Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 1 › Seite 161

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-09-01, Seite 161

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3 · Vater Unſer 3 · Miſſion 26

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Lertvers Seelenſchatz.

Dieſes Buch enthält bekanntlich die ganze
beilslehre in Form von Predigten über Bibel⸗
ſprüche. Es iſt darin ein Schatz von Lehre und
Etfabrung im Chriſtenthum niedergelegt, wie
unſers Wiſſens in keinem andern Erbauungs⸗
buch. Es iſt durch und durch iu einer ebenſo ge⸗
fulbten, als ſchönen fließenden Sprache geſchrie⸗
ben. Es iſt ebenſo reich an erweckenden An⸗
ſprachen für die Sicheren, als an Troſtreden für
Befümmerte und Angefochtene in leiblichen und
geiſlichen Nöthen. Es iſt allenthalben durch—
webt von den intereſſanteſten Geſchichteu. In
velchem Zuſtande ſich auch ein Erbauung und
Unterricht ſuchender Leſer befinden möge, er fin⸗
det darin, was ihm noth thnt. Es iſt ein ebenſo
paſſendes Buch zum Vorleſen in der Familie vor
Kindern und Geſinde, als zum Leſen in einſamer
Sille. Wer das „große“ Buch zu leſen anfängt
Uhnn es nicht weglegen, er habe es denn zu En⸗
de geleſen, und wer dam it zu Ende iſt, wird da⸗
nit wieder anzufangen ſich gedrungen fühlen.
Kutz, das Buch trägt ſeinen Namen mit der
That, es iſt ein „Seelenꝰꝰ⸗„Scha tz.“
Vit empfehlen es daher allen unſern Leſern drin⸗
gend, wenn ſie einen geiſtlichen Brodſchrank, ei⸗
ut geiſtliche Apotheke und eine geiſtliche Lebens⸗
melle ſuchen. Wer das Buch kennt, wird uns
ras Zeugniß geben, daß wir in dieſem Lobe nicht
zu viel thun, ſondern geſtehen müſſen, daß das
Heſagte noch bei weitem nicht erſchöpft, was zu
Empfehlung dieſes Seelenſchatzes geſagt werden
jann.

Zugleich können wir aber auch unſern Leſern
die erfreuliche Kunde geben, daß dieſes Buch,
dis antiquariſch immer ſeltener und um immer
höheren Preis zu haben iſt, wieder aufgelegt wor—
Enmiiit. Es iſt dies von dem ſogen. „evangeli⸗
ſchen Bücher⸗Verein in Berlin“ geſchehen. (Die
Merlage und Expedition des Vereins iſt in
Berlin, Gertraudtenſtraße 22.). Das Werk,
ſunſt einen großen Folianten umfaſſend, iſt her⸗
musgekommen in drei Oktavbänden für den bei⸗
piellos niedrigen Preis von 2 Thalern ungebun⸗
rn, für 2 Thaler 12 Neugroſchen in Pappeband
und für 2 Thaler 28 Neugroſchen in Halbfranz
ebunden. Es verſteht ſich freilich von ſelbſt,
daß das Buch, wenn es hierher kommt, durch
die Koſten des Transportes und des Eingangs⸗
ules um etwas höher zu ſtehen kommt, doch
leibt dann der Preis des werthvollen Buches
noch inmer außerordentlich niedrig.

Der genannte Bücherverein hat übrigens noch
uihtere andre Ker nſchriften aufgelegt und ver⸗
hiiitet dieſelbenin Folge der Wohlfeil heit in zahllo⸗
ſen Eremplaren. Von Lutbers Hauspoſtille al⸗
ltin hat er mehr als eine Million Exemplare be⸗
Rits abgeſett. Jetzt gibt er eine Bilderbibel mit
J0 ſchönen Holzſchnitten heraus für 1 Thaler 20
Mugroſchen. Alle von dem Verein herausgege⸗
benen Schriften haben freilich nicht denſelben
Vath und können nicht unbedingt empfohlen
verden; dahin gehört unter Andern Jung Stil⸗
lings „Selbſtbiographie,“ die bekanntlich von
Schwärmereien u. religionsmengeriſchen Grund⸗
ſizen nicht frei iſt. Hoͤchſt zu rühmen iſt an dem

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Verein, daß er, was er auflegt, in unveränderter
Geſtalt und vollſtändig wieder gibt, was bekannt⸗
lich die hieſige amerikaniſche Traktatgeſellſchaft
nicht thut und dadurch den Segen verhindert,
den ein rechtgläubiger Chriſt aus ihren ſonſt ſo
ſchön ausgeſtatteten und ſo billigen Veröffentli⸗
chungen ziehen könnte.

Wie es in gut „catholiſchen“ Ländern
ietzt aus ſiebt.

Eine Hauptwaffe, welche jetzt die Papiſten
zur Schändung des Werkes der lutheriſchen Kir⸗
chenreformation gebrauchen, iſt, daß ſie auf die
Herrſchaft des Unglaubens und des revolutio⸗
nären Geiſtes hinweiſen, welche ſich in den pro⸗
teſtantiſchen Ländern jetzt zeigt. Zu dieſem
Vorfall ſoll nichts anderes, als eben die Refor⸗
mation den Grund gelegt haben. Wie unwahr
dies iſt, zeigt der Zuſtand, in welchem ſich gegen⸗
wärtig die ſogenannten gut catholiſchen Länder,
wie Spanien, Frankreich, Italien ꝛc., befinden.
Wenn irgendwo, ſo äußert ſich hier das Verder⸗
ben, welches eine Frucht der Reformation ſein
ſoll. Um nur Ein authentiſches Zeugniß dafür
anzuführen, ſo ſchreibt ſelbſt der hieſige jeſuitiſche
„Herold des Glaubens“ von Spanien, wo be⸗
kanntlich das Lutherthum ſchon im 16. Jahr⸗
hundert durch die blutigen Gräuel der Inqui⸗
ſition mit Stumpf und Stiel ausgerottet worden
iſt, Folgendes:

„Aufklärung der Preſſe in Spa⸗
nien. — Nicht unſer großes Amerika allein
huldigt dem Fortſchritte und der Aufklärung-
namentlich in ſeiner Preßfreiheit, auch Spanien
will nun nicht zurückbleiben. Wir leſen in dieſer
Beziehung in einem Artikel, datirt von Madrid
folgende Aufſchlüſſe: „Es iſt traurig anzuſehen,
wie die Preßfreiheit in unſerm Lande mißbraucht
und namentlich zur Untergrabung des alten ka⸗
tholiſchen Glaubens unſeres Volkes benutzt wird.
Von unſern Zeitungen huldigen die meiſten in
der Politik und in der Religion dem vulgären
Liberalismus, Rationalismus; mehrere haben

in der letzten Zeit ihre Angriffe gegen Sittlich⸗
keit in den frivolen Feuilletons und ihre Angriffe
gegen die Kirche in ihren Leitartikeln ſo weit ge⸗
trieben, daß einige Biſchöfe es für ihre Pflicht
gehalten, in Hirtenbriefen vor ihnen zu warnen.
Die ſchlechten franzöſiſchen Romane finden in
Spanien ſo gut ihre Ueberſetzer, wie in Deutſch⸗
land. Das ſtärkſte Produkt der liberalen Auf⸗
klärung verſpricht aber eine Volksbibliothek zu
werden, zu welcher eben der Proſpektus ausge⸗
geben iſt. Der Titel lautet: „Bibliothek des
freien Menſchen, wohlfeile Sammlung der aus⸗
gewählteſten Werke der aus gezeichnetſten Philoſo⸗
phen, Publiciſten, Geſchichtsſchreiber und Red⸗
ner aller Schulen und Parteien“ u. ſ. w. In
welchem Geiſte dieſe Sammlung angelegt werden
ſoll, zeigt die Illuſtration des Proſpektus, worin
auf der einen Seite die Namen Moſes, Plato,
Jeſus Chriſtus, Plutarch, Tacitus, Muhamed,
Luther, Rouſſeau, Voltaire, Feijoo ſtehen, auf der
andern Seite die Namen Franklin, Kant, Mira⸗
bau, Ventham, Marina, Florente, Fourier, Lam⸗
mannais, Proudhon, Lamartine. Es iſt zu

hoffen, daß die Sammlung nicht erſcheint, aber
daß man nur einen ſolchen Proſpectus auszu⸗
geben wagt, iſt ein ſchlimmes Zeichen.“

Ein Jeſuitenſtücklein.

Im Jahre 1589 gaben die Jeſuiten ein zu
Mainz gedrucktes Büchlein, ohne ſich jedoch
zu nennen, heraus unter folgendem Titel:
„Enchiridion, der kleine Catechismus für ge⸗
meine Pfarrherrn und Prediger, gemehret und
gebeſſert aus Dr. Martini Lutheri Schriften und
Büchern.“ In dieſenCatechismus hatten nun die
Jeſuiten nicht nur lauter ſolche Stellen aus den
früheren Schriften Luthers aufgenommen, in
denen Luther noch papiſtiſche Irrthümer aus⸗
ſpricht (denn Luther iſt bekanntlich nicht in einem
Augenblick, ſondern erſt nach und nach zur vollen
Erkenntniß der Falſchheit der römiſchen Lehren
und zur vollen Erkenntniß der Wahrheit gekom⸗
men), ſondern ſie hatten auch auf den Titel die
Worte hinzugeſetzt: „Zu Wittenberg gedruckt,“
damit man meinen ſollte, die Lutheraner hätten
dieſen Catechismus ſelbſt herausgegeben u. ach⸗
teten die Ausſprüche, welche Luther gethan hat,
da er noch im Pabſtthum ſtak, auch für lutheriſche
Lehre. Es iſt das freilich ſo, als wenn jemand
Paulo die falſchjüdiſche Lehre vorhalten wollte,
die er vor ſeiner Bekehrung bekannt hatte, zu
einem Beweis, daß er ſich ſelbſt widerſpreche.
Siehe Dich darum vor, lieber lutheriſcher Leſer,
wenn die Jeſuiten etwas aus Luthern eitiren.
Siehe nach, ob, was ſie anführen, aus früheren
oder ſpäteren Schriften genommen iſt, ja ſieh
auch darnach, ob auch wirklich das in Luthers
Werken ſich findet, was Jeſuiten mit Angabe
von Band und Seite anführen, denn, wie im
„Lutheraner“ ſchon erzählt worden, oft führen
die Jeſuiten auch ſolche Sätze als Luthers Worte
an, die nirgends zu finden und die Luthern nie
in den Sinn gekommen ſind.

Aus der Geſchichte des Dogma
vom Fegfeuer.

Erasmus Franzisci erzäͤhlt, einſtmals ſei der
ſpaniſche Herzog von Villa Medina in eine
Kirche eingetreten, wo man ihm ſogleich einen

Erlöſung der armen Seelen aus dem Fegfeuer
aufzulegen. Der Herzog fragt: wie viel es denn
ſein müſſe, eine Seele zu erlöſen? Als uan
ihm antwortet, er möge nach Gefallen geben,
legt er zwei Dublonen auf, und fragt nun wei⸗
ter: ob denn die Seele nun auch wirklich fret
wäre? Man antwortet: Allerdings! Hierauf
nimmt der Herzog ſchnell ſeine Dublonen wieder
vom Teller und ſpricht: „Das Geld hat nun
ſeine Dienſte gethan und die arme Seele aus der
Gefahr, wieder in das Fegfeuer zu gerathen, er⸗
rettet; da aber mein Geld ſelb ſt in Gefahr ſteht,
nicht wieder in meinen Beutel zu kommen, ſo
muß ich in Zeiten zugreifen. — Der Herzog
ſcheint Eines Glaubens mit dem gelehrten Fran⸗
zoſen Patin geweſen zu ſein, welcher von dem
Fegfeuer ſagt, daſſelbe ſei allein dazu angezün⸗
det, die Töpfe der Geiſtlichen warm zu machen
und die Küchen derſelben zu verſehen.

——

Teller präſentirt habe, mit der Bitte, etwas zur

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