Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 10 › Seite 58
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-12-07, Seite 58
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German transcription machine transcription, uncorrected
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(Offenh. Joh. Ca v. 11,
„Gottes Wort und Luthers Lehr“ vergehet nun und nimmermehr.“
——
Herausgegeben von der Deutſchen Ev. Luther. Synode von Miſſouri, Ohio und andern Staaten.
Nedigirt von C. F. W. Walther.
Jahrg. 9.
St. Louis, Mo., den 7. Dezember 1852.
No. S.
Bedingungen:
Zd „Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jäbrlichen
ubſcriptienspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauazube⸗
Rleu und das Poſigeld zu tragen haben. — In St. Lonis wird jede einzelue No. für 5 Cents verkauft.
aber.
Handelt die latheriſche Kirche Recht,
indem fie die Hand der Gemeinſchaft,
welche die reformirte ihr bietet,
ö zurückweiſt?
(Fortſetzung nud Schluß)
Aber iſt es nicht lieblos, Reformirte oder
Unirte, welche in unſrer Kirche communiciren
wollen, von der Communion auszuſchließen?
Soll die Unruhe und der Lärm des Streites der
Kirche bis in ihr friedliches Allerheiligſtes, das
Sacrament des Altars, dringen? Es iſt ja ein
Mahl der Liebe. Es iſt ja der Tiſch des Herrn,
nicht der Tiſch der Kirche.
Hierauf geben wir vorerſt die beſtimmte hi⸗
ſtoriſche Antwort: die Nichtzulaſſung Reformir—
ter zum Abendmahl war von jeher in unſrer
lutheriſchen Kirche, ſo weit ſie ſich von philippi⸗
ſtiſchen Synkretismus“) rein erhielt, allgemein
gültige Kirchenpraris. Wir werden dies in
Peinem Anhange, ſoweit uns vorjetzt die Belege
rafür zugänglich ſind, beweiſen.
Es iſt ferner bekannt, daß unſre Kirche um
die reine Lehre vom heiligen Abendmahl einen
Jahrhunderte langen Kampf bis auf's Blut
gekämpft hat. Die Abendmahlslehre iſt dadurch
unendlich hoch über alle Mitteldinge (Adia—
phora) emporgerückt worden. Sie iſt das
Schibbolet der Kirche geworden, an dem ſie er—
Aknnt wer mit ihr und wider ſie iſt. Ihre
—
VD. *
) D. h. Maelanchthoniſche Kirchenvermengung.
—
Eigenthümlichkeit geht zwar in der Abendmahls⸗
lehre nicht auf, aber ſie concentrirt ſich darin. “)
Die reine Rechtfertigungslehre gegenüber der
römiſchen Kirche und die reine Abendmahls⸗
lehre gegenüber der reformirten Kirche — das
ſind die beiden Herzkammern lutheriſchen We⸗
ſens.
Wie konnte und wie kann die Kirche bei die⸗
ſer Wichtigkeit der Abendmahlslehre an ſich und
bei dieſer Wichtigkeit, welche dieſelbe für ſie im
Laufe einer dreihundertjährigen mit Schweiß
und Blut und Thränen getränkten Geſchichte
erlangt hat, gleichgültig dagegen ſein, ob der—
jenige der in ihren Gemeinden zum Abendmahl
gehen will die rechte ſchriftgemäße Erkenntniß
vom Sacramente des Herrn habe oder nicht!
Sie würde, wenn ſie Reformirte mit zwingli—
ſcher oder calviniſcher Lehre, Unirte mit ihrer
die Unterſcheidungslehren indifferenzirenden“)
Anſicht zum Tiſche des Herrn zuließe, die Waffe
der Väter bei Seite legen, falſchen Frieden
ſchließen, die Unwiſſenheit begünſtigen, die Lau⸗
heit heiligen. Thun das ihre Kinder, ſo han⸗
deln ſie ohne Auftrag und wider den Geiſt der
Mutter.
Die alte ſolcher falſchen Abendmahlsgemein—
ſchaft feinde Praxis ſieht allerdings ſehr lieblos
1) D. h. ſie hat darin ihren Mittelpunkt. D. R.
*) D. h. die Unirten haben die Anſicht, es ſei gleich⸗
gültig, was ein Meuſch in den Punkten glaube, in wel=
chen die Lutheraner und Reformirten nicht übereinſtimmen.
D. R.
Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redakteur, alle anderen
welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen. Gelder 1c. enthalten. unter der Adreſſe
Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſeuden.
aus und wo ſie, wie bei uns in Bayern, in
Vergeſſenheit und Verfall gerathen iſt, erſcheint
ſie beinahe wie die Inh imanität ſelber. Auch
wollen wir nicht läugnen, daß dieſe Praris,
ausgeübt von ſolchen, welche nur einen ortho⸗
doren Kopf und nicht in Liebe lebendigen Glau⸗
ben haben, recht abſtoßend und ſeelenverderblich
werden kann. Wenn überhaupt die Seelſorge
ein unausſprechlich zartes Geſchäft iſt und, wie
irgendwo Bernhard von Clairvaur ſagt, jede
Seele einem bis oben an mit Chriſti Blut ge⸗
füllten Gefäße gleicht, welches der Seelſorger zu
tragen hat, ewig verantwortlich für jeden ver—
ſchütteten Tropfen: ſo iſt hier wo es ſich um
Theilnahme am heil. Abendmahl handelt, die⸗
ſem allerzarteſten Geheimniß der für uns ge⸗
kreuzigten und nun verklärten Liebe, doppelte
und dreifache Zartheit vonnöthen, und es heißt
hier im unendlich höchſten Sinne: verdirb den
nicht durch deine Speiſe, für welchen Chriſtus
geſtorben iſt. Wo aber jene Praris von einem
nicht blos namenchriſtlichen und phariſäiſch lu⸗
theriſchen Pfarrer gehandhabt wird, da birgt die
rauhe Schale einen ſüßen Kern, die harte Mu⸗
ſchel eine köſtliche Perle, die ſcheinbare Schroff⸗
heit einen ſeligen Zwang.
Das heil. Abendmahl iſt ja nicht allein eine
Selbſtdargabe des Herrn, es iſt auch ein Be⸗
kenntniß der ſeinen Tod verkündigenden Ge⸗
meinde; es iſt der Culminationspunkt (der Hö⸗
hepunkt) des Gottesdienſtes, der Hauptakt der
kirchlichen Gemeinſchaftsbethätigung, der höchſte
—
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