Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 10 › Seite 77
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-01-06, Seite 77
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Taufe aber iſt das fürnehmſte und erſte Sacra⸗
ment, ohn welche die andern alle nichts ſind:
wie ſie bekennen müſſen. Darum können uns
die Papiſten nicht mit Wahrheit eine andere oder
neue Kirche ſchelten oder ketzern, weil wir der
alten Taufe Kinder ſind, ſowohl als die Apo⸗
ſtel ſeleft und die ganze Chriſtenheit, Epheſ. 4, 5.
Zum andern, wird das niemand leugnen, daß
wir das heilige Sakrament des Altars haben,
gleich und eben, wie es Chriſtus ſelbſt eingeſetzt,
und die Apoſtel hernach und die ganze Chriſten⸗
heit gebraucht haben; und eſſen und trinken alſo
mit der alten und ganzen Chriſtenheit von einer—
lei Tiſch, und empfahen mit ihnen daſſelbe ei⸗
nerlei alte Sacrament, und haben darin nichts
neues noch anders gemacht: derohalben wir mit
ihnen einerlei Kirche; oder, wie St. Paulus
1 Cor. 12, 13. „einerlei Leib, einerlei Brod
ſind, die wir von einerlei Brod eſſen, und einer⸗
lei Kelch trinken. Darum uns die Papiſten
nicht können Ketzer, oder neue Kirchen ſchelten,
ſie müſſen zuvor Chriſtum, die Apoſtel, und die
ganze Chriſtenheit Ketzer ſchelten; wie ſie denn
auch in der Wahrheit thun, denn wir ſind mit
der alten Kirchen einerlei Kirchen, in einerlei
Sacrament.
Zum dritten, kann das niemand leugnen,
daß wir die rechten alten Schlüſſel haben, und
ſie nicht anders brauchen, denn zu binden und
zu löſen die Sünde, ſo wider GOttes Gebot! ge⸗
ſchehen, wie ſie Chriſtus eingeſctzt,. Matth. 16,
19. Joh. 20, 23. die Apoſtel und ganze Chri⸗
ſtenheit gebraucht hat, bis daher; haben alſo
einerlei Schlüſſol und Brauch mit der alten Kir⸗
ſchen: darum wir eben dieſelbe alte Kirche oder
je drinnen ſind.
in ihre weltliche Herrſchaften; ſondern allein die
Sünder aus und in das Himmelreich: gleichwie
die alte Kirche gethan hat, aus Befehl des HEtrn.
Daß uns die Papiſten abermal fälſchlich anlü⸗
gen, ja die alte Kirchen, Apoſteln und Chriſtum
ſelbſt in uns ketzern und läſternn.
Zum vierten, kann das niemand leugnen
daß wir das Predigtamt und GOttes Wort rein
und reichlich haben, fleißig lehren und treiben,
ohne allen Zuſatz neuer, eigener, menſchlicher
Pehre, gleichwie es Chriſtus befohlen, die Apo⸗
ſtel und ganze Chriſtenheit gethan. Wir erdich⸗
len nichts neues, ſondern halten unnd bleiben.
bei dem alten GOttes Wort, wie es die alte Kir⸗
che gehabt: darum ſind wir mit derſelben die
rechte alte Kirche, als einerlei Kirche, die einer⸗
lei GOttes Wort lehret und gläubet. Darum
läſtern die Papiſten abermal Chriſtum ſelbſt, die
Apoſtel und ganze Chriſtenheit, wenn ſie uns
neue und Ketzer ſchelten. Denn ſie finden nichts
bei uns, denn allein das Alte der alten Kirchen,
daß wir derſelben gleich, und mit ihr einerlei
Kirchen ſind.
Zum fünften, kann das niemand leugnen,
raß wir der Apoſtel Symbolum, den alten Glau⸗
ben der alten Kirchen, aller Ding gleich mit ihr
halten, gläuben, ſingen, bekennen, nichts neues
drinnen machen, noch zuſetzen, damit wir in die C
*
—
Denn wir machen keine neue
Schlüſſel, machen nicht neue Geſetze, ſchließen
damit auch nicht Könige und Herren aus und
und herzlich für ſie gebetet. AR.« ⸗
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alte Kirche gehören und einerlei mit ihr ſind.
Darum läßt uns diß Stück auch nicht von den
Papiſten mit Wahrheit geſcholten werdeu, als
Ketzer, oder neue Kirche: denn wer mit der
alten Kirchen gleich glaubet und gleich hält, der
iſt von der alten Kirchen.
Zum ſechſten, kann das niemand leugnen,
daß wir mit der alten Kirchen ein gleich Gebet,
daſſelbe Vater Unſer haben, kein nenes noch an⸗
ders erdichten, dieſelben Pſalmen ſingen, mit
einträchtigem Munde und Herzen GOtt loben
und danken, gleichwie es Chriſtus gelehret, die
Apoſtel und die alte Kirche ſelbſt gebrauchet, und
uns dem Erempel nach zu thun befohlen. Und
die Papiſten hievor abermal uns nicht können
ketzern, noch nene Kirche ſchelten, ſie müſſen
Chriſtum zuvor ſelbſt ſchelten, ſammt ſeiner lie⸗
ben alten Kirchen ꝛc.
Zum ſiebenten, kann niemand leugnen, daß
wir mit der alten Kirchen lehren und halten,
man ſolle die weltliche Herrſchaft ehren, und
nicht verfluchen, noch zwingen dem Papſt die
Füße zu küſſen „Halthezrhaben wir auch nicht
aufs neue erdichtet, ſondern St. Petrus-2 Epiſt.
2, 10. verflucht die, ſo ſolches neu erfinden
und künftig thun würden; und St. Paulus
Nöm. 13, 1. u. ff. ftehet bei uns, und die
alte und ganze Chriſtenheit, daß wir hierin auch
mnicht neue Dinge ſein oder heißen mögen, wie
die Papiſten Gott ſelbſt in uns läſtern; ſondern
ſind und gehören in die alte, heilige, apoſtoliſche
Kirche, als die rechten Kinder und Glieder der⸗
ſelben. Denn wir unſerer Oberkeit, es ſei Kai⸗
ſer oder Fürſt, allezeit auf's Treulichſte gehor—
ſam zu ſein gelehret, ſelbſt auch alſo gethan,
½
Zum achten, kann niemand leugnen, daß—
wir den Eheſtand loben und preiſen, als ein
göttlich, geſegnet und wohlgefällig Geſchöpffe
und Ordnung, zur Leibesfrucht und wider die
fleiſchliche Unzucht. Und haben den nicht auf's
Neue von uns erdichtet, auch nicht den Brauch
deſſelben aus uns auf's Neuterdacht, vielweni—
ger als neue Lehrer verboten; ſondern, gleichwie
den GOtt von Anbeginn geſchaffen, Chrtſtus
beſtätiget, die Apoſtel und alte Kirche geehret
und gelehret haben: in derſelben alten Regel
und GOttes Ordnung Nnd wir blieben, und
damit' der alten Kirchen ähnlich, ja eben derſel⸗
ben rechte artige Glieder ſind. Daß man hie
ſiehet, wie die Papiſten abermal fälſchlich uns
Neuerung auflegen.
Zum neunten, kann niemand leugnen, „daß
wir eben 3 90 5 Leiven (wie St. Petrus ſagt
1 Epiſt. 5, 9.) das nuſere Brüder in der Welt,
haben;“ da verfolget man uns an allen Orten,
da erwürget, ertränket, erhenket und legt uns
alle Plagen an, um des Worts willen, und ge—
bet uns gleich wie der alten Kirchen, und ſind
in dem derſelben über die Maaße gleich, daß wir
wolmögen ſagen: Wir ſind die alte rechte Kir—
che, oder je ihre Mitgenoſſen und gleiche Geſel⸗
len im Leiden; denn wir- ſolches nicht erdichten
aufs neue, ſondern fühlens wohl. Ja, wir ſind
(wie viefelbe alte Kirche auch,) dem HErrn
Chriſto ſelbſt am Creuze gleich. Da ſtebet vor
ben:
— —
Rm Creuz Hannas und Caiphas, ſammt den
Prieſtern, und läſtern den HErrn dazu, über
daß ſie ihn⸗gerreuziget haben; gleichwie uns
der Papſt, Cardinäle und Monche verurtheilt,
verdammt, ermordet und unſer Blut vergoſſen
haben, und läſtern uns noch dazu. Da ſiehen
die Kriegsleute, das iſt, die weltlichen Herrſchaft
zum Theil, und läſtern uns auch; dazu auch
der Schalk, der linke Schächer, Heinz Wolfen⸗
büttel, ſammt den Seinen, den GOtt ſchon ver⸗
urtheilet, in Banden zur Höllen gehenkt hat,
muß ſein Läſtern auch dazu thun, daß diß Stück,
als ein alt Zeichen der alten Kirchen, reichlih
un uns geſehen wird.
Zum zehenten, kann niemand leugnen, daß
wir nicht wiederum auch Blut vergießen, mor⸗
den, henken und uns rächen, wie wir oft wol
hätten thun, und noch könnten; ſondern wit
Chriſtus, die Apoſtel und alte Kirche gethan,
dulden wir, vermahnen und bitten für ſie, auch
öffentlich in der Kirchen, in den Litaneien und
Predigten, aller Dinge, wie Chriſtus, unſer
HErr, gethan und gelehret, die alte Kirche auch 4
alſo; daß wir hierinn auch alle des alten We⸗
ſens der alten Kirchen uns halten.
Weil nun die Papiſten wiſſen, daß wir in
allen ſolchen Stücken, und was der mehr ſind.
der alten Kirchen gleich ſind, und mit Wahrheit
die alte Kirche heißen mögen; (denn ſolche Stücke
nicht neue ſind, noch von uns erfunden;) iſt9.
Wunder, warum ſie uns ſo unverſchämt dürfen
belügen und verdammen, als die von der Kirche
gefallen, und eine neue Kirche angerichtet ha
ſo ſie doch nichts neues an uns finden
mögen, das nicht in der alten und rechten Kit⸗
chen, zu der Apoſtel⸗Zeiten, gehalten ſei. Daß
dich fürwahr achte, diß ſei die Zeit, davon Dan.
7, 9. ſagt: Der Alte, Antiquus dierum, ſattt!
ſich, nachdem das kleine Horn ausgeläſtert hal—
te, und das Gericht gehalten. Denn die vorige
alte Kirche leuchtet wieder hervor, (wie die
Sonne nach den Wolken, hinter welchen doch
dieſelbe Sonne war, aber nicht helle,) zunm das
Läſterhorn will untergehen und alles ein Endt
werden, wie daſelbſt ſtehet, und das Werk ſich
zeiget; davon hier nicht Zeit zu handeln.
Aber jemand möchte ſagen: Es fehlet. noch
an einem, nämlich ain Faſten: denn ihr Ketzer
faſtet nicht (ſprechen ſie). Ach HErr GoOti!
iſt ein Stück an uns von der alien Kirchen, ſo
iſt's leider, die Faſten. Iſt ein Stück an den
Papiſten von der neuen Kirchen, ſo iſt's, daß
ſie nicht faſten und im Sauſe leben, auch auf ö
den Faſttagen, ehe denn auf den Feiertagen.
Ja, wir faſten nicht alleiu, ſondern leiden (mi
St. Paulo 1 Cor. 4, 11.) Hunger; welches
wir wol an unſern armen Pfarrherren, ihren
Weiblein und Kindlein täglich ſehen, und an⸗
dern viel Armen, denen der Hunger aus den
Augen ſiehet, kaum das Brod und Waſſer ha⸗
ben, und dazu fingernackend gehen, kein eigens
haben. Der Bauer und Bürger gibt nicht, der
Adel nimmt, daß unſer wenig find, die etwas
haben, und doch nicht allen helfen können. Da
ſollten Stift und Klöſter zu dienen; ſo geizen
die andern; muß alſo Lazarus Hungers ſter⸗
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