Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 1 › Seite 156
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-09-01, Seite 156
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3
eine beſondere Aufmerkſamkeit zu ſchenken, indem
er ſtatt deren eine fünftheilige und hoͤchſt
magere Angabe des ganzen Inhaltes gibt.
5. Er fügt — natürlich als Fingerzeig des
rechten Verſtändniſſes — eine Um⸗
ſchreibung des Vaterunſers hinzu, die an
Wäſſerigkeit und Armſeligkeit nicht leicht über⸗
troffen werden kann.
Die meiſten dieſer Punkte bedürfen keiner
weitern Auseinanderſetzung. Nur in Beziehung
auf No. 2. mag ein Mehreres nöthig'ſein.
Abſchn. VII. Fr. 100. S. 87. ſagt er in der
Antwort
—zu Gott als unſerm allmächtigen Vater.
Hier fragen wir
Wen meint er denn da? Meint er Gott
den Vaſter oder meini er den dreieinigen
Gott? Wenn Letzteres, warum ſagt ers nicht?
Oder war es nicht nöthig zu ſagen? Wer nicht
feſt iſt in der Lehre von der heil. Dreieinigkeit,
meint in dem Worte Vater im Vaterunſer eine
Ausflucht zu finden für ſeinen Unglauben. Wer
aber feſter iſt, nimmt doch vielleicht einen Anſtoß
daran, daß die Anrede im Vaterunſer nicht an⸗
pers lautet. Wie dieſen Letzteren zu antworten
ſei, haben wir geſehen in dem auf der vorher⸗
gehenden Seite angeführten Citat aus Luther:
„Hier bekümmern ſich eiliche ꝛc.“
Und warum hebt denn der Vf. in ſeiner Antw.
gerade das Wort allmächtig hervor? Lag
es nicht viel näher, zu ſagen
zu dem durch Chriſtumverſöhnten
Vater?
Aber das Wort derallmächtige Vater
iſt der Ausdruck des erſten Artikels, in
welchem wir ſagen „Ich glaube an Gott den
allmächtigen Vater.
Demnach hat der Vf. nichts gegen die Anbe⸗
tung Gottes des Vaters
Aber hat er auch nichts gegen die Anbetung
des Sohnes u. des heil. Geiſtes? Das
iſt die Frage.
Merkwürdig iſt es, daß er in dem ganzen
Abſchnitt (von der Anbetung Gottes) des So h⸗
nes und des heil. Geiſtes gar nicht geden⸗
ket.
Man nehme aber hinzu, was er ſagt
Fr. 94. Wer iſt demnach allein anzubeten?
Ant. Niemand als Gott, der einzige Schöpfer
und Regierer der ganzen Welt.
Da wird man wiederum nur an den erſten
Artikel erinnert, denn der Ausdruck Schö p⸗
fer und Regierer der ganzen Welt iſt
ganz derſelbe, mit welchem gottesdienſtlichen
Sprachgebrauch Gott der Vater angeredet
wird, wie wir beten:
Herr Gott Vater im Himmel, Schöpfer
u. Regierer der ganzen Welt
waährend wir zumSohne ſagen:
Herr Gott Sohn der Welt Heiland
und zum heil. Geiſte:
Herr Gott heil. Geiſt, du höch ſter Tröſter
in aller Noth
und zu allen dreien Perſonen, als zum
dreieinigen Gott:
O du heilige hochgelobte Dreieinigkeit.
erſten Artikels u. nicht aller drei?
Warum giebt er auf die Frage
Wer iſt anzubeten
nicht die einfache, richtige und herkömmliche
Antwort:
undheil. Gei ſt. 1)
Und warum — fragen wir weiter — ſetzt er zu
Schöpfer und Regierer das Wörtlein einzig
hinzu?
Iſt etwa Gott der Vater Schöpfer u. Regie⸗
rer in einemſolchen Sinne, daß es der Sohn
und der heil. Geiſt nicht iſt?
Dann ſind ſie auch nicht anzubeten, denn —
ſagt der Vf. ſelbſt— anzubeten, allein an⸗
zubeten iſt Niemand, als der einzige Schop⸗
fer u. Regierer der ganzen Welt, der
iſt der anzubetende Gott.
Was ſind nun der Sohn u. der h. Geiſt?
Sind ſie auch anzubeten oder nicht?
Laßt den Katechismus antworten.
Zwar ſagt er, der bekenntnißſcheue Vf., daß
die Schrift das lehre; 41) aber er getraut ſich
nicht zu ſagen Sie ſinds, nämlich: der Sohn
und der heil. Geiſt ſind anzubeten gleicherweiſe
wie der Vater.
Warum ſpricht er nun nicht auch hier
Was lehret die Schrift davon, wer
anzubeten ſei
ſondern mit Beiſtimmung u. Entſchiedenheit
„Wer iſt anzubeten?“
Freilich, die Antwort iſt alſo abgefaßt, daß
man ſagen muß: da iſt der Sohn und der heil.
Geiſt nicht mit eingeſchloſſen.
Sind aber dieſe in der Anbetung nicht mit
ſeinzuſchließen, (ſonſt würde ſie ja der Vf. mit
eingeſchloſſen haben) ſo müſſen ſie —es kann an⸗
ders nichts folgen-auszuſchließen ſein.
Sind ſie auszuſchließen, ſo müſſen ſie nicht
Gott ſein, denn Gott muß angebetet werden.
Sind ſie nicht Gott, ſo können ſie nichts an⸗
ders ſein, als Creaturen.
Sind ſie Creaturen, ſo iſt ihre Anbetung Ab⸗
götterei, denn Creaturen anbeten iſt wirklich
Abgötterei, wie der Vf. richtig lehrt in der fol⸗
genden Frage.
Iſts nun zu viel geſagt, wenn wir den Vf.
den Vorwurf machen,
er habe ſich alſo ausgedrückt, daß man
zweifeln müſſe, ob Chriſtus und der heil.
Geiſt auch anzubeten ſei; ja alſo, daßlman
darauf geführt werde, die Anbetung der⸗
ſelben für Abgötterei zu halten —“?
Was ſoll man aber ſagen von der einigen
Perſon, die der Vf. ſtehen läßt?
1) Vgl. des vortrefflichen Mtt h. Seidels (Paſt.
Präpos. in Berlin) Kleinen Kat. Herrn Dr. Martin Luthers⸗
ſonderlich aus dem großen erklaͤrt Berl. 1729.
Vorrede des V. U. S. 294.
Fr. Wer wird hier durch den Vater verſtanden?
Antw. Der dreitinige Gott, Vater, Sohn und
heil. Geiſt, wegen der Schöpfung, Erlbſung
und Wiedergeburt.
Jeſ. 9, 6. Ein Kind iſt uns geboren und er heißet—
Ewig Vater.
Jac. 1, 17. 18. Er hat uns gezeugenꝛt.
Warum redet der Vf. nur in Gemäßheit des
der dreinige Gott, Vater Sohn
Bleibt ſie Gott oder wird ſie zu nich te?
Soll ſie Gott bleiben, ſo muß der Sohn und
der heil. Geiſt auch Gott bleiben, denn es iſt
kein rechter Gott, ohne allein der dreieinige, da
alle drei Perſonen Gott ſind und doch nur Ein
göttliches Weſen iſt.
Raubt man nun zweien Perſonen die An e⸗
tung und damit zugleich die Gottheit, ſo fällt
die Gottheit der übrigbleibenden von ſelbſt da⸗
hin, denn eine ſolche göttliche Perſon, die al⸗
lein Gott wäre und hätte nicht 2 andere Perſo⸗
nen, die auſch Gott ſind, ohne daß darum 3 Göt⸗
ter würden, giebt es nicht.
Was iſts nun, wenn von ihr geredet wird,
als wäre ſie wirklich, —es ſei im V. U. oder an⸗
derwärts — ſo doch eine ſolchevereinzelte
Perſon i=) ein erdichteter Gott iſt, der
mit den Zeugniſſen der Schrift widerlegt u. von
den einhelligen Bekenntniſſen der chriſtlichen
Kirche verworfen wird?
Die Beurtheilung dieſer Fragen führt ſehr
natürlich zurück auf das, was wir nächſt⸗vorher
unter der Aufſchrift Von der heil. Drei⸗
einigkeit' unſern Leſern mitgetheilt haben.
+11 (Auslegung der letzten Worte Davids Luthers Wer⸗
ke A. a. Walch. B 3. S. 2855.)
Darum hilft die Jüden, Türken Ketzer nichts, daß ſie ſehr
große Andacht vorgeben u. rühmen wider uns Chriſten, wie
ſie gläuben an den einigen Gott, Schöpfer Him⸗
mels u. der Erden, nennen ihn auch Vater mit großem
Ernſt, und iſt doch nichts, denn eitel vergebliche, unnütze Wor⸗
te, darinnen ſie den Namen Gottes unnützlich führen und
miß brauchen, wider das andere Gebot, wie Chriſtus ſpricht
zu den Jüden Joh. 8, 54. Es iſt mein Vater der ehret mich,
welchen ihr ſprechet, er ſei euer Gott u. kennet ihn nicht.
Fürwahr, das reimet ſich ſehr übel, den Vater Gott nen⸗
nen und nicht wiſſen, wer er iſt. Denn ſo du ſollteſt einen
ſolchen grohen Heiligen Jüden, Türken, Ketzer fragen,
ob er auch gläubet, daß derſelbige einige Gott, Schöpfer
Himmels und der Erven (deß Namen ſie ſo andächtig rühmen
und ihn Vater nennen, wie wohl Alles fälſchlich) auch ein
Vater ſei und einen Sohn habe außer der
Creaturin der Gottheit —
ſo würde er vor grohßer Heiligkeit erſchrecken und ſolches fin
eine gräuliche Läſterung halten.
Frageſt du weiter
ob derſelbige einige Gott Schöpfer Vater Echen fie alſo nen⸗
nen mit ihrem Lügenmaul) auch ein Sohn ſei u. einen
Vater habe in der Gottheit—
da würde er vor großer Andacht die Ohren zuſtopfen, dit
Zähne zubeißen und ſorgen, die Erde möchte dich und ihn ver.
ſchlingen.
Frageſt du weiter:
ob derſelbige einige Gott, Schöpfer, Vater (wie fie rüh⸗
men) auch ein heiliger Geiſt ſei und habe der
Vater u. den Sohn, vonwelchen er ſein gött.
lich Weſen habe—
da würde der allerheiligſte Mann von dir lauſen, als wä.
reſt du der ärgſte Teufel aus der Höllen heraus.
Hier fieheſt du, daß fie nicht wiſſen, was Gott iſt, u. wenn
ſle ihn nennen „Gott, Schöpfer, Vater' wiſſen fi
nicht, was fie ſagen.
Denn wo Gott nicht ſoll ſein ein ſolcher Gott (wie uus di—
Schrift lehret) der ein natürlicher Vater iſt, einen natürlichen
Sohn und beide einen natürlichen heiligen Geiſt haben u
dem einigen göttlichen Weſen, da iſt Gott nichts und gar ken
Gott.
Darum haben fit keinen Gott, ohne daß ſie Gottes Namen
mit Sünden und Schanden mißbrauchen und ervichten ihnen
einen eigenen Gott und Schöpfer, der ihr Vater u. fie ſein
Kinder ſtin ſollen; nehmen ihm ſeine natürliche Vaterſchaft
ſeinen natürlichen einigen Sehn und den natürlichen heiligei
Geiſt, das iſt: die ganze Gottheit u. geben ihm dafür ihren nich
tigen Traum und Lügen, von Gott, Schöpfer, Vater; 3
ſolchen heiligen Namen Gottes geben ſie ihrem Traum um
Lügen das iſt dem Teufel, derſelbe iſt ihr Gott und Vater
ein Vater aller Lügen, wollen gleichwohl die liebſten Kindlein
und größeſlen Heiligen ſein.
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