Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 7 › Seite 53
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-11-23, Seite 53
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Taufe 56
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ö
——
wichtigen Urſachen und gedrungen durch an⸗
dere Gründe, welche uns ſowohl die Ge⸗
ſetze der Klugheit als die gute Regierung der
allgemeinen Kirche an die Hand geben, und die
wir in der Tiefe unſeres Herzens be⸗
wahren, *) nach reiflicher Überlegung, aus
gewiſſer Erkenntniß und nach der Fülle unſerer
apoſtoliſchen Gewalt: die oft genannte Geſell⸗
ſchaft hiermit aus getilgt und unter⸗
drückt und alle und jede ihrer Officien, Häu⸗
ſer, Schulen, Collegien ꝛc. in jeder Provinz, in
jedem Reich und Gebiete auf gehoben und
abgeſchafft haben.“n)
In dem Folgenden erklärt der Papſt in Be⸗
treff der anderweiten Verbrauchung und Anſtel⸗
lung der Erjeſuiten: „Außerdem wollen wir—
daß, wenn einer von denen, welche ſich zu der
Conſtitution des Ordens bekannten, ein Amt zum
Unterricht der Jugend in den Wiſſenſchaften ver⸗
waltet, oder ein Lehrer in einem Collegium oder
in einer Schule iſt, nach gänzlicher Entfernung
aller (Jeſuiten) von der oberſtenn Leitung,
Adminiſtration und Regierung, nur denjenigen
im Lehramt zu bleiben geſtattet und die Macht
gegeben ſein ſolle, welche Anzeichen geben, daß
von ihrem Lehren Gutes zu hoffen ſei, und vor⸗
ausgeſetzt, daß ſie ſich jenen Diſputationen und
Lehrſtücken abgeneigt zeigen, welche entweder
durch ihre Larheit (lockere Sittenlehre) oder
durch ihre Nutzloſigkeit die gefährlichſten Sreitig⸗
keiten und ſo großen Schaden verurſachen.“
In dem Folgenden nimmt der Papſt den Je⸗
ſuiten nun auch das bis dahin genoſſene Privi⸗
legium, „die Bücher der Ketzer und anderer von
dem apoſtoliſchen Stuhle verworfene und ver⸗
dammte Schriften zu leſen.“
Die ganze lange Bulle ſchließt endlich mit ei⸗
ner Drohung mit dem großen Bann, deſſen
Verhängung der Papſt ſich mit ſeinen Nachfol⸗
gern über diejenigen reſervirt, welche dieſe ſeine
Aufhebung des Ordens und Namens der Jeſui⸗
ten nicht anerkennen, nicht ausführen oder unter
irgend einem Vorwande wieder für ungültig er⸗
fklären würden, denn ſagt Clemens, „wir wollen,
daß dieſe gegenwärtige Bulle immer und ſtets
gultig, feſt und in Kraft ſei und bleibe ... und
auch in Zukunftunverletzlich beobach⸗
tet werde.“ — —
Aus dieſem Zeugniſſe eines Papſtes ſelbſt
mag nun der Leſer beurtheilen, mit welcher
Stirn der hieſige „Herold des Glaubens“ es wa⸗
zen kann, zu ſchreiben, „daß alle (den Jeſuiten
von uns gemachten) Anſchuldigungen lange wi⸗
verlegt ſind und ſich tagtäglich überall, wo die
Jeſuiten wirken, von ſelbſt vor den Augen Aller,
die ſehen und hören wollen, widerlegen!“ Ferner,
daß er es wagen kann, den Jeſuitenorden eine
— —
) Welches Zeugniß würden alſo die Jeſuiten vollends
dann von dem heiligen Vater erhalten haben, wenn derſelbe
uicht aus Klugheit das Schlimmſte noch verſchwiegen hätte!?
Bekannt iſt, daß die Jeſuiten ſelbſt dieſem Dekrete ih⸗
Vuns Papſtes ſich da nicht unterwarfen, wo des Papſtes Arm
ſe nicht erreichen konnte. Denn da Friedrich II. von Preu⸗
hen und die Kaiſerin Catharina II. die päpftliche Bulle nicht
annahmen, ſo blieben die Jeſuiten u. A. in Schleſien und in
ruſſſch Polen unangefochten in ihren Beſitzun gen; während
außerdem die Exjeſuiten auch in andern Staaten, wo gegen
ſie eingeſchritten worden war, insgeheim noch fortwirkten.
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Geſellſchaft zu nennen, „die ſich um die Welt
in jeder Beziehung verdient gemacht hat und
die einzig daſteht.“ Solcher Unverſchämtheit iſt
nur ein Blatt fähig, das nicht nur in den Dien⸗
ſten der Jeſuiten ſteht, ſondern auch von aus⸗
gelernten Jeſuiten redigirt wird, deren oberſtes
Moralprincip iſt: „der Zweck heiligt das Mit⸗
tel, ſelbſt wenn das Mittel den heiligen Vater
ſelbſt zu einem verlogenen Verläumder machte.
Ueberdies müßen wir,aber hierbei bemerken,
wer, wenn er nur die oben wörtlich ausgezoge⸗
nen Stellen der Aufhebungsbulle des Papſtes
Clemens XIV. geleſen hat, ſich noch immer
nicht davon überzeugen will, daß der Jeſuiten⸗
orden eine Leib und Seele verderbende, Religion
und Sittlichkeit untergrabende, Staat und Kir⸗
che verwüſtende Geſellſchaft ſei, der muß entwe⸗
der ſelbſt ein Jeſuit oder aus Gottes Gericht mit
der furchtbarſten Blindheit geſchlagen ſein.
Denn was für ein Ungeheuer muß eine Ge⸗
meinſchaft ſein, deren Hauptzweck es iſt, das
Papſithum zu ſtützen und zu verbreiten, wenn
ein Papſt ſeibſt, übertäubt durch das Geſchrei
aller chriſtlichen Völker, ſich genöthigt ſah, ſie, ſei⸗
ne treueſten Trabanten, als Geſellſchaft ſo zu
brandmarken und vor aller Welt mit Schmach
und Schande zu vernichten, wir es ein Clemens
XIV. gethan hat!
Dies zur Einleitung. Das nächſte Mal
wollen wir die Herren Jeſuiten ſelbſt reden und
ſich ihr Urtheil ſprechen laſſen; worauf wir ſo—
dann auch für die Echtheit des von uns mitge⸗
theilten ſcandalöſen Prager Jeſuitenbriefs den
Beweis liefern werden.
(Fortſetzung folgt.)
Die Irrthümer der hieſigen deutſchen
Wiedertäufer oder Baptiſten.
So wenig man Urſache hat, zu fürchten, daß
die nun auch auftretenden deutſchen Wiedertäu⸗—
fer unter den hieſigen deutſchen Lutheranern gro⸗
ße Fortſchritte machen werden —ihre Lehre iſt zu
confus und zu voll von Widerſprüchen —: ſo
halten wir es doch für unſere Pflicht, nicht wie
andere Blätter das Erſcheinen des ſogenannten
„Sendboten des Evangeliums“ nur anzuzei⸗
gen, ja wohl gar in ſündlicher Gleichgültigkeit
gegen Lüge und Seelenverführung, ohne alle
Warnung anzuzeigen, ſondern das Falſche
und Gefährliche der wiedertäuferiſchen beſonde—
ren Lehren nachzuweiſen. Ein Diener der Kir⸗
che ſoll ja ein Menſchenfiſcher ſein, der, wo man
das Netz des Evangeliums zerreißt, daran ſein
muß, die Riſſe wieder zu heilen. Er ſoll ein
Wächter (nicht ein ſchlafender, ſtummer Hund)
ſein, der, wo auch der Feind ſeine Stimme wi⸗
der die Wahrheit erhebt, den Feind den Bewoh⸗
nern der Kirchenburg alsbald meldet und die
Kriegsliſt und den Hinterhalt deſſelben ihnen ent⸗
deckt. Wenn dadurch auch nur Eine Seele vor
einem gefährlichen Irrwege gewarnt und davon
zurückgehalten würde, ſo iſt das Frucht ſeiner
geringen Arbeit genug. Wir ſind zwar weit
entfernt davon, mit dem rohem Zwingli, der einſt
ſelbſt beim Marburger Colloquium in einem
ſchwarzen Wappenrock und mit einem Gewehr
im Gürtel erſchien,“) zu ſprechen :: Qui mersut
fuerit, mergatur,“ vas heißt, wer ſich hat wie⸗
dertaufen laſſen, den taufe man mit einem Stein
am Halſe in der Tiefe des Meeres.“) Wir
theilen vielmehr den von Dr. Ru delbach dem
Könige von Dänemark in einem amtlichen
Bedenken vorgelegten Grundſatz unſerer alten
lutheriſchen Kirche, daß man auch den Wie⸗
dertäufern Religions⸗ und Gewiſſensfreiheit
gewähren ſolle, es ſei denn, daß ſie, wie
ihre münſteriſchen Großväter, ſtaatsgefährliche
Grundſätze hegen und Complotte zum Umſturz
der bürgerlichen Ordnung ſchmieden. Wir er⸗
klären es daher auch für eine lügenhafte Ver⸗
läumdung, wenn der jetzt hier herumſtreichende
Hamburger Wiedertäufer Onken den Ameri⸗
kanern weis macht, als ſei er in Deutſchland von
den Vutheranern verfolgt worden, da er
wohl weiß, daß die ſelbenczwar lutheriſch ſich
nennenden, aber rationaliſtiſchen und unirt⸗
evangeliſchen) Behörden, die ihm ſein Vagabun⸗
diren und Proſelytenmachen nicht geſtatten woll⸗
ten, ebenſo und noch viel härter diejenigen ver⸗
folgt haben, welche wirklich Lutheraner ſind.
So weit wir aber, wie geſagt, davon entfernt
ſind, den deutſchen Wiedertäufern die Freiheit
zu mißgönnen, die dieſelben hier genießen, ſo
ernſtlich müßen wir jedoch vor ihren Irrlehren
warnen und für ſo groß und verderblich müßen
wir dieſe erklären. Alle Arten von Irrthümern,
wie ſie ſich in den andern Seeten zerſtreut vorfin⸗
finden, findet man bei den Wiedertäufern wie in ei⸗
ner Grundſuppe geſammelt. Reformirte, papi⸗
ſtiſch⸗antichriſtliche u. ſocinianiſch-rationaliſtiſche
Irrthümer ſind hier, wie in der alten Fabellehre
die Ungeheuer, zu einem Ganzen vereinigt.
Und dieſe Irrthümer ſind bei ihnen ſo kräftig,
daß ſie ihr ganzes Glaubens- und Lehrſoſtem
wie ein Gift durchdringen und nicht Einen Ariüi⸗
kel des Glaubens rein und unverletzt laſſen.
Um den hieſigen deutſchen Wiedertäufern voll⸗
kommen Gerechtigkeit widerfahren zu laſſen,
wollen wir, was die Irrthümer betrifft, die wir
ihnen Schuld geben, uns ſtreng an das halten
was ſie in ihrem neuen Organ, dem „Sendboten
des Evangeliums“ an den Tag gegeben haben.
Aus dem genannten Blatte, von dem uns bis
jetzt nur die drei erſten Nummern zugekömmen
ſind, geht aber ſchon klar hervor, daß die hieſigen
deu tſchen Wiedertäufer unter Anderen im aus⸗
drücklichem Gegenſatz gegen die heilige Schrift
falſch lehren: von der Kraft der Taufe überhaupt,
von der Kindertaufe inſonderheit, von den weſeni⸗
lichen Stücken der Taufe, von dem heil. Abend⸗
mahl und von der Kirche; einzeln vorkommende
Auſſerungen ungerechnet, aus denen nur zu
deutlich hervorgeht, daß ſie auf gut münſteriſch
und münzeriſch das Reich Chriſti mit dem Reiche
9 0 3520. Greſer's (eines Augenzeugen) Hiſtorie ſeines
ebens.
) Auf Zwingli's Rath wurde daher der Wieder⸗
täufer Manzius vom Magiſtrat zu Zürich erſäuft, ſo wir
der Senat zu Genf auf Calvin's Antrieb dem Leugner
der Dreieinigkeu, Servet, verbrennen liez. Luther hin⸗
gegen legte für einen Carlſtadt eine Fürbitte bei dem Chur⸗
Herlarn ein und ſchrieb an Tezel, als dieſer von aller Welt
verlaſſen war, einen Troſtbrief.
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