Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 3, Nummer 6 › Seite 33

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1846-11-17, Seite 33

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Freiheit. —— 2 · Gemeindeéordnungen 5 · Gemeindeéordnungen 6 · Heiligung 10 · Zeremonien 2 · Taufe 52 · Taufe 62

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der Hirtenſtimme! wollt ihr den Baum an ſei—

nen Früchten erkennen lernen, ſo nehmt doch,

ich bitte euch, Dr. Luthers kleinen Katechismus
zur Hand, (den Hr. Weyl wenigſtens verlernt
zu haben ſcheint). Da werdet ihr im vierten
Hauptſtück über das Weſen der heil. Taufe
ganz anders berichtet: nehmlich, daß ſie iſt —
nicht bloß bedeutet — „ein Bad der Wiederge—
burt und Erneuerung des heil. Geiſtes, Tit. 3.“
und auf die Frage: „Was gibt oder nützt die
Taufe?“ die Antwort finden: „Sie wirket
Vergebung der Sünden, erlöſet von Tod und
Teufel, und gibt die ewige Seligkeit allen, die
es gläuben, wie die Worte und Ver⸗
heißung Gottes lauten.“ Ihr wer—
det ferner aus der Antwort auf die Frage:
„Was bedeutet denn ſolch Waſſertaufen?“ er—
ſehen, dah „der alte Adam in uns durch
tägliche Reue und Bußt ſoll erſäufet wer—
den“ u. ſ. w., mithin nicht einmal durch die
heil. Taufe (vielweniger durch die Confirmati on)
gänzlich verſchwindet, wohlhaber ſeine
Herrſchaft über den gläubigen Täufling ver—
liert. Wer aber, wie Hr. Weyl, der „täglichen
Erfahrung“ entgegen, den alten Menſchen nicht
fühlt, der glaube doch der Schrift, was ſie da⸗
von ſagt Röm. 7. und Gal. 5. Wollte auch
ein gelehrter Lutheraner nach der neuen Mode
noch einwerfen: daß ja in dieſer Frage auch
von einer Bedeutung die Rede ſei, ſo gebt
darauf zur Antwort: daß dieſe Bedeutung nicht
auf die ganze Taufhandlung, ſondern nur
auf einen Theil derſelben, auf das Untertau⸗
chen oder Begießen mit Waſſer, zu beziehen ſei.
Macht er weitere Einwände, ſo verweiſet ihn
auf Dr. Luthers großen Katechismus.

Gott woll ausrotten alle Lahr,

Die falſchen Schein uns lehren;

Darzu ihr Zung ſtolz offenbar

Spricht: Trotz, wer wills uns wehren?

Wir habens Recht und Macht allein:

Was wir ſetzen, das gilt gemein,

Wer iſt, der uns ſoll meiſtern?

Doch, ſolche bodenloſe Aufſätze mit Gottes
Wort und Luthers Lehr zu widerlegen,
das vermag anch

Ein unſtudirter Laie.
Führt das alte Lutherthum nach Rom?
(Fortſetzung.)

Wir haben in voriger Nummer erinnert, und
jeder unparteiiſche Leſer wird uns hierin bei⸗
pflichten, daß die alte lutheriſche Kirche zwar
einige Ceremonien mit der römiſchen Kirche
gemein habe, daß aber eine gewiſſe Ueberein—
ſtimmung dieſer Kirchen in einigen äußerlichen
Gebräuchen da ſein könne, ohne daß gerade
eine innerliche Verwandtſchaft derſelben ſtatt
finden müſſe.

Es entſteht daher die Frage: In welchem
Falle würde man aus dem Gebrauche gewiſſer
Ceremonien in der alten luth. Kirche mit Recht
den Schluß ziehen, daß das alte Lutherthum
nach Rom führe? Wir antworten: I. wenn
die luth. Kirche mit den kirchlichen Ceremonien
auch die falſche Lehre der Römiſchen
von denſelben angenommen hätte, und 2. wenn

33

die luth. Kirche auch die wider Gottes
Wort ſtreitenden Gebräuche der
römiſchen Kirche, und zwar unter dieſen gerade
diejenigen beibehalten hätte, die etwas der
römiſchen Kirche Eigenthümliches
enthalten, zum eigentlichen Weſen des Pabſt—
thums gehören und zu deſſen Begünſtigung
und Stützung eingeführt worden ſind. Erwieſe
ſich bei angeſtellter genauer Unterſuchung und
Vergleichung, daß die luth. Kirche von ihren
Ceremonien ganz anders lehrt, als die römiſche,
jene recht, dieſe falſch; erwieſe ſich, daß die lu—
theriſche Kirche nur die guten, heilſamen Ge—
bräuche der römiſchen nach 1 Theſſ. 5, 21. be⸗
halten hätte, die mit dem Pabſtthum in gar kei—
ner Verbindung ſtehen, die vielleicht ſchon vor
dem Aufkommen des Pabſtthums, in der beſten
Zeit der Kirche üblich waren: dann erwieſe ſich
auch die Beſchuldigung als offenbar falſch,
daß das alte Lutherthum durch ſeine Ceremo—
nien nach Rom führe, es zeigte ſich dann nur,
daß die lutheriſche Kirche zur Zeit der Refor—
mation nicht mit Unverſtand geeifert, oder wie
wir Deutſchen ſagen, das Kind nicht mit dem
Bade ausgeſchüttet habe. Es kommt auf die
Probe an, und dieſe wollen wir jetzt machen.
Wie lehrt die römiſche, ſogenannte katholiſche
Kirche von ihren menſchlichen Einrichtungen,
Ceremonien oder kirchlichen Gebräuchen? Wir
finden dies in ihren öffentlichen, allgemein an—
erkannten Symbolen oder kirchlichen Bekennt—
nißſchriften klar und deutlich. Unter andern
heißt es in den Beſchlüſſen der zu Trient ge—
haltenen Kirchenverſammlung alſo: „Wer da
ſagt, daß die angenommenen und approbirten
Gebräuche der katholiſchen Kirche, welche bei der
Feier der Sacramente beobachtet zu werden pfle-
gen, entweder verachtet oder ohne Sünde von
den Dienern der Kirche nach Willkür unterlaſ—
ſen, oder daß dieſelben durch einen jeden Pfar—
rer mit neuen andern vertauſcht werden könn⸗
ten: der ſei verflucht.“ (Concil. Trid. Sess. 7.
Can. 13.) An einer andern Stelle deſſelben
Bekenntniſſes heißt es: „Die heilige Synode
beſchließt, daß die Biſchöfe ... durch ſchrift—
liche Verordnung und mit vorgeſetzten
Strafen verhüten ſollen, daß die Prieſter
zu keinen andern als den gehörigen (debitis)
Stunden Meſſe halten, noch ſich anderer Ge—
bränche oder anderer Ceremonien und Gebete
bei Haltung der Meſſe bedienen, als derjenigen,
welche von der Kirche geprüft und durch häufi—
gen und löblichen Gebrauch angenommen wor—
den ſind. (Sess. XXII Decret. de obs. et
evit. ete.) Ferner heißt es: „Deßgleichen
hat ſie (die Kirche) Ceremonien in Gebrauch
genommen, als, geheimnißvolle Segenſprechun—
gen, Lichter, Räucherungen, Kleider, und der—
gleichen vieles andere, wach apoſtoliſcher
Ordnung und Tradition (Ueberliefe⸗
rung).“ (Sess. XXII. Sacr. miss. cap. 5.)
Endlich heißt es: „Obgleich Chriſtus der HErr
dieſes hochwürdige Sacrament unter der Geſtalt
des Brodes und Weines eingeſetzt und den
Apoſteln überliefert hat, . .. ſo hat ſie (die
Kirche) doch dieſe Gewohnheit unter Einer
Geſtalt zu communiciren (im heil. Abendmahl
den Laien nur das Brod zu geben) approbirt

und beſchloſſen, daß ſie für ein Geſetz gehalten
werde, welche zu verwerfen oder ohne Vollmacht
der Kirche ſelbſt nach Willkür zu ändern nicht
erlaubt iſt.“ (Sess. XXI. Doctr. de comm.
cap. 1. 2.9

Aus dieſen Beſchlüſſen iſt deutlich zu erſehen,
daß in der römiſchen Kirche die Gewiſſen an
die Ceremonien gebunden, die Unterlaſſung
oder Veränderung ſelbſt der geringſten Stücke
derſelben zur Sünde gemacht und mit Strafen
belegt, und die menſchlichen kirchlichen Verord—
nungen in Betreff der Ceremonien den göttli—
chen Geboten vielfach gleichgeſtellt, ja über
dieſelben geſetzt werden. Daher muß denn auch
jeder, welcher zum Pabſtthum übertritt, den
ganzen Wuſt der römiſchen Ceremonien ſogar
mit beſchwören. Denn alſo heißt es in
der Professio fidei, oder in dem römiſch-katho⸗
liſchen Religionseid: „Ich nehme auch auf
das feſteſte an die apoſtoliſchen und kirchlichen
Traditionen und die übrigen Gewohnheiten
und Verordnungen derſelben Kirche. Auch
nehme ich an und laſſe zu die angenommenen
und approbirten Gebräuche der katholiſchen
Kirche bei feierlicher Verwaltung aller (ſieben)
Sacramente.“

Stimmt nun die lutheriſche Kirche vorerſt in
dieſer Lehre von den Ceremonien mit der rö—
miſchen überein? Das ſei ferne! Vielmehr
unterſcheidet unſere Kirche menſchliche und
göttliche Gebote auf das allerſtrengſte, bewacht
das Kleinod derſchriſtlichen Freiheit mit einer
Treue, die man bei andern Kirchen vergeblich
ſucht, und erklärt gerade die Lehre der römi⸗
ſchen Kirche von den Ceremonien für einen der
greulichſten Greuel derſelben.

Unter anderen heißt es im 7. Artikel der
Augsburgiſchen Confeſſion: „Denn dieſes iſt
genug zu wahrer Einigkeit der chriſtlichen Kir⸗
chen, daß da einträchtiglich, nach reinem Ver⸗
ſtand das Evangelium gepredigt, und die Sa—
crament dem göttlichen Wort gemäß gereicht
werden. Und iſt nicht Noth zu wah⸗
rer Einigkeit derſchriſtlichen Kir⸗
chen, daß allenthalben gleichför⸗
mige Ceremonien, von den Men⸗
ſcheneingeſetzt, gehalten werden,
wie Paulus ſpricht Epheſ. 4: Ein Leib, ein
Geiſt, wie ihr berufen ſeid zu einerlei Hoffnung
eures Berufs, ein HErr, ein Glaube, eine
Taufe.“

Ferner heißt es im 15. Artikel derſelben Con⸗
feſſion: „Von Kirchen-Ordnung, von Men⸗
ſchen gemacht, lehrt man diejenigen halten, ſo
ohne Sünde mögen gehalten werden, und zu
Friede und guter Ordnung in der Kirchen die⸗
nen, als gewiſſe Feier, Feſta und dergleichen.
Doch geſchieht Unterricht dabei, daß man die
Gewiſſen nicht damit beſchweren
ſoll, als ſei ſolch Ding nöthig zur Seligkeit.“

Weiter heißt es im 26. Artikel: „Auch wer—
den dieſes Theils viel Ceremonien und Tradi⸗
tion gehalten, als, Ordnung der Meſſer), und
andere Geſäng, Feſt ꝛc., welche dazu dienen,
daß in der Kirchen Ordnung gehalten werde—

*) Meſſe heißt hier, wie in vielen Schriften aus der Zeit
der Reformation, ſo viel als: heiliges Abendmahl.

English translation AI translation

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[Translation begins mid-sentence, continuing an article from the previous page of this issue, not included in this excerpt.]

...of the Hirtenstimme! If you want to learn to know the tree by its fruits, then take, I beg you, Dr. Luther's Small Catechism in hand (which Mr. Weyl seems to have at least forgotten), and there you will be instructed quite differently in the Fourth Chief Part concerning the nature of Holy Baptism: namely, that it is — not merely signifies — "a washing of regeneration and renewing of the Holy Ghost, Titus 3," and to the question "What does Baptism give or profit?" you will find the answer: "It works forgiveness of sins, delivers from death and the devil, and gives eternal salvation to all who believe, as the words and promise of God declare." You will further see from the answer to the question "What does such baptizing with water signify, then?" that "the old Adam in us should be drowned by daily contrition and repentance," etc., and thus does not entirely disappear even through Holy Baptism (much less through Confirmation), but rather loses its dominion over the believing baptized person. But whoever, like Mr. Weyl, contrary to "daily experience," does not feel the old man, let him at least believe Scripture, what it says of this in Romans 7 and Galatians 5. Should even some learned Lutheran, after the new fashion, still object that in this question there is also talk of a "signifying," then answer him that this signifying refers not to the whole act of Baptism, but only to a part of it — to the immersing or pouring with water. If he raises further objections, refer him to Dr. Luther's Large Catechism.

May God root out all doctrine
that teaches us false pretense;
whereupon their tongue, proud and open,
declares: Defiance — who will hinder us?
We alone have the right and the power:
what we decree shall count for all;
who is there to master us?

Yet to refute such groundless writings by means of God's Word and Luther's teaching — even an unlearned layman is capable of that.

Does Old Lutheranism Lead to Rome?

(Continued.)

We noted in the previous number — and every impartial reader will agree with us on this — that the old Lutheran Church does indeed have certain ceremonies in common with the Roman Church, but that a certain agreement between these churches in some external customs can exist without there necessarily being any inward kinship between them.

The question therefore arises: in what case would one rightly conclude, from the old Lutheran Church's use of certain ceremonies, that old Lutheranism leads to Rome? We answer: 1. if the Lutheran Church, together with the ecclesiastical ceremonies, had also adopted the false doctrine that the Roman Church holds concerning them, and 2.

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if the Lutheran Church had also retained those customs of the Roman Church that conflict with God's Word — and, among these, precisely those that contain something peculiar to the Roman Church, belong to the very essence of the papacy, and were introduced to favor and support it. If, upon careful investigation and comparison, it were shown that the Lutheran Church teaches something quite different from the Roman Church regarding its ceremonies — the former rightly, the latter falsely; if it were shown that the Lutheran Church had retained, in accordance with 1 Thessalonians 5:21, only the good and wholesome customs of the Roman Church, customs that have no connection whatsoever with the papacy and that were perhaps already in use before the rise of the papacy, in the best age of the Church — then the charge that old Lutheranism leads to Rome through its ceremonies would likewise prove plainly false, and it would show only that the Lutheran Church, at the time of the Reformation, did not act with rash zeal, or, as we Germans say, did not throw out the baby with the bathwater. Everything depends on the test, and this test we will now make.

How does the Roman, so-called Catholic Church teach concerning its human institutions, ceremonies, or ecclesiastical customs? We find this clearly and plainly stated in its public, generally recognized symbols or confessional writings. Among other things, the decrees of the Council held at Trent state: "Whoever says that the received and approved rites of the Catholic Church, customarily observed in the celebration of the sacraments, may either be despised, or omitted without sin by the ministers of the church at their pleasure, or that they may be changed by any pastor whatsoever to other new ones: let him be accursed." (Council of Trent, Session 7, Canon 13.) At another place in the same confession it says: "The holy Synod decrees that the bishops ... shall, by written ordinance and with prescribed penalties, prevent the priests from celebrating Mass at any hours other than the proper (debitis) ones, or from employing at the celebration of the Mass any other rites or other ceremonies and prayers than those which have been examined by the Church and received through frequent and commendable use." (Session XXII, Decree on the Things to Be Observed and Avoided, etc.) It further states: "Likewise, she (the Church) has taken into use ceremonies, such as mysterious blessings, lights, incense, vestments, and many other such things, according to apostolic order and tradition." (Session XXII, On the Sacrifice of the Mass, chap. 5.) Finally it states: "Although Christ the Lord instituted this most venerable sacrament under the form of bread and wine and delivered it to the apostles, ... yet she (the Church) has approved and decreed this custom of communicating under one kind (that is, of giving the laity only the bread in the Holy Supper), that it be held as a law which it is not permitted to reject or to change at pleasure without the authority of the Church itself." (Session XXI, Doctrine on Communion, chap. 1, 2.)

From these decrees it is clearly to be seen that in the Roman Church consciences are bound to the ceremonies, that the omission or alteration of even the smallest parts of them is made a sin and subjected to penalties, and that the human ecclesiastical ordinances concerning ceremonies are in many respects made equal to the divine commandments — indeed, set above them. Hence everyone who goes over to the papacy must even swear to the whole mass of Roman ceremonies. For thus it stands in the Professio Fidei, or the Roman Catholic oath of religion: "I also most firmly accept the apostolic and ecclesiastical traditions and the other customs and ordinances of the same Church. I likewise accept and admit the received and approved rites of the Catholic Church in the solemn administration of all (seven) sacraments."

Does the Lutheran Church, then, agree with the Roman Church in this doctrine of ceremonies? Far from it! Rather, our Church distinguishes between human and divine commandments in the strictest manner, guards the treasure of Christian liberty with a faithfulness sought in vain among other churches, and declares the Roman Church's very doctrine of ceremonies to be one of the most abominable of its abominations.

Among other things, Article 7 of the Augsburg Confession states: "For this is enough for the true unity of the Christian churches, that the Gospel be preached therein harmoniously according to a pure understanding, and the sacraments be administered in conformity with the divine Word. And it is not necessary for the true unity of the Christian churches that ceremonies instituted by men be observed uniformly everywhere, as Paul says in Ephesians 4: One body, one Spirit, even as you are called in one hope of your calling, one Lord, one faith, one baptism."

Further, Article 15 of the same Confession states: "Of church rites made by men, it is taught that those are to be kept which may be observed without sin, and which serve for peace and good order in the church, such as certain holy days, festivals, and the like. But instruction is given along with this, that consciences are not to be burdened with such things, as though they were necessary to salvation."

Further, Article 26 states: "Also, on this part, many ceremonies and traditions are kept, such as the order of the Mass,*) and other chants, festivals, etc., which serve so that order may be maintained in the church.

*) "Mass" here, as in many writings from the time of the Reformation, means as much as: Holy Communion.

[Continues on the following page.]