Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 8 › Seite 66
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-12-08, Seite 66
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hart ausgedrückt, ſo daß ſie ſich veranlaßt ſa—
hen, dem Schreiben die Bemerkung beizufügen:
„Wir Endesunterſchriebene verſtehen das Obi⸗
„ge ſo, daß Sie uns ſollen in Zeit von drei Tagen
„Antwort ſchreiben, ob ſie etwas in der Sache
„thun wollen oder nicht.“
Schon am folgenden Tage erwiederten die
Leute und verſicherten Winklern, daß auch ſie
mit ihrer Wahl bereits im Reinen ſeien. Der
Brief ſchließt mit den Worten: „Seien Sie ver—
„ſichert, daß Sie von unſerer Seite alſo gleich
„in Kenntniß geſetzt werden, ſofern uns der er⸗
„wünſchte Termin angezeigt iſt.
„Und bleibt unſer Wunſch derſelbe und ſoll nach
„Ihrem Wunſch der zu beſtimmenden Committee
„zur Schlichtung überlaſſen bleiben.“
Wie mag doch Winkler hiernach behaupten,
die Leute hätten Wochen lang nicht ſehen und
höͤren laſſen, daß ſie etwas in der Sache thäten?
Allerdings mußte er ſich nun bis zu meiner ſo
unverſchuldet ſich in die Länge ziehenden An⸗
kunft gedulden. Aber weit entfernt, daß den
Leuten dieſer Verzug erwünſcht geweſen wäre,
um ihre Wütherei in der Gemeine fortſetzen zu
können, wie es Winkler darſtellt, iſt ihr Miß—
falen daran ſonnenklar aus einem Brirf vom
23. April erſichtlich, den Schreiber dieſes nur
wenige Tage nach dem Brief des Präſes von
ihnen erhalten hat. Darinnen melden ſie ihm,
kaß ſie ſchon ſeit zehn Tagen ein am 5. April
verfaßtes Schreiben unſeres Präſes in Händen
hätten, in welchem er ibnen kund thue, daß er
den Unterzeichneten zu ihrem Committeeglied be⸗
ſmmt und bereits davon in Kenntniß geſetzt
habe. Sie warteten nun ſchmerzlich auf deſſen
Ankunft, ſintemal ſie ſich bisher außer Stand ge—
ſeben hätten, dem Herrn Paſtor Winkler den an⸗
gemeſſenen Termin zu beſtimmen. Daß ſich un⸗
ter ſolchen Umſtänden der Unterzeichnete nicht
ſäumte, die Sache aufs Schnellſte ins Werk zu
ſetz, wird man ihm wohl gerne glauben. So
ſchrieb er den auch unverzüglich, daß er in der
nächſten Woche kommen würde, wovon ſie Herrn
Paſtor Winkler benachrichtigen möchten. Ann 29.
April aber machte er ſich in Geſellſchaft ſeines
Amtsbruders, des Paſtor Gräbner, auf den
Weg nach Detroit, wo er einer Einladung zu—
folge bei einem der Lente abſtieg, der ihm von
langen Jahren her bekannt war. Leider war
ſein Brief an dieſelben auf der Poſt liegen ge⸗
blieben, und ſo hatten ſie von ſeiner Ankunft
noch nichts gewußt, alſo auch Herrn Paſt. Winkler
nicht davon in Kenntniß ſetzen können. Überdies
war derſelbe gar nicht daheim, ſondern kehrte erſt
folgenden Tags, den 2. Mai, aus ſeiner Land⸗
gemeinde zurück. Als wir ihn nun endlich zu
ſprechen bekamen, mußte er ſich nach einer treuen
Darlegung aller Umſtände überzeugen, daß we⸗
der der bisherige Verzug noch auch das Still—
ſchweigen über unſere Ankunft verſchuldet ſei,
und er hat dieſe Überzeugung auch damals aus⸗
geſprochen. Aber das iſt nun, ſcheint es, alles
vergeſſen. Ja er iſt dreiſt genug, in ſeinem
Berichte weiter zu ſagen: das Auftreten des
Unterzeichneten ſei nicht nur unerwartet, ſondern
auch höchſt auffallend geweſen; er ſeienicht wie
Übrigens iſt'
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ein Amtsbruder, ſondern wie ein Landrichter
gekommen, habe Winklern wegen ſeines Verfah⸗
rens, das doch erſt unterſucht werden ſollte, hart
getadelt, ja noch am Abend ſeiner Ankunft eine
Verſammlung gehalten, und ſtellt überhaupt die
Sache ſo hin, als hätte man etwa blos ſo ge⸗
ſagt, daß man im Auftrag des Präſes gekommen
ſei, ohne ſich gehörig zu legitimiren. Welch
grober Unwahrheiten macht ſich damit der arme
Mann wider ſein beſſer Wiſſen und Gewiſſen
ſchuldig. Gott weiß es, daß es dem Unterzeich—
neten ſchwer wurde, in dieſer Angelegenheit nach
Detroit zu gehen, da er ja Winklern für ſo man⸗
chen der Miſſion und ſeiner Gemeinde geleiſte⸗
ten Dienſt nur Dank ſchuldig war. Gott weiß
es, mit welch bekümmertem Herzen wir beide,
Gräbner und Schreiber dieſes, zu Winkler ge—
gangen ſind. Das konnte er uns auch am Ge⸗
ſicht anſehen und an unſerer Stimme hören. So
iſt es auch Thatſache, daß ſich der Unterzeichnete
durch Vorzeigen des Präſidial-Schreibens vom
5. April ſattſam legitimirte. Ja als ſich Wink-
ler durch Beſichtigung des Couverts von jenem
Schreiben überzeugen mußte, daß dasſelbe wirk—
lich nach Bridgewater in die Irre gegangen ſei,
konnte er ſelbſt nicht umhin, auszurufen: nun
da ſind wir doch einmal alle unſchuldig. Erſt
als er anſing, ſeinen Gegenpart im ſchwärzeſten
Lichte darzuſtellen und zu behaupten, daß ſie
nicht werth wären, ihrenthalben eine ſolche Reiſe
zu unternehmen, fühlte ſich der Unterzeichnete
gedrungen, ihm zu bemerken, daß er als Seel⸗
ſorger, ſelbſt wenn die Leute noch ſo ſchlecht wä—
ren, ſich nur darüber freuen könne, daß ſie ſich
heranließen, die Sache von einem ordentlichen
Kirchengericht unterſuchen und nach Gottes Wort
entſcheiden zu laſſen. Dabei konnte er ihm nicht
verhehlen, daß ſeine letzten Zeilen, die er unterm
9. April an die Leute geſchrieben, ihm von Her—
zen wehe gethan hätten, da ſie ſogar nicht in einem
ſeelſorgeriſchen ſondern in einem landrichterlichen
Ton geſchrieben wären. Wenn nun Winkler,
dem wir treuherzig erzählten, daß uns noch am
Abend unſerer Ankunft die meiſten der Beſchwer—
deführenden aufgeſucht hätten, noch obendarein
im Stande iſt, das eine Verſammlung halten
zu nennen, ſo wiſſen wir freilich nicht, was
wir dazu ſagen ſollen. Möge er dies doch
bald widerrufen, damit er nicht gar ſo ſehr
als ein böswilliger Verläumder daſtehe. Frei⸗
lich die nun folgende Darſtellung in Bezug auf
das zu Stande Bringen einer Committe iſt nicht
minder falſch. Winkler ſagt: der Unterzeichnete
habe die ſofortige Herbeiſchaffung ſeines Theils
der Committee verlangt, und da das unmöglich
geweſen, habe er verlangt, die Committee ſoll
am Pſingſtdienstag oder am Donnerstag nach
dem zweiten Trinitatis-Sonntag, wann er von
der Synode zurückkäme, in Detroit ſein. —
Es iſt in der That merkwürdig, wie kurz er ſich
hier faßt, und wie geſchickt er mit Weglaſſung
wichtiger Nebenumſtände und mit Fälſchung des
Thatbeſtands die Sache alſo hinſtellt, als habe
man nicht Alles gethan, um die Herbeiſchaffung
ſeines Committeegliedes möglich zu machen.
Erinnert ſich denn Herr Paſt. Winkler gar nicht, wit
leid es uns war, daß ſich der Brief, der unſere
Ankunft melden ſollte, erſt nach derſelben vorge⸗
funden hat? Weiß er denn gar nicht mehr, wie
ſehr wir — nicht verlangten — ſondern ihn ba⸗
ten, doch ja mit uns alles Mögliche zu thun, daß
endlich nach ſo vielem Verzug und Hinderniß
eine Eommitte zu Stande käme und wie wir
endlich dahin übereinkamen, daß er unverzüglich
an ſeinen Theil ſchreibe, und weil derſelbe nach
Winklers eigner Erklärung in vier bis fünf
Tagen da ſein konnte, mittlerweilen nach Monroe
gingen, dahin uns eine Pflicht der Liebe trieb,
feſt hoffend, bei unſrer Rückkunft Winklers Com⸗
mitteeglied zu treffen. Und hat er denn vergeſſen,
daß er, abermal in ſeine Landgemeinde gehend,
uns einen Brief zurückgelaſſen, der uns bewe⸗
gen ſollte, unverrichteter Sache nach Haus zu
reiſen, noch ehe ſein Theil Nachricht gegeben
hatte, ob er käme oder nicht?
Als wir nun gleichwohl, um etwaigen neuen
Verzug zu vermeiden, die Antwort abwarteten,
als darin für diesmal abgeſagt war und unſere
Synodalſitzungen in die Quere kamen, hat er
es da im geringſten unbillig gefunden, daß wir
um einen Termin unmittelbar vor oder nach der
Synodalzeit baten, weil uns dann unſer Weg
ohnehin durch Detroit führte? Und was ſoll
man vollends zu der großgedruckten Lüge vom
Pfingſtdienſtag als Termin ſagen, da Winkler
gar wohl weiß, daß wir auf ſeine Bedenken we—
gen der Pfingſtwoche geäußert haben, da ſich
nun die Sache ſchon ſo lang verzogen, ſo würde
es ja wohl ſein Theil möglich machen koͤnnen,
wenigſtens am Pfingſtdienſtag von daheim ab⸗
zureiſen, wenn ihm anders die Erledigung der
Sache wirklich ſo dringend am Herzeu liege, als
gerühmt wurde? —
Es blutet in der That dem Unterzeichneten das
Herz, daß ihn Winkler ſelber zwingt, ihm Lüge
auf Lüge Schuld geben zu müſſen. Gern woll⸗
te er lieber glauben, daß ihn ſein Gedächtniß
trüge, nur um nicht alſo zum Steuer der Wahr⸗
heit und aus heiliger Liebespflicht ſeines Näch—
ſten Sünde öffentlich ſtrafen zu müſſen. Daß
aber dies der Fall nicht ſei, iſt leider nur zu un⸗
zweifelig gewiß, da ihm alle dieſe Thatſachen
nicht nur noch ſchmerzlich im Gedächtniß ſind,
ſondern auch dazumal alsbald ſchriftlich von
ihm aufgezeichnet wurden um des Berichtes wil—
len, den er ja darüber an den Präſes einzu ſen⸗
den hatte und der vom Herrn Paſtor Gräbner,
als Augen- und Ohrenzeugen, mit dem Bemerken
unterzeichnet worden, daß ſich nicht nur Alles ge⸗
nau alſo verhielte, ſondern daß noch gar manches
Gehäſſige, daß man von Winkler hätte anführen
können, mit Stillſchweigen übergangen ſei. —
Wie ganz andere Urſachen hätten wir alſo, Gott
um Rache für alle dieſe Unwahrheiten anzurufen.
Aber das würde ein ſchreckliches Gericht werden,
und darum ſo haben wir nur eine Bitte zu
Gott, daß er doch dem verblendeten Manne um
Chriſti willen Buße ſchenken wolle.
(Schluß folgt)
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