Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 10 › Seite 64
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-12-07, Seite 64
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So heißt es wörtlich in dem Cincinnatier ſo⸗
genannten „Wahrheitsfreund!“ Wer ſieht hier⸗
aus nicht, daß die ſogenannte katholiſche Kirche
die Kirche des Antichriſts ſein müſſe, da ſie ſo
ſtech Chriſtum und ſeine vollkommene Genug⸗
thuung läugnet, ſchmäht und ſchändet? Welcher
Teufel aus der Hölle hätte ſich eine beſſere Lehre
ausſinnen können, den Troſt des Evangeliums
von der Seligkeit aus Gnaden durch den Glau⸗
ben an Chriſtum ſelbſt noch für die Sterbeſtunde
zu nichte zu machen, als dieſe papiſtiſche Lehre
vom Fegefeuer iſt? Du wirſt, lieber Leſer, er—
ſtaunt ſragen: Aber was kann doch die römiſchen
Prieſter bewegen, eine ſolche, nicht nur Chriſti
Blut und Krenz mit Fußen tretende, ſondern
auch ſo furcitbare Lehre den Leuten einzureden?
Antwort: Der Hauptgrund iſt dieſer, weil, wie
du oben gehört haſt, die Lehre vom Fegefeuer zur
kehre von der Nothwendigkeit und Kraft des
Me ßopfers nöthig iſt, und weil wiederum das
Meſſeleſen faſt das Einzige iſt, was dem römiſchen
Prieſter etwas einbriugt. Darum halten ſie
auch ſo große Stücke auf die apocryphiſchen Bu⸗
cher der Maccabäer und machen ſie zu kanoniſchen,
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weil da geſchrieben ſteht: „Judas hieß ſie eine
Steuer zuſammenlegen, zwei ß tauſend
Drachmas Silber; die ſchickte er gen Je⸗
ruſalem zum Sündopfer. Und that wohl und
fein daran, daß er von der Auferſtehung eine Er⸗
innerung that .
ſchreibt Luther in ſeiner Schrift:
Darum hat er auch für dieſe
Todten gebeten, daß ihnen die Sünde vergeben
würde.“ (2 Macc. 12, 43—46.) Hierüber
„Widerruf vom
Fegefeuer“ u. A. alſo: „Dieſen Text deuten ſie
auf's Fegfeuer, ſo doch kein Wort noch Buchſta⸗
be drinnen vom Fegfeuer ſtehet; ſondern ſie
dringen und bräuen ſolchen Lugenverſtand hiu⸗
ein aus ihrem eigenen Kopf, um der zwölf⸗
tanuſend Drachmas willen. Die
gleißen vor ihren Augen mehr, denn
Anferſtehen und ewiges Leben dazu. Denn das
n du ſehen, wenn Mammon mein Gott wä⸗
re, daß ich der 12,000 Drachmas genug geben
konnte, ich wollte alle Cophiſten papiſtiſchen
Gelehrten) und Ketzer auf einen Tag bekehren,
und nicht allein das Fegfeuer, ſondern das ganze
Papſtthum aufheben, ehe ein Mond verginge.
Darum mangelt meiner Lehre nichts, denn die
Gottheit des großen Gottes Mammon; wenn
ich die haͤtte, ſo waͤre es keine Ketzerei, noch Irr⸗
thum (bei den Papiſten), ſondern die liebe, reine
Wahrheit. Nun aber iſt ſie irrig und ketzeriſch.
Warum? Darum daß ſie arm iſt. Armuth iſt
mein Irrthum und Ketzerei. Das ſei davon ge⸗
nug; ich will bei meinem armen Gott bleiben,
Dem ſei Lob und Dank in Ewigkeit. Amen.“
Der Leſer darf jedoch nicht denken, daß die Pa⸗
piſten gar keinen Heiland und Mittler haben woll⸗
ten. Das ſei ferue! Unſeren lieben HErrn Je⸗
ſum Chriſtum haben ſie zwar abgeſetzt, den Leu⸗
ten das Kreuz aus dem Herzen geriſſen und es
dafür auf alle Thürme geſetzt und gezeigt, wie
man das Kreuzſchlagen zu einem Zaubermittel
wider alles Böſe gebrauchen kann. Aber für den
Errn IEſum haben ſie nun die heilige Jung⸗
frau Maria zu ihrer Mittlerin, und fur Chriſti
men auch nach ihrer echre d in die Hölle, aus welcher keine Er⸗
löſung i. In das Fegeftuer kommen und leiden nach ihnen
oft viele Jahre unausſprechliche Höllen pein nur die From⸗
men und Gläubigen! Daher es auch oben heißt: „Glücklich,
weun du noch ius Jegeſeuer kömmſt.“
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Kreuz im Herzen das Scapulier angenommen.
(Des Scapulier ſind nehmlich ein Paar zu einer
Mönchskleidung gehörige Tuchlappen.) Meine
nicht, lieber Leſer, daß ich ſcherze. In der fol⸗
genden Nummer des „Wahrheitsfreundes“
heißt es nehmlich ferner buchſtäblich alſo
II. Von der heiligen Jungfrau Ma⸗
ria:
„Der heilige Bernardin von Siena lehrt uns,
daß Maria in dieſem Gefängniſſe der Bräute
Jeſu Chriſti (im Fegefeuer) ſo zu ſagen unum⸗
ſchränkte Gewalt ausübt, ſowohl um denſelben
ihre Peinen zu lindern, als auch, um ſie von den⸗
ſelben zu befreien. An den Feſttagen der Ge—
burt und Himmelfahrt Jeſu Chriſti begibt ſich
Maria, begleitet von vielen Engeln, ins Fege⸗
zeuer und befreiet daraus eine große Menge
Seelen. Daſſelbe geſchieht an allen hohen Feſt⸗
tagen Mariä. Allgemein bekannt iſt das Ver⸗
ſprechen, das Maria dem ſel. SimonStoch machte,
als ſie ihm im Jahre 1257 erſchien.“) Indem
Maria ihm das Scapulier überreichte, ver⸗
ſprach ſie ihm, daß diejenigen, welche
es während ihres Lebens getragen
hätten, vom ewigen Tode gerettet
werden ſollten. Ebenſo gewiß iſt das
Verſprechen Mariä, daß alle, welche das Scapu⸗
lier tragen, am Samſtag nach ihrem Tode aus
dem Fegefeuer befreit werden würden. (Dieſe
Thatſachen findet man beſtätigt als wahre That—
ſachen nach reiflicher Unterſuchung durch die Bul⸗
len der Päbſte Alexander V., Clemens VII.,
Pias V., Gregor XIII. und Paul IV.) Maria,
die Königin des Himmels und der Erde, Maria,
die Zuflucht der Sünder, die Hülfe der Chriſten,
Maria, unſere Mutter, —Sie iſt auch die Mut⸗
ter und der Troſt der armen Seelen im Fege⸗
fener; wenn uns die ganze Welt verlaſſen hat,
wenn wir ohne menſchlichen Beiſtand vor dem
göitlichen Richter Rechenſchaft ablegen müſſen,
wenn wir einmal von den Flammen des Fege⸗
feuers umſchlungen werden und unſere Freunde
und Verwandten treulos uns vergeſſen —dann
hat —Maria noch nicht aufgehört, uns zu hel⸗
fen, unſere Mutter zu ſein. Maria, ich liebe
dich, und mein ganzes Herz will ichſs
dir daher weihen! Hilf mir, Maria, daß
ich bald in der Arche deiner Verehrer mich defin⸗
de; dann will ich dein Lob mit Zunge und Feder
verkündigen, dir mein Leben weihen; den Sün⸗
dern will ich die Barmherzigkeit Mariens predi⸗
den, Allen Muth zuſprechen, ſich an dich, o Ma⸗
ria zu wenden. Auf meinen Knieen bitte ich dich,
o ſeligſte Jungfrau, Mutter der Barmherzigkeit!
Hilf mir, daß ich dich einmal im Himmel ſehe und
ewig preiſe deine Liebe, deine Barmherzigkeit! ..
Wenn wir auf ganz beſondere Weiſe Maria die⸗
nen, warum ſollten wir alsdann nicht auch die
Gnade doffen dürfen, ſogleich nach unſerm Tode
in den Hinunel aufgenommen zu werden, ohne
ins Fegefeuer zu komme? Dieſe große Gnade ließ
Maria dem ſeligen Gottfried durch Abundus
verkündigen: Sage dem Bruder Gottfried,
*) Es verſteht ſich von ſelbſt, wenn dieſe Geſchichte nicht ein
wiſſentlicher Pfaffenbetrug iſt, daß dieſe angebliche Maria
niemand anders als der Teufel ſelbſt geweſen iſt. Wie denn
alle die Seelen, welche erſchienen ſein und um Hülfe aus dem
Fegefeuer gefleht und gewimmert haben ſollen, wo ſolcher
Spuf wirklich geſchehen, nichts anders als Teufel geweſen
ſind, die damit dem papiſtiſchen Aberglauben haben aufhel⸗
ſen wellen.
ſprach ſie, er ſolle Fortſchritte in der Tugend ma
chen und ganz mir und meinem Sohne angehö⸗
ren, worauf, wenn ſeine Seele ſich von ſeinem
Leibe trennt, ich nicht zulaſſen werde, daß er ins
Fegefeuer komme, ſondern daß ich ihn alsdann
gleich beſchützen und meinem Sohne vorſtellen
werde.“ Wollen aber wir den armen Seelen im
Fegefeuer helfen, ſo müſſen wir dieſelben immer
in unſerm Gebete der allerheiligſten Jungfrau
anempfehlen.“
Urtheile nun, lieber Leſer, was ſind Papiſten,
die Maria ſo nicht nur Chriſto an die Seite, ſon⸗
dern ſelbſt über Chriſtum ſetzen und, an Chriſto
verzagend, ſie als ihren Troſt, ihre Zuflucht, ihre
Hülfe, ihre Hoffnung anbeten, was ſind, frage
ich Dich, ſolche Papiſten beſſeres, als Türken
und Heiden? Ja, da ſolche Menſchen mitten un⸗
ter dem Schall des Evangeliums leben, ſind ſol⸗
che elende Götzenknechte nicht tauſendmal ſchänd⸗
lichere Verächter deſſen, der da ſagt: „Ich bin
der Weg, und die Wahrheit, und das Leben;
niemand kommt zum Vater, denn durch mich?“
Es iſt freilich nach dem geſchehenen Sündenfall
die Art aller Menſchen, die noch unbekehrt und
ohne wahren Glauben ſind, daß ſie vor Gott flie⸗
hen und bei Menſchen Zuflucht ſuchen; aber wie
ſpricht die Schrift? „Verflucht iſt, wer ſich auf
Menſchen verläßt!“
——. ————————
„Der Beiwagen.“
Mit dieſer Nummer erhält der Leſer die erſte
Lieferung der unter obigem Titel verſprochenen
hiſtoriſchen Beilagen. Der Leſer wird hoffent⸗
lich bald erfehen, daß dieſelben in einem anderen
Geiſte, als die Berichte des „Informatorium,“
verabfaßt ſind, nehmlich nicht zu dem Zwecke,
unſere Gegner zu beſchimpfeu, ſondern lediglich
zu nothgedrungener Vertheidigung gegen un⸗
chriſtliche Angriffe und — ob Gott will — die
Angreifer zur Beſinnung zu bringen. Da des
zu liefernden Stoffes leider! mehr, als wir erſt
gerechnet hatten, iſt, ſo werden wir künftighin
wegen ſonſt zu hoch auflaufender Druckkoſten die
Beilage in die zweite Hälfte jeder Nummer
des „Lutheraner“ verlegen, bis dem Leſer die
nöthigen Aufſchlüſſe gegeben ſind. Wir geben
übrigens dem Leſer die Verſicherung, daß wir
auf etwaige Erwiederungen Paſtor Grabau's
auf dieſe unſere mit ſtrengſter Wahrheitsliebe
gegebenen geſchichtlichen Darſtellungen ohne die
dringendſte Veranlaſſung nicht wieder antwor—
ten, ſondern die Sache nun Gott und dem Ur⸗
theil unpartheiiſcher Chriſten anheimſtellen wer⸗
den.
Wir wiederholen übrigens, daß der eigent⸗
liche Grund, warum wir aus der Buffalo-Sy⸗
node austretende Gemeinden und einzelne Per⸗
ſonen aufgenommen haben, nicht ſo wohl die
ſündliche und ungerechte Praris, als vielmehr
die falſche Lehre geweſen iſt, welche in je⸗
ner Synode feſtgehalten wird. Wir ſind hier⸗
bei nach Gottes Wort von dem Grundſatz aus⸗
gegangen, daß wir Leute, welche irrige Lehrer
verlaſſen, weder zu denſelben zurücktreiben, noch,
wenn ſie ſich Gottes Wort und Ordnung un⸗
terwerfen wollten, rath - und hülflos ihrem
Schickſal überlaſſen dürften. Eine feindſelige
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