Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 7 › Seite 57
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-11-23, Seite 57
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Jahresſchluß · Jeſuiten 2
wobei er ſagte, die hätten doch auch ei⸗
nen Leib. Das konnte er nun abermals nicht
aus der Schrift beweiſen, weil nichts davon
drin ſteht. Hierauf lenkte er wieder ein und be⸗
rief ſich auf Chriſti verklärten Leib. Als er nun
von dem ältern Pfarrer gefragt wurde, was
denn für ein Unterſchied zwiſchen dem unverklär⸗
ten und dem verklärten Leibe Chriſti ſei, antwor⸗
tete er bald dieß, bald jenes, nur nicht das Rechte,
bis es ihm der ältere Pfarrer ſelbſt ſagte. Da
nun dabei der verklärte Leib der Gläubigen in
der einſtigen Auferſtehung erwähnt wurde, ſo
fragte der jüngere Pfarrer den älteren Pfarrer
mit Verwunderung: Sie glauben doch aber
nicht, daß die einſtigen Leiber alles das enthal⸗
ten werden, was die ietzigen enthalten, z. B. die
Eingeweide? Nun, fragte der ältere Pfarrer, ſind
denn die Eingeweide eine Schande? Wohlan, ſo
ſorgen ſie dafür, daß den Leuten dort die Einge⸗
wtide aus dem Leib heraus genommen und da⸗
für Beifuß und gebratene Apfel hineingeſteckt
werden, wie bei einer gebratenen Gans, dann iſt
die Herrlichkeit vollkommen.
Der Zahn St. Peters.
Der Papſt hat dem Kaiſer von Oſterreich ei⸗
nen Zahn zugeſchickt, welchen erſterer mit höchſt
eigenen Händen aus den Überreſten des Leich⸗
nams des heiligen Apoſtels Petrus genommen
baben will. Der „Richmond Christian Advo—
cate“ macht, indem er dies berichtet, die treffen⸗
de Bemerkung, es dürfte für den Papſt wohl
weit beſſer geweſen ſein, wenn derſelbe dem Kai⸗
ſer eine oder beide Epiſteln St. Petri geſen⸗
det hätte, als einen von ſeinen angeblichen Zäh—
nen, oder auch die ganzen Überreſte des apoſto⸗
liſchen Märtyrers. Jedoch ſo iſt das Papſtthum,
es ſendet einen Zahn, aber das Brod des Lebens
Lunthält es vor! Luth. Stand.
Die verweigerte Taufe.
Als Caspar Aquila zu Anfang der Re⸗
formation das aus dem Schutte der Irrlehren
wieder hervorgezogene Evangelium in Jenge
bei Augsburg predigte, wurde er alsbald auf
Befehl des Biſchofs von Augsburg auf einem
Karren nach Dillingen gebracht und hier gefan—
gen geſetzt. Nach einer halbjährigen harten Ge—
faengenſchaft bei Waſſer und Brod wurde er je—
doch wieder entlaſſen. Hierauf floh er nach
Wittenberg und fand ſodann bei Franz von Si-⸗
kingen auf deſſen Schloße Ebernburg eine Zu—
fluchtsſtätte. Doch auch hier ſollte der theuere
Mann große und viele Angſt erfahren. Die in
dem Schloße liegende militäriſche Beſatzung ver⸗
langte nämlich von ihm eine Stückkugel zu tau⸗
fen, wie damals häufig der Gebrauch, oder viel⸗
mehr ſchändliche Mißbrauch war. Aquila
verweigerte natürlich entſchieden dieſe gottloſe
Entweihung des heil. Sakramentes. Die Sol⸗
daten wurden darüber ſo wüthend, daß ſie ihn in
einen großen meſſingenen Feuermörſer, den ſie
mit Pulver gefüllt hatten, ſteckten, in der Abſicht,
ihn ſo über die Mauer hinaus ſchleudern zu laſ⸗
ſen. Aquila blieb beſtändig. Was geſchah
nun? Zweimal zündeten die Soldaten an und
beidemal brannte das Zündkraut ab, ohne das
Pulver in dem Bombenmörſer zu entzünden.
Hierdurch in ſeinem Gewiſſen gerührt, ließ dann
der Befehlshaber den treuen Zeugen herauszie⸗
hen und in Freiheit ſetzen, worauf derſelbe nun
zunächſt nach Eiſenach floh. Nach einem Leben
unter vielen Trübſalen, in welchen ihn jedoch
ſein Glaubensmuth nie verließ, ſtarb Aquila
endlich als Superintendent zu Saalfeld den 12.
November 1560.
Dank und Bitte.
Mit herzlichem Dank und Segenswünſchen
beſcheinigt der Unterzeichnete den Empfang von
folgenden Gaben zur Unterſtützung der Gemeine
in Philadelphia, welche von einer ſchweren Bau⸗
ſchuld niedergedrückt iſt:
Von G. H. Brockſchmidt in St. Louis 53.00
„J. F. B. daſelbſt 1.00
„H. Paſt. König in Lafayette, Ja. 2.00
Wollen doch die lieben Brüder ſich über dieſe
kleine Gemeine erbarmen, welche im beſtändigen
Kampf mit den Odd Fellows und anderen Ge⸗
heimen Geſellſchaften ſteht und beſtändig von al⸗
len Seiten die Verſicherung hören muß, ſie wer—
de mit ihrer Treue zum Bekenntniß der reinen
Lehre und mit ihrem Kampf wider die Gehei—
men Geſellſchaften nimmer aufkommen. Be⸗
denkt nur, lieben Brüder, eins der Glieder unſe⸗
rer Gemeinſchaft leidet in Phliadelphia: wollt
ihr nicht mit leiden und helfen, daß es herrlich t
gehalten werde, damit ihr euch auch mit uns
freuen könnt?. Gott helfe dazu und vergelte al⸗
len fröhlichen Gebern ihre Gaben reichlich mit
ſeinem himmliſchen Segen.
*
* ö A. Hoyer,
12 Redwood St. Southwark, Phil.
Kirchliche Nachricht.
Nachdem die evangeliſch lutheriſche St. Pe⸗
ters Gemeinde in Macomb Co. zehn Meilen
nördlich von Detroit Mich. durch den Abzug des
P. Krauſe nach Deutſchland erledigt word en
war, hat dieſelbe in der Perſon des P. Gräbner
ſich einen neuen Seelſorger berufen, welcher denn
auch am 22. Sonntage nach Trinitatis auf An⸗
ordnung des Vice⸗Präſidenten Herrn Dr. Sih⸗
ler, von dem Unterzeichneten feierlich in ſein Amt
eingeführt wurde. Denjenigen Leſern des Lu⸗
theraners, welchen die Umſtände dieſer Gemein⸗
de nicht bekannt ſind, diene hier in der Kürze
zur Nachricht, daß dieſelbe größtentheils aus
Leuten beſtehe, welche früher zu P. Winklers Ge⸗
meinde gehörten, die ſich aber, ſchon ehe ſie P.
Krauſe beriefen, von erſterem um ſeiner gewiſſen⸗
beſchwerenden Praxis willen, förmlich losgeſagt
hatten. Damit nun aber ja keinerlei wiſſent⸗
—
lich Unrecht an P. Winkler in dieſer Sache
möchte begangen werden, forderte P. Gräbner,
ehe er den an ihn ergangenen Ruf annahm, P.
Winkler auf, mit ihm gemeinſchaftlich unter
Beiſein beider Partheien die Sache zu unterſu⸗
chen. Aber P. Winkler zeigte ſich auch hier wie⸗
der als einen lichtſcheuen Mann und ſchlug eine
ſolche Unterſuchung unter nichtigen Borwänden
ab. P. Gräbner konnte darin nichts anderes,
als einen Beweis ſeines Schuldbewußtſeins er⸗
kennen und fühlte ſich in ſeinem Gewiſſen ge⸗
drungen, den Ruf obgenannter Gemeinde anzu⸗
nehmen, indem er jedoch dem P. Winkler die
Verſicherung gab, daß er auch ſpäter noch alle⸗
zeit bereit ſei, die Sache mit ihm gemeinſchaft⸗
lich zu unterſuchen, wofern derſelbe es wünſchen
würde.
Detroit, den 4. Nov. 1853.
Gottlieb Schaller, P.
—.. —
Veränderte Ad dreſſe.
Rev. Hoyer,
12 Redwond Str. Soulhuard,
Phriladelphia.
— m
Das dritte Heft
des evangeliſch lutheriſchen Märtyrerbuchs int
ſo eben verſandt. Es enthält die Geſchichten der
deutſchen und niederländiſchen Märtyrer: Hein⸗
rich Voes und Johannes Eſch, aus dem Luthe⸗
raner von Herrn Profeſſor Walther, und von
demſelben nach Quellen weiter ausgeführt;
Lampertus Thorn, Joh. Herrgett, Nikolaus, Mat⸗
thias Waibel, Uebelacker und ein Leipziger Ring⸗
ſchmidt, Joh. Reichel, Georg Winkler, Heinrich,
die Magdeburger Schulkinder.
Beſtellungen werden erbeten unter der Ad⸗
dreſſe: —
Rev. H. Fich, ‚
Bremen, near St. Louis, Lo.
Quittung und Dank.
Mit herzlichem Dank gegen Gott und die mil⸗
den Geber beſcheinigt die evangeliſch lutheriſche
Gemeinde in Defiance, Ohio, folgende Gaben zu
ihrem Kirchenbau empfangen zu haben:
von Hrn. Paſtor Sihlers Gemeinde
zu Fort Wayne 862.37
von zwei Gliedern aus Paſtor Huß⸗
manns Gemeinde 3.00
von mehreren Gliedern meiner Fili⸗
algemeinde an der Southridge, De⸗
fiance Co. Ohio 12.50
Zuſammen 378. 07
Der Herr unſer Gott ſegne die milden Geber
für die reichen Gaben mit geiſtlichen und himm⸗
liſchen Gütern nach ſeiner Verheißung durch
unſeren HErrn Jeſum Chriſtum. Amen.
Defiance, Ohio.
d. 11. Nov. 1853. A. Detzer, Paſtor.
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