Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 16 › Seite 126
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-02-25, Seite 126
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ihr Glaube nicht faul und todt iſt. Hebr.
13, 1. ermahnt Paulus: „bleibet feſt in der
brüderlichen Liebe,“ und Philipp. 1,
27. „wandelt würdiglich dem Evangelio Chriſti,
auf daß ihr ſteht in einem Geiſt und ei—
ner Seele.“ — Thun nun Gemeinden Un-—
recht, wenn ſie in freiem Gehorſam gegen das
Wort Gottes ſich brüderlich mit einander ver—
einen? Darf man das verdächtigen, ſchmä⸗
hen? —
Ihr wünſcht auch für die Zukunft Prediger
und Lehrer zu haben für euch und eure Kinder.
Woher gedenkt ihr die zu nehmen? Wollt ihr
warten bis etwa einer zur glücklichen Stunde
angelaufen kommt? Und wenn einer kommt,
wer unter euch will ibn prüfen, ob er mächtig
ſei zu vermahnen die heilſame Lehre und zu
ſtrafen die Widerſprecher, ob er kein geheimer
Rationaliſt, oder Methodiſt, oder Unioniſt ꝛc.
ſei? Oder iſt es euch vielleicht noch einerlei,
was ein Prediger predigt, wenn er euch nur
eine Rede hält, eure Kinder tauft, copulirt ꝛc.,
im Uebrigen aber Alles gehen läßt, wie es will?
Iſt es vielleicht euer eigener Wille und Wunſch,
daß ſich der Prediger um weiter nichts beküm—
mert, weder falſche Lehre noch falſches Leben
ernſtlich ſtraft, damit nur ja kein ſogenannter
„Unfriede“ entſteht, die offenbar Böswilligen
nicht vermahnt, nicht von der Gemeinde ausge—
ſchloſſen und ſo vielletcht derer, die den Predi—
gergehalt bezahlen, immer weniger und dadurch
eure Unkoſten immer höher werden? Steht es
noch ſo mit euch, iſt euch das Chriſtenthum ein
Handelsartikel, mit dem ihr möglichſt billig eure
weltliche Ehrbarkeit und Scheinfrömmigkeit zu
erkaufen trachtet: dann freilich ſeid ihr noch
lange nicht fähig, den Nutzen einer Synode be⸗
greifen, vielweniger Glieder derſelben werden zu
können. Iſt es euch aber ſchon durch Gottes
Gnade ein heiliger Ernſt mit der Aufrichtung
und Erhaltung des Predigtamtes; ſo werdet ihr
nicht einem jeden Prediger, den ihr findet, ohne
weiteres einen Beruf geben, ſondern nur einem
ſolchen, der auch wirklich tüchtig iſt, Haushalter
über Gottes Geheimniſſe zu ſein. Aber woher,
ſo frage ich noch einmal, wollt ihr den nehmen?
Wieder aus Deutſchland? O ja! das wäre
ſehr bequem, ſehr billig! die Leute in Deutſch—
land mögen immerhin ihre Söhne auf Schu—
len, Seminare, Univerſitäten ſchicken, mögen ihr
Letztes anwenden, um aus denſelben Prediger
und Lehrer bilden zu laſſen, damit doch die
freien, wohlhabenden Gemeinden in Amerika
ohne weitere Mühe und Unkoſten beſtens ver⸗
ſorgt werden. Schämen ſollten wir uns vor
dem armen Deutſchland, Deutſchland ſollte von
uns unterſtützt werden, aber ſo erwarten wir
nur immer von ihm Hülfe für uns, für unſere
Kinder und Kindeskinder. Iſt das nicht eine
traurige, ſündhafte Unverſchämtheit! — Leget
ſelbſt Hand an, um für euch und eure Kinder
Prediger und Lehrer berauzubilden, baut College,
kauft Bücherſammlungen, beſoldet Profeſſoren!
Aber wie — könnt ihr das allein? Mit nich—
tien! Wohlan, ſo vereinigt euch mit anderen
Gemeinden; was einer nicht kann, können meh⸗
duen mer
— 124—
rere. Oder meint ihr vielleicht wieder, es hät—
ten ſich ja ſchon Gemeinden vereinigt, Seminare
und College gebaut und von dieſen würdet ihr,
wenn es einmal Noth thäte, auch wohl Hülfe
erlangen können? Wollt ihr denn immer nur
Bettler ſein und bleiben, immer nur hinnehmen
niemals auch geben, mitwirken, mithelfen? —
Iſt nun eine Synode, ein Verein von Gemein—
den, die dafür ſorgen, daß Prediger und Lehrer
zum Dienſte der Kirche herangebildet werden,
etwas Unrechtes? Iſt es nicht Sünde und
Schande, daß ſo Etwas von böſen Menſchen
verdächtigt und verläſtert wird! —
Ihr wollt Chriſten ſein, ſo geht euch auch der
Befehl des Herrn Chriſti an: (Marcus 16.
„Gehet hin in alle Welt, und prediget das Evan—
gelium aller Kreatur!“ Ihr könnt wegen eurer
Berufsgeſchäfte nicht ſelbſt gehen, ſo müßt ihr
andere ſenden, die für euch gehen. Aber ſolche
Sendboten, Miſſionare, müſſen erſt angelernt,
dann abgeſandt, dann auch noch unter den Hei—
den erhalten werden. Könnt ihr das allein?
Habt ihr die Mittel dazu? Nein! Was wollt
ihr nun thun, gar nichts? Gefühl- und mit⸗
leidlos die Heiden ihrem Elende überlaſſen?
Das dürft ihr auch nicht! So vereiniget
mit anderen Gemeinden; die Gemeinſchaft ver—
mag, was der Einzelne nicht kann. Iſt nun
eine Synode, ein Verein von Gemeinden, die
gemeinſchaftlich für die Ausbildung und Sen-—
dung von Miſſionaren ſorgen, etwas Unrech—
tes? —
Es iſt der Wille Gottes, (1 Korinth. 12,
—31.) daß ſich die mancherlei Gaben zu ge—
meinſamen Nutzen erzeigen ſollen. Das heißt,
hat eine Gemeinde gute Erkenntniß in der
Schrift, oder Erfahrung im Kampfe, oder Un⸗
terſcheidung der Geiſter, oder Weisheit in der
Lehre, oder Kraft im Glauben, over Muth im
Bekenntniß; ſo darf und ſoll ſie eine ſolche
Gabe nicht bei ſich vergraben, ſondern auch an—
deren Gemeinden einen Nutzen davon zukommen
laſſen, denn Gott hat die Gaben zu gemein⸗
ſamen Nutzen für alle gegeben, und wer im
denn die Gemeinden zur Zeit der Apoſtel (Apo⸗
ſtelgſch. 15.) zur gemeinſamen Abwehr falſcher
Lehre vereinigt? Seid ihr ſtärker, gegründeter,
als die apoſtoliſchen Gemeinden? Dünkt euch
ihr ſiehet? — Sehet wohl zu, daß ihr nicht
fallet! Thun nun die Gemeinden, die in De—
muth erkannt haben, daß ſie allein dem mächti⸗
gen Feinde nicht widerſteben können und ſich da⸗
rum mit rechtgläubigen Gemeinden zum Kampf
verbinden, Unrecht? Nur den Verächtern des
Wortes, den Feinden der Kirche, denen das
Wort des Pilatus „was iſt Wahrheit?“ als
höchſte Weisheit gilt, und die ſich darum an aller
Entſchiedenheit u. Feſtigkeit des Bekenntniſſes är⸗
gern, iſt eine ſolche Synode läſtig und verhaßt.
euch
Die Gemeinden, die zu einer Sonode gebö⸗
ren, verſammeln ſich jährlich einmal, eine ſolche
Verſammlung nennt man eine Synodalver⸗
ſammlung oder Synodalſitzung. Alle Ge⸗
meindeglieder aller Synodalgemeinden können
aber nicht zuſammenkommen, wenn das auch
das Wün ſchenswertheſte wäre, denn die Ge—
ſchäfte zu Haus, und die großen Reiſekoſten ver⸗
11 das. Die Gemeinden ſchicken daher
nur Deput irte, eine jede zwei, einen aus dem
Lehr⸗, einen aus dem Lernſtande. Denn das
wißt und begreift ihr ja wohl ſchon hoffentlich,
daß eine chriſtliche Gemeinde aus eben dieſen
beiden Ständen beſteht. Der Lehrſiand allein,
das iſt Presiger, Lehrer, Armenvorſteher er,
für ſich, ohne andere Gemeindeglieder, bilden
keine chriſttiche Gemeinde; und der Lernſtand
allein, das iſt ein Haufen chriſtlicher Leute für
ſich mit Ausſchluß ihrer Prediger bilden eben⸗
falls keine chriſtliche Gemeinde, ſondern ſind und .
bleiben immer nur ein Haufen chriſtlicher Leute.
Darum iſt es auch, nebenbei geſagt, ein ſchänd⸗
licher Uebergriff des Lernſtandes in die göttli—
chen Rechte des Lehrſtandes, wenn z. B. in ei⸗
ner Gemeindeverſammlung Prediger und Lehrer
ſelbſt nicht ſtimmen, ja nicht einmal gogenwär⸗
tig ſein ſollen, da der Prediger ſchon durch
ſein Amt nach Gottes Willen Vorſteher der Ge⸗
meinde iſt. Nur ein Prediger, der um des
Eigenſinn Gott darin widerſteht, ſtieylt Ihm Bauches willen ſein Amt führt und ſich dieſen
ſeine Gabe, und hat Gottes Strafe zu erwar- elenden Mißbrauch der hieſigen politiſchen Frei⸗
ten. — Was ſoll aus der Kirche Chriſtl heit, dieſe Verachtung des göttlichen Amtes um
den, wenn Trägheit, Stolz und Geiz alle Glie⸗ſchnöden Gewinnſtes willen gefallen läßt, kann
der auseinanderreißt, wenn das Auge zu der das dulden; ein treuer Hirt belehrt, dittet, ver⸗
Hand ſagt: ich bedarf dein nicht — oder das mahut, und will das Nichts heifen, ſo ſchüttet
Haupt zu den Füßen: ich bedarf eurer nicht? — er eine ſolche gottloſe Gemeinde wie Staub von,
Iſt nun eine Synode, ein Verein von Gemein⸗ ö ſeinen Füßen und geht davon. — Zu einer
den, die ſich Handreichung thun wollen auch in Sonodalſitzung verſammeln ſich alſo, als Depu⸗
geiſtlichen Gütern, die helfen wollen, daß die tirte einer jeden Gemeinde, ein Prediger und
Gaben Nutzen für Alle bringen, etwas Unrech-ein Gemeindeglied. Ja, ſagt ihr vielleicht, nun
tes? Zeugt es nicht von großer Unerkenntniß wird es ja doch offenbar, daß es in einer Sy⸗
in göttlichen Dingen, eine ſolche Spnode ſchmä— ö node auf die Beherrſchung der Gemeinden und
hen zu wollen? — auf die Herrſchaft der Prediger abgefehen iſt,
Daß Secten aller Art euch umgeben und von denn wenn auch auf einer Sonodalſitzung ſo
eurem lutheriſchen Bekenniniß verdrängen wol⸗ viel Gemeindeglieder D eputirte als Prrrih.
len, wißt ihr, und daß es ihnen gelingt, man- gegenwärtig ſind, ſo können dennoch die Depu—
chen Lutheraner zu verführen, wißt ihr auch. frten der Gemeindeglieder ſchon darum gegen
Meint ihr nun, ihr allein mit eurem Prediger die Prediger nichts ausrichten, weil ihnen die
wäret ſtark gen i dem gemeinſamen Feinde zu Ger wandtheit des Wortes zu ſehr fehlt, und ſich
widerſtehen? Warum vermahnet denn Gott viſelben dann leicht zu gefährlichen, den Ge⸗
zum Fleiß in der Einigkeit, warum haben ſich meinden ſchädlichen Beſchlüſſen verleiten laſſen.—
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