# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 12 22_S62 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) wweifelhaften Dingen bei dem Urtheile des Pap⸗ ſtes zu beruhen und zu thun, was jener gebietet.“ (Lib. 4. de pont. Rom. c. 5.) Toletus ſchreibt: „Zuweilen iſt es erlaubt, Zweideutigkeiten anzuwenden und den, welcher es hört, zu betrügen; nicht immer, ſondern wenn der Richter einen Eid wider Recht verlangt, iſt es erlaubt, Zweideutigkeit zu brauchen und nach ſeinem Sinne wider den Sinn des Richiers zu ſchwören; z. B., wenn ein Richter fragt: Haſt du das gethan? antworte man: „Ich habees nicht gethan,“ indem man in ſeinem Innern meint: „daß ich dies ſage, oder zu dieſer Zeit, oder etwas Aehnliches. Und wenn der Mann ſein Weib fragt, ob ſie eine Chebrecherin ſei, kann dieſelbe ſagen, nein, ich bins nicht, obgleich es der Fall iſt, indem ſie es ſo verſteht: „daß ich es dir offenbare.“ So wenn jemand gezwungen wird, zu ſchwören, daß er eine andere zur Braut nehme, kann er dabei denken: wenn es mir ſpäter gefallen ſollte.“ Und wer, wenn er von Räubern ergrif⸗ fen wird, ſchwört, daß er hernach hundert Du⸗ caten geben wolle, um befreit zu werden, und, indem er zweideutig ſchwört, bei ſich ſagt: wenn ts mir hernach belieben ſollte, der iſt dann nicht verbunden, zu bezahlen. So kann auch einer, der widerrechtlich von einem Gefängnißwärter gefangen gehalten wird, indem er, um lesge⸗ laſſen zu werden, ſchwoͤrt, daß er hernach zurück⸗ kehren werde, ſich einer Zweideutigkeit bedienen und iſt dann nicht verbunden, zurückzukehren.“ (Lib. IV. Instruct. Sacerd. c. 21.) So ſchreibt Escobar, ein ſpaniſcher Je⸗ ſuit, von Valladolid, geſtorben 1669: „Iſt es Sünde, ſich bei dem Eidſchwur der Zweideutig⸗ keit im Ausdruck zu bedienen, das heißt, die Worte in einem anderen Sinne zu nehmen, als der andere dieſelben nimmt? An ſich iſt's nicht unrecht; oft kann es eine Sünde ſein. Bei einer guten Urſache iſts erlaubt, ſich der Zwei⸗ deutigkeit im Ausdruck zu berienen. Wenn eine ſolche Zweideutigkeit nur in dem Ver⸗ ſtande iſt, und die Worte ſelbſt ſie nicht in ſich faſſen, ſo iſt es eine probable Meinung, daß es nicht erlaubt iſt, (ſo) zu ſchwören, aber noch probabler iſt es, daß es nicht un erlaubt ſei.“ (Theol. moral. tract. I. exam. 3. c. 4.) So ſchreibt Sanchez, geſtorben zu Gra⸗ nada 1610: „Es wird bezweifelt, ob es einem Unſchuldigen erlaubt ſei, ein Duell4) anzuneh⸗ men oder anzubieten, wenn es gewiß iſt, daß ihn der Kläger durch Betug im Gericht unter⸗ drücken und für ihn eine ungerechte Verurthei⸗ lung erlangen werde. Einige ſagen, daß keines von beiden erlaubt ſei ... Aber beſſer ſagen andere, daß einem ſolchen Unſchuldigen das Du⸗ ell erlaubt ſei zum Schutz ſeines Lebens, ſeiner Ehre und ſeines Vermögens, wenn es ſich um etwas beträchtliches handelt, wenn es völlig ge⸗ wiß iſt, daß der Kläger ungerecht und verläum⸗ deriſch verfahre, und wenn völlig gewiß iſt, daß der Unſchuldige dieſes verlieren werde Ein Zweikampf, der erſt mit dem Tode eints der Käm⸗ yſenden zu Endt iſt. — 60 — und daß ihm kein anderes Mittel, der Sache zu entgehen, zu Gebote ſtehe. Denn weil dieſes Duell die Art einer Vertheidigung annimmt, ſo iſt dieſe Vertheidigung gegen den Angreifenden erlaubt, ſowohl zum Schutz des Lebens nud der Ehre, als auch des Vermögens. — Ja, gut ſagt Navarra „(ein ſpaniſcher Theolog von Toledo)“ daß der Unſchuldige nicht verbunden ſti ein Duell anzunehmen, noch es anzutragen⸗ wenn er da durch, daß er jenen heimlich tödtet, dieſer Gefahr in Betreff ſeines Lebens, ſeiner Eh⸗ re und ſeines Vernögens entge⸗ hen kann. Denn ſo wird er die drohende eigene Lebens gefahr beim Duell und die Sünde des Klägers, der das Duell anbietet oder an⸗ nimmt, vermeiden.“ (In praecepta decalogi lib.II. c. 89.) Alſo ſelbſt der gute Zweck, ſein Geld zu reiten heiligt das Mittel des Meu— chelmords. (Fortſetz ung folgt.) X— m Katechismusauslegung aus Dr. Luthers Schriften und den ſymboliſchen Büchern zuſammengeſtellt von E. G. W. Keyl, Paſtor der evang. luth. St. Paulsgemeinde in Baltimore. Obwohl überzeugt, daß die lieben Leſer des Lutheraners ſchon durch die früheren Anzeigen der Katechismusauslegung des Herrn Paſtors Keyl geneigt ſein werden, dies ſchöne Buch ſich anzuſchaffen, halte ich es doch nicht für überflüſ⸗— ſig, mit Mehrerem auf daſſelbe aufmerkſam zu machen. Diejenigen Brüder, welche bei Gele⸗ genheit der letzten Synodalverſammlung mich beauftragten, ihnen die Katechismusauslegung zu beſorgen, werden von der Buchhandlung der Herrn Schäfer und Koradi in Philadelphia die gewünſchten Exempliare alle oder doch zum Theil erhalten haben. Die erſte Sendung, welche hier⸗ her gelangte, war ſogleich erſchöpft, aber eine größere iſt bereits unterwegs. Das Exemplar koſtet einen Dollar, aber da das Porto, wenn es voraus bezahlt wird, für alle Theile der Verei⸗ nigten Staaten nur etwa 10 Cents das Erem⸗ plar beträgt, ſo übernimmt die Buchhandlung dieſe Vorausbezahlung und bittet die Empfän⸗ ger neben dem 51 00 etwa 3 Poſt-ſtamps (alſo 9 Cts. werth) einzuſenden, damit ſie es portofrei empfangen können. Was im Allgemeinen in dem Buche zu fin⸗ den iſt, wurde bereits angezeigt. Herr Paſtor Keyl gedenkt unter Gottes gnädigem Beiſtande den ganzen kleinen Lutheriſchen Katechismus durch genaue Zuſammenſtellung Alles deſſen, was in Dr. Luthers Schriften und in den Sym⸗ boliſchen Büchern über den Katechismus und die Lehre deſſelben geſagt iſt, auszulegen. Das Werk, welches wir auf dieſe Weiſe erhalten, wird die chriſtliche Lehre in ihrem vollen Umfan⸗ ge und Inhalte darſtellen, wie dieſelbe ven Dr. Martin Luther und den Symboliſchen Büchern vorgetragen wird. Daß ein ſolches Werk noth⸗ wendig iſt und von groͤßer ſegensreicher Wirkung —— ſein wird, müſſen wir Alle einſehen, weil wir ja wiſſen, daß die Chriſtenheit von großer Un⸗ wiſſenheit in der lauteren Lehre des Wortes Got⸗ tes heimgeſucht und mit entſetzlicher Uneinigkeit des Glaubens geplagt iſt: wir bedürfen es, daß wir uns die chriſtliche Lehre in ihrer Reinheit und Fülle vom Dr. Luther wieder vorhalten laſ⸗ ſen. Auch haben wir es gewiß ſelbſt ſchon be— merkt, daß die Rede, welche die chriſtlichen Lehrer jetziger Zeit zumeiſt führen, uns ſelbſt, wenn wir ſie leſen, unverſtändlich oder doch höchſt unerbaulich iſt, daß dagegen, wenn wir ſie Dr. Lu⸗ ther reden hören, nicht bloß das Ohr, ſondern auch der Geiſt verſteht und lauſcht und das Herz. von der Fülle der ewigen Gedanken Gottes er— griffen und zu Reue und Glauben fortgeriſſen wird. Darum nach Inhalt und Form hat Hr. Paſtor Keyl ein wichtiges und erbauliches Wer unternommen; betrachten wir nun den Umfang deſſelben, wie er in dem vorliegenden erſten Ban⸗ de als Auslegung des erſten Hauptſtücks, der hl. 10 Gebote, vorliegt. „Es iſt eine fleißige Arbeit“, das iſt das erſte Urtheil, welches ich aus Deutſchland über dies Buch vernommen habe. Auf 440 Seiten und und vermittelſt 931 Fragen erläutert es uns die heiligen 10 Gebote durch Auszüge aus der gro⸗ ßen Anzahl der Schriften Dr. Luthers und aus den Symboliſchen Büchern. Wer Aufſchluß be— gehrt über die Art, wie die Arbeit ausgeführt wurde, aber auch ſich einen Begriff machen möchte von der Schwierigkeit derſelben, beachte den Be⸗ richt darüber, welchen der Verfaſſer auf Seite VIund VII der Vorrede giebt. Dem oben an⸗ geführten Urtheile fügt mein Correspondent hin⸗ zu, das Buch ſei nur gar zu weit angelegt, und trifft damit vielleicht die Gedanken muͤncher Leſer dieſer Anzeige. Allein der Verfaſſer hat auch dieſe Gedanken gehabt und doch die Anlage nicht kürzer gemacht. Er konnte ja einestheils dem Dr. Luther nicht vorſchreiben, ſo viel Ausſprüche nur als zu einem ſo und ſo furzen Buche nothwendig ſind, über die Lehre des Katechismus zu thun; andertheils durfte der Verfaſſer, wollte er anders treu ſein, nicht den einen Ausſpruch Luthers wählenund den andern verwerfen, ſondern war gebunden, zu geben, was Luther giebt. Legt uns nun Dr. Luther den Katechism1us auf 440 Seiten aus, ſo wol⸗ len wir vor dieſer Auslegung, als ſei ſie zu weit⸗ läufig, nicht erſchrecken, ſondern dem Hra. Pa⸗ ſtor Keyl Gottes Lohn dafür wünſchen, daß er uns ſolch edle Gabe hat zukommen laſſen, und uns zu den Füßen des alten treuen und geiſtrei⸗ chen Dr. Luther ſetzen und ihm zuhören mit Ohr und Herz. So wenig wie in Luthers Schriften überhaupt, ſo wenig ſteht auch in dieſer Kate⸗ chismusauslegung Ueberflüſſiges oder Geiſtlo⸗ ſes, vielmehr wird der Leſer mit jeder Seite nur begieriger, weiter zu leſen. (Siehe Seite IX. und Xder Vorrede). Die Anlage des Buches iſt höchſt einfach Es beginnt mit einer Einleitung, welche in 4 verſchiedenen Theilen zeigt, was der Katechis⸗ mus, was namenilich der kleine Katechismus —