Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 7 › Seite 54

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-11-23, Seite 54

51 52 53 54 55 56 57 58

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

⤓ Download .txt · copy text

der⸗Welt vermengen und von dem Unterſchied

der Stände im bürgerlichen Leben nichts wiſſen

wollen, daß ſie ſchwarmgeiſteriſch auf das tau⸗
ſendjährige Reich warten und daß ſie auf gut je⸗

ſuitiſch auch eine boͤſe Handlung mit dem guten

Zweck entſchuldigen.

Wir wollen nun jedes einzelne dieſer Stücke
beſonders vornehmen.

Ueber ſeinen Glauben oder vielmehr Unglau⸗
ben in Betreff der Taufe ſpricht der „Sendbote
des Evangeliums“ ſich folgendermaßen aus:
„Wir betrachten die Taufe nicht als die
Thür zum Himmelreich, denn der Schä⸗
cher am Kreuze (Luc. 23,42.) und viele Tauſen⸗
de ſind ohne die Taufe in den Himmel gegan⸗

gen; wir betrachten ſie aber als ein unerläß⸗

liches Stück zum Eintritt in die Ge⸗
meinde des HErrn auf Erden, und
lehren demnach in Übereinſtimmung() mit dem
Worte Gottes, daß wenn Jemand zu dieſer Ge⸗
meine gelangen wolle, ſo gebühre ihm auch in
Bezug auf die Taufe alle Gerechtigkeit
zu erfüllen. (Matth. 3, 13—17.) —Auch
beirachten wir die Taufe nicht als das Bad
der Wiedergeburt, ſondern als den Bund
eines guten Gewiſſens mit Gott (1. Petr. 3, 21.)

in welchem ein Kind Gottes ſeinen willigen Ge⸗

borſam gegen die göttlichen Befehle offenkundig
darthut (Apg. 2, 41.) Das Bad der Wieder⸗
geburt (Tit. 3, 5) iſt nicht die Taufe, wie von
Vielen fälſchlich gelehrt wird, ſondern (das Bad
der Wiedergeburt iſt) die Erneuerung des
von Gott abgefallenen Menſchen vermittelſt des
Wortes Gottes (1. Petr. 1, 23) und des
beil. Geiſtes (Röm. 8, 14—16). Durch dieſe
Erneuerung erlangt der Sünder die Kraft, an
Chriſtum als ſeinen Stellvertreter und Bürgen
glauben zu können, und alſo empfängt er Ver⸗
gebung, Frieden und Seligkeit. Dieſes
Bad der Wiedergeburtmußaberder
Taufe verangehen .. Glaubt Jemand
durch die Taufe ſelig zu werden, ſo
würde er ſich ſehr täuſchen, denn es iſt in kei⸗
nem andern Heil (Apg. 4, 12.) als in Ch riſto ꝛc.
—Wie aber Niemand ohne den Heiland in's
Himmelreich, ſo kann auch Niemand ohne
die von ihm verordnete und ſelbſt eingeſetzte
Taufe in ſeine auf Erden gegründete Ge⸗
meine gelangen. Durch den HErrn JEſum
Chriſtum erlangt der Gläubige die Seligkeit,
durch die von dem HErrn verordnete Taufe die
Mitgliedſchaft ſeiner hier gegründeten Gemeine.“
(Nr. II, Seite 3, Spalte 4). An einer andern
Stelle heißt es: „Ich machte darauf aufmerk⸗
ſam, daß die Taufe durchaus keinen Menſchen,
Vergebung der Sünden, Erlöſung und ewige
Seligkeit“ (wit Luther im kleinen Catechismus
ſchreibt) geben könne, weil nur in Jeſu Chriſto
allein Heil und Seligkeit iſt.“ (I, 2, 4.) End⸗
lich ſchreibt Herr Rauſchenbuſch, die Lehre von
der Taufe für eine Nebenlehre erklärend, in ei⸗
nem nach Deutſchland geſendeten, im „Sendbo⸗
ten“ eingerückten Briefe: „Da mir nur verwehrt
iſt,“ (in dem Amerikaniſchen Botſchafter) „über
die Lehre von der Taufe mich auszuſprechen,
ſo kann ich mich mit voller Zuſtimmung meines

—:·u—u—u— —

Gewiſſens darein ſchicken. Sir ſehen hieraus
unverkfennbar u. unzweideutig, daß die großen
Grundlehren des Evangeliums, darin alle
wahren Gläubigen übereinſtimmen, mir mehr
gelten und mir wichtiger ſind, als diejenigen
Lehren, worin ich von manchen meiner Brüder
abweiche, (1, 3, 19“

Der Leſer ſieht hieraus, unſere deutſchen Wi⸗
dertäufer halten die Taufe nicht für ein Werk
Gottes, ſondern für ein Menſcheuwerk,
nicht für eiwas, was Gott an dem Men⸗
ſchen, ſondern was der Menſch Gott zu Ge⸗
fallen thut; ſie halten die Taufe nicht für ein
Mittel, durch welches der Menſch geheiligt
wird, ſondern für ein leeres Zeichen, an dem
man ſehen ſolle, wie heilige Leute ſie ſchon ſind;
ſie halten die Taufe nicht für eine Thür in das
Gnadenreich Chriſti, ſondern für eine Thür
in die wiedertäuferiſche Religions⸗
geſellſchaft, nicht einmal für ein Erken⸗
nungszeichen der Chriſten, ſondern nur für
das Geſellſchaftszeichen der Baptiſten; ſie
halten die Taufe für den Bund eines guten
Gewiſſens mit Gott, worin man nicht ein gu—
tes Gewiſſen bekommt, ſondern wohin man
ein gutes Gewiſſen bringen und wo man die
Bewahrung deſſelben nur verſprechen muß;
ſie halten die Taufe nur inſofern für ein Gna⸗
denſiegel, als ſie damit wie Chriſtus „alle Ge⸗
rechtigkeit erfüllen!“ Matth. 3. 15.

Hiernach iſt klar, dieſe Wiedertäufer ha⸗
ben, wer ſollte es von ihnen denken? in der Ge⸗
ringachtung, ja Schändung der heil. Taufe
die Spitze erreicht. Zwar war ſchon Zwingli
ſelbſt auf das Wort Sacrament ſo erboſt, daß
er es ganz ausgemärzt zu ſehen wünſchte und
daher ſchrieb: „Ich wünſchte ſehr, daß das Wort
Sakrament nie von den Deutſchen angenommen
worden wäre, außer in ſeiner eigentlichen Be⸗
deutung. Denn wenn die Leute das Wort Sa⸗
krament hören, ſo verſtehen ſie ſogleich etwas
Großes und Heiliges darunter, was durch
ſeine Kraft das Gewiſſen von Sünden befreie.“
(De vera religione p. 2.) Ferner ſchreibt
Zwingli: „Die Kirche nimmt denjenigen
durch die Taufe auf, welcher vorher durch die
Gnade aufgenommen iſt. Die Taufe bringt

daher nicht die Gnade, ſondern ſie bezeugt der/
Kirche, daß dem ſchon Gnade geworden ſei, dem

ſie gegeben wird.“ (Siehe: Bekenntniß, 1530
dem Kaiſer zu übergeben. S. 19.) „Die Taufe
iſt eine äußerliche Ceremonie, welche die Sache
bedeutet, nicht leiſteti. (Opp. 3, 1, 567.)
Solche grobrationaliſtiſche Reden von den aller⸗
heiligſten Stiftungen des großen heiligen, gna⸗
denreichen Gottes waren ſelbſt einem Cal vin,
der freilich ſpäter im Grunde daſſelbe lehrte,
anſtößig und ärgerlich. Calvin ſchrieb nämlich
im Jahre 1542 im September an Viretus von
Zwingli Folgendes: „Vielleicht hat er (Zwingli),
was ihm daſelbſt aus Verſehen entſchlüpft war,
gegen das Ende ſeines Lebens widerrufen und
gebeſſert. Aber ich erinnere mich, wie gottlos
(profana) ſeine Lehre von den Sakramenten in
ſeinen früheren Schriften iſt.“ Unſere deutſchen
Wiedertäufer überbieten aber ſelbſt einen Zwing⸗

li. Einestheils machen ſie den HErrn Chriſtum
zu einem armſeligen Ceremonienmeiſter, der an⸗
geordnet habe, daß ſeine Gläubigen durch eine
leere Ceremonie in ſeine Kirche aufgenommen
werden ſollen, wie hier „die närriſchen Brüder“
(die odd fellovs) auch ihre neuen Genoſſen mit
gewiſſen leeren Ceremonien aufnehmen; anderen⸗
theils machenſie Chriſtum und ſeineheiligen Apo⸗
ſtel zu offenbaren Lügnern. Chriſtus ſagt:
„Wer da glaubet und getauft wird, der wird
ſelig werden. (Marci 16, 16.) „Wahrlich,
wahrlich ich ſage dir: „Es ſti denn, daß Je⸗
mand geboren wetde aus dem Waſſer
und Geiſt, ſo kann er nicht in das Neich Get⸗
tes kommen.“ (Joh. 3, 5.) Petrus ſagt:
„Thut Buße uns laſſe ſich ein jeglicher tau⸗
fen auf den Namen Jeſu Chriſti zur Ver⸗
gebung der Sünden; ſo werdet ihr em⸗
pfangen die Gabe des heil. Geſtes.“
(Apg. 2, 38.) „Durchs Waſſer, welches
nun auch uns ſelig macht in der Tau⸗
fe.“ (1 Petr. 3, 20. 21.) Ananias ſprach
zu Saulus: „Was verzieheſt du? Stehe auf
und laß dich taufen, und abwaſchen dei⸗
ne Sünden.“ (Apg. 22, 16.) Paulus
ſchreibt: „Wir ſind mit ihm (Chriſto) begraben
durch die Taufe in den Tod.“ (Röm. 6, 4.)
„Wir ſind durch Einen Geiſt alle zu Einem
Leibe getauft.“ (1. Cor. 12, 13.) „Wie
viel euer getauft ſind, die haben Chriſt um
angezogen. Gal. 3. 27.) „Chriſtus hat
geliebet die Gemeine und hat ſich ſelbſt für ſie ge⸗
geben, auf daß er ſie heiligte, und hat ſie
gereinigt durch das Waſſerbad im Wort.“
(Eph. 5, 26.) „Ihr ſeid beſchnitten mit der
Beſchneidung ohne Fände durch Ablegung des
ſündlichen Leibes im Fleiſch, nämlich mit der Be⸗
ſchneidung Chriſti: in dem, daß ihr mit
ihm begraben ſeid durch die Taufe.“
(Col. 2, 11. 12.) „Nicht um der Werke willen
der Gerechtigkeit, die Wir gethan hatten, ſon⸗
dern nach ſeiner Barmherzigkeit machte er
uns ſelig durch das Bad der Wieder⸗
geburt und Erneuerung des heil.
Geiſtes. (Tit. 3, 5.) Jo hannes endlich
ſchreibt: „Drei ſind, die da zeugen auf Erden:
Der Geiſt, und das Waſſer, und das Blut;
und die drei ſind beiſammen.“ (1. Joh. 5, 8.)
Was ſprechen nun hierauf unſere Wiedertäufer?
Sie erklären dies alles für eitel Lüge und Irr⸗
thum; und weil ſie dies doch nicht mit nackten
Worten herausſagen mögen, ſo zerdeuteln und
verdrehen ſie jene Worte Gottes ſo lange, bis ſie
aus dem göttlichen Ja ein Nein gem acht und die
elenden Gedanken ihrer blinden Vernunft und
ihres ungläubigen Herzens hineingedeutelt und
hineingedreht haben. Sie erfrechen ſich zwar zu
ſagen, ſie gingen einzig und allein nach de⸗
Schrift und kümmerten ſich um keine Menſchen⸗
ſatzung, aber wenn ſie Gottes anbetungswürdi⸗
ge Verheißungen von der Kraft ſeiner lieben,
ſeligen Taufe lehren, ſo thun ſie, als hätte dieſe
Worte ein Trunkener geredet, treten ſie mit Fü⸗
ßen und läſtern auf alle die, welche ſich auf des
großen Gottes herrliche, große, ewige Worte ver⸗
laſſen. Das gottloſe Geſchwätz, womit ſie die

6

English translation

Not yet translated.