Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 1 › Seite 158

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-09-01, Seite 158

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3

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ſelbſt eine Schulprüfung gehalten wurde. Es er⸗
ſchienen nun faſt ſämmtliche Frauen, Jünglinge,
Jungfrauen und Kinder beiderlei Geſchlechts

von den größten bis zu den kleinſten.
Miännern waren nur drei da, nämlich der näch⸗
ſte Nachbar des Miſſionshauſes Bemagojin
(Stephanus in der Taufe genannt) Wabi⸗
gonſchkom, ein alter Heide, der ſich zur Taufe
entſchloſſen, aber dieſelbe noch immer hinausge⸗

Von

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nur von den älteren Schülern erwartet, welche

aber gut darin bewandert ſind. Doch iſt es

noch nicht dahin gebracht, daß Jemand unter
den Indianern mit ſolcher Fertigkeit den Cate-
chismus ohne Einhülfe bekennen könnte, wie
etwa ein guter Confirmande unter den meiſten
Chriſtengemeinden. Im Rechnen ſcheint die

Mehrzahl es noch nicht weit gebracht zu haben;

es beſchränkt ſich meiſt aufs richtige Zählen und

ſchoben hatte und ſein Schwiegerſohn Iſaac, auf die Löſung der einfachſten Exempel aus der

der erſt kürzlich mit ſeiner Frau Rebecca zum hl.
Abendmahl gegangen war. Es mag hier zugleich
erwähnt werden, daß vor Kurzein zum erſten
Male das heil. Abendmahl für Indianer und
Engliſche gemeinſchaftlich war ausgetheilt wor⸗
den. Bisher hatte ſich nämlich eine Furcht unter.
den chriſtlichen Indianern gezeigt, das Sacra⸗
ment des Altars zu empfangen, weil die Metho⸗
diſten, die ſtets als die Verderber der Kirche
Gottes in Bethanien auftraten, ihnen daſſelbe
als bloßes Weintrinken verdächtigt hatten. Da⸗
zu kam noch, daß lutheriſche Indianer in früh⸗
kren Zeiten es mit angeſehen hatten, in welche
Verzückungen, gewaltſame Seufzer und unna⸗
türliches Jauchzen die Methodiſten nach dem
Genuſſe des heil. Abendmahls gerathen waren.
Da hatte ſich ihrer die Beſorgniß bemächtigt, als
bringe etwa der Genuß des heil. Mahles oder
wie die Methodiſten ſich ausdrückten „das Wein⸗
minken“' ſolche Wirkungen der geiſtlichen Aus—
gelaſſenheit hervor. Dieſer heilloſe Eindruck von
einem falſchen Gebrauche des heil. Mahles unter
den Methodiſten und deſſen verderbliche Folgen
mußte erſt einer gründlichen Vorbereitung zum
heil. Abendmahle weichen.
Mit großer Vegierde erwarteten die Kinder
den Anfang der Prüfung, obwohl ihnen das
Herz etwas pochte. Unter den zu Prüfenden
waren auch erwachſene Jünglinge und Jung⸗
frauen, die ſich gern noch den Kindern anſchlie⸗
ßen, um mit ihnen unterrichtet zu werden und
die Bibel leſen zu lernen. Die Schule iſt in drei
Claſſen getheilt; daher dieſelben auch nach ein—
ander geprüft wurden. Gegenſtände der Prü⸗
fung waren Leſen, Schreiben, Nechnen, Cate⸗
chismus, bibl. Geſchichte, Geſang. Der letztere
erfreut die Indianer Jung und Alt aufs höchſte;
ihre Stimmen ſind rein und klar und Melodien
prägen ſich ihnen leicht ein. Davon legte auch
dieſe Präfung ein Zeugniß ab. Bibl. Geſchichte
wird nach Bildern gelehrt und die Schüler, we⸗
nigſtens die älteren, bewieſen, daß ſie die Kai⸗
ſerswertherBilderbibel gut verſtanden, da ſie den
Zuſammenhang der Perſonen und Verhältniſſe
durch mündliches Erzählen gut auseinander zu
ſetzen wußten. Bilder ſind für die Indianer
ſehr anziehend; daher, wenn irgend Jemand
unter den lieben Leſern einen Vorrath von guten
Bildern der heil. Geſchichte hätte, er durch eine
Schenkung von dergleichen an die Miſſionsſtation
Bethanien den Indian iſchen Brüdern einen.
großen Liebesdienſt und wahre Freude bereiten
würde. Was den Catechismus betrifft, ſo ſind
die 10 Gebote, der Glaube und das Vater unſer
Allen bekannt und geläufig; die andern Haupt⸗

geinen Speties. Das Schreiben beweiſt wieder,
wie fähig die jungen Indianer zur Ausbildung
ſind; wir ſahen Schreibeproben, worüber wir
unſere große Freude hatten. Das Leſen endlich
iſt bei den Größeſten ſo weit fortgeſchritten, daß
ſie das Neue Teſtament leidlich in der Indiani⸗
ſchen Sprache leſen können; die miitlere Claſſe
ſyllabirte u. die untere buchſtabirte. Die kleinſten
Kinder endlich waren noch damit beſchäftigt,

das A. B. C. zu lernen, welches ihnen ſehr ſchwer

zu fallen ſcheint. In Bezug auf die Zucht fan⸗
den wir in Vergleich mit der Schule zu She—
bahyonk einen bedeutenden Unterſchied. An
dem letztern Orte bemerkten wir keinen Verſtoß
gegen die Schulzucht; dagegen war aber auch
keine lebendige Regſamkeit unter ihnen zu ſpü⸗
ren. In Bethanien wars ganz anders. Man
ſah, ſelbſt bei dieſer immerhin feierlichen Prüfung,
wie überall die Lebendigkeit des Geiſtes ſich auch
ins Unerlaubte hinüber geltend machen wollte
und daher überwacht werden mußte. Und ſo
war es ſogar auch am folgenden Tage während
der Kirche. Sie legten ſich keinerlei Zwang auf,
um Störungen zu vermeiden, ſondern gingen je
nach Bedürfniß aus und ein, ohne irgendwelche
Aengſtlichkeit zu verrathen. Freundliche Zu—
rechtweiſungen wurden zwar gehorſam beachtet,

aber mit einer Art fröhlichen Verwunderung,

daß man ſolche veranlaßt haben könne.—
Mittlerweile war es Zeit geworden, einige
Hausbeſuche zu machen. Vor allen Dingen
war es uns ein Bedürfniß, die alte 100 jährige
Sahrah aufzuſuchen. Wir nahmen den Doll⸗
metſcher mit, und nachdem wir die liebe Alte mit
einem neuen warmen Anzuge erfreut hatten, der
ihr von dem Frankenluſter Nähverein gefertigt
war, ſo knüpften wir mit ihr ein Geſpräch an.
Wir freuten uns ihres leiblichen Wohlergehens
und ſie ſelbſt äußerte, daß es ihr nicht nach der
gewöhnlichen Welt Weiſe gehe, daß ſie etwa mit
dem zunehmenden Alter mehr zuſammenſchrump⸗
fe, ſondern ſie werde mit den Jahren ſtärker u.
ſtärker. Wir fragten ſie dann, ob ſie zur Stär⸗
kung ihres Glaubens ſchon das heil. Abendmahl
genoſſen habe; ſie antwortete, ſie habe es nicht
erwartet, daß es Einige von ihren rothen Glau⸗
bensgenoſſen mitfeiern würden, ſonſt würde ſie
ſich auch dazu gemeldet haben. Im Hintergrunde
ſchien auch bei ihr eine gewiſſe Scheu geweſen
zu ſein, etwa uls die erſte von Allen ſich zu dieſem
Genuſſe des Leibes und Blutes des HErrn zu
melden. Sie verſprach jedoch nun, daß ſie bei
der nächſten Feier des heil. Abendmahls ſich nicht
länger mehr wolle abhalten laſſen, auch herzu⸗
treten, nachdem ſie dazu vorbereitet worden ſei.

ſtücke nebſt ver lutheriſchen Erklärung werden

Um ihre Dankbarkeit auszudrücken, holte ſie ein

Tüchlein hervor, wohinein ſie einige Stücke ge⸗
dörrtes Hirſchfleiſch that mit der Bitte, den
Freundinnen, die ſie beſchenkt hätten, mitzuthei⸗
len. — Nach dem Abſchiede von ihr ging ich
mit dem Dollmetſcher Gruet in deſſen Familie,
um dieſelbe zu begrüßen. Ich fand, daß ſie vom
HErrn auf Seine guten Wege geleitet worden
war. Die Mutter und ihre älteſte Tochter hatten
der falſchen römiſchen Kirche entſagt und waren
Glieder der lutheriſchen Kirche geworden, inden
ſie an der letzten Abendmahlsfeier Theil genom⸗
men hatten. Auch der Hausvater hatte ſich zum
Uebertritt gemeldet und es waren nur noch einigt
Hinderniſſe des öffentlichen Actes zu beſeitigen
geweſen. Von den Miſſſonaren erfuhr ich, daß
Gruet als Dollmetſcher ſeine Pflicht in der Miſſion
treulich erfüllt habe und von ſeinen alten Ge⸗
brechen immer mehr geheilt werde.

Am Sonntag Morgen war die früheſte Kirch⸗
gängerin die alte Sahrah, welche, geführt von

ihrer Großtochter in die Wohnſtube eintrat, um

ſich von ihrem Gange zu erholen und ſich zu
wärmen, ehe ſie dem Gottesdienſte beiwohnte.
Die öffentliche Verſammlung war zahlreich, ob⸗
wohl ſo viele Hausväter abweſend waren. Miſſ.
Mieſſler hielt die Morgen, Miſſ. Röder dir
Nachmittagspredigt. Nach der Morgenpredigi
führten die beiden Shebahyonk-Indianer, die zu
unſerer Begleitung mitgefahren waren, einen
Verwandten zu uns hinein, der 6 Meilen von
Bethanien mit ſeinem Schwiegervater im Buſcht
lebte. Die ganze Familie deſſelben war bis
dahin noch dem Heidenthum ergeben geweſen;
ja ſeine Schwiegermutter war zur ſchrecklichen
Warnung für alle Gleichgeſinnte im vorigen
Sommer mitten in ihrem heidniſchen Leben von
ihrem eignen 13 jährigen Sohn beim Ausſteigen
aus dem Canoe von ohngefähr erſchoſſen wor⸗
den. Der jetzt eingetretene junge Mann, etwa
30 Jahre alt, war ſehr nachdenklich und ſchien
etwas auf dem Herzen zu haben. Die Miſſio⸗
nare knüpften ein ernſtes Geſpräch über ſeinen
Seelenzuſtand mit ihm an; er ging darauf ein
und ließ ſich willig über ſeinen Unglauben ſtra⸗
fen, daß er ſo lange Gottes Wort verachtet hat⸗
te. Darauf bot er ſein Boſchu und verließ das
Zimmer, indem er die Hoffnung bei uns zurück⸗
ließ, daß das gehörte Wort zu ſeiner Zeit Frucht
tragen werde. Dieſe Frucht ſollten wir bald
ſchauen. Denn ſchon nach einer Viertelſtunde
kehrte er mit der ſehnlichen Bitte zurück, noch
heute zur Taufe zugelaſſen zu werden. Schon
hatte der Nachmittagsgottesdienſt beginnen ſol⸗
len; aber jetzt verzögerte man ihn noch eine
Viertelſtunde, um die nöthigen Vorfragen von
dem Indianer beantwortet zu haben und ein
gutes Bekenntniß von ihm zu erlangen. Dies
fiel befriedigend aus, und man konnte wohl kei⸗
nen heilsbegierigeren Sünder ſehen, als dieſen
jungen Mann. Die Taufe ward vollzogen, ſo⸗
bald der gewöhnliche Gottesdienſt beendet war;
in öffentlicher Verſammlung trat der Täufling,
von zwei andern Indianern geleitet, vor, um
das Sacrament der heil. Taufe zu empfangen.
Laut und deutlich beantwortete er die Fragen
über die Abſagung vom Teufel, und allem ſei⸗

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