# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 12 07_S64 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) So heißt es wörtlich in dem Cincinnatier ſo⸗ genannten „Wahrheitsfreund!“ Wer ſieht hier⸗ aus nicht, daß die ſogenannte katholiſche Kirche die Kirche des Antichriſts ſein müſſe, da ſie ſo ſtech Chriſtum und ſeine vollkommene Genug⸗ thuung läugnet, ſchmäht und ſchändet? Welcher Teufel aus der Hölle hätte ſich eine beſſere Lehre ausſinnen können, den Troſt des Evangeliums von der Seligkeit aus Gnaden durch den Glau⸗ ben an Chriſtum ſelbſt noch für die Sterbeſtunde zu nichte zu machen, als dieſe papiſtiſche Lehre vom Fegefeuer iſt? Du wirſt, lieber Leſer, er— ſtaunt ſragen: Aber was kann doch die römiſchen Prieſter bewegen, eine ſolche, nicht nur Chriſti Blut und Krenz mit Fußen tretende, ſondern auch ſo furcitbare Lehre den Leuten einzureden? Antwort: Der Hauptgrund iſt dieſer, weil, wie du oben gehört haſt, die Lehre vom Fegefeuer zur kehre von der Nothwendigkeit und Kraft des Me ßopfers nöthig iſt, und weil wiederum das Meſſeleſen faſt das Einzige iſt, was dem römiſchen Prieſter etwas einbriugt. Darum halten ſie auch ſo große Stücke auf die apocryphiſchen Bu⸗ cher der Maccabäer und machen ſie zu kanoniſchen, 0 ‚ weil da geſchrieben ſteht: „Judas hieß ſie eine Steuer zuſammenlegen, zwei ß tauſend Drachmas Silber; die ſchickte er gen Je⸗ ruſalem zum Sündopfer. Und that wohl und fein daran, daß er von der Auferſtehung eine Er⸗ innerung that . ſchreibt Luther in ſeiner Schrift: Darum hat er auch für dieſe Todten gebeten, daß ihnen die Sünde vergeben würde.“ (2 Macc. 12, 43—46.) Hierüber „Widerruf vom Fegefeuer“ u. A. alſo: „Dieſen Text deuten ſie auf's Fegfeuer, ſo doch kein Wort noch Buchſta⸗ be drinnen vom Fegfeuer ſtehet; ſondern ſie dringen und bräuen ſolchen Lugenverſtand hiu⸗ ein aus ihrem eigenen Kopf, um der zwölf⸗ tanuſend Drachmas willen. Die gleißen vor ihren Augen mehr, denn Anferſtehen und ewiges Leben dazu. Denn das n du ſehen, wenn Mammon mein Gott wä⸗ re, daß ich der 12,000 Drachmas genug geben konnte, ich wollte alle Cophiſten papiſtiſchen Gelehrten) und Ketzer auf einen Tag bekehren, und nicht allein das Fegfeuer, ſondern das ganze Papſtthum aufheben, ehe ein Mond verginge. Darum mangelt meiner Lehre nichts, denn die Gottheit des großen Gottes Mammon; wenn ich die haͤtte, ſo waͤre es keine Ketzerei, noch Irr⸗ thum (bei den Papiſten), ſondern die liebe, reine Wahrheit. Nun aber iſt ſie irrig und ketzeriſch. Warum? Darum daß ſie arm iſt. Armuth iſt mein Irrthum und Ketzerei. Das ſei davon ge⸗ nug; ich will bei meinem armen Gott bleiben, Dem ſei Lob und Dank in Ewigkeit. Amen.“ Der Leſer darf jedoch nicht denken, daß die Pa⸗ piſten gar keinen Heiland und Mittler haben woll⸗ ten. Das ſei ferue! Unſeren lieben HErrn Je⸗ ſum Chriſtum haben ſie zwar abgeſetzt, den Leu⸗ ten das Kreuz aus dem Herzen geriſſen und es dafür auf alle Thürme geſetzt und gezeigt, wie man das Kreuzſchlagen zu einem Zaubermittel wider alles Böſe gebrauchen kann. Aber für den Errn IEſum haben ſie nun die heilige Jung⸗ frau Maria zu ihrer Mittlerin, und fur Chriſti men auch nach ihrer echre d in die Hölle, aus welcher keine Er⸗ löſung i. In das Fegeftuer kommen und leiden nach ihnen oft viele Jahre unausſprechliche Höllen pein nur die From⸗ men und Gläubigen! Daher es auch oben heißt: „Glücklich, weun du noch ius Jegeſeuer kömmſt.“ — 63 Kreuz im Herzen das Scapulier angenommen. (Des Scapulier ſind nehmlich ein Paar zu einer Mönchskleidung gehörige Tuchlappen.) Meine nicht, lieber Leſer, daß ich ſcherze. In der fol⸗ genden Nummer des „Wahrheitsfreundes“ heißt es nehmlich ferner buchſtäblich alſo II. Von der heiligen Jungfrau Ma⸗ ria: „Der heilige Bernardin von Siena lehrt uns, daß Maria in dieſem Gefängniſſe der Bräute Jeſu Chriſti (im Fegefeuer) ſo zu ſagen unum⸗ ſchränkte Gewalt ausübt, ſowohl um denſelben ihre Peinen zu lindern, als auch, um ſie von den⸗ ſelben zu befreien. An den Feſttagen der Ge— burt und Himmelfahrt Jeſu Chriſti begibt ſich Maria, begleitet von vielen Engeln, ins Fege⸗ zeuer und befreiet daraus eine große Menge Seelen. Daſſelbe geſchieht an allen hohen Feſt⸗ tagen Mariä. Allgemein bekannt iſt das Ver⸗ ſprechen, das Maria dem ſel. SimonStoch machte, als ſie ihm im Jahre 1257 erſchien.“) Indem Maria ihm das Scapulier überreichte, ver⸗ ſprach ſie ihm, daß diejenigen, welche es während ihres Lebens getragen hätten, vom ewigen Tode gerettet werden ſollten. Ebenſo gewiß iſt das Verſprechen Mariä, daß alle, welche das Scapu⸗ lier tragen, am Samſtag nach ihrem Tode aus dem Fegefeuer befreit werden würden. (Dieſe Thatſachen findet man beſtätigt als wahre That— ſachen nach reiflicher Unterſuchung durch die Bul⸗ len der Päbſte Alexander V., Clemens VII., Pias V., Gregor XIII. und Paul IV.) Maria, die Königin des Himmels und der Erde, Maria, die Zuflucht der Sünder, die Hülfe der Chriſten, Maria, unſere Mutter, —Sie iſt auch die Mut⸗ ter und der Troſt der armen Seelen im Fege⸗ fener; wenn uns die ganze Welt verlaſſen hat, wenn wir ohne menſchlichen Beiſtand vor dem göitlichen Richter Rechenſchaft ablegen müſſen, wenn wir einmal von den Flammen des Fege⸗ feuers umſchlungen werden und unſere Freunde und Verwandten treulos uns vergeſſen —dann hat —Maria noch nicht aufgehört, uns zu hel⸗ fen, unſere Mutter zu ſein. Maria, ich liebe dich, und mein ganzes Herz will ichſs dir daher weihen! Hilf mir, Maria, daß ich bald in der Arche deiner Verehrer mich defin⸗ de; dann will ich dein Lob mit Zunge und Feder verkündigen, dir mein Leben weihen; den Sün⸗ dern will ich die Barmherzigkeit Mariens predi⸗ den, Allen Muth zuſprechen, ſich an dich, o Ma⸗ ria zu wenden. Auf meinen Knieen bitte ich dich, o ſeligſte Jungfrau, Mutter der Barmherzigkeit! Hilf mir, daß ich dich einmal im Himmel ſehe und ewig preiſe deine Liebe, deine Barmherzigkeit! .. Wenn wir auf ganz beſondere Weiſe Maria die⸗ nen, warum ſollten wir alsdann nicht auch die Gnade doffen dürfen, ſogleich nach unſerm Tode in den Hinunel aufgenommen zu werden, ohne ins Fegefeuer zu komme? Dieſe große Gnade ließ Maria dem ſeligen Gottfried durch Abundus verkündigen: Sage dem Bruder Gottfried, *) Es verſteht ſich von ſelbſt, wenn dieſe Geſchichte nicht ein wiſſentlicher Pfaffenbetrug iſt, daß dieſe angebliche Maria niemand anders als der Teufel ſelbſt geweſen iſt. Wie denn alle die Seelen, welche erſchienen ſein und um Hülfe aus dem Fegefeuer gefleht und gewimmert haben ſollen, wo ſolcher Spuf wirklich geſchehen, nichts anders als Teufel geweſen ſind, die damit dem papiſtiſchen Aberglauben haben aufhel⸗ ſen wellen. ſprach ſie, er ſolle Fortſchritte in der Tugend ma chen und ganz mir und meinem Sohne angehö⸗ ren, worauf, wenn ſeine Seele ſich von ſeinem Leibe trennt, ich nicht zulaſſen werde, daß er ins Fegefeuer komme, ſondern daß ich ihn alsdann gleich beſchützen und meinem Sohne vorſtellen werde.“ Wollen aber wir den armen Seelen im Fegefeuer helfen, ſo müſſen wir dieſelben immer in unſerm Gebete der allerheiligſten Jungfrau anempfehlen.“ Urtheile nun, lieber Leſer, was ſind Papiſten, die Maria ſo nicht nur Chriſto an die Seite, ſon⸗ dern ſelbſt über Chriſtum ſetzen und, an Chriſto verzagend, ſie als ihren Troſt, ihre Zuflucht, ihre Hülfe, ihre Hoffnung anbeten, was ſind, frage ich Dich, ſolche Papiſten beſſeres, als Türken und Heiden? Ja, da ſolche Menſchen mitten un⸗ ter dem Schall des Evangeliums leben, ſind ſol⸗ che elende Götzenknechte nicht tauſendmal ſchänd⸗ lichere Verächter deſſen, der da ſagt: „Ich bin der Weg, und die Wahrheit, und das Leben; niemand kommt zum Vater, denn durch mich?“ Es iſt freilich nach dem geſchehenen Sündenfall die Art aller Menſchen, die noch unbekehrt und ohne wahren Glauben ſind, daß ſie vor Gott flie⸗ hen und bei Menſchen Zuflucht ſuchen; aber wie ſpricht die Schrift? „Verflucht iſt, wer ſich auf Menſchen verläßt!“ ——. ———————— „Der Beiwagen.“ Mit dieſer Nummer erhält der Leſer die erſte Lieferung der unter obigem Titel verſprochenen hiſtoriſchen Beilagen. Der Leſer wird hoffent⸗ lich bald erfehen, daß dieſelben in einem anderen Geiſte, als die Berichte des „Informatorium,“ verabfaßt ſind, nehmlich nicht zu dem Zwecke, unſere Gegner zu beſchimpfeu, ſondern lediglich zu nothgedrungener Vertheidigung gegen un⸗ chriſtliche Angriffe und — ob Gott will — die Angreifer zur Beſinnung zu bringen. Da des zu liefernden Stoffes leider! mehr, als wir erſt gerechnet hatten, iſt, ſo werden wir künftighin wegen ſonſt zu hoch auflaufender Druckkoſten die Beilage in die zweite Hälfte jeder Nummer des „Lutheraner“ verlegen, bis dem Leſer die nöthigen Aufſchlüſſe gegeben ſind. Wir geben übrigens dem Leſer die Verſicherung, daß wir auf etwaige Erwiederungen Paſtor Grabau's auf dieſe unſere mit ſtrengſter Wahrheitsliebe gegebenen geſchichtlichen Darſtellungen ohne die dringendſte Veranlaſſung nicht wieder antwor— ten, ſondern die Sache nun Gott und dem Ur⸗ theil unpartheiiſcher Chriſten anheimſtellen wer⸗ den. Wir wiederholen übrigens, daß der eigent⸗ liche Grund, warum wir aus der Buffalo-Sy⸗ node austretende Gemeinden und einzelne Per⸗ ſonen aufgenommen haben, nicht ſo wohl die ſündliche und ungerechte Praris, als vielmehr die falſche Lehre geweſen iſt, welche in je⸗ ner Synode feſtgehalten wird. Wir ſind hier⸗ bei nach Gottes Wort von dem Grundſatz aus⸗ gegangen, daß wir Leute, welche irrige Lehrer verlaſſen, weder zu denſelben zurücktreiben, noch, wenn ſie ſich Gottes Wort und Ordnung un⸗ terwerfen wollten, rath - und hülflos ihrem Schickſal überlaſſen dürften. Eine feindſelige