Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 8 › Seite 62
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-12-22, Seite 62
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Anhang. ö · Temperänz 10
wweifelhaften Dingen bei dem Urtheile des Pap⸗
ſtes zu beruhen und zu thun, was jener gebietet.“
(Lib. 4. de pont. Rom. c. 5.)
Toletus ſchreibt: „Zuweilen iſt es erlaubt,
Zweideutigkeiten anzuwenden und den, welcher
es hört, zu betrügen; nicht immer, ſondern wenn
der Richter einen Eid wider Recht verlangt, iſt
es erlaubt, Zweideutigkeit zu brauchen und
nach ſeinem Sinne wider den Sinn des Richiers
zu ſchwören; z. B., wenn ein Richter fragt:
Haſt du das gethan? antworte man: „Ich
habees nicht gethan,“ indem man in
ſeinem Innern meint: „daß ich dies ſage, oder
zu dieſer Zeit, oder etwas Aehnliches. Und
wenn der Mann ſein Weib fragt, ob ſie eine
Chebrecherin ſei, kann dieſelbe ſagen, nein, ich
bins nicht, obgleich es der Fall iſt, indem
ſie es ſo verſteht: „daß ich es dir offenbare.“
So wenn jemand gezwungen wird, zu ſchwören,
daß er eine andere zur Braut nehme, kann er
dabei denken: wenn es mir ſpäter gefallen
ſollte.“ Und wer, wenn er von Räubern ergrif⸗
fen wird, ſchwört, daß er hernach hundert Du⸗
caten geben wolle, um befreit zu werden, und,
indem er zweideutig ſchwört, bei ſich ſagt: wenn
ts mir hernach belieben ſollte, der iſt dann nicht
verbunden, zu bezahlen. So kann auch einer,
der widerrechtlich von einem Gefängnißwärter
gefangen gehalten wird, indem er, um lesge⸗
laſſen zu werden, ſchwoͤrt, daß er hernach zurück⸗
kehren werde, ſich einer Zweideutigkeit bedienen
und iſt dann nicht verbunden, zurückzukehren.“
(Lib. IV. Instruct. Sacerd. c. 21.)
So ſchreibt Escobar, ein ſpaniſcher Je⸗
ſuit, von Valladolid, geſtorben 1669: „Iſt es
Sünde, ſich bei dem Eidſchwur der Zweideutig⸗
keit im Ausdruck zu bedienen, das heißt, die
Worte in einem anderen Sinne zu nehmen, als
der andere dieſelben nimmt? An ſich iſt's nicht
unrecht; oft kann es eine Sünde ſein. Bei
einer guten Urſache iſts erlaubt, ſich der Zwei⸗
deutigkeit im Ausdruck zu berienen. Wenn eine
ſolche Zweideutigkeit nur in dem Ver⸗
ſtande iſt, und die Worte ſelbſt ſie nicht in ſich
faſſen, ſo iſt es eine probable Meinung, daß es
nicht erlaubt iſt, (ſo) zu ſchwören, aber noch
probabler iſt es, daß es nicht un erlaubt
ſei.“ (Theol. moral. tract. I. exam. 3. c. 4.)
So ſchreibt Sanchez, geſtorben zu Gra⸗
nada 1610: „Es wird bezweifelt, ob es einem
Unſchuldigen erlaubt ſei, ein Duell4) anzuneh⸗
men oder anzubieten, wenn es gewiß iſt, daß
ihn der Kläger durch Betug im Gericht unter⸗
drücken und für ihn eine ungerechte Verurthei⸗
lung erlangen werde. Einige ſagen, daß keines
von beiden erlaubt ſei ... Aber beſſer ſagen
andere, daß einem ſolchen Unſchuldigen das Du⸗
ell erlaubt ſei zum Schutz ſeines Lebens, ſeiner
Ehre und ſeines Vermögens, wenn es ſich um
etwas beträchtliches handelt, wenn es völlig ge⸗
wiß iſt, daß der Kläger ungerecht und verläum⸗
deriſch verfahre, und wenn völlig gewiß iſt,
daß der Unſchuldige dieſes verlieren werde
Ein Zweikampf, der erſt mit dem Tode eints der Käm⸗
yſenden zu Endt iſt.
— 60 —
und daß ihm kein anderes Mittel, der Sache
zu entgehen, zu Gebote ſtehe. Denn weil dieſes
Duell die Art einer Vertheidigung annimmt, ſo
iſt dieſe Vertheidigung gegen den Angreifenden
erlaubt, ſowohl zum Schutz des Lebens nud der
Ehre, als auch des Vermögens. — Ja, gut
ſagt Navarra „(ein ſpaniſcher Theolog von
Toledo)“ daß der Unſchuldige nicht verbunden
ſti ein Duell anzunehmen, noch es anzutragen⸗
wenn er da durch, daß er jenen
heimlich tödtet, dieſer Gefahr in
Betreff ſeines Lebens, ſeiner Eh⸗
re und ſeines Vernögens entge⸗
hen kann. Denn ſo wird er die drohende
eigene Lebens gefahr beim Duell und die Sünde
des Klägers, der das Duell anbietet oder an⸗
nimmt, vermeiden.“ (In praecepta decalogi
lib.II. c. 89.) Alſo ſelbſt der gute Zweck,
ſein Geld zu reiten heiligt das Mittel des Meu—
chelmords.
(Fortſetz ung folgt.)
X— m
Katechismusauslegung
aus
Dr. Luthers Schriften und den ſymboliſchen
Büchern zuſammengeſtellt von E. G. W. Keyl,
Paſtor der evang. luth. St. Paulsgemeinde in
Baltimore.
Obwohl überzeugt, daß die lieben Leſer des
Lutheraners ſchon durch die früheren Anzeigen
der Katechismusauslegung des Herrn Paſtors
Keyl geneigt ſein werden, dies ſchöne Buch ſich
anzuſchaffen, halte ich es doch nicht für überflüſ⸗—
ſig, mit Mehrerem auf daſſelbe aufmerkſam zu
machen. Diejenigen Brüder, welche bei Gele⸗
genheit der letzten Synodalverſammlung mich
beauftragten, ihnen die Katechismusauslegung
zu beſorgen, werden von der Buchhandlung der
Herrn Schäfer und Koradi in Philadelphia die
gewünſchten Exempliare alle oder doch zum Theil
erhalten haben. Die erſte Sendung, welche hier⸗
her gelangte, war ſogleich erſchöpft, aber eine
größere iſt bereits unterwegs. Das Exemplar
koſtet einen Dollar, aber da das Porto, wenn es
voraus bezahlt wird, für alle Theile der Verei⸗
nigten Staaten nur etwa 10 Cents das Erem⸗
plar beträgt, ſo übernimmt die Buchhandlung
dieſe Vorausbezahlung und bittet die Empfän⸗
ger neben dem 51 00 etwa 3 Poſt-ſtamps (alſo
9 Cts. werth) einzuſenden, damit ſie es portofrei
empfangen können.
Was im Allgemeinen in dem Buche zu fin⸗
den iſt, wurde bereits angezeigt. Herr Paſtor
Keyl gedenkt unter Gottes gnädigem Beiſtande
den ganzen kleinen Lutheriſchen Katechismus
durch genaue Zuſammenſtellung Alles deſſen,
was in Dr. Luthers Schriften und in den Sym⸗
boliſchen Büchern über den Katechismus und
die Lehre deſſelben geſagt iſt, auszulegen. Das
Werk, welches wir auf dieſe Weiſe erhalten,
wird die chriſtliche Lehre in ihrem vollen Umfan⸗
ge und Inhalte darſtellen, wie dieſelbe ven Dr.
Martin Luther und den Symboliſchen Büchern
vorgetragen wird. Daß ein ſolches Werk noth⸗
wendig iſt und von groͤßer ſegensreicher Wirkung
——
ſein wird, müſſen wir Alle einſehen, weil wir
ja wiſſen, daß die Chriſtenheit von großer Un⸗
wiſſenheit in der lauteren Lehre des Wortes Got⸗
tes heimgeſucht und mit entſetzlicher Uneinigkeit
des Glaubens geplagt iſt: wir bedürfen es, daß
wir uns die chriſtliche Lehre in ihrer Reinheit
und Fülle vom Dr. Luther wieder vorhalten laſ⸗
ſen. Auch haben wir es gewiß ſelbſt ſchon be—
merkt, daß die Rede, welche die chriſtlichen Lehrer
jetziger Zeit zumeiſt führen, uns ſelbſt, wenn
wir ſie leſen, unverſtändlich oder doch höchſt
unerbaulich iſt, daß dagegen, wenn wir ſie Dr. Lu⸗
ther reden hören, nicht bloß das Ohr, ſondern
auch der Geiſt verſteht und lauſcht und das Herz.
von der Fülle der ewigen Gedanken Gottes er—
griffen und zu Reue und Glauben fortgeriſſen
wird. Darum nach Inhalt und Form hat Hr.
Paſtor Keyl ein wichtiges und erbauliches Wer
unternommen; betrachten wir nun den Umfang
deſſelben, wie er in dem vorliegenden erſten Ban⸗
de als Auslegung des erſten Hauptſtücks, der
hl. 10 Gebote, vorliegt.
„Es iſt eine fleißige Arbeit“, das iſt das erſte
Urtheil, welches ich aus Deutſchland über dies
Buch vernommen habe. Auf 440 Seiten und
und vermittelſt 931 Fragen erläutert es uns die
heiligen 10 Gebote durch Auszüge aus der gro⸗
ßen Anzahl der Schriften Dr. Luthers und aus
den Symboliſchen Büchern. Wer Aufſchluß be—
gehrt über die Art, wie die Arbeit ausgeführt
wurde, aber auch ſich einen Begriff machen möchte
von der Schwierigkeit derſelben, beachte den Be⸗
richt darüber, welchen der Verfaſſer auf Seite
VIund VII der Vorrede giebt. Dem oben an⸗
geführten Urtheile fügt mein Correspondent hin⸗
zu, das Buch ſei nur gar zu weit angelegt, und
trifft damit vielleicht die Gedanken muͤncher
Leſer dieſer Anzeige. Allein der Verfaſſer
hat auch dieſe Gedanken gehabt und doch
die Anlage nicht kürzer gemacht. Er konnte
ja einestheils dem Dr. Luther nicht vorſchreiben,
ſo viel Ausſprüche nur als zu einem ſo und ſo
furzen Buche nothwendig ſind, über die Lehre
des Katechismus zu thun; andertheils durfte der
Verfaſſer, wollte er anders treu ſein, nicht den
einen Ausſpruch Luthers wählenund den andern
verwerfen, ſondern war gebunden, zu geben,
was Luther giebt. Legt uns nun Dr. Luther
den Katechism1us auf 440 Seiten aus, ſo wol⸗
len wir vor dieſer Auslegung, als ſei ſie zu weit⸗
läufig, nicht erſchrecken, ſondern dem Hra. Pa⸗
ſtor Keyl Gottes Lohn dafür wünſchen, daß er
uns ſolch edle Gabe hat zukommen laſſen, und
uns zu den Füßen des alten treuen und geiſtrei⸗
chen Dr. Luther ſetzen und ihm zuhören mit Ohr
und Herz. So wenig wie in Luthers Schriften
überhaupt, ſo wenig ſteht auch in dieſer Kate⸗
chismusauslegung Ueberflüſſiges oder Geiſtlo⸗
ſes, vielmehr wird der Leſer mit jeder Seite nur
begieriger, weiter zu leſen. (Siehe Seite IX.
und Xder Vorrede).
Die Anlage des Buches iſt höchſt einfach
Es beginnt mit einer Einleitung, welche in 4
verſchiedenen Theilen zeigt, was der Katechis⸗
mus, was namenilich der kleine Katechismus
—
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