehrers, des Philologen Thierſch in München, ver⸗ ſchaffte mir bald Eintritt in die vornehmſten Collegien (colleges) dieſer alten Univerſität. Aber auch bald merkte ich, an welch einen un⸗ heimlichen, unſauberen Ort ich gerathen ſei. Hatte ich früher in München Gelegenheit ge— habt, die ſchamloſe Proſelytenmacherei der Römlinge verabſchenen zu lernen, ſo war ich hier vom Regen in die Traufe gekommen; denn hier fand ich ganze Zünfte von anglo⸗ katholiſchen Jeſuite —die Puſeyiten mit dieſem Namen zu belegen, wird das Fol⸗ gende rechtfertigen. An Gelehrſamkeit die er⸗ ſten, an Gewandtheit und Schmiegſamkeit die trefflichſten, mußte ich hören, wie ſie ſich jedes Talentes unter den jungen Studenten durch al⸗ lerlei arge Kunſtgriffe zu bemächtigen trachteten. Da gab's nach ihrer beredten Darſtellungsweiſe keine ruchloſeren Menſchen, als die alten Re⸗ formatoren der Kirche, über die man laut das Anathema ausſprach; da war der heilige Geiſt nirgends zu finden, als in der Römiſchen Kirche, wo er zu der Apoſtel Zeit von Hand zu Hand durch die Weihe auf die Biſchöfe übergegangen ſei, wo ſich— in Cölibat, Möncherei, Faſten ꝛc. allein das heilige Leben, und in ihren Gottes⸗— dienſten, d. i. in ihrem gottesläſterlichen Meß⸗— opfer allein die wahrhaft an dächtigen Ge⸗ bärden und die rechte Gottesverehrung (Worshipping) fänden; da las man mit Be⸗ wunderung die theologiſchen Schriften der al⸗ ten franzöſiſchen Jeſuiten und fand nur in ih- nen die alte Gelehrſamkeit; da wußte man nur der römiſchen Hure Lob zu ſingen, als die die rechte Kirche ſei. Und das thaten Män⸗ ner, die dazumal noch alle äußerlich zur engliſchen Hochkirche gehörten, von ihr Pfründen zogen, ihre Lehrſtühle einnahmen, ihre 39 Artikel des Glaubens beſchworen hatten.“) *) Hieraus erſieht der Leſer, was für Leute es ſind, die der 39