# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 09 01_S159 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) nem Weſen und allen ſeinen Werken. Die Fungen in Betreff des Glaubens beantwortete er nicht allein mit einem einfachen: „Ja“ ſondern mit einer Bekräftigung: „Ja ich glaube ſicher⸗ lich.“ —Wir alle lobten Gott, der ſo Großes ge⸗ than hatte.Nach ſeiner Taufe ſtellte der Getaufte es in baldige Ausſicht, daß er auch ſein Haus darſtellen wolle, damit die ungetauften Glieder deſſelben die heil. Taufe empfingen. Darauf ſchritt man zu der Verſammlung, in welcher die große Frage entſchieden werden ſollte, —ob die Indianer von Bethanien nach Shebah— vonk ziehen oder ob die von Shebahvonk in Be⸗ thanien eine neue Heimath ſuchen ſollten. Da fand es ſich nun, daß die ganze Gemeinde ſowohl in den anweſenden als abweſenden Gliedern einſtimmig war, daß man beſſer thue, die Station Shebahponk eingehen zu laſſen und alle Brüder in Bethanien anzuſiedeln, als die große Menge der Pine⸗Lutheraner nach Shebahyonk zu ver⸗ „ ſettd. Wir konnten nicht anders, als nach Er⸗ wägung aller Umſtände ihnen Recht geben. Zwar ſind auf der andern Seite viele Vortheile nicht u überſehen, welche eine Ueberſiedelung der Belhanier nach Shebahyonk haben würde z. B. die herrliche Lage des Ortes Shebahyonk an der Saginaw Bay, die beſonders günſtig für den Verkehr, Handel, Schiffahrt und Fiſcherey iſt; aber wir durften dieſe Vortheile nicht zu hoch anſchlagen, da es ja ſelbſt unſre Aufgabe iſt, den Indianern zu helfen, daß ſie von ihrem Jagd und Fiſcherleben abſtehen und ſich zu einem or⸗ dentlichen Bauernleben bequemen. Die Gefahr aber, welche wir in einem früheren Verichte er⸗ » wähnten, durch die Methodiſten, die ſo nahe bei Bethanien und auch mitten im Orte ihr Unwe⸗ ſen treiben, verführt zu werden, wird dadurch mehr und mthr unſchädlich gemacht, daß die Ge⸗ n meinde in Bethanien ſich enger zuſammenſchließt »und ſo ſich mehr conſolidirt, wozu die Verſetzung der Shebahyonk⸗Indianer nach Bethanien viel beitragen kann.O Demnach ſtimuiten wir denn in denWunſch der Bethanier ein, die Brüderin Shebahyont zu bitten, nach Bethanien zu ziehen, ermahnten dann zu einem perſönlichen Beſuche in Shebahyonk, um den dortigen Brüdern das Herz willig zu machen und gaben zu bedenken, daß es unſer aller Pflicht ſei, die Koſten der % Miſſion möglichſt zu beſchränken, da wir die 2 Verpflichtung auf uns hätten, auch den andern 9. Genoſſen des Chippewav⸗-Stammes in Minne⸗ ſota, wo ſie bei Tauſenden leben, die Predigt des Evangeliums zu bringen. Die Verſammlung nahm alle unſre Mahnungen willig an und ward ſodann beſchloſſen. Des Abends geſchahen dann die gewöhnlichen Hausbeſuche, wobei wir bemerkten, daß faſt alle Indianer ſehr wohnlicht Blockhäuſer hatten. Leider aber wurden wir inne, daß die meiſten Häuſer für Geld von An⸗ — dern waren gebaut worden und daß die Indianer ſelbſt nur Handlanger-Arbeit dabei verrichtet hatten. Der HErr gebe, daß ſie auch in dieſer Hinſicht weiter kommen und bald ihre Vlockhäu⸗ ſer ſelbſt zu erbauen lernen. — Die perſönlichen Hausbeſuche bei den Indi⸗ anern ſind ſehr herzenuickend, indem die alte —157— bekannte Gaſifreundſchaft ſich dabei ſtets aufs Neue bethätigt. Mit inniger Freude begrüßen ſie ihre Gäſte und ſuchen ihnen irgend etwas Gutes mitzutheilen. Auch die alte Sahrah wurde noch einmal be⸗ ſucht und verſprach ihrerſeits, uns noch einen Gegenbeſuch am andern Morgen früh abzuſtat⸗ ten. Das führte ſie auch wirklich aus und ſo kalt es war, ſo erſchien ſie doch, um uns ihr letztes Boſchu zu ſagen und zugleich eine Bitte vorzutragen, daß wir ihr etwas Mehl ſchenken möchten. Es iſt überhaupt zu erwähnen, daß Bitten um Lebensmittel und andere Bedürfniſſe nicht allein von den Alten, ſondern auch von den Jungen und Arbeitsfähigen in Bethanien zu viel gethan wurden. Sie gleichen darin bis jetzt den Kindern, die mit großer Unbefangenheit nicht aufhören zu bitten, ſo lange ſie ſehen, daß ihre Bitten erfüllt werden. Daher es Zeit iſt, den übermäßigen Anforderungen, die freilich bittweiſe gemacht werden, entgegenzutreten, denn der HErr will nicht, daß die Seinen vom Bet⸗ teln leben ſollen. Der alten Sahrah bewilligten wir natürlich ihre Bitte gern.— Abends zuvor nahm uns noch der Nachbar der Miſſionare, Bemagojin, in Anſpruch, indem er bat, ihm in einer Angelegenheit zu helfen, die ihn zu ver⸗ derben drohte. Seine Frau nämlich hatte von einem engliſchen Kaufmann in Saginaw viele Gegenſtän de in Commiſſion bekommen, um ſie in Bethanien zu verkaufen. Sie hatte nun freilich alle Sachen theils in der eignen Familie verbraucht, theils an Andere verkauft; aber manche der Käufer waren ihr aus dem Gedächt⸗ niſſe entſchwunden oder geſtorben, ohne daß ſie gezahlt hatten, ſo daß ſie nicht im Stande war, ihre Schuld abzutragen. Nach einigem Warten hatte der Kaufmann ihr gedroht, daß er ihr Alles verkaufen laſſen wolle, was ſie habe. Darüber erſchrocken ſuchte ihr Mann bei uns um Schutz und Unterſtützung nach. In Bezug auf die erwartete Geldunterſtützung mußten wir ihn freilich ennäuſchen; aber wir brachten es nach⸗ mals in Saginaw bei den Kaufmann dahin, daß dieſer nicht allein von dem geforderten Gelde Etwas nachließ, ſondern auch verſprach, in Be⸗ treff der Zahlung Geduld zu haben. — Es war, ſo lange die Indianer noch in heidniſcher Un⸗ ordnung lebten, ſtets eine Unart der Weiber, daß ſie ganz unabhängig von dem Willen ihrer Männer Commiſſionen von engliſchen Kaufleuten übernahmen und dadurch ſtets in den Händen dieſer Leute waren, die ihnen nicht ſelten die ſchändlichſten unzüchtigſten Zumuthungen mach— ten und ſie betrogen, ſo viel ſie konnten. Es iſt zu rühmen, daß auch dieſem Unweſen die heil⸗ ſame chriſtliche Unterweiſung ein Ende macht. Nach einem herzlichen Abſchiede von den In⸗ dianern, von denen uns mehrere begleiteten, gingen wir wieder auf die Reiſe. Die kalten Tage hatten das Eis auf dem Pine⸗Fluſſe jetzt ſicherer gemacht, und wir gelangten ohne ſonder⸗ liche Gefahr in Einem Tage nach Saginaw⸗ City zurück, obwohl unſere Pferde 75 Meilen bis dahin zu laufen hatten. Der Miſſionar Mieſſler begleitete uns, weil eine Conferenz in Frankentroſt von uns verabredet war; in Sa⸗ ginaw angekommen erfuhr er zugleich, daß die Geburt eines Indianer⸗Kindleins in Franken⸗ muth ihn dahin zur Taufe rief. In dem letztern Orte iſt nämlich noch immer jener alte Indianer⸗ Doktor mit ſeiner Familie wohnhaft, den Viele der Leſer unter dem Namen Oloſchim kennen. Derſelbe iſt trotz aller Bemühungen, ihm das Evangelium nahe zu bringen, dennoch in ſeinem Heidenthum verblieben, ſchien aber ſeit Kurzem von dem Zuge der göttlichen Gnade mächtig be⸗ rührt, denn er ließ nicht allein ſein neugebornes Kind taufen, ſondern erklärte auch, daß er ſich jetzt entſchloſſen habe, ſich ſelbſt taufen zu laſſen; nur komme es ihm jetzt zu ſchnell, ſich augen⸗ blicklich dazu einzuſtellen. Er wolle deshalb einen andern Beſuch des Miſſionars abwarten.— Der Miſſionar taufte nun ſein Kind und brachte im Zwieſprach mit ihm ſelbſt eine lange Zeit bis tief in die Nacht zn, worin der alte Oldſchim ihm geſtand, daß er die „Anima“ (d. h. die Deutſchen von Frankenmuth) für ſeine rechten und eigentlichen Brüder anſehe, während ihm ſeine rothen Volksgenoſſen, die ihn ab und an beſuchten (nämlich die Methodiſten von Lapeer) als Feinde erſchienen, weil ſie ihm keine Liebe erwieſen. Bei ſo bewandten Umſtänden beſchloß der Miſſionar Mieſſler nicht lange auf ſich warten zu laſſen; ſondern, nachdem er der Conferenz in Frankentroſt noch einen halben Tag beige⸗ wohnt, eilte er nach Hauſe, um ſchoͤn in der folgenden Woche nach Frankenmuth zurückzu⸗ kehren. Er fand freilich nicht den alten Mann, wohl aber ſeine Frau bereit, ſich taufen zu laſ⸗ ſen. Der Mann ſelbſt bat ſich eine neue Be⸗ denkzeit aus. In voller verſammelter Gemeinde wurde die Taufe der Frau vollzogen. — Bald nach dieſer Taufe führte der Miſſionar auch ſei⸗ ne Reiſe nach Shebahyonk aus, wo man ſeiner wartete, um den Umzug der dortigen Indianer nach Bethanien zu beſprechen. Ihn begleiteten zwei junge Männer ſeiner Gemeinde, die als Abgeſandte der Bethanier die Shebahyonk-Ge⸗ meinde einladen ſollten, zu den Brüdern zu ziehen. Der Zweck dieſer Reiſe wurde vollſtän⸗ dig erreicht. In einer Verſammlung erklärten ſämmtliche Fantilien, daß ſie jetzt den feſten Ent⸗ ſchluß gefaßt hätten, mit Goit die Reiſe nach Bethanien anzutreten. Sie ſeien ſogar Augen⸗ blicks dazu bereit, die Ueberſiedelung auszufüh⸗ ren. Nur ſei ihnen bange (es war der 27. Fe⸗ bruar) daß das Eis zu früh aufbrechen möchte. Außerdem ſei jetzt die Zeit des Zuckermachens vor der Thür, und wollten ſie lieber dieſen Ver⸗ dienſt erſt noch mitnehmen, da ſie ihr Geräthe zum Zuckermachen doch nicht alle nach Bethanien mitſchleppen könnten. Sie hofften aber, etwa Ende des Aprils in Bethanien mit ihren Canoes einzutreffen. In Betreff ihrer Klärungen, die ſie nun verlaſſen müßten, ohne dergleichen in Vethanien wieder vorzufinden, waren ſie willig, dieſelben nach einem billigen Maaßſtabe abſchätz⸗ en zu laſſen, etwa 12 Dollars per Acker, welches Geld man ihnen zur Betreibung ihrer neuen Farmen in Bethanien auszahlen oder an der Bezahlung des Landes ſelbſt abrechnen möͤge.