# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 09 01_S158 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſelbſt eine Schulprüfung gehalten wurde. Es er⸗ ſchienen nun faſt ſämmtliche Frauen, Jünglinge, Jungfrauen und Kinder beiderlei Geſchlechts von den größten bis zu den kleinſten. Miännern waren nur drei da, nämlich der näch⸗ ſte Nachbar des Miſſionshauſes Bemagojin (Stephanus in der Taufe genannt) Wabi⸗ gonſchkom, ein alter Heide, der ſich zur Taufe entſchloſſen, aber dieſelbe noch immer hinausge⸗ Von —1⁵6— nur von den älteren Schülern erwartet, welche aber gut darin bewandert ſind. Doch iſt es noch nicht dahin gebracht, daß Jemand unter den Indianern mit ſolcher Fertigkeit den Cate- chismus ohne Einhülfe bekennen könnte, wie etwa ein guter Confirmande unter den meiſten Chriſtengemeinden. Im Rechnen ſcheint die Mehrzahl es noch nicht weit gebracht zu haben; es beſchränkt ſich meiſt aufs richtige Zählen und ſchoben hatte und ſein Schwiegerſohn Iſaac, auf die Löſung der einfachſten Exempel aus der der erſt kürzlich mit ſeiner Frau Rebecca zum hl. Abendmahl gegangen war. Es mag hier zugleich erwähnt werden, daß vor Kurzein zum erſten Male das heil. Abendmahl für Indianer und Engliſche gemeinſchaftlich war ausgetheilt wor⸗ den. Bisher hatte ſich nämlich eine Furcht unter. den chriſtlichen Indianern gezeigt, das Sacra⸗ ment des Altars zu empfangen, weil die Metho⸗ diſten, die ſtets als die Verderber der Kirche Gottes in Bethanien auftraten, ihnen daſſelbe als bloßes Weintrinken verdächtigt hatten. Da⸗ zu kam noch, daß lutheriſche Indianer in früh⸗ kren Zeiten es mit angeſehen hatten, in welche Verzückungen, gewaltſame Seufzer und unna⸗ türliches Jauchzen die Methodiſten nach dem Genuſſe des heil. Abendmahls gerathen waren. Da hatte ſich ihrer die Beſorgniß bemächtigt, als bringe etwa der Genuß des heil. Mahles oder wie die Methodiſten ſich ausdrückten „das Wein⸗ minken“' ſolche Wirkungen der geiſtlichen Aus— gelaſſenheit hervor. Dieſer heilloſe Eindruck von einem falſchen Gebrauche des heil. Mahles unter den Methodiſten und deſſen verderbliche Folgen mußte erſt einer gründlichen Vorbereitung zum heil. Abendmahle weichen. Mit großer Vegierde erwarteten die Kinder den Anfang der Prüfung, obwohl ihnen das Herz etwas pochte. Unter den zu Prüfenden waren auch erwachſene Jünglinge und Jung⸗ frauen, die ſich gern noch den Kindern anſchlie⸗ ßen, um mit ihnen unterrichtet zu werden und die Bibel leſen zu lernen. Die Schule iſt in drei Claſſen getheilt; daher dieſelben auch nach ein— ander geprüft wurden. Gegenſtände der Prü⸗ fung waren Leſen, Schreiben, Nechnen, Cate⸗ chismus, bibl. Geſchichte, Geſang. Der letztere erfreut die Indianer Jung und Alt aufs höchſte; ihre Stimmen ſind rein und klar und Melodien prägen ſich ihnen leicht ein. Davon legte auch dieſe Präfung ein Zeugniß ab. Bibl. Geſchichte wird nach Bildern gelehrt und die Schüler, we⸗ nigſtens die älteren, bewieſen, daß ſie die Kai⸗ ſerswertherBilderbibel gut verſtanden, da ſie den Zuſammenhang der Perſonen und Verhältniſſe durch mündliches Erzählen gut auseinander zu ſetzen wußten. Bilder ſind für die Indianer ſehr anziehend; daher, wenn irgend Jemand unter den lieben Leſern einen Vorrath von guten Bildern der heil. Geſchichte hätte, er durch eine Schenkung von dergleichen an die Miſſionsſtation Bethanien den Indian iſchen Brüdern einen. großen Liebesdienſt und wahre Freude bereiten würde. Was den Catechismus betrifft, ſo ſind die 10 Gebote, der Glaube und das Vater unſer Allen bekannt und geläufig; die andern Haupt⸗ geinen Speties. Das Schreiben beweiſt wieder, wie fähig die jungen Indianer zur Ausbildung ſind; wir ſahen Schreibeproben, worüber wir unſere große Freude hatten. Das Leſen endlich iſt bei den Größeſten ſo weit fortgeſchritten, daß ſie das Neue Teſtament leidlich in der Indiani⸗ ſchen Sprache leſen können; die miitlere Claſſe ſyllabirte u. die untere buchſtabirte. Die kleinſten Kinder endlich waren noch damit beſchäftigt, das A. B. C. zu lernen, welches ihnen ſehr ſchwer zu fallen ſcheint. In Bezug auf die Zucht fan⸗ den wir in Vergleich mit der Schule zu She— bahyonk einen bedeutenden Unterſchied. An dem letztern Orte bemerkten wir keinen Verſtoß gegen die Schulzucht; dagegen war aber auch keine lebendige Regſamkeit unter ihnen zu ſpü⸗ ren. In Bethanien wars ganz anders. Man ſah, ſelbſt bei dieſer immerhin feierlichen Prüfung, wie überall die Lebendigkeit des Geiſtes ſich auch ins Unerlaubte hinüber geltend machen wollte und daher überwacht werden mußte. Und ſo war es ſogar auch am folgenden Tage während der Kirche. Sie legten ſich keinerlei Zwang auf, um Störungen zu vermeiden, ſondern gingen je nach Bedürfniß aus und ein, ohne irgendwelche Aengſtlichkeit zu verrathen. Freundliche Zu— rechtweiſungen wurden zwar gehorſam beachtet, aber mit einer Art fröhlichen Verwunderung, daß man ſolche veranlaßt haben könne.— Mittlerweile war es Zeit geworden, einige Hausbeſuche zu machen. Vor allen Dingen war es uns ein Bedürfniß, die alte 100 jährige Sahrah aufzuſuchen. Wir nahmen den Doll⸗ metſcher mit, und nachdem wir die liebe Alte mit einem neuen warmen Anzuge erfreut hatten, der ihr von dem Frankenluſter Nähverein gefertigt war, ſo knüpften wir mit ihr ein Geſpräch an. Wir freuten uns ihres leiblichen Wohlergehens und ſie ſelbſt äußerte, daß es ihr nicht nach der gewöhnlichen Welt Weiſe gehe, daß ſie etwa mit dem zunehmenden Alter mehr zuſammenſchrump⸗ fe, ſondern ſie werde mit den Jahren ſtärker u. ſtärker. Wir fragten ſie dann, ob ſie zur Stär⸗ kung ihres Glaubens ſchon das heil. Abendmahl genoſſen habe; ſie antwortete, ſie habe es nicht erwartet, daß es Einige von ihren rothen Glau⸗ bensgenoſſen mitfeiern würden, ſonſt würde ſie ſich auch dazu gemeldet haben. Im Hintergrunde ſchien auch bei ihr eine gewiſſe Scheu geweſen zu ſein, etwa uls die erſte von Allen ſich zu dieſem Genuſſe des Leibes und Blutes des HErrn zu melden. Sie verſprach jedoch nun, daß ſie bei der nächſten Feier des heil. Abendmahls ſich nicht länger mehr wolle abhalten laſſen, auch herzu⸗ treten, nachdem ſie dazu vorbereitet worden ſei. ſtücke nebſt ver lutheriſchen Erklärung werden Um ihre Dankbarkeit auszudrücken, holte ſie ein Tüchlein hervor, wohinein ſie einige Stücke ge⸗ dörrtes Hirſchfleiſch that mit der Bitte, den Freundinnen, die ſie beſchenkt hätten, mitzuthei⸗ len. — Nach dem Abſchiede von ihr ging ich mit dem Dollmetſcher Gruet in deſſen Familie, um dieſelbe zu begrüßen. Ich fand, daß ſie vom HErrn auf Seine guten Wege geleitet worden war. Die Mutter und ihre älteſte Tochter hatten der falſchen römiſchen Kirche entſagt und waren Glieder der lutheriſchen Kirche geworden, inden ſie an der letzten Abendmahlsfeier Theil genom⸗ men hatten. Auch der Hausvater hatte ſich zum Uebertritt gemeldet und es waren nur noch einigt Hinderniſſe des öffentlichen Actes zu beſeitigen geweſen. Von den Miſſſonaren erfuhr ich, daß Gruet als Dollmetſcher ſeine Pflicht in der Miſſion treulich erfüllt habe und von ſeinen alten Ge⸗ brechen immer mehr geheilt werde. Am Sonntag Morgen war die früheſte Kirch⸗ gängerin die alte Sahrah, welche, geführt von ihrer Großtochter in die Wohnſtube eintrat, um ſich von ihrem Gange zu erholen und ſich zu wärmen, ehe ſie dem Gottesdienſte beiwohnte. Die öffentliche Verſammlung war zahlreich, ob⸗ wohl ſo viele Hausväter abweſend waren. Miſſ. Mieſſler hielt die Morgen, Miſſ. Röder dir Nachmittagspredigt. Nach der Morgenpredigi führten die beiden Shebahyonk-Indianer, die zu unſerer Begleitung mitgefahren waren, einen Verwandten zu uns hinein, der 6 Meilen von Bethanien mit ſeinem Schwiegervater im Buſcht lebte. Die ganze Familie deſſelben war bis dahin noch dem Heidenthum ergeben geweſen; ja ſeine Schwiegermutter war zur ſchrecklichen Warnung für alle Gleichgeſinnte im vorigen Sommer mitten in ihrem heidniſchen Leben von ihrem eignen 13 jährigen Sohn beim Ausſteigen aus dem Canoe von ohngefähr erſchoſſen wor⸗ den. Der jetzt eingetretene junge Mann, etwa 30 Jahre alt, war ſehr nachdenklich und ſchien etwas auf dem Herzen zu haben. Die Miſſio⸗ nare knüpften ein ernſtes Geſpräch über ſeinen Seelenzuſtand mit ihm an; er ging darauf ein und ließ ſich willig über ſeinen Unglauben ſtra⸗ fen, daß er ſo lange Gottes Wort verachtet hat⸗ te. Darauf bot er ſein Boſchu und verließ das Zimmer, indem er die Hoffnung bei uns zurück⸗ ließ, daß das gehörte Wort zu ſeiner Zeit Frucht tragen werde. Dieſe Frucht ſollten wir bald ſchauen. Denn ſchon nach einer Viertelſtunde kehrte er mit der ſehnlichen Bitte zurück, noch heute zur Taufe zugelaſſen zu werden. Schon hatte der Nachmittagsgottesdienſt beginnen ſol⸗ len; aber jetzt verzögerte man ihn noch eine Viertelſtunde, um die nöthigen Vorfragen von dem Indianer beantwortet zu haben und ein gutes Bekenntniß von ihm zu erlangen. Dies fiel befriedigend aus, und man konnte wohl kei⸗ nen heilsbegierigeren Sünder ſehen, als dieſen jungen Mann. Die Taufe ward vollzogen, ſo⸗ bald der gewöhnliche Gottesdienſt beendet war; in öffentlicher Verſammlung trat der Täufling, von zwei andern Indianern geleitet, vor, um das Sacrament der heil. Taufe zu empfangen. Laut und deutlich beantwortete er die Fragen über die Abſagung vom Teufel, und allem ſei⸗