Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 8 › Seite 59
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-12-22, Seite 59
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gnadenwahlslehrſtreit. —— 34 · Jeſuiten 2
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VBottes Wort und Juthers Lehr“ vergehet nun und nimmermebr.““
Herausgegeben von der Deutſchen Ev. Luther. Synode von Miſſouri,
Nedigirt von C. F. W. Walther.
(ſſenb. Joh. Cap. 14 v 6. 7.
7⁴
Ohio und andern Staaten
Jahrg. 10.
St. Louis, Mo., den 6. December 1853.
No. 8.
Bedingungen:
ů PVer Lutteraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jäbrlichen
Subſcrivtiensrreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben voraus zube⸗
ahleu und cas Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne No. für 5 Cents verkauft.
aber.
Jeſuitismus.
(Fortſetzung.)
Daß die Jeſuiten unmoraliſche Grundſätze
hegen, iſt, wie wir geſehen haben, ſelbſt im Bre—⸗
ve eines Papſtes, woraus wir in voriger
Nummer einen Auszug in wortgetreuer Ueberſe⸗
tung geliefert haben, ſo unzweideutig ausge⸗
ſprochen, daß es nur die Unverſchämtheit läug⸗
nen kann. Wenn nun der St. Louiſer „Herold
des Glaubens“ den Jeſuitismus dennoch von
der Schuld losſpricht, unmoraliſche Grundſätzt
zu hegen, ſo hat er uns, einen Lutheraner, da—
durch in die merkwürdige Lage verſetzt, ihm, ei⸗
nem Diener des Papſtes, beweiſen zu müſſen⸗
daß ſein Papſt in jenem „apoſtoliſchen Breve“
nicht gelogen und verläumdet hat. So wenig
wir aber ſonſt geneigt ſind, einen Papſt gegen
die Anklage, daß er gelogen habe zu rechtferti⸗
gen, ſo thun wir es doch in dem gegenwärtigen
Falle ohne Zögern, und überlaſſen es getroſt
rem „Herold des Glaubens“ dits als ein neu⸗
ts Zeugniß eines Proteſtanten für das Papſt⸗
thum ſeinen Leſern mitzutheilen.
Ehe wir jedoch die Belege für die Wahrheit
der Beſchuldigung, daß die Jeſuiten die gontlo⸗
ſeſten Grundſätze hegen und darnach handeln, aus
ihren Schriften geben, müſſen wir eine Hinter⸗
thür verſchließen, durch welche die Jeſuitenfreun⸗
Nur die Briefe, welche Mitiheilungen für
welche Geſchäftliches, Veſtellungen, Abbeſtellungen. Gelder 16. enthalten, unter der Adreſſe
Mr. F. W. Barthei, care of C. F
das Blatt enthalten, ſind an den Redakteur, alle anderon
W. Walther, St. Louis, Mo., auber zu ſenden.
de gewöhnlich zu entſchlüpfen ſuchen, wenn ih⸗
nen Schwarz auf Weiß vorgehalten, und ſo die
Vorderthür, durch welche ehrliche Leute hinaus⸗
gehen verriegelt wird. Eine gewöhnliche Aus⸗
flucht der Advocaten des Jeſuitenordens iſt nem⸗
lich dieſe: jene gottloſen Sätze ſeien nur von
einzelnen Gliedern des Ordens, von
einzelnen entarteten Söhnen Loyola's aufgeſtellt
worden, der Or den ſelbſt aber ſtehe von ſol⸗
cher Schuld durchaus rein da. Darauf könnten
wir nun freilich wieder kurz antworten, daß
dieß ja gegen die Entſcheidung ihres unfehlba—
ren Papſtes ſelbſt ſei, der offenbar den ganzen Or⸗
den für ſchuldig hielt, da er nicht nur einzelne Je⸗
ſuiten verdammte, ſondern den ganzen Orden als
ein verderbl. Inſtitut auf immerwährende Zeiten
aufhob, ja es verpönte, einem geweſenen Je⸗
ſuiten je wieder die Leitung irgend einer An⸗
ſtalt anzuvertrauen. Durch letzteres erkläite der
Papſt jeden Jeſuiten ſchon als ſolchen für einen
Menſchen, dem man, wenn er auch äußerlich
noch ſo unbeſcholten daſtehe, nie trauen und da⸗
her nie wieder irgend eine Gewalt in die Hände
geben dürfe. Da jedoch die jeſuitiſch⸗-römiſchen
Chriſten glauben, hierbei ſei ſelbſt ihrem heiligen,
de cathedra redenden Vater etwas Menſchliches
widerfahren (nach dem alten Sprichwort: Er-
rare humanum est d. h. Irren iſt menſchlich),
ſo miſſen wir freilich auf dieſen ſummariſchen
Beweis auch hierbei verzichten. Wir bedürfen
aber auch, leider! dieſes Beweiſes nicht. Es iſt
nur zu klar, daß nicht nur einzelne Glierer je⸗
ne, alle chriſtliche, ja alle natürliche Sittlichkeit
umſtoßenden, Grundſätze hegen, ſondern daß dies
die Grundſaͤtze des ganzen Ordens immer gewe⸗
ſen ſeien und noch ſind, Der er ſte Grund hie⸗
für iſt dieſer, weil jede Schrift eines Jeſuiten
erſt die Cenſur des Ordens paſſiren muß und
daher ſteis mit Approbation deſſelben heraus⸗
kommt. Denn ſo heißt es u. A. in dem Inſti⸗
tutum des Jeſuitenordens: „Verſchiedne Lehren
ſind nicht zuzulaſſen, weder mündlich in Predig⸗
ten oder öffentlichen Vorleſungen, noch ſchriftlich
in Büchern; und zwar ſollen dieſe nicht heraus⸗
gegeben werden können ohne Approbation und
Zuſtinunung des vorgeſetzten Generals, welcher
die Prüfung derſelben wenigſtens dreien überge⸗
ben ſoll, welche mit geſunder Lehre und ſcharfem
Urtheil in der betreffenden Wiſſenſchaften begabt
ſind.“ (Siehe: Institutum Societatis Jesu
auctoritate congregationis generalis XVIII
recusum. Tragae 1757. fol. Vol. I, fol. 372
373.)
Der zweite Grund, warum die infamen
Lehren, welche viele Jeſuiten offen bekannt
haben, dem ganzen Orden zuzuſchreiben
ſind, iſt dieſer, weil der Orden den Proba b i⸗
lismus ausdrücklich nicht verdammt, ſondern
vielmehr officiell geſtattet und anerkannt hat.
Der Probabilismus iſt nehmlich der
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