Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 16 › Seite 123

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-02-25, Seite 123

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(Effenb. Irb. Car. 14, v. 6. 7.)

„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“

Herausgegeben von der Deutſchen Ev. Luther. Synode von Miſ

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ſouri, Ohio und andern Staaten.

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Nedigirt von C. F. W. Walther.

Jahrg. S.

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No. 16.

Bedingungen:

Der Lurtberaner erſcheint alle wei Wochen einmal für den jäbrlichen
kulſcriptisnevreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauezube⸗
Aelen und das Pofgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne No. für 5 Cents verkauft.

St. Louis, Mo., den 30. Mörz 1852.

(Eingeſandt.Y
Ein Wort zur Beherzigung für die, welche
ron keiner wahren Kirche etwas wiſſen
wollen, ſie ſei denn ſichtbar.

Es kann keinem Chriſten, der auf die religiöſen
bewegungen und Fragen der Gegenwart achtet,
nugehen, daß es beſonders die Lehre von der
Lirche iſt, über die man ſich klar zu werden ſucht.
Riacht chriſtliche Speculation oder der nach Klar⸗
keit ringende Verſtand iſt's allein, der dieſe Fra⸗
ze zum Gegenſtand der Erörterung gemacht bat,
ondern ein tiefgefühltes inneres Bedürfniß, das
in dem neuerwachten kirchlichen Leben ſeinen
Grund hat. Tauſende von redlichen, heilsbe—
gierigen Herzen haben ſich aus den troſtloſen Irr⸗
gängen des Unglaubens wieder zurecht gefunden,
ſnd zum Glauben ans Wort zurückgekehrt und
kekennen mit inniger Liebe den HErrn, den ſie
nwor entweder nicht gekannt oder wohl gar ver⸗
lengnet hatten. Und weil mit dem erſten Erwa—
chen des, geiſtlichen Lebens zugleich ein Drang
nach chriſtlicher Gemeinſchaft entſteht, ſo ſchloſſen
ſie ſich zunächſt an diejenigen an, von denen ſie
rit Botſchaft des Lebeus gehört hatten. Die
ſrage nach der Kirche trat fürs erſte in den
Hintergrund; denn die beſtehenden ſichtbaren Kir—
cen boten ein abſchreckendes Bild des Verderbens
dar. Die Seelen, die zumtchriſtlichen Bewußt—
ſein gekommen waren, konnten ihre Kirche nicht
anders anſehen als eine abgefallene, abtrünnige
Rutter, die ihre Kinder verſäumt und ver⸗

wahrloſt hatte. Man begnügte ſich, zu Häuflein

erweckter Chriſten ſich zuſammen zu ſchaaren, und
durch Privaterbauung die Weide zu genießen, die
das öffentliche Predigtamt verſagtez man vertraute
in die ganze, volle Kraft der Verheißung Jeſu
Chriſti: „wo zwei oder drei in meinem Namen
verſammelt ſind, da bin ich mitten unter ihnen;“
und das Bedürfniß der chriſtlichen Gemeinſchaft
fand ſich nicht nur befriedigt, ſondern auch bis
zum lieblichſten Genuß geſtärkt und erhoben.
Doch die Zeiten haben ſich geändert. Je mehr
Glieder in den herrſchenden Kirchenparteien er—
weckt wurden und je mehr das Glaubensleben
von den erſten Empfindungen der Gnade ſich zu
einer höheren Stufe chriſtlicher Erkenntniß fort⸗
zubilden ſtrebte, deſto mehr mußten auch noth—
wendig wieder die alten Gegenſätze der Lehre,
beſonders zwiſchen der lutheriſchen und refor—
mirten Kirche hervortreten. Der Ausweg, den
man verſuchte, durch Verſchmelzung beider Kir—
chen die Gegenſätze zu verwiſchen, befriedigte die.
jenigen am wenigſten, die bei klarer Erkenntniß
des Unterſchiedes mit gewiſſenhafter Treue die
Wahrheit feſthielten. Es geſchah eine Sonde—
rung zwiſchen Brüdern und Brüdern. Während
der eine Theil ſich um das Bekenntniß der Väter
ſchaarte, dasſelbe in ſeiner Reinheit und Lauter—
keit zu bewahren und in dieſem entſchiedenen Feſt⸗
halten an den Bekenntnißſchriften der luth. Kirche
ein einigendes Band erhielt; ſo blieben die
andern Brüder unentſchloſſen ſtehen, und müſſen

* nun deſto ſchmerzlicher empfinden, daß ihnen

Nur tie Briefe, welche Mitibeilungen für das Blatt entbalten, ſind an den Redakteur, alle anderen
aber. welches Geſchäftliches, Beſtellungen. Abdeſtellungen. Gelder 1c. enthalten, unter der Adreffe
Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden.

ein feſtes einigendes Band fehlt. Kein Wunder,
daß ſich die Frage nach der Kirche bei ihnen in
den wehmüthigſten Klagen Luft macht. Sie ſe—
hen nirgens Einheit, ſondern überall Zerriſſen⸗
heit. Wie es in ihrem Innern ausſieht, ſo dünkt
ihnen auch alles zu ſein, was ſie anderwärts von
kirchlichem Leben ſehen. Sie können ſich auch
nicht dem glaubenſchwächenden Einfluß entziehn,
den dieſe ungewiſſe unkirchliche Stellung auf ihr
inneres Leben haben muß.

Haben wir uns dagegen zu freuen, daß wir
bei den Glaubenswirren unſrer Zeit in dem theu⸗
ren unverfälſchten Bekenntniß unſrer lutheriſchen
Kirche einen feſten Einigungspunkt gewonnen ha⸗
ben; fühlen wir unter unſern Füßen einen feſten
kirchlichen Boden, und finden wir unſer kirchliches
Bedürfniß, das bei ſo vielen Andern ein uner⸗
fülltes Sehnen und Schmachten bleibt, befriedigt;
ſo haben wir uns dennoch vor einer Anſchauung
zu hüten, die uns das wahre Weſen der Kirche
verdunkelt, ſo ſehr fie auch dem kirchlichen Be—
dürfniß die entſprechendſte Befriedigung zu geben
ſcheint; das iſt nämlich die Idee von einer
wahren ſichtbaren Kirche, deren aus—
ſchliehliche Verwirklichung die Gemeinſchaft derer
ſei, die auf dem Grund unſres reinen lutheriſchen
Bekenntniſſes ein organiſch geordnetes und ge⸗
gliedertes Kirchenweſen haben. Es wird jetzt dieſe
Idee vielfach ausgeſprochen und in manchen
Zeitſchriften *) gefliſſentlich verbreitet, nicht an—

*) Siehe Grabau's Inſormatorium. No. 1.
D. R.

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