# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 09 01_S161 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) X * aſte ine der tan in⸗ zerr imer 1en rin — Lertvers Seelenſchatz. Dieſes Buch enthält bekanntlich die ganze beilslehre in Form von Predigten über Bibel⸗ ſprüche. Es iſt darin ein Schatz von Lehre und Etfabrung im Chriſtenthum niedergelegt, wie unſers Wiſſens in keinem andern Erbauungs⸗ buch. Es iſt durch und durch iu einer ebenſo ge⸗ fulbten, als ſchönen fließenden Sprache geſchrie⸗ ben. Es iſt ebenſo reich an erweckenden An⸗ ſprachen für die Sicheren, als an Troſtreden für Befümmerte und Angefochtene in leiblichen und geiſlichen Nöthen. Es iſt allenthalben durch— webt von den intereſſanteſten Geſchichteu. In velchem Zuſtande ſich auch ein Erbauung und Unterricht ſuchender Leſer befinden möge, er fin⸗ det darin, was ihm noth thnt. Es iſt ein ebenſo paſſendes Buch zum Vorleſen in der Familie vor Kindern und Geſinde, als zum Leſen in einſamer Sille. Wer das „große“ Buch zu leſen anfängt Uhnn es nicht weglegen, er habe es denn zu En⸗ de geleſen, und wer dam it zu Ende iſt, wird da⸗ nit wieder anzufangen ſich gedrungen fühlen. Kutz, das Buch trägt ſeinen Namen mit der That, es iſt ein „Seelenꝰꝰ⸗„Scha tz.“ Vit empfehlen es daher allen unſern Leſern drin⸗ gend, wenn ſie einen geiſtlichen Brodſchrank, ei⸗ ut geiſtliche Apotheke und eine geiſtliche Lebens⸗ melle ſuchen. Wer das Buch kennt, wird uns ras Zeugniß geben, daß wir in dieſem Lobe nicht zu viel thun, ſondern geſtehen müſſen, daß das Heſagte noch bei weitem nicht erſchöpft, was zu Empfehlung dieſes Seelenſchatzes geſagt werden jann. Zugleich können wir aber auch unſern Leſern die erfreuliche Kunde geben, daß dieſes Buch, dis antiquariſch immer ſeltener und um immer höheren Preis zu haben iſt, wieder aufgelegt wor— Enmiiit. Es iſt dies von dem ſogen. „evangeli⸗ ſchen Bücher⸗Verein in Berlin“ geſchehen. (Die Merlage und Expedition des Vereins iſt in Berlin, Gertraudtenſtraße 22.). Das Werk, ſunſt einen großen Folianten umfaſſend, iſt her⸗ musgekommen in drei Oktavbänden für den bei⸗ piellos niedrigen Preis von 2 Thalern ungebun⸗ rn, für 2 Thaler 12 Neugroſchen in Pappeband und für 2 Thaler 28 Neugroſchen in Halbfranz ebunden. Es verſteht ſich freilich von ſelbſt, daß das Buch, wenn es hierher kommt, durch die Koſten des Transportes und des Eingangs⸗ ules um etwas höher zu ſtehen kommt, doch leibt dann der Preis des werthvollen Buches noch inmer außerordentlich niedrig. Der genannte Bücherverein hat übrigens noch uihtere andre Ker nſchriften aufgelegt und ver⸗ hiiitet dieſelbenin Folge der Wohlfeil heit in zahllo⸗ ſen Eremplaren. Von Lutbers Hauspoſtille al⸗ ltin hat er mehr als eine Million Exemplare be⸗ Rits abgeſett. Jetzt gibt er eine Bilderbibel mit J0 ſchönen Holzſchnitten heraus für 1 Thaler 20 Mugroſchen. Alle von dem Verein herausgege⸗ benen Schriften haben freilich nicht denſelben Vath und können nicht unbedingt empfohlen verden; dahin gehört unter Andern Jung Stil⸗ lings „Selbſtbiographie,“ die bekanntlich von Schwärmereien u. religionsmengeriſchen Grund⸗ ſizen nicht frei iſt. Hoͤchſt zu rühmen iſt an dem 14 Verein, daß er, was er auflegt, in unveränderter Geſtalt und vollſtändig wieder gibt, was bekannt⸗ lich die hieſige amerikaniſche Traktatgeſellſchaft nicht thut und dadurch den Segen verhindert, den ein rechtgläubiger Chriſt aus ihren ſonſt ſo ſchön ausgeſtatteten und ſo billigen Veröffentli⸗ chungen ziehen könnte. Wie es in gut „catholiſchen“ Ländern ietzt aus ſiebt. Eine Hauptwaffe, welche jetzt die Papiſten zur Schändung des Werkes der lutheriſchen Kir⸗ chenreformation gebrauchen, iſt, daß ſie auf die Herrſchaft des Unglaubens und des revolutio⸗ nären Geiſtes hinweiſen, welche ſich in den pro⸗ teſtantiſchen Ländern jetzt zeigt. Zu dieſem Vorfall ſoll nichts anderes, als eben die Refor⸗ mation den Grund gelegt haben. Wie unwahr dies iſt, zeigt der Zuſtand, in welchem ſich gegen⸗ wärtig die ſogenannten gut catholiſchen Länder, wie Spanien, Frankreich, Italien ꝛc., befinden. Wenn irgendwo, ſo äußert ſich hier das Verder⸗ ben, welches eine Frucht der Reformation ſein ſoll. Um nur Ein authentiſches Zeugniß dafür anzuführen, ſo ſchreibt ſelbſt der hieſige jeſuitiſche „Herold des Glaubens“ von Spanien, wo be⸗ kanntlich das Lutherthum ſchon im 16. Jahr⸗ hundert durch die blutigen Gräuel der Inqui⸗ ſition mit Stumpf und Stiel ausgerottet worden iſt, Folgendes: „Aufklärung der Preſſe in Spa⸗ nien. — Nicht unſer großes Amerika allein huldigt dem Fortſchritte und der Aufklärung- namentlich in ſeiner Preßfreiheit, auch Spanien will nun nicht zurückbleiben. Wir leſen in dieſer Beziehung in einem Artikel, datirt von Madrid folgende Aufſchlüſſe: „Es iſt traurig anzuſehen, wie die Preßfreiheit in unſerm Lande mißbraucht und namentlich zur Untergrabung des alten ka⸗ tholiſchen Glaubens unſeres Volkes benutzt wird. Von unſern Zeitungen huldigen die meiſten in der Politik und in der Religion dem vulgären Liberalismus, Rationalismus; mehrere haben in der letzten Zeit ihre Angriffe gegen Sittlich⸗ keit in den frivolen Feuilletons und ihre Angriffe gegen die Kirche in ihren Leitartikeln ſo weit ge⸗ trieben, daß einige Biſchöfe es für ihre Pflicht gehalten, in Hirtenbriefen vor ihnen zu warnen. Die ſchlechten franzöſiſchen Romane finden in Spanien ſo gut ihre Ueberſetzer, wie in Deutſch⸗ land. Das ſtärkſte Produkt der liberalen Auf⸗ klärung verſpricht aber eine Volksbibliothek zu werden, zu welcher eben der Proſpektus ausge⸗ geben iſt. Der Titel lautet: „Bibliothek des freien Menſchen, wohlfeile Sammlung der aus⸗ gewählteſten Werke der aus gezeichnetſten Philoſo⸗ phen, Publiciſten, Geſchichtsſchreiber und Red⸗ ner aller Schulen und Parteien“ u. ſ. w. In welchem Geiſte dieſe Sammlung angelegt werden ſoll, zeigt die Illuſtration des Proſpektus, worin auf der einen Seite die Namen Moſes, Plato, Jeſus Chriſtus, Plutarch, Tacitus, Muhamed, Luther, Rouſſeau, Voltaire, Feijoo ſtehen, auf der andern Seite die Namen Franklin, Kant, Mira⸗ bau, Ventham, Marina, Florente, Fourier, Lam⸗ mannais, Proudhon, Lamartine. Es iſt zu hoffen, daß die Sammlung nicht erſcheint, aber daß man nur einen ſolchen Proſpectus auszu⸗ geben wagt, iſt ein ſchlimmes Zeichen.“ Ein Jeſuitenſtücklein. Im Jahre 1589 gaben die Jeſuiten ein zu Mainz gedrucktes Büchlein, ohne ſich jedoch zu nennen, heraus unter folgendem Titel: „Enchiridion, der kleine Catechismus für ge⸗ meine Pfarrherrn und Prediger, gemehret und gebeſſert aus Dr. Martini Lutheri Schriften und Büchern.“ In dieſenCatechismus hatten nun die Jeſuiten nicht nur lauter ſolche Stellen aus den früheren Schriften Luthers aufgenommen, in denen Luther noch papiſtiſche Irrthümer aus⸗ ſpricht (denn Luther iſt bekanntlich nicht in einem Augenblick, ſondern erſt nach und nach zur vollen Erkenntniß der Falſchheit der römiſchen Lehren und zur vollen Erkenntniß der Wahrheit gekom⸗ men), ſondern ſie hatten auch auf den Titel die Worte hinzugeſetzt: „Zu Wittenberg gedruckt,“ damit man meinen ſollte, die Lutheraner hätten dieſen Catechismus ſelbſt herausgegeben u. ach⸗ teten die Ausſprüche, welche Luther gethan hat, da er noch im Pabſtthum ſtak, auch für lutheriſche Lehre. Es iſt das freilich ſo, als wenn jemand Paulo die falſchjüdiſche Lehre vorhalten wollte, die er vor ſeiner Bekehrung bekannt hatte, zu einem Beweis, daß er ſich ſelbſt widerſpreche. Siehe Dich darum vor, lieber lutheriſcher Leſer, wenn die Jeſuiten etwas aus Luthern eitiren. Siehe nach, ob, was ſie anführen, aus früheren oder ſpäteren Schriften genommen iſt, ja ſieh auch darnach, ob auch wirklich das in Luthers Werken ſich findet, was Jeſuiten mit Angabe von Band und Seite anführen, denn, wie im „Lutheraner“ ſchon erzählt worden, oft führen die Jeſuiten auch ſolche Sätze als Luthers Worte an, die nirgends zu finden und die Luthern nie in den Sinn gekommen ſind. Aus der Geſchichte des Dogma vom Fegfeuer. Erasmus Franzisci erzäͤhlt, einſtmals ſei der ſpaniſche Herzog von Villa Medina in eine Kirche eingetreten, wo man ihm ſogleich einen Erlöſung der armen Seelen aus dem Fegfeuer aufzulegen. Der Herzog fragt: wie viel es denn ſein müſſe, eine Seele zu erlöſen? Als uan ihm antwortet, er möge nach Gefallen geben, legt er zwei Dublonen auf, und fragt nun wei⸗ ter: ob denn die Seele nun auch wirklich fret wäre? Man antwortet: Allerdings! Hierauf nimmt der Herzog ſchnell ſeine Dublonen wieder vom Teller und ſpricht: „Das Geld hat nun ſeine Dienſte gethan und die arme Seele aus der Gefahr, wieder in das Fegfeuer zu gerathen, er⸗ rettet; da aber mein Geld ſelb ſt in Gefahr ſteht, nicht wieder in meinen Beutel zu kommen, ſo muß ich in Zeiten zugreifen. — Der Herzog ſcheint Eines Glaubens mit dem gelehrten Fran⸗ zoſen Patin geweſen zu ſein, welcher von dem Fegfeuer ſagt, daſſelbe ſei allein dazu angezün⸗ det, die Töpfe der Geiſtlichen warm zu machen und die Küchen derſelben zu verſehen. —— Teller präſentirt habe, mit der Bitte, etwas zur