Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 16 › Seite 127

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-02-25, Seite 127

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Aber bitte — ängſtigt euch nicht! Es kann auf

einer Synodalſitzung nichts Neues, die Grenzen
der Verfaſſung Ueberſchreitendes beſchloſſen wer⸗
den, es ſei denn, daß die Gemeinden ſelbſt da⸗
von zuvor in Kenntniß geſetzt, und ihre freie
und fröhliche Zuſtimmung dazu gegeben ha—
ben. — Die Geſchäfte auf einer Synodalver—
ſammlung ſind mannichfacher Art, als: gewiſ⸗
ſenhafte Prüfung der predigt- und Schulamts⸗
candidaten, Verſorgung predigerloſer Gemein—
en, die ſich an die Spnode wenden, Ertheilung
tbeologiſcher Bedenken und Gutachten, erbetene
Schlichtung von Streitigkeiten, Regulirung des
Miſſionsweſens ꝛe. — Iſt nun an ſolchen So⸗
nodalſitzungen etwas Unrechts? Iſt es nicht
eine feine, gute, chriſtliche Ordnung? —

Zu eurer ferneren Beruhigung hört aber auch
noch den Grundſatz, der bei uns herrſcht in Be⸗
ziehung auf ſolche lutheriſche Gemeinden, die
ſich der Synode noch nicht angeſchloſſen haben.
Der Grunpſatz iſt der der chriſtlichen Frei—
beit.

Durchaus nicht! Hat doch der Err Chriſtus
Riemanden in den Himmel gezwungen, und
wir ſollten nun gar Jemanden in die Spnode
zwingen? Nein! Nimmer! Wer nicht aus

cher Ueberzeugung, — mit einem Wort, wer
nicht aus Freiheit kommt, der bleibe ja
fern, ſonſt ſchadet er nur ſich und der Synode,
allen Beiden. Zum Andern, es kann jede Ge⸗
meinde, die zu der Spnode gehört, ohne irgend
einen äußern Schaden und Nachtheil jeden
Augenblick wieder aus der Syno⸗
de austreten.

Woher kommt denn nun eure Furcht vor ei⸗
ner Spnode? Waher anders, als aus den Lü⸗
gen der Feinde der Wahrheit, und aus euerer
eigenen Unwiſſenheit. Jene „Klugen“ behan⸗
veln euch wie Kinder, wie dumme Kinder, ſie
wollen euch durch ein Geſpenſt ängſtigen nnd

node ſein, dieſes gefährliche Ding, das Alles
verſchlingt, eure geiſtlichen und leiblichen Güter,
enre Freiheit und euer Kirchengut. — Wohlan,

Wahrheit iſt, wollt ihr euch nun noch länger
wie Kinder behandeln, wie Narren belügen laſ—
ſen? Ich denke ihr zöget die Kinderſchuhe und

dal-Geſpenſte ans! —
B—.

(Eingeſandt.)

des Gnadenreiches Jeſu Chriſti auf Erden)
beut zu Tage noch nöthig iſt?

Schon Salomo klagte vor nun faſt drei Tau⸗
ſend Jahren, daß „des vielen Büchermachens
kein Ende“ ſei; was ſollte er doch ſagen, wenn
er die Büchermacherei und Zeitungsfchreiberei
unſrer Tage und unſres Landes ſähe? — Und

Es wird keine Gemeinde zum Eintritt
in die Synode irgend wie gezwunge n.

innerem Drange, wirklichem Bedürfniß, fröhli⸗

ſchrecken, und dieſes Geſpenſt muß nun die Sy⸗

ibr habt oben gehört, was eine Synode in

mit denſelben auch die Furcht vor dem Syno⸗

Ob die Miſſion (d. i. die Ausbreitung

—125—

dennoch iſt es nicht immer gerathen, zu ſchwei—
gen. So kann ich denn auch nicht umhin, deine
Aufmerkſamkeit, mein lieber Leſer, für einige
Augenblicke in Anſpruch zu nehmen, obwohl
mir ſonſt beides Zeit und Luſt zum „Bücherma—
chen“ abgeht. — Es hat nämlich das „kirchliche
Informatorium“ gleich bei ſeinem erſten Auf—
treten und fortan das traurige Geſchäft über—
nommen darzuthun, daß „die Miſſion heut zu
Tage nicht mehr nöthig ſei“. Es iſt dies ein
gar trau riges Geſchäft; denn es ſollte ſich doch
billig ein jedes Chriſtenherz freuen und Gott
loben, daß Seine Gnade eben alle Menſchen
aller Zeiten umfaßt; daß Er ſie alle bis zu ſei⸗
ner Wiederkunft einladen läßt, ſich von den fal⸗
ſchen Göttern zu dem lebendigen Gott zu bekeh—
ren, damit ſie an jenem Tage nicht der ewigen
Finſterniß anheim fallen möchten, wo ewiges
Heulen iſt und Zähnklappen. Dazu ſo iſt es
ein gar thörichtes Beginnen, die Unnöthigkeit,
ja Unrechtmäßigkeit der Miſſion beweiſen zu
wollen, die doch im Worte Gottes ſo klar und
für alle Zeiten geboten iſt. Weil aber der Irr⸗
thum leichter gelehrt und leichter gelernt iſt, als
die Wahrheit, ſo wollen dieſe Zeilen eben vor
dieſem Irrthum warnen, die Wahrheit bekennen
und getroſt Gott walten laſſen.

Das „Irformatorium“ bedient ſich zu dieſem
traurigen Geſchäft der Worte einiger längſt
heimgegangener Theologen der luther. Kirche,
um der Sache den gehörigen Nachdruck zu ge—
ben. Wir aber wollen mit den Todten keinen
Krieg führen. Nicht mit den längſtentſchlafenen
Gottesgelehrten wollen wir hadern, wenn ſie zu
ihrer Zeit in dieſem oder jenem Stücke der Wahr—
heit fehlten.“) Traurig iſt's aber, wenn man
heut zu Tage nicht der Väter Glauben, ſondern
deren Schwächen nachahmt! — Hätte doch das
„Informatorium“ die citirten Worte E. B.
Loeſcher's zu Herzen genommen, wenn er ſagt:
„Es wäre ja wohl herzlich zu wünſchen, daß

») Auch wir theilen dieſe Geſiunung un ſeres lieben Mit⸗
arbeiters; allein es iſt zuweilen Schwachen ſehr förderlich,
die Perſonen, welche gegen eine gure Sache geeiſert haben,
näber kennen zu lernen. Daher hier wenigſtens Eine kurze
Netiz. Der eifrigſte Gegner der Heideumiſſionen
war Dr. Sa m. Schelwig, ohne Zweifel zunächſt dar⸗
um, weil zu ſeiner Zeit die Miſſion durch die ihm ſo verhaß⸗
ten „Pietiſten,“ wie den gottſeligen Autz. H. Franke u. A.
betrieben wurde. Wie aber Schelwig's Rampf gegen die
ſogen anzten Pietiſten beſchaffen geweſen, kann man unter
Anderem daraus erſeben, daß derſelbe, als die Pietiſien ſo
ernſtlich auf Welt⸗ und Selbſtwerleugnung drangen, die
Cbhrſucht und das Reichwerdenwollen ſtraften, ſie zu wider⸗
legen ſuchte und behauptete: es ſei recht und gehöre zur
chritlichen Freiheit, in die Comödie zu gehen, das
Würfelſpiel zu treiben, „Ehre bei Menſchen und Reichthum
zu ſuchen ꝛc.“ Was für ein Sinn verräth der, welcher
ſoſche Dinge zu vertheidigen, hingegen die Anſtalten
zur Bekehrung der armen Heiden zu verwerfen getrie⸗
ben wird? Wer erzittert nicht, wenn er an einen ſolchen
Seelenzuſiand gedentt? Wer wird da nicht erinnert an die
Klage des heiligen Apoſtels: 1 Theſſ. 2, 15. 16.? Iſt's
hiernach wohl zu verwundern, daß Schelwig auch den Satz
mit allem Ernſte vertbeidigte: „daß ein gottloſer Pre⸗
diger, ſo er nur das Wort Go'tes buchſtäblich verſteht und
recht vorlezt, nicht nur ein Werkzeug, ſondern auch eine
Werkſtatt des heiligen Geiſtes ſei ?““ (Dies alles
findet ſich in Schel wig s „Überſicht der Streitigkeiten,
weiche unter dem Vorwande der Frömmigkeit erregt worden
ſind.“)

Die Redaktien.

Gott nach ſeinem heiligen Gefallen die Herzen
der Regenten und vornehmſten Lehrer ſeiner
Kirche erwecken möchte, den blinden Heiden meh⸗
rern Zutritt zu den Mitteln der Gnade zu ver⸗
ſchaffen; und iſt dieſes Werk, wofern es ordent⸗
lich angefangen und geführt wird, an und
für ſich allerdings hoch zu loben,
und werden alsdann die Perſonen, ſo dabei ar⸗
beiten, billig auch ihr großes Lob verdienen.“—
Hätte doch das „Informatorium“ dieſe Worte
zu Herzen genommen und ſich ſelbſt vor Gottes
heiligem und allwiſſendem Auge geprüft, ob es
auch ein Herz hat für die armen Heiden, wenig⸗
ſtens dieſes Landes, die der chriſtlichen Liebe ſo
ſehr bedürftig ſind, nachdem ſie ſo lange von
der Habſucht ſogenannter Chriſten untertreten
und beraubt wurden und zum Theil noch wer—
den; und ob es auch eine Hand, einen Fuß um
deßwillen geregt hat? „Wenn du deines
Feindes Ochſen oder Eſel begegneſt, daß er
irret, ſo ſollſt du ihm denſelben wieder zufüh—
ren!“ ſpricht der HErr (Erod. 23, 4). Wenn
wir aber unſers höchſten Wohlthäters, unſers
Gottes theuer erkaufte Seelen irren ſehen und
dahin geben auf dem Wege des ewigen Ver—
derbens, ſo laſſen wir ſie ruhig ziehen und phi—
loſophiren inzwiſchen darüber „ob die Miſſionen
beut zu Tage noch nöthig ſind?“ Wehe!
Wehe! — In „ordentlicher Weiſe“ ſoll dies
heil. Werk der Ausbreitung des Reiches Chriſti
auf Erden, ſchechthin „Miſſion“ genannt, al⸗
lerdings „angefangen und geführt“ werden;
und ſind wir ganz und gar nicht geſonnen das
Getreibe von allerlei Secten auf dem Miſſions⸗
gebiete gut zu beißen. Wir wiſſen recht gut,
daß Viele nicht Chriſtum den Gekreuzigten, ſon⸗
dern ihres eignen Herzens Gedünken auch den
Heiden predigen, und erwarten von ſolchen
Kuechten der Finſterniß auch nichts weiter, als
was der allmächtige Gott trotz ihres Treibens
auszurichten vermag. Allein dadurch wird das
Gebot des HErrn: „Gehet hin in alle Welt
und lehret alle Völker!“ mit nichten aufgehoben.
Auch iſt dieſer Befehl keinesweges nur den Apo⸗
ſteln gegeben; wie es denn auch vergebliche
Mühe iſt, dies aus den eitirten Worten: „Die
Zeichen aber, die da ſolgen werden, ſind die
in meinem Namen werden ſie mit neuen Zungen
reden,“ erweiſen zu wollen. Es ſtehet auch nir—
gends geſchrieben, daß Gott allen denen, die zur
Apoſtelzeit Völkern fremder Sprache das Evan⸗
gelium predigten wollten, die Kenntniß der
Sprache vom Himmel herunter eingegoſſen hätte,
was ganz und gar der Oekonomie Gottes zuwi⸗
der wäre. Dazu ſo ſind die Worte unrichtig
eitirt. Es heißt dort (Mark. 16, 17) nämlich
„Die Zeichen aber, die da folgen werden denen
die da glauben, ſind die: in meinem Na⸗
men werden ſie Teufel austreiben, mit neuen
Zungen reden“ ꝛc., und ſind dieſe Zeichen kei
neswegs nur den Apoſteln und andern Predi
gern des Wortes allein gegeben gewefen, wi
ſchon deutlich aus den Worten: „denen di
da glauben“ hervorgeht und auch 1 Kor
12, 8 — 10 beſtätigt wird.

Daß aber der Befehl Chriſti, das Evangeliun

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