Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 1 › Seite 157

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-09-01, Seite 157

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3

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7

Das Urtbeil das wir dort fällten (vornäml.“

nach Maaßgabe des Abſchn. 1. Fr. 61-69.)
ſindet hier (in dem Abſchn. v. der An bet. Got⸗
tes) leider keine Entkräftigungsgründe, denn
die entſchiedene Sprache die der Vf. hier
führt und die unverantwortliche Weglaſſung
des Sohnes und des heil. Geiſtes in der Frage
von dem Gegenſtande der Anbetung, über⸗
hebt uns alles weiteren Beweiſes, als bürdeten
wir dem Vf. Meinungen auf, die in ſeinen Wor⸗
ten nicht wirklich lägen. 4)

Es iſt aber die Nachweiſung von ſo groben
Stücken von ſolcher Bedeutung, daß es nicht
noth iſt, alle die kleineren Ausſtellungen tt) ei⸗
ner weitläuftigen Kritik zu unterwerfen.

(Fort ſetzung folgt.)

4) Wit viel in Jemandes Worten liege, wird vorn ämlich
erkannt aus den Folgerungen die ſich daraus ergeben. Sind
dieſe nun ſchlußgerecht, ſo iſt der Beurtheilende gerechtfertiget/

es komme auch heraus, was da wolle.
Ob nun das, was in dem vorliegenden Falle herauskommt,

ſo ſchlimm ſei, als es der Schreiber dieſes anſieht, kann nicht

richtig beurtheilt werden, man habe denn zuvor den Artikel
von der heil. Dreieinigkeit richtig und gründlich auf⸗
gefaßt.

Führt dieß den gemeinen Mann auf ungewohnte Höhen,
ſo bedenke man, daß in unſern Zeiten, zumal in Amerika,
der gemeine Mann Anſpruch darauf macht, in derlei Sachen
auch mit ſprechen zu dürfen; und wollte Gott, ſie weiſſageten
Alle!

Hierher gehört ein Wort der Beherzigung abermals aus
unſerm theuren Luther. Es ſindet ſich in ſeiner unvergleichlich
herrlichen Auslegung derletzten Worte Davids⸗
Lulhers Werke A. v. Walch. B. 3. S. 2838., und lautet
wit folgt:

Dieß Alles iſt vielleicht uns Deutſchen ſchon ſcharf oder
ſubtil, und ſollte billiger in den Schulen bleiben. Aber
weil der Teufel den Schwanz reget in dieſer letzten Zeit,
als wollte er gerne allerlei Ketzerei wieder aufwecken u.
die Welt ohne das lüſtern u. toll worden iſt, Neues zu
hören, und überdrüßig der heil ſamen Lehre, (wie St.
Paulus 2 Tim. 4, 3. weiſſaget), damit dem Teufel die
Thüren aufgeſperret ſind, hinein zu führen was er will,

ſo iſt es nütze u. noth, daß doch Etliche beide, Laien
und Gelehrte, ſonderlich Pfarrherrn, Prediger u. Schul⸗
meiſter von ſolchen nöthigen Artikeln unſers Glaubens
auch lernen denken u. deutſch reden.

Wem es aber zu ſchwer iſt, der bleibe
mit den Kindern bei dem Katechismo u.
bete wider den Teufel u. ſeine Ketzerei,
wider Juden u. Mahomed, damit er nicht
geführt werde in Anfechtung.

It) Hierher rechnen wir:

daß der Bf. in den das V. U. betreffenden Säzen nicht
gedenkt
1. der rein en Lehre, ohne und außer welcher der Na⸗
me Gottes nicht kann geheiliget werden
2. des Glaubens, ohne welchen das Reich Gottes
nicht kommen kann
3. des böſen Rathes u. Willens, als da iſt des
Teufels, der Welt und unſers Fleiſches Wille, ohne
deſſen Brechung und Hinderung der Wille Gottes nicht
bei uns geſchehen kann
I. des Wortes Gottes, ohne welches weder reine
Leyre, noch Glaube noch Gehorſam gegen
Gottes Willen ſiattfinden kann.
Frrner:
daß bei Erwählung der lebendigen Erkenntniß Gottes
nicht Rückſicht genommen wird weder auf die Richtig⸗
keit der Erkenntuiß noch auf die Dreieinigkeit

Giottes.

Warum ſagt er nicht:
„reine und lebendige Erkenniniß des dreieinigen
Gottes 2
Jerner, daß die Ausdrücke
von der Iſten Bitte
*leben dige Erkenntuß Gottes
von der Lten Bittt
Auschrtitundderchriſtl. Religton

15⁵

ͤ Beſuch
der Miſſionsſtation Bethanien
(Gratiot C. Mich.) im Febr. 1851.

Den lieben Leſern des Lutheraners iſt es er⸗
innerlich, daß ich vor 3 Monaten über einen
Beſuch in Shebahyonk berichtete. Und zwar
fiel der Bericht in Bezug auf den Plan, Betha⸗
nien und Shebahyonk zu einer einzigen Station
zu vereinigen, recht günſtig aus. Unſere rothen
Brüder in Shebahyonk hatten es für nothwen⸗
dig erkannt, daß eine Vereinigung zu Stande
gebracht werde; ja ſie hatten ſich bereit erklärt,
falls die Bethanier nicht zu ihnen nach Shebah⸗
yonk kommen könnten, ſo wollten ſie ſich beque⸗
men, ihren Wohnort Shebahyonk mit Betha⸗
nien zu vertauſchen. Jedoch hatten ſie die Miſ⸗
ſionscommiſſion ſammt den Miſſionaren erſucht,
vorerſt bei den Bethaniern anzufragen, ob dieſel⸗
ben nich! willig ſein möchten, zu ihnen zu wen⸗
den. Wir verſprachen ihnen das und beſchloſſen
dazu die Eisfahrt auf dem Pine Fluſſe im Monat
Januar oder Februar zu benutzen. So war
mir denn am Mittwoch den 1. Febr. der Miſſio⸗
nar Auch mit zweien ſeiner Indianer bis Sa⸗
ginaw-Eity voraufgeeilt, damit wir am folgen⸗
den Tage von dort in Geſellſchaft des Paſtor
Clöter nach Bethanien weiter zögen. In Be⸗
gleitung eines meiner Gemeindeglieder Stephan
Roth, deſſen Tochter als Magd in Bethanien
dient, holte ich demgemäß meine lieben Amts⸗
brüder vom Pfarrhäuschen in Saginaw ab und
in 2 Schlitten gings nun unſerm erſten Nacht⸗
quartier, den Forks des ſchönen Tittipiwaſſee-
Stromes zu. Obwohl daſſelbe 30 Meilen von
Saginaw entfernt iſt, ſo kamen wir doch nach
wenigen Stunden dort an. Kaum konnten wir
hier bei einem engliſchen Pachter des Farmers
Fitzhugh ein ziemliches Unterkommen für unſre
beiden Roſſe finden, da der elende Blockſtall bei
der ſtrengen Kälte allzufroſtig war; wir ſelbſt
waren natürlich leicht geborgen. Des andern
Morgens waren wir frühe auf, denn eine lange
einſame Reiſe wartete unſer auf dem Pine, ei⸗
nem ſehr reißenden Fluſſe, den wir 45 Meilen

weit hinaufzufahren hatten, ohne nur eine

menſchliche Wohnung oder eine Klärung anzu⸗
treffen. Die erſten 5 bis 6 Meilen glitten unſre
beiden Schlitten leicht dahin; dann aber mehrte
ſich der Schnee, der noch dazu unten mit Waſſer
durchſickert war, weil es einige Tage zuvor ge⸗
thaut hatte. Die engen Ufer des Fluſſes erreichen
gewöhnlich eine Hohe von 20 bis 30 Fuß, wo⸗
durch es veranlaßt wird, daß der Fluß beſonders
bei ſeinen ſcharfen Biegungen faſt nie vollkom⸗
men zufriert oder doch immer ſtellenweiſe ein

von der Zten Bitte

immer vollkommnere Tugend bei uns u.
unſern Mitmeen ſchen
den Sinn der Lutheriſchen Auslegung nicht etwa nur
mit andern Worten, ſondern gar nicht wie vergeben.

Summa: Wenn der Vf. Luthers Auslegung nicht gekannt

hätte, ſo hätte er etwa eine Ent ſchuldigung. Nun er

aber Luthern nicht allein gekannt, ſondern in den An⸗
hang ſeines Buches verwieſen u. nicht bloß Luthern ver⸗
achtet, ſondern auch ein beſonderes Kleinod des Wortes
Gottes, näml. das h. Vaterunſer, mit ſeiner Erklärung
verdunkelt, ſchwächt u. entſell —wo bleibt ſeine Recht⸗
fertigung ⸗ —

unſicheres Eis darbietet. So war es auch, als
wir auf demſelben fuhren. Je weiter wir ka⸗

men, deſto unſicherer und ſchlechter ward das
Eis. Gar oft konnten wir nur durch die bloße
Schnelligkeit der Pferde dem völligen Einbrechen
vorbeugen. Nachdem wir zu Mittage den Pfer⸗
den und uns ſelbſt eine kurze Raſt gegönnt und

bei einem ſtarken Waldfeuer uns in der grohen

Kälte etwas erwärmt hatten, fuhren wir weiter.
Die Ufer des Fluſſes bieten eine große Abwech ·
ſelung dar. Während an der einen Seite des
Fluſſes der reichſte Laubwald iſt, ſieht man auf
der gegenüberliegenden Seite den ernſteſten Föh⸗

renwald; aber nicht lange dauert es ſo fort, ſon⸗

dern bei der nächſten Bieg ung des Fluſſes ſpringt

der Föhrenwald plötzlich auf die andre Seite u.
weicht dem Laubholze, und ſo wechſelt es ſtets
zum Ergötzen des Auges ab. Wo das Laub⸗
holz ſteht, iſt das Land niedrig und eben, der
Föhrenwald ſteht immer auf dem höhern Ufer.
Da die Krümmungen des Fluſſes immer zuneh⸗
men, je höher man hinaufkommt, ſo ward auch
unſere Fahrt immer gefährlicher und langſamer;

ein wiederholtes Einbrechen, wobei unſere Schlit⸗

ten völlig ins Waſſer fielen, ſowie ein ſtunden⸗

lang fortgeſetztes Laufen zu Fuß in dem von

unten durchwäſſerten Schnee drohte uns Allen
bei einbrechender Nacht und grimmiger Kälte den
Verluſt von Geſundheit und Leben. Wir ſahen
uns daher genöthigt, unſere Schlitten (der mei⸗
nige war ohnehin beim Herausreißen aus dem

Waſſer zerbrochen) im Stiche zu laſſen, um von

dem Heere der Wölfe, deren häufige Fußſtapfen
wir im Schnee wahrnahmen, durchſchnüffelt zu
werden, und ſchlugen mit den Pferden den nähe⸗
ren Waldweg ein. An unſre naſſen Stiefel und
Beinkleider froren jetzt große Eisklumpen, ſo
daß wir kaum fortkommen konnten. Dennoch
überwanden wir endlich dieſe letzten 7 Meilen
und gelangten faſt völlig erfroren nach Bethani⸗
en. Es war etwa 8 Uhr. Mit Hilfe von kaltem
Waſſer wurden meine erfrorene und angeſchwol⸗
lene Füße wieder aufgethaut und wir konnten
uns nun im friedlichen Miſſionshauſe wieder
erholen.

Abends erfuhren wir noch, daß, da für den
folgenden Montag die jährliche Auszahlung von
Seiten der Bereinigten Staaten⸗Regierung an
die Indianer Statt finden würde, ſchon am
geſtrigen Tage die meiſten Häupter der Familien
Bethanien verlaſſen hätten und zum nächſten
Methodiſtendorfe der Indianer, 2 Meilen unter⸗
(ober) halb der Forks des Tillipiwaſſee gezogen
ſeien. Die Methodiſten hatten es zum erſten
Male dahin gebracht, daß nur in ihren Dörfern
die Auszahlung geſchah, und daß die etwaigen
Lutheraner oder Heiden unter den Indianern,
welche zur Hebung der zu zahlenden Gelder
mitberechtigt waren, ſich daſelbſt einfinden muß⸗
ten.] Am folgenden Morgen kamen frühzeitig
Beſuchende ins Miſſionshaus, um uns, die
geſtern angekommenen Gäſte, zu bewillkommen.
Sie freuten ſich ſichtlich unſeres Kommens und
gaben ihre Freundlichkeit durch herzliches Hän⸗
deſchütteln zu erkennen. Auf den Mittag wur⸗
den alle Indianer in die Kirche beſtellt, damit da⸗

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