# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 11 23_S53 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) 2 ö —— wichtigen Urſachen und gedrungen durch an⸗ dere Gründe, welche uns ſowohl die Ge⸗ ſetze der Klugheit als die gute Regierung der allgemeinen Kirche an die Hand geben, und die wir in der Tiefe unſeres Herzens be⸗ wahren, *) nach reiflicher Überlegung, aus gewiſſer Erkenntniß und nach der Fülle unſerer apoſtoliſchen Gewalt: die oft genannte Geſell⸗ ſchaft hiermit aus getilgt und unter⸗ drückt und alle und jede ihrer Officien, Häu⸗ ſer, Schulen, Collegien ꝛc. in jeder Provinz, in jedem Reich und Gebiete auf gehoben und abgeſchafft haben.“n) In dem Folgenden erklärt der Papſt in Be⸗ treff der anderweiten Verbrauchung und Anſtel⸗ lung der Erjeſuiten: „Außerdem wollen wir— daß, wenn einer von denen, welche ſich zu der Conſtitution des Ordens bekannten, ein Amt zum Unterricht der Jugend in den Wiſſenſchaften ver⸗ waltet, oder ein Lehrer in einem Collegium oder in einer Schule iſt, nach gänzlicher Entfernung aller (Jeſuiten) von der oberſtenn Leitung, Adminiſtration und Regierung, nur denjenigen im Lehramt zu bleiben geſtattet und die Macht gegeben ſein ſolle, welche Anzeichen geben, daß von ihrem Lehren Gutes zu hoffen ſei, und vor⸗ ausgeſetzt, daß ſie ſich jenen Diſputationen und Lehrſtücken abgeneigt zeigen, welche entweder durch ihre Larheit (lockere Sittenlehre) oder durch ihre Nutzloſigkeit die gefährlichſten Sreitig⸗ keiten und ſo großen Schaden verurſachen.“ In dem Folgenden nimmt der Papſt den Je⸗ ſuiten nun auch das bis dahin genoſſene Privi⸗ legium, „die Bücher der Ketzer und anderer von dem apoſtoliſchen Stuhle verworfene und ver⸗ dammte Schriften zu leſen.“ Die ganze lange Bulle ſchließt endlich mit ei⸗ ner Drohung mit dem großen Bann, deſſen Verhängung der Papſt ſich mit ſeinen Nachfol⸗ gern über diejenigen reſervirt, welche dieſe ſeine Aufhebung des Ordens und Namens der Jeſui⸗ ten nicht anerkennen, nicht ausführen oder unter irgend einem Vorwande wieder für ungültig er⸗ fklären würden, denn ſagt Clemens, „wir wollen, daß dieſe gegenwärtige Bulle immer und ſtets gultig, feſt und in Kraft ſei und bleibe ... und auch in Zukunftunverletzlich beobach⸗ tet werde.“ — — Aus dieſem Zeugniſſe eines Papſtes ſelbſt mag nun der Leſer beurtheilen, mit welcher Stirn der hieſige „Herold des Glaubens“ es wa⸗ zen kann, zu ſchreiben, „daß alle (den Jeſuiten von uns gemachten) Anſchuldigungen lange wi⸗ verlegt ſind und ſich tagtäglich überall, wo die Jeſuiten wirken, von ſelbſt vor den Augen Aller, die ſehen und hören wollen, widerlegen!“ Ferner, daß er es wagen kann, den Jeſuitenorden eine — — ) Welches Zeugniß würden alſo die Jeſuiten vollends dann von dem heiligen Vater erhalten haben, wenn derſelbe uicht aus Klugheit das Schlimmſte noch verſchwiegen hätte!? Bekannt iſt, daß die Jeſuiten ſelbſt dieſem Dekrete ih⸗ Vuns Papſtes ſich da nicht unterwarfen, wo des Papſtes Arm ſe nicht erreichen konnte. Denn da Friedrich II. von Preu⸗ hen und die Kaiſerin Catharina II. die päpftliche Bulle nicht annahmen, ſo blieben die Jeſuiten u. A. in Schleſien und in ruſſſch Polen unangefochten in ihren Beſitzun gen; während außerdem die Exjeſuiten auch in andern Staaten, wo gegen ſie eingeſchritten worden war, insgeheim noch fortwirkten. —51— Geſellſchaft zu nennen, „die ſich um die Welt in jeder Beziehung verdient gemacht hat und die einzig daſteht.“ Solcher Unverſchämtheit iſt nur ein Blatt fähig, das nicht nur in den Dien⸗ ſten der Jeſuiten ſteht, ſondern auch von aus⸗ gelernten Jeſuiten redigirt wird, deren oberſtes Moralprincip iſt: „der Zweck heiligt das Mit⸗ tel, ſelbſt wenn das Mittel den heiligen Vater ſelbſt zu einem verlogenen Verläumder machte. Ueberdies müßen wir,aber hierbei bemerken, wer, wenn er nur die oben wörtlich ausgezoge⸗ nen Stellen der Aufhebungsbulle des Papſtes Clemens XIV. geleſen hat, ſich noch immer nicht davon überzeugen will, daß der Jeſuiten⸗ orden eine Leib und Seele verderbende, Religion und Sittlichkeit untergrabende, Staat und Kir⸗ che verwüſtende Geſellſchaft ſei, der muß entwe⸗ der ſelbſt ein Jeſuit oder aus Gottes Gericht mit der furchtbarſten Blindheit geſchlagen ſein. Denn was für ein Ungeheuer muß eine Ge⸗ meinſchaft ſein, deren Hauptzweck es iſt, das Papſithum zu ſtützen und zu verbreiten, wenn ein Papſt ſeibſt, übertäubt durch das Geſchrei aller chriſtlichen Völker, ſich genöthigt ſah, ſie, ſei⸗ ne treueſten Trabanten, als Geſellſchaft ſo zu brandmarken und vor aller Welt mit Schmach und Schande zu vernichten, wir es ein Clemens XIV. gethan hat! Dies zur Einleitung. Das nächſte Mal wollen wir die Herren Jeſuiten ſelbſt reden und ſich ihr Urtheil ſprechen laſſen; worauf wir ſo— dann auch für die Echtheit des von uns mitge⸗ theilten ſcandalöſen Prager Jeſuitenbriefs den Beweis liefern werden. (Fortſetzung folgt.) Die Irrthümer der hieſigen deutſchen Wiedertäufer oder Baptiſten. So wenig man Urſache hat, zu fürchten, daß die nun auch auftretenden deutſchen Wiedertäu⸗— fer unter den hieſigen deutſchen Lutheranern gro⸗ ße Fortſchritte machen werden —ihre Lehre iſt zu confus und zu voll von Widerſprüchen —: ſo halten wir es doch für unſere Pflicht, nicht wie andere Blätter das Erſcheinen des ſogenannten „Sendboten des Evangeliums“ nur anzuzei⸗ gen, ja wohl gar in ſündlicher Gleichgültigkeit gegen Lüge und Seelenverführung, ohne alle Warnung anzuzeigen, ſondern das Falſche und Gefährliche der wiedertäuferiſchen beſonde— ren Lehren nachzuweiſen. Ein Diener der Kir⸗ che ſoll ja ein Menſchenfiſcher ſein, der, wo man das Netz des Evangeliums zerreißt, daran ſein muß, die Riſſe wieder zu heilen. Er ſoll ein Wächter (nicht ein ſchlafender, ſtummer Hund) ſein, der, wo auch der Feind ſeine Stimme wi⸗ der die Wahrheit erhebt, den Feind den Bewoh⸗ nern der Kirchenburg alsbald meldet und die Kriegsliſt und den Hinterhalt deſſelben ihnen ent⸗ deckt. Wenn dadurch auch nur Eine Seele vor einem gefährlichen Irrwege gewarnt und davon zurückgehalten würde, ſo iſt das Frucht ſeiner geringen Arbeit genug. Wir ſind zwar weit entfernt davon, mit dem rohem Zwingli, der einſt ſelbſt beim Marburger Colloquium in einem ſchwarzen Wappenrock und mit einem Gewehr im Gürtel erſchien,“) zu ſprechen :: Qui mersut fuerit, mergatur,“ vas heißt, wer ſich hat wie⸗ dertaufen laſſen, den taufe man mit einem Stein am Halſe in der Tiefe des Meeres.“) Wir theilen vielmehr den von Dr. Ru delbach dem Könige von Dänemark in einem amtlichen Bedenken vorgelegten Grundſatz unſerer alten lutheriſchen Kirche, daß man auch den Wie⸗ dertäufern Religions⸗ und Gewiſſensfreiheit gewähren ſolle, es ſei denn, daß ſie, wie ihre münſteriſchen Großväter, ſtaatsgefährliche Grundſätze hegen und Complotte zum Umſturz der bürgerlichen Ordnung ſchmieden. Wir er⸗ klären es daher auch für eine lügenhafte Ver⸗ läumdung, wenn der jetzt hier herumſtreichende Hamburger Wiedertäufer Onken den Ameri⸗ kanern weis macht, als ſei er in Deutſchland von den Vutheranern verfolgt worden, da er wohl weiß, daß die ſelbenczwar lutheriſch ſich nennenden, aber rationaliſtiſchen und unirt⸗ evangeliſchen) Behörden, die ihm ſein Vagabun⸗ diren und Proſelytenmachen nicht geſtatten woll⸗ ten, ebenſo und noch viel härter diejenigen ver⸗ folgt haben, welche wirklich Lutheraner ſind. So weit wir aber, wie geſagt, davon entfernt ſind, den deutſchen Wiedertäufern die Freiheit zu mißgönnen, die dieſelben hier genießen, ſo ernſtlich müßen wir jedoch vor ihren Irrlehren warnen und für ſo groß und verderblich müßen wir dieſe erklären. Alle Arten von Irrthümern, wie ſie ſich in den andern Seeten zerſtreut vorfin⸗ finden, findet man bei den Wiedertäufern wie in ei⸗ ner Grundſuppe geſammelt. Reformirte, papi⸗ ſtiſch⸗antichriſtliche u. ſocinianiſch-rationaliſtiſche Irrthümer ſind hier, wie in der alten Fabellehre die Ungeheuer, zu einem Ganzen vereinigt. Und dieſe Irrthümer ſind bei ihnen ſo kräftig, daß ſie ihr ganzes Glaubens- und Lehrſoſtem wie ein Gift durchdringen und nicht Einen Ariüi⸗ kel des Glaubens rein und unverletzt laſſen. Um den hieſigen deutſchen Wiedertäufern voll⸗ kommen Gerechtigkeit widerfahren zu laſſen, wollen wir, was die Irrthümer betrifft, die wir ihnen Schuld geben, uns ſtreng an das halten was ſie in ihrem neuen Organ, dem „Sendboten des Evangeliums“ an den Tag gegeben haben. Aus dem genannten Blatte, von dem uns bis jetzt nur die drei erſten Nummern zugekömmen ſind, geht aber ſchon klar hervor, daß die hieſigen deu tſchen Wiedertäufer unter Anderen im aus⸗ drücklichem Gegenſatz gegen die heilige Schrift falſch lehren: von der Kraft der Taufe überhaupt, von der Kindertaufe inſonderheit, von den weſeni⸗ lichen Stücken der Taufe, von dem heil. Abend⸗ mahl und von der Kirche; einzeln vorkommende Auſſerungen ungerechnet, aus denen nur zu deutlich hervorgeht, daß ſie auf gut münſteriſch und münzeriſch das Reich Chriſti mit dem Reiche 9 0 3520. Greſer's (eines Augenzeugen) Hiſtorie ſeines ebens. ) Auf Zwingli's Rath wurde daher der Wieder⸗ täufer Manzius vom Magiſtrat zu Zürich erſäuft, ſo wir der Senat zu Genf auf Calvin's Antrieb dem Leugner der Dreieinigkeu, Servet, verbrennen liez. Luther hin⸗ gegen legte für einen Carlſtadt eine Fürbitte bei dem Chur⸗ Herlarn ein und ſchrieb an Tezel, als dieſer von aller Welt verlaſſen war, einen Troſtbrief.