Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 16 › Seite 128

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-02-25, Seite 128

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allen Völkern zu verkündigen, nicht bloß die
Apoſtel betraf, das beweiſ't ja auf's klarſte die
mit dieſem Befehle unzertrennlich verbundene
Verheißung des HErrn: „Siehe, ich bin bei
euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“ Nicht
in ihrer, ſondern in des HCrrn Kraft und Na⸗
men ſollten die Apoſtel und andere Zeugen der
Wahrheit in alle Welt gehen und allen Völkern
die frohe Botſchaft von der freien Gnade in
Chriſto Jeſu bringen, und dazu verheißt ihnen
der HeErr ſeine beſondere geleitende, ſchützende,
ſegnende Nähe. Und weil dieſe Verheißung bis
an der Welt Ende gilt, ſo muß ja auch der Befehl,
das Cvangelium allen Völkern zu verkündigen,
um deß willen eben dieſe Verheißung gegeben iſt,
bis an der Welt Ende gelten, und gilt auch, ſo
wahr Gott will, „daß Allen Menſchen ge—
holfen werde“, und nicht nur denen, die zu einer
gewiſſen Zeit lebten.

Darum laß du dich, mein lieber Leſer, durch
keinerlei Wind der Lehre umhertreiben, ſondern
ſtehe du feſt auf dieſem Felſengrund des Wortes
Gottes, ſo wirſt du wohl bleiben.

Und damit du auch wiſſeſt, mit wie großem
Unrecht der eine „Auszug“ im „Informatorium“
von Lügen redet, welche von den ſeligen Miſſio⸗
naren Ziezenbalg und Plütchau aus Oſtindien
nach Deutſchland geſchrieben worden wären, und
welche, „die am beſten zu erzählen wüßten, wel⸗
che von dannen herauskommen“ (als ob deren
Mund eitel Evangeliumbuch wäre, das nimmer
Unwahrheit berichten könnte!): ſo will ich dir
hier ſo ein „von dannen herausgekommenes“
Zeugniß herſetzen, das ſich ohne Zweifel auch
deinem Herzen als ein echt evangeliſches Zeug—
niß erweiſen wird. Es iſt dies ein Auszug aus
einem Briefe eines Indiſchen eingebornen Pre—
digers auf der Inſel Ceylon, Namens David,
den derſelbe vor einiger Zeit an das evang. luth.
Miſſions⸗Collegium zu Leipzig geſchrieben hat.
Es heißt darin:

„Dem allmächtigen Gott gefiel es nach ſeiner
unergründlichen und unerforſchlichen Gnade und
Barmherzigkeit und ſeinem vor Gründung der
Welt gefaßten heiligen Rathſchluſſe, das Herz
des frommen und großmüthigen Königs von
Dänemark Friedrich's IV. zu rühren, im Jahre
1705 den erſten Miſſionar, den treuen und be⸗
rühmten Bartholomäus Ziegenbalg nach Tran⸗
kebar zu ſenden, damit derſelbe die Finſterniß,
die meine armen Landesleute umhüllte, erleuchte
und unter ihnen das Panier des allerheiligſten
Kreuzes aufrichte.“

„Nach ſeiner Ankunft in Trankebar war Zie⸗
genbalg Tag und Nacht bemüht, das Evange—
lium auszubreiten, und es gelang ihm, Viele
zur Erkenntniß der ſelig machenden Wahrheit zu
bringen. Und die Pforten der Hölle ſind noch
nicht im Staude geweſen, die durch ihn gegrün—
gete Gemeine zu überwältigen. Biele treue und
ausgezeichnete lutheriſche Miſſionare ſind uns
auch ſpäterhin aus Ihrer geſegneten Heimath,
unter ibnen namentlich der ehrwürdige Vater
Schwarz, nachgeſandt worden.“ ö

„Ich danke meinem himmliſchen Vater auf—
richtig dafür, daß Er mein werthloſes Lehen ver⸗

—126—

längert und mir bis hieher geholfen hat, daß ich
das Gedeihen der durch Ihre Geſellſchaft unter—
ſtützten Miſſion in meinem Vaterlande ſehen
kann. Daher habe ich, als ich erfuhr, daß Ihre
Miſſionare ſämmtlich am 1. Juni 1846 die
Feier des hundertjährigen Stiftungsfeſtes der
Bethlehemskirche in Poreiar begangen haben, in
welcher ich am 1. April 1775 von dem alten lu⸗
theriſchen Miſſionar, dem ehrwürdigen Herrn
Klein, getauft worden bin, mich alsbald an
Herrn Miſſionar Cordes gewendet, um meine
ſreudige Theilnahme auszuſprechen, auch eine
Beſchreibung dieſes Feſtes im Morning⸗Star be⸗
ſonders abdrucken und vertheilen laſſen.“

„Es iſt Ihnen bekannt, daß durch die aus—
dauerndſte Anſtrengung und Mühe Ziegenbalgs
und ſeiner Nachfolger zwei Buchdruckereien, eine
Tamuliſche und eine Portugieſiſche gegründet
und in denſelben unter ihrer Leitung außer der
heil. Schrift auch die köſtlichen lutheriſchen Lie—
der gedruckt worden ſind, die es in ſo reichem
Maaße vermögen, das geheimnißvolle himmli⸗
ſche Feuer der Liebe zu Gott in den Herzen zu
entzünden. Dieſe Bibeln und Geſangbücher
fanden auf der Küſte Koromandel und auf unſrer
Inſel (Ceylon) unter den chriſtlichen Bewohnern
eine weite Verbreitung, und wurden von den⸗—
ſelben fleißig gebraucht und ſorgfältig aufbe—
wahrt. Noch jetzt werden ſie als werthe Reli—
quien angeſehen. Die Überſetzung iſt im hohen
Grade klar und einfach, ſo daß ſie leicht von
Gelehrten und Ungelehrten, von Männern und
Frauen verſtanden wird. Die ſpätern Über—
ſetzungen, die von Miſſionaren der verſchieden—
ſten Geſellſchaften und Confeſſionen herrühren,
ſind gekünſtelt, ſchwülſtig und dunkel, und eben
deshalb faſt ganz unbrauchbar.
ein erneuerter Abdruck jener alten Überſetzung
unter der Aufſicht Ihrer Miſſionare, von denen
einige des Tamuliſchen beſonders mächtig ſein
ſollen, erfolgen; es würde dies von großem
Segen für die Gemeinde und das heranwach—
ſende Geſchlecht ſein.“

„Gedenken Sie meiner vor dem Gnadenſtuhle
Gottes und bitten Sie ihn, daß Er mir kraft
ſeiner gnadenvollen Verheißung ſeinen heiligen
Geiſt ſende, damit ich im Glauben bis ans
Ende verharre. Ich verſpreche Ihnen, daß ich
nicht aufhören werde, für Zion und für Ihre
Geſellſchaft zu beten, und für die Boten, welche
Sie ausſenden.“

„Da ich achtzig Jahre alt bin, ſo ſpüre ich
täglich die deutlichſten und erfreulichſten Zeichen
meiner baldigen Erlöſung aus dieſem Jammer⸗
thale, und harre der Zukunft meines HErrn.
Ich weiß daher nicht, ob ich noch die Freude er—
leben werde, eine Antwort aaf mein Schreiben
zu erhalten, und von dem ferueren Gedeihen

Ihrer Miſſion etwas zu hören; aber deß bin

ich gewiß, daß ich, auch wenn ich in die ewigen
Wohnungen des Friedens verſetzt bin, Ihrer
und Ihres Wirkens nie vergeſſen werde. Vor
dem Throne Gottes werden wir uns wiederfin⸗
den, um Ihn, den Dreieinigen, ewig zu preiſen.“

Siehe, mein chriſtlicher Leſer, welch ein Geruch
des Lebens zum Leben ſind die erſten Miſſionare

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Möchte doch Troſt im Leiden, ohne Zurerſicht im Tode;

unſerer Kirche in Indien geweſen! Und ſiebe,
dieſer David, den du gewiß lieb gewonnen haſt,
iſt eine der reifen Früchte von ihrer Arbeit.
Und ſind auch wir einſt dem Lande der Thränen
und des Kampfes entrückt, ſind wir eingegan⸗
gen zu der Ruhe, die noch vorhanden iſt dem
Volke Gottes: ſo werden wir dort noch Hundert
und Taͤuſende finden, die Gott der HErr durch
ſeine Knechte, die Miſſionare unſerer Kirche er⸗
rettet hat von der Obrigkeit der Finſterniß, und
gebracht hat zu dem wunderbaren Lichte der Er—
kenntniß Jeſu Chriſti. Darum freue du dich,
und preiſe Gott, daß Er auch noch in den letzten
Tagen ſeine Boten ausſendet, und die armen
Heiden herein nöthigen läſſet, weil auch für
ſie noch Raum vorhanden iſt, in den ewigen
Hütten des Friedens. Freue du dich deſſen
und ſei gewiß, daß ſo lange der Tag des
Heils noch währt, ſo lange der HErr noch ruft:
„Wendet euch zu mir, ſo werdet ihr ſelig, aller
Welt Ende“ (Jeſ. 45, 22.) ſo lange Er ſelbſft
noch nicht gekommen iſt, „ſeine Gäſte zu beſehen“:
ſo lange ſind eben noch die Pforten ſeiner Gnade
offen für Alle Menſchen; ſo lange „iſt noch
Raum da“, und daher auch der Wille des HErrn,
daß ſeine Boten immer von Neuem ausgehen
„auf die Landſtraßen und an die Zäune“ Alle
einzuladen und zu „nöthigen, daß ſie hereinkom⸗
men, auf daß ſein Haus voll werde“.

So lange daher noch Nationen ferne ſind
von „der Bürgerſchaft Iſraels und von den Te⸗
ſtamenten der Verheißung“; ſo laͤnge noch Völ—
ker dahinwandeln im Schatten des Todes und
den Weg des Friedens nicht wiſſen; ſo lange
ſie noch dahin leben „ohne Gott in der Welt“
und daher auch ohne Heffnung im Leben, ohne

kurz, ſo lange ſie den noch nicht kennen, deſſen
Wille es iſt, daß Allen Menſchen geholfen
werde, und daß ſie zur Erkenntniß der Wahrheit
kommen, weil Er ſein Blut, ſich ſelbſt gegeben
hat „für Alle zur Erlöſung, damit ſolches zu
ſeiner Zeit gepredigt würde (1 Tim. 2, 4 — 6.):
ſo lange halte auch du, als ein Chriſt, dich ver—
pflichtet, das Deinige zu thun, damit der Name
Gottes „bekannt den Heiden werde, und ſie ſich
zu Gott bekehren.“
Sierakowski.

“

Fünf Tugenden,
welche nach Hieronym. Weller, Luthers Hausfreund,
ein Prediger haben ſoll.

„Die erſte Tugend iſt, die Predigt ſorg fal⸗
tig auszuarbeiten, ſich aufs höchſte da—
für hütend, ſich daran zu gewöhnen, die Predig⸗
ten aus dem Stegreif zu halten.

Sodann, er trete mit Furcht und Zit⸗
tern auf, d. h. er rufe Gott an, damit er
ihm den heiligen Geiſt ſchenke, damit dieſer ſeine
Zunge regiere. Perikles betete jedesmal zu den
Göttern, ehe er die Rednerbühne beſtieg, daß er
nichts ſagen möchte, was Jemandem wehe thäte.
Um wie viel mehr wird der Lehrer der Gemein⸗
de Chriſti beten müſſen, daß er nichts ſage, was

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