Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 1 › Seite 160

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-09-01, Seite 160

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3 · Zeugen 5

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Und nun, ihr lieben Leſer, ſehet, wie fein u.
lieblich unſre indianiſchen Brüder ſich zeigen,
ſeitdem das Evangelium ihre Herzen erleucht et
und erwärmt hat. Sehet, wie ſie ſich entſchloſſen
haben, um des Glaubens willen auszuwandern
und die Brüder aufzuſuchen, bei denen ſie mit
der Predigt des Evangeliums beſſer und geord⸗
neter verſorgt werden können, als es bisher der
Fall war, ſeitdem ihr Miſſionar Auch keinen
Dollmetſcher mehr hatte, ihnen alſo auch nicht
mehr predigen konnte.— Die Station Shebah⸗
ponk wird nun eingehen und mit der von Betha⸗
nien vereinigt werden; der Synode werden dadurch
in Zukunft viele Koſten erſpart werden, eine
Rückſicht, die nicht wenig dazu beigetragen hat,
die Brüder in Shebahyonk zum Umzuge zu ver⸗
anlaſſen.— So laſſet uns denn durch ſolche
Frucht des ſüßen Evangeliums unter dieſen neu
bekehrten Heiden auch gelockt werden, daß wir
willig helfen, ihnen eine neue Heimath zu grün⸗
den! Der SErr aber laſſe die vereinigten In⸗
dianiſchen Gemeinden in viel tauſend mal tau⸗
ſend wachſen, daß ihr Same die Thore ihrer
Feinde beſitze! Amen.

Frankenluſt
den 14. März
1854.
Ferdinand Sievers,
der Zeit Präſes d. Miſſivnscomiſſion
der ev. luth. Synode von
Miſſouri, Ohio u. a. St.

Heirathen unter Blutsverwand⸗
ten.—Die „Fredericksburg (Md.) News“ ſagt
in einem Artikel über das Heirathen unter Bluts⸗
verwandten: „In dem Caunty, in welchem wir
erzogen wurden, ſind in einer reichen und ange⸗
ſehenen Familie ſeit einer Reihe von Generatio⸗
nen die Heirathen ausſchließlich in der Familie
vollzogen worden, und die (ſichtbare) Folge da⸗
von iſt, daß faſt keine geſunde Perſon ſich nnter
ihnen befindet. — Einer von ihnen hat Cu ei⸗
nem Zeichen des göttlichen Zornes) ſchlimme
Augen, ein Anderer Scropheln, ein Dritter iſt
blödſinnig, ein Vierter vlind, ein Fünfter hat ei⸗
nen Kopf von der Größe einer Rübe, und Alle ha⸗
ben geiſtige oder körperliche Mängel. In ei⸗
nem Theile von Ohio giebt es eine ungewöhn⸗
liche Menge Irre und Blödſinnige, wovon die
Schuld ebenfalls den Heirathen unter Blutsver⸗
wandien gegeben wird. — Es ſiedelten ſich vor
längeren Jahren in einzelnen Theilen des Staa⸗
tes mehrere verwandte Familien aus dem Oſten
zuſammen an, welche ſtets unter ſich heirathen,
wodurch ſo betrübende Folgen herbeigeführt wer⸗
den.“ (Bauernfreund.)

Papſtvergötterung.

Der Jeſuit Thomas Marla Caraffa gab tau⸗
ſend theologiſche Theſen heraus und ſchrieb die⸗
ſelben dem Pabſt mit den Worten zu: Paulo V.
Vicedeo d. h. Paulus dem Fünften, dem Vice⸗
gott.— Rechnet man die in dieſen Worten ent⸗
haltenen Buchſtaben, welche Zahlen bedeuten,
zuſammen, ſo kommen 666 heraus, welche Zahl
die des Antichriſts iſt. Offb. 13, 18.

—

— —158—

Wie ein „amerikaniſch⸗lutheriſcher“
Doktor der Theologie von dem lutheriſchen

Kirchenbekenntniß ſchreibt.

Unter der Aufſchrift: „Die ſymboliſchen Bü⸗
cher“' hat Herr Dr. Kurtz in ſeinem „Lutheran
Observer“ vor Kurzem (Nro. 1075) unter An⸗
derem Folgendes geſchrieben:

„Wenn man überlegt, daß die Urheber der
ſymboliſchen Bücher in der tiefſten Finſterniß
der Unwiſſenheit, des Aberglaubens und der
Verderbniß des römiſchen Syſtems geboren und
auferzogen worden und daß die fraglichen Do⸗
cumente niedergeſchrieben worden ſind, größten⸗
theils bald nachdem ihre Verfaſſer aus jenem
heruntergekommenen und verdummten Syſtem
hervorgekommen waren, ſo iſt's kein Wunder,
wenn ſie Irrthum enthielten. Zu erwarten, daß
Leute, welche eben gewagt hatten, die Feſſeln
von Jahrhunderten zu brechen, welche ſo zu ſa⸗
gen erſt geſtern aus der dickſten Finſterniß und
aus den eingewurzelſten Vorurtheilen aufge⸗
taucht waren, auf einmal fähig ſein würden, die
ganze Wahrheit Gottes über jeden weſentli⸗
chen Punkt in aller ſeiner Länge und Breite
und Höhe und Tiefe zu unterſcheiden und völlig
zu erfaſſen, ſo daß kein möglicher Fehler ſich in
ihr Syſtem einſchleichen konnte und inſonder⸗
heit keine hinzukommenden Erleichterungen und
Fortſchritte in der Kunſt die Schrift auszule⸗
gen“) ihre Nachkommen befähigen könnten, Ver⸗
beſſerungen zu machen auf ein ſolches Reſul⸗
tat aufzuſehen, würde der Forderung eines Wun⸗
ders gleich ſein, und nichts weniger als gerade⸗
zu ein Wunder könnte eine ſo ungereimte Er⸗
wartung verwirklichen... Die Reformatoren
ſelbſt widerſetzten ſich dem Irrthum im Gegenſatz
zu den alten Lehrſätzen und in offenbarem Wi⸗
derſtande gegen Kaiſer, Pabſt, Cardinäle und
Fürſten. Und uns nun zu ſagen, in dem ge⸗
genwärtigen aufgeklärten Zeit⸗
alter (l!), daß wir die ſymboliſchen Bücher
verehren müßten mit Einſchluß des Irrthums,
den dieſelben nur immerhin enthalten möchten,
da ſelbige ja von ſo großen Männern geſchrieben
ſeien ꝛc., das heißt uns die ärgſte Ketzerei auf⸗
ſchwatzen. Wir können keine Sympathie für
Irrthum haben, woher derſelbe auch fließen oder
wie ſehr er auch durch ſein Alter ehrwürdig ſein
mag. Wir haben keine Sympalhie für kirchen⸗
politiſche Vereinbarungen und keine für die Feh⸗
ler der ſymboliſchen Bücher oder für die Theolo⸗
gen, welche dieſe Fehler vertheidigen. Wir hal⸗
ten es für das undankbarſte Geſchäft, womit ſich,
wer ein Lutheaner zu ſein bekennt, befaſſen kann,
für einen Irrthum lediglich darum zu kämpfen,
weil er ſich in den ſymbol. BB. findet. Kein
Lutheraner ſollte Irrthum ehren, ihn mit Reſpekt
behandeln und ihn vertheidigen. weil ſeine Vä⸗
ter oder die Reformatoren für denſelben als An⸗
wälte auftraten.“

Dieſe und ähnliche abſcheuliche Auslaſſun⸗
gen hatte Herr Kurtz in Folge eines Aufſatzes
des „Evangelical Reviev“ zu Gunſten der
ſymboliſchen Bücher, gemacht. Darüber von
Correſpondenten zur Rede geſetzt, Reuckt er den

Artikel noch einmal Wort für Wort ab und ſeſt
u. A. noch hinzu: „Wir haben den beſoittenen
editoriellen Aufſatz noch einmal durchlaufen und
nach einer ſorgfältigen Durchſicht finden wir un
außer Stand, anch nur einen einzigen Gedan⸗
ken zurückzu nehmen; er muß daher bleiben ni⸗
anderen Aufſätzen des Herausgebers unwides⸗
rufen, unverändert und unbereut... Wir kln⸗
nen nicht jede in den Symbolen vorgetragen
Lehre für wahr annehmen. Wir glauben um
ſind davon überzeugt, daß ſie Irrthum enthallan.
nicht weſentlichen, aber nichts deſto wen
gerſehr erheblichen Irrthum, nament
lich in Betreff der Sakramente. Mu
lehrten ſo, als wir in das lutheriſche Predigtam
eintraten; die, welche uns examinirten, und di
Synode, welche uns mit unſerer amtlichen Vol
macht bekleidete, wußte dies;“ “*) die Majoritin
jener Synode, die Majorität der lutheriſchaf
Prediger und die große Maſſe unſerer caino
der haben über dieſen Gegenſtand dieſelben A
ſichten eingeſogen, die wir haben. Es iſt foly!
lich für uns unmöglich, unſeren Standpund
auf den ſymboliſchen Büchern zu nehmen“
Herr Dr. Kurtz kann alſo nicht anders, er muj
doch mit der Majorität, mit dem großen Haufaf
gehen!
Erſchrecklich über alles aber iſt, was der hen
Doktor nun in dem Folgenden ſagt. Er fähn
nämlich fort: „Wir bleiben auf dem Stand⸗
punkt der Bibel, und bei der Bibel allein, fen
von Tradition, von menſchlichen Glaubensb⸗f
kenntniſſen und menſchlichen Erfindungen; die
reine unverfälſchte Bibel, welche allein Gottuſ
lauteres unverändertes Wort iſt, iſt der eigent
liche Standpunkt für jeden lutheriſchen Previgaſ
Sie war die ewige Grundlage, auf welche du
hochgefeierte Luther und ſeine Genoſſen ſ!
ſtellten und von welcher ſie ſich nicht für 00

Augenblick oder den tauſendſten Theil einer Haa⸗
breite hinwegdrängen laſſen wollten. —Wir er⸗
ſtaunen über dieſe Berufung auf Luthers Blei⸗
ben bei der Bibel. Sie iſt das Non plus ultn
d. h. der höchſte Gipfel aller Unverſchämiheil.
Iſt's nicht eben Herr Dr. Kurtz, der din
Worte Gottes: „Das iſt mein Leibdurg
das Bad der Wiedergeburt' (Tit. 3,5)
— hört, als ob eine Gans geſchnattert hätte, und
der da ſpricht: „Das kann ich nicht glauben, dal
iſt wider den Common sense!“ Iſt es alſ
nicht Herr Dr. Kurtz ſammt ſeiner ganze
abgefallenen, zur Berrätherin gewordenen Wl
jorität, die eben deßwegen die ſymbo
liſchen Bücher nicht annehmen woh
len, weil ſie ſich dadurch nicht an dit
Bibel undihren Buchſtaben bindi
laſſen wollen? Denn wozu ſind unſt
Symbole anders, als dazu, an die Schrift,
das unverfälſchte Wort Gottes zu binden? „
—Es ſſ allervings wahr, daß man jetzt Auslegungs
werlett, von denen unſere lieben frommen Hater lein
Ahnung hatten, Auslegungskünſte, die den Menſchen uu
Beſchwerlichkeu überheben, mebr zu glauben, als was un

mit dem gemeinen Menſchenberſtand und ſeinen fünf Si⸗
nen begreifen kann. D. R. d. L.

**) Da kommen ſaubere Grundſätze heraus. dm
Dr. Kurtz meint alſo, ſeine Examinatoren und ſeine Spum
nehme ihm die Verantwortung ab, indem beide ihn troß ſ
feindſeligen Geſinnung gegen die lutheriſcht Kirche zu
Diener derſelben machten und ihn ſo als einen Verräther u
die Kirchenhurg einliehen.

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