Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 1 › Seite 159

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-09-01, Seite 159

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3 · Papſttum · Papſttum 9

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nem Weſen und allen ſeinen Werken.

Die
Fungen in Betreff des Glaubens beantwortete er
nicht allein mit einem einfachen: „Ja“ ſondern

mit einer Bekräftigung: „Ja ich glaube ſicher⸗
lich.“ —Wir alle lobten Gott, der ſo Großes ge⸗

than hatte.Nach ſeiner Taufe ſtellte der Getaufte
es in baldige Ausſicht, daß er auch ſein Haus
darſtellen wolle, damit die ungetauften Glieder

deſſelben die heil. Taufe empfingen.

Darauf ſchritt man zu der Verſammlung, in
welcher die große Frage entſchieden werden ſollte,

—ob die Indianer von Bethanien nach Shebah—

vonk ziehen oder ob die von Shebahvonk in Be⸗

thanien eine neue Heimath ſuchen ſollten. Da
fand es ſich nun, daß die ganze Gemeinde ſowohl

in den anweſenden als abweſenden Gliedern
einſtimmig war, daß man beſſer thue, die Station

Shebahponk eingehen zu laſſen und alle Brüder
in Bethanien anzuſiedeln, als die große Menge
der Pine⸗Lutheraner nach Shebahyonk zu ver⸗
„ ſettd. Wir konnten nicht anders, als nach Er⸗

wägung aller Umſtände ihnen Recht geben. Zwar
ſind auf der andern Seite viele Vortheile nicht

u überſehen, welche eine Ueberſiedelung der

Belhanier nach Shebahyonk haben würde z. B.
die herrliche Lage des Ortes Shebahyonk an der
Saginaw Bay, die beſonders günſtig für den
Verkehr, Handel, Schiffahrt und Fiſcherey iſt;
aber wir durften dieſe Vortheile nicht zu hoch
anſchlagen, da es ja ſelbſt unſre Aufgabe iſt, den

Indianern zu helfen, daß ſie von ihrem Jagd
und Fiſcherleben abſtehen und ſich zu einem or⸗

dentlichen Bauernleben bequemen. Die Gefahr

aber, welche wir in einem früheren Verichte er⸗

» wähnten, durch die Methodiſten, die ſo nahe bei

Bethanien und auch mitten im Orte ihr Unwe⸗

ſen treiben, verführt zu werden, wird dadurch
mehr und mthr unſchädlich gemacht, daß die Ge⸗
n meinde in Bethanien ſich enger zuſammenſchließt
»und ſo ſich mehr conſolidirt, wozu die Verſetzung

der Shebahyonk⸗Indianer nach Bethanien viel
beitragen kann.O Demnach ſtimuiten wir denn in

denWunſch der Bethanier ein, die Brüderin

Shebahyont zu bitten, nach Bethanien zu ziehen,
ermahnten dann zu einem perſönlichen Beſuche

in Shebahyonk, um den dortigen Brüdern das

Herz willig zu machen und gaben zu bedenken,
daß es unſer aller Pflicht ſei, die Koſten der

% Miſſion möglichſt zu beſchränken, da wir die
2 Verpflichtung auf uns hätten, auch den andern
9. Genoſſen des Chippewav⸗-Stammes in Minne⸗

ſota, wo ſie bei Tauſenden leben, die Predigt
des Evangeliums zu bringen. Die Verſammlung
nahm alle unſre Mahnungen willig an und
ward ſodann beſchloſſen. Des Abends geſchahen

dann die gewöhnlichen Hausbeſuche, wobei wir
bemerkten, daß faſt alle Indianer ſehr wohnlicht

Blockhäuſer hatten. Leider aber wurden wir
inne, daß die meiſten Häuſer für Geld von An⸗

— dern waren gebaut worden und daß die Indianer

ſelbſt nur Handlanger-Arbeit dabei verrichtet
hatten. Der HErr gebe, daß ſie auch in dieſer
Hinſicht weiter kommen und bald ihre Vlockhäu⸗
ſer ſelbſt zu erbauen lernen. —

Die perſönlichen Hausbeſuche bei den Indi⸗
anern ſind ſehr herzenuickend, indem die alte

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bekannte Gaſifreundſchaft ſich dabei ſtets aufs
Neue bethätigt. Mit inniger Freude begrüßen
ſie ihre Gäſte und ſuchen ihnen irgend etwas
Gutes mitzutheilen.

Auch die alte Sahrah wurde noch einmal be⸗
ſucht und verſprach ihrerſeits, uns noch einen
Gegenbeſuch am andern Morgen früh abzuſtat⸗
ten. Das führte ſie auch wirklich aus und ſo
kalt es war, ſo erſchien ſie doch, um uns ihr
letztes Boſchu zu ſagen und zugleich eine Bitte
vorzutragen, daß wir ihr etwas Mehl ſchenken
möchten. Es iſt überhaupt zu erwähnen, daß
Bitten um Lebensmittel und andere Bedürfniſſe
nicht allein von den Alten, ſondern auch von
den Jungen und Arbeitsfähigen in Bethanien
zu viel gethan wurden. Sie gleichen darin bis
jetzt den Kindern, die mit großer Unbefangenheit
nicht aufhören zu bitten, ſo lange ſie ſehen, daß
ihre Bitten erfüllt werden. Daher es Zeit iſt,
den übermäßigen Anforderungen, die freilich
bittweiſe gemacht werden, entgegenzutreten, denn
der HErr will nicht, daß die Seinen vom Bet⸗
teln leben ſollen. Der alten Sahrah bewilligten
wir natürlich ihre Bitte gern.— Abends zuvor
nahm uns noch der Nachbar der Miſſionare,
Bemagojin, in Anſpruch, indem er bat, ihm in
einer Angelegenheit zu helfen, die ihn zu ver⸗
derben drohte. Seine Frau nämlich hatte von
einem engliſchen Kaufmann in Saginaw viele
Gegenſtän de in Commiſſion bekommen, um ſie
in Bethanien zu verkaufen. Sie hatte nun
freilich alle Sachen theils in der eignen Familie
verbraucht, theils an Andere verkauft; aber
manche der Käufer waren ihr aus dem Gedächt⸗
niſſe entſchwunden oder geſtorben, ohne daß ſie
gezahlt hatten, ſo daß ſie nicht im Stande war,
ihre Schuld abzutragen. Nach einigem Warten
hatte der Kaufmann ihr gedroht, daß er ihr Alles
verkaufen laſſen wolle, was ſie habe. Darüber

erſchrocken ſuchte ihr Mann bei uns um Schutz

und Unterſtützung nach. In Bezug auf die
erwartete Geldunterſtützung mußten wir ihn
freilich ennäuſchen; aber wir brachten es nach⸗
mals in Saginaw bei den Kaufmann dahin,
daß dieſer nicht allein von dem geforderten Gelde
Etwas nachließ, ſondern auch verſprach, in Be⸗
treff der Zahlung Geduld zu haben. — Es war,
ſo lange die Indianer noch in heidniſcher Un⸗
ordnung lebten, ſtets eine Unart der Weiber,
daß ſie ganz unabhängig von dem Willen ihrer
Männer Commiſſionen von engliſchen Kaufleuten
übernahmen und dadurch ſtets in den Händen
dieſer Leute waren, die ihnen nicht ſelten die
ſchändlichſten unzüchtigſten Zumuthungen mach—
ten und ſie betrogen, ſo viel ſie konnten. Es iſt
zu rühmen, daß auch dieſem Unweſen die heil⸗
ſame chriſtliche Unterweiſung ein Ende macht.
Nach einem herzlichen Abſchiede von den In⸗
dianern, von denen uns mehrere begleiteten,
gingen wir wieder auf die Reiſe. Die kalten
Tage hatten das Eis auf dem Pine⸗Fluſſe jetzt
ſicherer gemacht, und wir gelangten ohne ſonder⸗
liche Gefahr in Einem Tage nach Saginaw⸗
City zurück, obwohl unſere Pferde 75 Meilen
bis dahin zu laufen hatten. Der Miſſionar

Mieſſler begleitete uns, weil eine Conferenz in

Frankentroſt von uns verabredet war; in Sa⸗
ginaw angekommen erfuhr er zugleich, daß die
Geburt eines Indianer⸗Kindleins in Franken⸗
muth ihn dahin zur Taufe rief. In dem letztern
Orte iſt nämlich noch immer jener alte Indianer⸗
Doktor mit ſeiner Familie wohnhaft, den Viele
der Leſer unter dem Namen Oloſchim kennen.
Derſelbe iſt trotz aller Bemühungen, ihm das
Evangelium nahe zu bringen, dennoch in ſeinem
Heidenthum verblieben, ſchien aber ſeit Kurzem
von dem Zuge der göttlichen Gnade mächtig be⸗

rührt, denn er ließ nicht allein ſein neugebornes
Kind taufen, ſondern erklärte auch, daß er ſich

jetzt entſchloſſen habe, ſich ſelbſt taufen zu laſſen;
nur komme es ihm jetzt zu ſchnell, ſich augen⸗
blicklich dazu einzuſtellen. Er wolle deshalb
einen andern Beſuch des Miſſionars abwarten.—
Der Miſſionar taufte nun ſein Kind und brachte
im Zwieſprach mit ihm ſelbſt eine lange Zeit
bis tief in die Nacht zn, worin der alte Oldſchim
ihm geſtand, daß er die „Anima“ (d. h. die
Deutſchen von Frankenmuth) für ſeine rechten
und eigentlichen Brüder anſehe, während ihm
ſeine rothen Volksgenoſſen, die ihn ab und an
beſuchten (nämlich die Methodiſten von Lapeer)
als Feinde erſchienen, weil ſie ihm keine Liebe
erwieſen. Bei ſo bewandten Umſtänden beſchloß
der Miſſionar Mieſſler nicht lange auf ſich warten
zu laſſen; ſondern, nachdem er der Conferenz
in Frankentroſt noch einen halben Tag beige⸗
wohnt, eilte er nach Hauſe, um ſchoͤn in der
folgenden Woche nach Frankenmuth zurückzu⸗
kehren. Er fand freilich nicht den alten Mann,
wohl aber ſeine Frau bereit, ſich taufen zu laſ⸗
ſen. Der Mann ſelbſt bat ſich eine neue Be⸗
denkzeit aus. In voller verſammelter Gemeinde
wurde die Taufe der Frau vollzogen. — Bald
nach dieſer Taufe führte der Miſſionar auch ſei⸗
ne Reiſe nach Shebahyonk aus, wo man ſeiner
wartete, um den Umzug der dortigen Indianer
nach Bethanien zu beſprechen. Ihn begleiteten
zwei junge Männer ſeiner Gemeinde, die als
Abgeſandte der Bethanier die Shebahyonk-Ge⸗
meinde einladen ſollten, zu den Brüdern zu
ziehen. Der Zweck dieſer Reiſe wurde vollſtän⸗
dig erreicht. In einer Verſammlung erklärten
ſämmtliche Fantilien, daß ſie jetzt den feſten Ent⸗
ſchluß gefaßt hätten, mit Goit die Reiſe nach
Bethanien anzutreten. Sie ſeien ſogar Augen⸗
blicks dazu bereit, die Ueberſiedelung auszufüh⸗
ren. Nur ſei ihnen bange (es war der 27. Fe⸗
bruar) daß das Eis zu früh aufbrechen möchte.
Außerdem ſei jetzt die Zeit des Zuckermachens
vor der Thür, und wollten ſie lieber dieſen Ver⸗
dienſt erſt noch mitnehmen, da ſie ihr Geräthe
zum Zuckermachen doch nicht alle nach Bethanien
mitſchleppen könnten. Sie hofften aber, etwa
Ende des Aprils in Bethanien mit ihren Canoes
einzutreffen. In Betreff ihrer Klärungen, die
ſie nun verlaſſen müßten, ohne dergleichen in
Vethanien wieder vorzufinden, waren ſie willig,
dieſelben nach einem billigen Maaßſtabe abſchätz⸗
en zu laſſen, etwa 12 Dollars per Acker, welches
Geld man ihnen zur Betreibung ihrer neuen
Farmen in Bethanien auszahlen oder an der
Bezahlung des Landes ſelbſt abrechnen möͤge.

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