Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 7 › Seite 56

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-11-23, Seite 56

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ſten, zu Harburg an der Elbe gebaut „Kandace“
genannt; der Preis 14.000 Rth. iſt bezahlt; ein

Hamburger Kaufmann hat es mit Guütern für

und ihren Fieunden.

Kirchentage bekennen alſo die
Augsburgiſche Konfeſſion, inſofern als ſie ver⸗
ündert iſt, d. h., da ſie ſich für Weiſe hielten, ſind

das Cap der guten Hoffnung geladen und zahlt
für die Fracht die Koſten der Reiſe. Das Schiff
iſt durch eine ſchöne Predigt des Paſtors Harms
eingeweiht, und die Miſſionäre find vom luthe⸗
riſchen Conſiſtorium in Stade examinirt und
für tüchtig befunden worden. —Hört, ihr Luthe⸗
raner, predigt unſer Herr Gott nicht auch euch
aus dieſer Geſchichte: Ich will euch zu eifern
reizen? Hört auch namentlich, ihr jüngeren Be⸗
kenner, in der Lüneburger Heide haben ſich eben
50 junge Leute zum Miſſionsdienſt gemeldet;
Könnten nicht auch 50 von euch in unſeren Se⸗
minarien zu Fort Wayne und St. Louis ſein?
»Wie möchte ich doch ſo gern noch mehr ſolcher
Geſchichten erzählen; aber die andern Nachrich⸗
ten, die ich habe, ſind trauriger Natur und ſol⸗
len uns zum Beten reizen.

Vom 13. bis 16. September wurde in Ber⸗
lien wieder ein Kirchentag gehalten, d. h. eine
freie Verſammlnng von Chriſten aus allen Thei⸗
len Deutſchlands, auf welcher ſie das Beſte der
Kirche berathen wollten. Dieſe Leute, an deren
Spitze z. B. Nitſch, Krummacher und Julius
Müller ſtehen, haben bisher erklärt: Alles iſt un⸗

ſer, Lutheriſch und Reformirt Bekenniniß, und

haben daher die Verwirrung in Lehre und Glau⸗
ben mehren helfen. Das erregte indeß doch
Unzufriedenheit und Mißbehagen bei ihnen ſelbſt
Da haben ſie nun dies⸗
mals das Bekenntniß der Evangeliſchen (d. h. der

aus Lutheriſchen und reformirten gemiſchten)

Kirche anerkannt die ungeänderte Augsburgiſche

Konfeſſion, nur ſollte in Bezug auf den 10. Ar⸗
tikel (vom heil. Abendmahl) Jeder glauben und

halten, wie er müße. Als ob nicht der 10. Ar⸗

tikel die Hauptänderung der geänderten Augs⸗

burgiſchen Confeſſion enthalte, und als ob nicht
die Aenderung des 10. Artikels darin beſtände,

daß dadurch den Leuten Erlaubniß gegeben wird,

Die Leute vom
ungeänderie

zu bekennen, was ihnen beliebt.

ſie zu Narren geworden. Ein Superintendent

erklärte auf dem Kirchentage, er ſei ein Freund

aller Secten.
Hr. P. Grabau wurde für den 7. October; zu

Waren im nördlichen Mecklenburg erwartet, wo

er einen Vortrag über ſeinen Streit mit uns
halten wollte.

In Deutiſchland will es doch nirgend mehr
fort mit den freien Gemeinden und revolutionä⸗
ren Predigern. Wislicenus, ein Hauptanfüh⸗

rer der freien Gemeinden in Preußiſch⸗Sachſen,

und Dülon, einer der ärgſten revolutionären

Prediger, welcher in Bremen ein gräuliches Aer⸗

gerniß angerichtet hatte und dort abgeſetzt wur⸗

de, ſind auf dem Wege nach den Ver. Staaten.
»Hilf Gott, wie werden doch wir armen Deutſchen

hier zu Lande heimgeſucht mit dem Kehricht

Deutſchlands. Betet doch fleißig, daß das Reich

Gottes unter uns komme!

—54—

Ihr wollt auch noch etwas hören von Welthän⸗
deln? Etwa wie hinten weit in der Türkei die Völ⸗
ker auf einander ſchlagen! Nun, ſie ſchlagen ſich
wohl noch nicht, doch hat der Türkiſche Sul⸗
tan wirklich wider den Kaiſer von Rußland
Krieg erklärt. Der alte Fürſt Paskiewitſch an
der Spitze der Ruſſiſchen Truppen in der Moldau
und Wallachei, und Omar Paſcha, der Anfüh⸗
rer der Türken, ſtehen an der Donau einander.
gegenüber, und die ruſſiſche und türkiſche Flotte
im ſchwarzen Meer ſind nicht weit von einander
Auch die franzöſiſche und engliſche Flotte bewe⸗
gen ſich auf Conſtantinopel zu, nachdem mehrere
Schiffe der letzteren ſich ſchon früher vor die
Stadt gelegt haben, um den Sultan gegen ſeine
eigenen Unterthanen, die Krieg verlangten, zu
ſchützen. Die armen Chriſten in den türkiſchen
Provinzen, die von ihren Biſchöfen nicht ge⸗
ſchützt werden, ſind den Mißhandlungen der
Türken dermaßen bloß geſtellt, daß in Macedo⸗
nien während 6 Monaten 942 Chriſten theils
meuchleriſch, theils im Kampf mit den Türken
ermordet wurden. Sollte, was noch zu bezwei⸗
feln iſt, der Krieg wirklich ausbrechen, ſo wird er
wohl auf die Türkiſchen Grenzen beſchränkt blei⸗
ben, da Oeſtreich, ſo wenig wie Preußen, etwas
damit zu thun haben wollen.

In China machen die Aufrührer, welche Nan⸗
kin beſetzt halten, Fortſchritte nach Norden und
Süden, nach der Hauptſtadt Pekin, und nach
der Haupt⸗Handelsſtadt Canton. Iſt jetzt nichi
viel davon zu erzählen.

In Deutſchland und mehreren andern Län⸗
dern Europa's ſind bereits und werden theuere
Zeiten. Es hat faſt überall kaum eine Mittel⸗
erndte gegeben. Der vergangene Winter war
ſeltſam. Im December und Januar ſo warm,
daß Veilchen und Kirſchen vieler Orten blühten,
brachte er vom Februar bis in den April hinein
ſolche Schneemaſſen, wie ſeit laͤnge nicht erlebt
iſt. Im April war es kalt wie im März, und
im Mai ſo rauh wie im April. Neben großer

Näſſe hat dieſer Sommer zerſtörende Hagelſchlä—

ge und Überſchwemmungen gebracht, die oft
meilenweit die Erndte zerſtört haben, z. B. in
Würtemberg, in der Gegend des Harzes und in
Sachſen, wo ein Gewitter eine Strecke von 40
bis 50 (engliſchen) Meilen verwüſtet hat. Doch
preiſen die Chriſten in Deutſchland Gottes
Gnade, der ſie annoch vor ſchwereren Landpla⸗
gen, namentlich vor der Geißel des Kriegs be⸗
wahrt hat.

— .

(Eingeſandt.)
Erklärung.

Im kirchlichen Informatorium Jahrg. 3, Nr.
6 macht Herr Profeſſor Winkler viel Weſens da⸗
von, daß wir vor zwei Jahren dem Präſes unſe⸗
rer Synode einige Bedenken vorlegten, die unſer
Bruder Baierlein über die ſo viel beſprochene
Angelegenheit der Detroiter Gemeinde hegte.

Aber abgeſehen davon, daß der Mann dies dazu

*—

mißbraucht, den wahren Stand der Sache zun
verrücken: denn keineswegs haben wir ſo vorei⸗
lig abgeurtheilt, wie es nach dem Informatori⸗
um ſcheint, ſondern nur auf eine nähere Unter⸗
ſuchung angetragen; ſo geht doch aus Allem, was
geſchehen iſt, nur hervor, daß auch der beſte Wille,
die Sache des Herrn Prof. Winkler zu vertreten,
denſelben nicht von dem Vorwurf reinigen konn⸗
te, alles das ſelbſt veranlaßt zu haben, was er
ſeinen vermeintlichen Widerſachern ſchuld giebt.
Damit nun Herr Profeſſor Winkler ferner nicht
zu ſehr auf den gutgemeinten, aber, wie wir jetzt
erkennen, höchſt unweiſen Verſuch poche, den wir
im Jahre 1851 machten, verläumderiſche An⸗
griffe auf unſere Synode auch in den Augen der
Feinde zu entkräften, ſo erklären wir bei dieſer
Gelegenheit, daß unſer Bruder Baierlein ledi⸗
glich durch Briefe des Herrn Prof. Winkler be⸗
wogen worden war, die erwähnten Bedenken zu
erheben. Wir thaten dann nichts weiter, als
daß wir die Bitte unſeres Bruders, durch ge⸗
naue Nachfrage zu ermitteln, ob entweder in
der erſten Unterſuchung überſehen worden ſei,
was, H. Prof. Winkler der Gemeinde des H. Paſt.
Schaller ſchuld gebe, oder ob dieſe nur verläum⸗
det werde, durch ein kurzes Geſuch bei unſerem
Präſidenten unterſtützten. Wir ließen uns hier⸗
bei von dem Geſichtspunkt leiten, dem Gegner
alle Gerechtigkeit widerfahren zu laſſen und
wurden darüber ungerecht gegen eigene Brüder.
Wir haben dadurch, wie wir jetzt erfahren, einem
Feinde nur geſchadet und Brüder betrübt. Bei⸗
des thut uns leid. Wiewohl wir uns bewußt
ſind, damals in aller Einfalt gehandelt zu ha⸗
ben, ſo hätten wir doch beſſer gethan, nicht allein
auf die letzte, ſondern auch auf die erſte Hälfte
des Spruchs zu merken: „Seid klug, wie die
Schlangen, und ohne Falſch, wie die Tauben.“
Matth. 10, 16.

Die Predigerconferenz in Saginaw Co.,
Michigan;
Frankenmuth am 3. Nov. 1853.

ö K. Röbbelen.
F. Sievers.
J. J. F. Auch.
O. Clöter.
H. Pinkepank.
(Für den Lutheraner.)
(Jortſetzung)
3.
Aus der Gegenwart.

Ein jüngerer Pfarrer beſuchte einmal einen
älteren Pfarrer. Da nun jener ſehr groß und
dicke that, daß er ganz entſchieden lutheriſch wä⸗
re, ſo fragte ihn der ältere Pfarrer, was man
nach ſeiner Meinung im heiligen Abendmahle
empfange. Nach einigem Zögern und Hin⸗ u
Herrutſchen antwortete der liebe Mann: „Nun,
wir empfangen da den Geiſtleib Chriſti. Da⸗
rauf reichte ihm der ältere Pfarrer die Bibel und
ſagte ihm, er ſolle darin die Stellen aufſchlagen,
die davon handelten. Das konnte er natürlich
nicht und brachte dann das Geſpräch auf die

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