Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 16 › Seite 125
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-02-25, Seite 125
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nchtgläubigen Kirche. Die Ketzerei macht mir!
ſe freilich, wie geſagt, nicht ſichtbar, ſondern
dieſe iſt vielmehr ein Kennzeichen der Rotte; aber
die noch vorhandene Wahrheit, die weſentlichen
Stücke des Evangeliums und die unverſtümmelte
Taufe, die die Rotte noch hat, läßt mich ſchlie—
hen, daß auch hier noch Kinder Gottes, alſo die
eigentliche ſogenannte Kirche, verborgen ſind;
denm nicht nur erweiſ't ſich auch hier die heilige ö
Taufe an den armen Kind lein gewißlich als ein
Vad der Wiedergeburt, ſondern die noch vor⸗
handene Wahrheit kann ſich auch an etlichen
Herzen ſo mächtig erweiſen, daß ſie ſich rechtſchaf—
fen zu Gott bekehren, den Irrthum erkennen
Und vielleicht hernachmals von der falſchen Kir—
che ausgehen.
— Es ergiebt ſich hieraus, daß die un ſich t
bare Kirche in der Geſammtheit aller Berufe⸗
nen, aller Getauften, alſo freilich nur in und
nitht außer der allgemeinen ſichtbaren Kir-⸗
che zu ſuchen ſei, zu welcher alle chriſtlichen See—
un gehören, ſofern ſie noch Wort und Sa—
trament weſentlich haben.
Das iſt die Lehre unſrer gottſeligen, recht—
gläubigen Vorfahren, zum Beweis nur eine
Stelle aus Luther: „Höre du ſelber, was St.
paulus ſagt 2 Theſſ. 2, 4.: Der Endechriſt
nird im Tempel Gottes ſitzen. Iſt nun
der Papſt (wie ich nicht anders glaube) der rechte
Endechriſt, ſo ſoll er nicht ſiten und regicren in
des Teufels Stall, ſondern in Gottes Tempel.
Rein, er wird nicht ſitzen, da eitel Teufel und
Ungläubige oder da kein Chriſtus oder Chriſten⸗
heit; denn er ſoll ein Widerchriſt ſein, darum
muß er unter den Chriſten ſein. Und weil er da⸗
ſelbit ſtzen und regieren ſoll, ſo muß er Chriſten un⸗
— 123—
glücklicherweiſe eine vergiftete Flaſche, ſo iſt er
des Todes, während ein andrer, der in demſel⸗
ben Laden gekauft hat, ein edles herrliches Ge—
tränk bekommen hat. Beſſer und ſichrer iſt's
doch gewiß allemal, da zu kaufen, wo man vor
Verfälſchung und Vergiftung geſichert iſt. Die
rechtgläubige Kirche hat darum einen unbeſtreit⸗
baren Vorzug vor der irrgläubigen; denn ſie
hat das Wort der Wahrheit ohne Zuthat, ſie
beſitzt die mächtigſte Kraft zur geiſtlichen Bele—
bung ihrer Glieder, ſie bietet ihnen die geſun⸗
deſte Weide dar, bewahrt fie vor ſeelengefährli—
chen Verwirrungen und hat die ſtärkſten Waffen
wider die Mächte der Finſterniß.
Aus dem Grunde wollen wir ja unſere luthe⸗
riſche Kirche, als die erwieſen rechtgläubige
Kirche, deren Lehre und Bekenntniß noch nie mit
der heiligen Schrift überwunden worden iſt,
theuer und hoch achten, ihr mit inniger Liebe
als treue dankbare Söhne anhangen, uns mit
unſerm Bekenntniß abſchließen von allen irrgläu⸗
bigen Kirchengemeinſchaften, aber nur nicht von
den in aller Welt zerſtreuten Kindern Gottes,
mögen ſie nun unter der Tyrannei des Papſtes
oder ſonſt wo gefangen liegen. Auch von ſol⸗
chen gilt das Wort Chriſti: „Viele werden kom⸗
men vom Morgen und vom Abend, und mit
Abraham und Iſaak und Jakob im Himmelreich
ſitzen;“ warnend dagegen iſt der nachfolgende
Ausſpruch: „Aber die Kinder des Reichs wer—
den ausgeſtoßen in die äußerſte Finſterniß hin—
aus“ — ſür die, welche in der äußerlichen Ge⸗
meinſchaft der rechtgläubigen Kirche ohne die in—
nere Heiligung des Herzens bleiben; die zwar
den Namen haben, daß ſie leben, aber dem wah⸗
ren Leben aus Gott entfremdet und abgeſtorben
ter ſch haben. Es heißt ja Gottes Tempel nicht
Steinhaufen, ſondern die heilige Chriſtenheit,
1Cor. 3, 17., darinnen er regieren ſoll.
kenn nun unter dem Papſt die Ehriſtenheit, ſo
muß ſie wahrlich Chriſti Leib und Glied ſein.
Nſie ſein Leib, ſo hat ſie rechten Geiſt, Evan—
gelium, Glauben, Taufe, Sacrament, Schlüſſel,‚
Predigtamt, Gebet, heilige Schrift und Alles,
was die Chriſtenheit haben ſoll.“
Wenn nun aber jemand hieraus folgern wollte,
daß alle ſichtbaren Kirchengemeinſchaften im
„Grunde gleichzuſchätzen ſeien, weil ja die wahre
Kirche in allen verborgen ſei, ſo wäre dies ein
falſcher und höchſt gefährlicher Schluß. Denn
dies würde zu dem greulichſten Indifferentismus,
ueinem Wankelmuth und zu einer Willkühr in
der Lehre führen, die endlich alle Gewißheit der
Wahrheit aufhübe, und dem Unglauben Thor
und Thür öffnete. Er darf mir daher durchaus
nicht gleichgͤltig ſein, welcher Kirche ich mich
anſchließe, ob ſie in der Lebre richtig oder falſch
ſei. Denn nicht allein erfordert's die Pflicht des
Bekenntniſſes, mich zu denen zu halten, die den
uckten Glauden ohne menſchliches Zu- oder
Abthun bewahren und bekennen. und wider al⸗
len Irrthum und Lügen des Satans zeugen;
ſondern die Gemeinſchaft mit einer falſchgläubi—
gen Kirche iſt nie ohne große Seelengefahr. Es
i, wie wenn einer Weine verkauft, unter denen
Iſt
ſind. Das Urtheil an jenem Tage wird nicht
geſchehen nach dem Maaß der Erkenntniß, ſon⸗
dern nach dem Maaß der Treue, womit wir die
Erkenntniß angewendet haben. Wem viel gege⸗
ben iſt, bei dem wird man viel ſuchen; und
welchem viel befohlen iſt, von dem wird man
viel fordern.
A. Sch.
(Cingeſandt)
Was iſt eine Synode?
Ein Wort an diejeuigen, welche ſich vor
derſelben furchten.
Ihr müßt es oft aus dem Munde derer, die
ſich ſelbſt für klug und weiſe halten und als
die Wächter und Vertheidiger der Freiheit ange—
ſehen ſein wollen, anhören: daß es mit einer
Synode ein gefährliches Ding ſei, eine Act
deutſches Eonſiſtorium, eine Pfaffenherrſchaft,
die darauf ausgehe, die armen Deutſchen, wel—
che kaum in das Land der Fteiheit eingewandert
ſeien, wieder unter das knechtiſche Joch zu fan—
gen. Ja wenn dieſe Art Leute etwas recht
Wichtiges und Erſchreckendes vorbringen wollen,
ſo ſagen ſie auch wohl gar: eine Sonode ſei ein
geheimes Jeſuitencollegium, euer Prediger ſtecke
ſchon darunter, und gehe nun darauf aus, euch
eliche vergiſtet ſind; bekomem der Käufer un⸗
Netz zu ziehen, um ſo dann euer Kircheneigen⸗
thum an die Sonode verſchreiben zu können. So
Etwas hört ihr, und weil euch ſelbſt nicht hin⸗
länglich bekannt iſt, was und wozu eine Sy—
node ſei, ſo könnt ihr die ſchrecklichen Geſchich—
ten jener Klugen auch nicht widerlegen; ja die
Sache kommt euch, wenn ihr aufrichtig ſein
wollt, ſelbſt bedenklich vor, ihr möchtet doch auch
nicht gern eure Freiheit und mit derſelben zu—
gleich das Vermögen eurer Kirche verlieren, und
könnt euch darum, beim beſten Willen, einer ge—
wiſſen Furcht nicht erwehren.
Was iſt denn eine Synode? Eine Synode
iſt ein freier Verein von Gemeinden
zu kirchlichen Zwecken als z. B. Er⸗
haltung und Förderung der Einheit des reinen
Bekenntniſſes, gemeinſame Abwehr des ſektire—
riſchen Unweſens, Heranbildnng künftiger Pre—
diger und Lehrer zum Dienſte der Kirche, öffent—
liche Prüfung und ordentliche Einſetzung derſel—
ben in ihre Aemter, Ausſendung von Miſſiona⸗
ren, Unterſtützung armer Gemeinden zur Erlan—
gung einer regelmäßigen Bedienung durch ei—
nen Prediger u. ſ. w. Iſt darin etwas Un-—
rechtes? Muß man das fürchten, hat man ſich
davor zu hüten? Iſt ein freier Verein von Ge—
meinden ein Jeſuitencollegium? Was haben
„die Klugen“ darauf zu antworten?! —
Diejenigen Gemeinden, welche zu einer So⸗
node zuſammengetreten ſind, haben das nicht
aus Langerweile oder eiteler Vielthuerei gethan,
ſondern das Wort Gottes und die hieſige Noth
hat ſie dazu gezwungen. Und ihr ſteht in der⸗
ſelben Noth, wenn ihr dieſelbe auch noch nicht
erkennt und das Wort Gottes ſpricht auch zu
euch und will auch von euch gehört und befolgt
ſein. So heißt es Epheſ. 4, 7.: „Seid fleißig
zu halten die Einigkeit im Geiſt durch das Band
des Friedens!“ Geht der Befehl einen Chri⸗
ſten an oder alle, eine Gemeinde oder alle?
Offenbar alle, euch alſo auch, auch ihr ſollt
fleißig ſein, nicht gleichgültig, nicht träge, ſon—
dern rüſtig, thätig, eifrig, Einigkeit zu halten
im Geiſt. Denn Gott will nicht, daß die ein—
zelnen Chriſten und die einzelnen Gemeinden
getrennt von einander ſtehen, ſich nichts um ein⸗
ander bekümmern, eine jede nur auf ſich ſieht
und ihren eigenen Weg geht in Eigennutz und
Eigenſinn, ohne Liebe und ohne Demuth. Es
gilt nicht, iſt effenbare Sünde, wenn eine Ge⸗
meinde mur für ſich ſorgen, nur darauf ſeben
will, daß ſie einen Prediger, eine Kirche, eine
Schule hat, daß unter ihr reine Lehre geht und
Zucht und Ordnung gehandhabt wird; obnr
auch zugleich ſehen zu wollen auf das, was des
andern iſt, ohne auch für andere Gemeinden
ſorgen, ohne auch deren Wohl und Wehe in
Liebe mit tragen zu wellen. Nur ein Kain
ſagt: Was geht mich mein Bruder an? „Soll
ich meines Bruders Hüter ſein?“ Chriſtliche
Zemeinden ſollen ſich um einander bekün:
mern, ſollen in brüderlicher Liebe mit
einander verbunden ſein, ſollen in e in em
Geiſt und einer Seele ſtehen, und auch
durch dieſes Stück des chriſtlichen Lebens bewei⸗
ſen, daß ſie das Evangeliunmn Chriſti ehren und
ſelbſt über kurz oder lang in daſſelbe gefährliche
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