Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 10 › Seite 80

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-01-06, Seite 80

76 77 78 79 80 81 82 83

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

⤓ Download .txt · copy text

Weisheit zu halten, deren Nutzen und Zweck⸗
müßigkeit ſo au gen ſcheinlich iſt. S. So ſcheint dir
ö alſo, daß der, welcher im Anfang den Menſchen
nachte, ihn zu ſeinem Nutzen mit Sinnen bega⸗
bet habe, wodurch er Empfindungen und Ein⸗

drücke von der Außenwelt bekäme; mit Augen,

um zu ſehen, was ſichtbar iſt; mit Ohren, um

zu hören, was hörbar iſt; ja auch die wohlrie⸗
chenden Blumen, Kräuter und Specereien, was
lönnten ſie dem Menſchen nützen, wenn ihm nicht
tin Geruchſinn verliehen wäre? Was hätte er
für Empfindung und Genuß von ſüß und bitter,
und allem andern, das dem Geſchmack angenehm

iſt, wenn ihm nicht eine Zunge erſchaffen wäre,
vie den Unterſchied dieſer Dinge empfände?
Scheint dir nicht ferner auch dieſes ein Werk ber
Vorſehung zu ſein, daß das Ange, weil es ſo
wert und emfindlich iſt, mit Angenliedern, wie
mit Thüren beſchützt und verwahrt iſt, welche
ſch, wenn man das Auge brauchen will, wie ein
Vorhang aufziehen und im Schlaf wieder ſchlie⸗
ſen? daß dieſe mit den Augenwimpern, wie mit
einem Schleier verſehen ſind, daß die ſcharfe
kuft den Angen nicht ſchade? daß die Augen
oberbalb durch die Augenbraunen wie durch
Schutzdächer verwahrt ſind, daß nicht der vom
Haupt herabfließende Schweiß ſie verletze? Iſt
tö nicht bewunderungswürdig, daß das Ohr alle
Arten Töne aufnimmt, und doch nie derſelben
voll wird? Daß die Vorderzähne bei allen Thie⸗
un zum Schneiden der Nahrungsmittel einge⸗
richtet ſind, die Backenzähne aber, welche die
Speiſe von jenen aufnehmen, zum Zermalmen
derſelben? Daß der Mund, durch welchen die
Thiere zu ſich nehmen, was ſie begehren, ſo
nahe an den Augen und der Naſe ſich befindet
Ilwodurch ſie empfinden und unterſcheiden, was
zur Nahrung tauglich ſei)? daß die natürlichen
Ausgänge, durch welche die widerlichen Exere⸗
nente ausgeſchieden werden, von den Sinnes⸗
wertzeugen ſo weit als möglich abgewandi und
entfernt ſind. Da dieſes Alles fo plan⸗ und zweck⸗
mäßig gemacht und eingerichtet iſt, zweifelſt du
da noch, ob es das Werk des Zufalls oder einer
weiſen Vorſehung ſei? A. Nein, wahrhaftig
ich zweifle nicht mehr: und in der That, je mehr
ich es betrachte, deſto deuilicher wird mir es of⸗
ſenbar, daß der Menſch das Meiſterſtück eines
peiſen Meiſters und Liebhabers der Menſchen
ſti.) S. Ferner, was ſagſt du dazu, daß al⸗
len lebendigen Geſchöpfen ein ſolcher Trieb zur
Foripflanzung ihrer Gattung, daß den Müttern
jtder Gattung eine ſolche Liebe zu ihren Jungen,
und eine ſolche Sorgfalt für ihre Ernährung

1., Die afterweiſeu Freigeiſter und verlogenen Chriſten
jeziger Zeit aber — deren Licht, nach Gottes Gericht, Fin⸗
kemiß geworden iſt — bebaupten bekannt'ich, daß der
Menſch, nach Seele und Leib, ein Erzeugniß der Erde und
der Naturkräfte ſei, und wollen nicht oder können nicht mehr
nfennen, da Gott ſie in verkehrten Sinn dabingegeben,
oß ritſes an ſich Bewußtloſe und Unvernünſtige aus ſich
doch nimmer ein ſelbſtbewußtes vernümftiges Weſen, wie
roch unleugbar der Men ſch iſt, berverbringen könne und daß
ts ſieto aberwitig und widerſinniſch ſti, daß ein, der Art und
zem Grade nach, auch in der leiblichen Beſchaffenbeit höhe⸗
ms Lebensgebilde aus einer niedern ſich binaufentwickelt und
V. tiwa der Affe ſich zum Menſchen hinaufperedelt habe.

und Erhaltung ſo wie den Erzeugten eine ſo
große Liebe zum Leben und eine ſo große Furcht

vor dem Tode eingepflanzt iſt??) A. Ohne
Zweifel iſt das Alles das Werk eines weiſen
Schöpfers, welcher gewollt und beſchloſſen hat,
daß lebendige Geſchöpfe ſein und fortbeſtehen
ſollen. S. Betrachteſt du dich ſelbſt, ſo erkennſt
du in dir und biſt dir bewußt einer vernünftig
denkenden Kraft: außer dem Menſchen aber, mei⸗
neſt du, ſei nirgends weiter ein vernünftiges
Weſen vorhanden? Und ſolche Meinung hegſt
du, obwohl du ſiehſt und weißt, daß dein Leib
aus den Elementen beſteht, ja daß du von der
großen Maſſe dieſer Erde nur einen kleinen Theil
in deinem Leibe haſt, wie auch nur ſehr wenig
von der großen Menge Flüſſigkeiten, die in der
Natur ſind; daß überhaupt der, der deinen Leib
aus der Materie und den verſchiedenen Elemen⸗
ten zuſammenfügte, nur einen kleinen Theil von
jedem dazu nahm. Alſo deinen Geiſt allein,
meineſt du, habeſt du durch irgend einen glück⸗
lichen Zufall irgend woher erhaſcht, obwohl ſonſt
nirgends außer dem Menſchen ein vernünftiger
Geiſt vorhanden ſei? Und auch dieſes unbe⸗
greiflich große und unermeßliche Weltall, mit
allen ſeinen bewunderungswürdig großen, man⸗
nigfachen und zaͤhlloſen Körpern meineſt du, ſei
durch Zufall ohne eine weiſe Vorſehung ſo wohl
geordnet und ſo ſchön geſchmückt? A. Wie
kann ich anders? beim Jupiter? Ich ſehe ja
die Herrn und Meiſter dieſes Weltgebäudes nicht,
ſo wie ich die Baumeiſter der Gebäude ſehe, die
hier auf dieſer Erde von Menſchen gebauet wer⸗
den )? S. Du ſiehſt ja aber auch deine Seele
nicht, welche die Meiſterin und Regiererin dei⸗
nes Leibes iſt: ja wenn dieſe deine Einwendung
tiwas bewieſe, müßteſt du auch ſagen, daß du
ſelbſt Nichts mit Sinn und Verſtand, ſondern
Alles durch Zufall thueſt. A. Ich verachte ja
das göttliche Weſen nicht, mein Sokrates, ſon⸗
dern glaube vielmehr, daß es viel zu hochrüber
uns erhaben ſei, als daß es meines Dienſtes
und meiner Verehrung bedürfe. S. Umgekehrt:
Je höher und erhabener das Weſen iſt, welches
ſieh ſo weit herabläßt, ſich um dich zu beküm⸗
mern, und dich ſeiner Vorſorge zu würdigen,
deſto mehr biſt du ihm Dank und Ehre ſchuldig.
A. Sei verſiſhert, wenn ich glauben könnte, daß

2., Unſere heuligen Gotteslengner thun zwar das Mög⸗
lichſte, ſich und ihren Geſellen die ſe Furcht vor dem Tode weg⸗
zuſpotten und wegzuklügeln. Ihr luſtiges Motto iſt: „Laf⸗
ſet uns eſſen und trinken! denn morgen ſind wir todt.“
Aus ihrem eigenen natürlichen Gewiſſen zeuget aber der
Heide Sokrates wider ſie und behauptet, daß eine Furcht
vor dei Tode in allen lebendigen Weſen ſei; und im tief⸗
ſten Hintergrundt ihres Gewiſſens ſteht dennoch mit unaus⸗
löſchlicher Flammenſchriſt der Spruch geſchrieben, ſo ſehr ſie
auch dawider ſpotten und lachen, toben und wüthen: „Es
it dem Menſchen geſetzt, zu ſterben, und darnach das
Gericht.“

3., So dummklug ſind unſre heutigen Atheiſten auch; ſie
nehmen lieber die Unſinnigkeit einer ewigen, durch ſich ſelbſt
entſtandenen und ſich erhaltenden Welt an, als daß ſie der
unabweisbaren Forderung des natürlichen Vernunftlichtes
und der Stimme des Gewiſſens folgten, welche beide jeden
Menſchen nöthigen, das Weltall als eine Wirkung und ein
Werk anzuſehen und von ihm aus auf einen allmächtigen,
allweiſen und allgütigen Werkmeiſter, Schöpfer und Gott
zurückzuſchließen, der dieſes Weltall erſchaffen habe, erhalte
und regiere und darin ſich Irdem Menſchen offenbare.

die Götter ſich um die Menſchen bekümmern, ich
würde ihren Dienſt und Vrrehrung nicht ver⸗
nachläſſigen. S. Du glau bſt alſo nicht, daß
die Götter für die Menſchen ſorgen? So be⸗
denke doch die großen Wohlthaten und Vor⸗
züge, die ſie den Menſchen vor andern Geſchöpfen
verliehen haben: ihm allein haben ſie aufrechte
Stellung und Gang gegeben; dieſe aufrechte
Stellung gewährt ihm den wichtigen Vortheil,
daß er weiter in die Ferne hinausſchauen auch
beſſer betrachten kann, was über ihm iſt, und
vor Schaden und Gefahr ſich beſſer vorſehen
kann. Ferner: anderen Thieren, welche den
Blick zur Erde ſenken, hat die Vorſehung Füße
gegeben, welche ihnen allein zum Gehen dienen:
dem Menſchen aber hat ſie auch noch Hände bei⸗
gegeben, mit welchen er ſich ſo viele Dinge be⸗
reiten und verſchaffen kann, wodurch er ange⸗
nehmer lebt als die übrigen Geſchöpfe. Und
während andere Thiere ja allerdings auch eine
Zunge haben, ſo hat ſie doch allein des Men⸗
ſchen Zunge alſo gebildet, daß ſie bald da,
bald dort, bald dieſe, bald jene Stelle des
Mundes berühren kann, wodurch der Menſch
ſeine Stimme und Ton articuliren, und Ei⸗
ner dem Andern zu verſtehen geben kann,
was er will. Indeſſen war es Gott nicht
genug, allein den Leib ſowohl zu berathen
und auszuſtatten, ſondern, was das Größte iſt,
er hat ihm auch eine ſo vortreffliche Seele mit
ſo herrlichen Kräften bei ſeiner Erſchaffung ver⸗
liehen. Denn welches anderen Geſchöpfes Seele
erkennt und empfindet das Daſein dieſes Gottes,
der ſolche große und ſchöne Dinge geſchaffen und
geordnet hat; welche andere Gattung, als der
Menſch, ehret und dienet Gott? welche andere
Seele als die menſchliche iſt fähiger den Leib ge⸗
gen Hunger und Durſt, gegen Kälte nnd Hitze zn
verwahren und zu ſchützen; gegen Krankheiten
Rath und Hülfe zu finden und zu verſchaffen, oder
die Kraft zu üben, oder durch Fleiß und Mühe
Mancherlei zu lernen und ſich in Künſten und
Wiſſenſchaften auszubilden, oder im Gedächtniß
feſt zu halten, was ſie gehört, geſehen und ge⸗
lernt har? Leuchtet es dir nicht völlig ein,
daß die Menſchen im Vergleich zu anderen Ge⸗
ſchöpfen ein Leben führen wie Götter, indem ſie
durch die Vortrefflichkeit ihrer Natur nach Seele
und Leib ſo große Vorzüge vor jenen beſitzen?
Denn keineswegs würde eine vernünftige Men⸗
ſchenſeele, wenn ſie mit dem Leibe eines Ochſen
vereinigt wäre, ausrichten können, was ſie woll⸗
te, noch würde es irgend einem unvernünftigen
Geſchöpfe viel nützen, Hände zu haben. Da du
nun dieſer beiden Gaben, die von ſo hohem Werth
ſind, nämlich einer vernünftigen Seele und eines
ſolchen Leibes, durch den ſie bequem wirken kann,
theilhaftig worden biſt, glaubſt du nicht, daß
die Götter für dein Beſtes ſorgen? oder was
ſollten ſie thun, um dich zu überzeugen, daß du
ein Gegenſtand ihrer Vorſorge ſeieſt? A. Ich
würde es glauben, wenn ſie mir Nathgeber ſen⸗
deten, die mir ſagten, was ich thun oder nicht
thun ſollte; wie du ſagſt, daß ſie dir ſenden.
S. Wenn ſie aber allen Athenern auf ihre Fra⸗

Ien durchs Orakel antworten, meinſt du nicht, daß

English translation

Not yet translated.