Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 8 › Seite 62

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-12-08, Seite 62

60 61 62 63 64 65 66 67

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

⤓ Download .txt · copy text

cer Verwaltung des heiligen Evangelii und der
heiligen Sakramente jenes Prieſterthum aus⸗—
bet.

Und dieſen Zuſammenhang bezeuget auch mit
beutlichen Worten die Apologie (Art. 12., S;
320), da ſie ausdrücklich auch das „Predigen“
neben „demLeiden und guten Werken derHeiligen“
zu den geiſtlichen Opfern im neuen Teſtamente
zählt und St. Petrum anziehet: „Ihr ſeid ein
heilig Prieſterthum, daß ihr opfert geiſtliche
Opfer. 71

Summa es iſt und bleibt, auf Grund des
Cpangelii, feſte und gewiſſe Wahrheit, daß die
Kirche Chriſti, die Gemeinde des lebendigen
Gottes, die da iſt ein Pfeiler und Grundfeſte
der Wahrheit und die da beſteht „aus etlichen
Golteskindern hin und wieder in aller Welt vom
Aufgang der Sonne bis zum Niedergang“ —
die Gewalt der Schlüſſel hat und darin zu⸗
gleich auch die Macht, dem Befehl Chriſti ge—
horſam, die öffentliche Verwaltung derſelben zu
beſtlen und anzuordnen.

Und an dieſer von Chriſto mitgetheilten und
übertragenen Gewalt haben die erleuchtetſten
ellenntniß⸗und erfahrungsreichſten, die begab⸗
keſten und tüchtigſten Gläubigen, weſentlich
nicht mehr Antheil, als die ſchwächſten Kinder
in der Erkenntniß, ja die Sänglinge in der Wie—
gez denn nicht durch Gaben, Erkenntniß, gött⸗
liche Weisheit und Erfahrung, ſondern allein
und ausſchließlich durch den Glauben an Chri—
am, kraft deſſen Er mitten unter ihnen iſt, ha—
hben dieſe und jene Häuflein der wahren Chriſten
oder geiſtlichen Prieſter dieſe Gewalt.

Nun aber entſteht die neue Frage, wem die
öfentliche Verwaltung dieſer Schlüſſelgewalt d.
i die gemeine Predigt des Evangelii ſammt dem
Handeln der heiligen Sacramente von dieſen
Häuflein der Gläubigen zu vertrauen und zu
übertragen ſci?

Denn das bekennet ja ein jedes derſelben wil—
liglch und mit Freuden, daß es Chriſti, alſo
göttlicher Befehl und Ordnung ſei,
dieſe Gewalt der Schlüſſel öffentlich im Schwange
gehe, als wofür Er ja, nach Epheſ. 4, 11. auch
Gaben gegeben und die Geſinnuung und Eigen—
ſchaften derer (in 1. Tim. 3. und Tit. 1.) an⸗
gezeigt hat, denen ſolcher Dienſt der öffentli—
chen Verwaltung der Schlüſſel von Ihm durch
die Kirche zu vertrauen ſei; und weder der ein⸗
Flne Gläubige, von geſunder und genugſamer
Erkenntniß, noch dieſe oder jene größtren oder
leeineren Verſammlungen von derſelben Beſchaf⸗
fenheit gedenken dem fünften Artikel der Augsb.
Conf. irgendwie abzubrechen, welcher bezeuget,
daß Gott das Predigtamt eingeſetzt und daß es
Gottes ausdrücklicher Wille, des HErrn Chriſti
Ordnung und Einſetzung ſei.

Der Herr Informator hebet nun dieſes auch
ſehr hervor, nachdem er aber zuvor deß geſchwie—
Ihen und klüglich es überhüpft oder aus Mangel
an Überſicht des Zuſammenhangs der Lehre
nicht ins Auge gefaßt hat, daß der HErr durch
ſeine Kirche Pfarrer oder Paſtoren zur öffentlichen
Verwaltung der Schlüſſel beſtellet, die zugleich

—

ſuchher — ins Werk gerichtet, auch in bffentli⸗

daß

* 2**
* *

—55—

ſeine und ihre Diener ſind; die ſeinen, indem
ſie auf ſeinen Befehl und nach ſeiner Ord⸗

nung berufen ſind, auch Botſchafter an ſeiner

Statt, Haushalter über ſeine Geheimniſſe ſind;
der Kirche Diener, indem der HErr ihr, als
ſeiner Hansehre, die Gewalt übertragen und
mitgetheilt hat, die Haushalter zu ſetzen, daß
ſie auch in ihrem Auftrage taufen, predigen und
das heilige Abendmahl reichen oder (was das-—
ſelbe iſt) die Schlüſſel öffentlich verwalten und
ihr (der Gläubigen) allgemeines geiſtliches Prie-
ſterthum auch in dieſer Geſtalt ausüben. Denn
unmöglich wird doch der Herr Informator gleich—
mäßig wider die heilige Schrift, das kirchliche
Bekenntniß, die Erfahrung und Geſchichte be—
haupten wollen, daß die Diener des HCrrn und
ſeiner Kirche dieſe Gewalt unmittelbar von Ihm
vom Himmel herunter empfangen hätten.

Um nun aber jene Frage jetzt zu beantworten,
wem die Kirche auf des HErrn Befehl die ihr
von Ihm zuerſt übertragene Schlüſſelgewalt
zur öffentlichen Verwaltung zu übertragen oder
mit andern Worten, wen ſie zu Pfarrherrn oder
Paſtoren zu berufen habe; ſo iſt die Antwort
nach 1. Tim. 3. und Tit. 1. kürzlich dieſe: recht—
gläubige, lehrtüchtige und im Wandel unſträf—
liche Perſonen aus ihrer Mitte, die allerdings
zuvor als ſolche erprobt ſein müſſen. Und an
ſolcher Prüfung ſogar der Lehrtüchtigkeit haben,
wo ſolche Berufung örtlich irgend zur Vollzie—
hung kommen ſoll, alle erwachſene Bekenner des
Kirchenglaubens in dieſer oder jener örtlichen
Verſammlung ihr gutes Recht; denn „Prüfet
die Geiſter, (nämlich nach Gottes Wort) ob ſie
von Gott ſind“; alſo ſchreibet St. Johannes,
1 Joh. 4, 1, an alle; „als mit den Klugen
rede ich; richtet ihr, was ich fage,“ alſo redet
St. Paulus, 1 Cor. 10, 15, alle Korinther

n: „Sehet euch vor vor den falſchen Prophe—
ten;“ alſo predigte der HErr Chriſtus Allen,
die ihm zuhöreten.

Was geſchiehet nun aber, wenn dieſes oder
jenes örtliche Häuflein von Bekennern des Kir—
chenglaubens, das im Namen Jeſu verſannnekt
iſt, nach gründlicher und gewiſſenhafter Prüf—
ung der zu berufenden Perſon, dieſer nun die
offentliche Verwaltung der Schlüſſelgewalt oder
das Amt des Wortes und der Sakramente über⸗
giebt? Dieſes, daß es ſich der weſentlich
und urſprünglich ihm (dem Häuflein) von
dem HErrn Chriſto übtertragenen Macht und
Gewalt begiebt, die Schlüſſel auch öffentlich zu
verwalten und ſie dieſem als rechtgläubig, lehr⸗
tüchtig und unſträflichen Wandels erfundenen
geiſtlichen Mitprieſter übergiebt, um ſie auch an

ihrer Statt als einen Dienſt oder Amt aus⸗
zuüben.

Dadurch entſtehen nun gegenſeitige in Gottes
Wort gegründete Rechte und Pflichten der Lehrer
und Hörer, der Pfarrer und Kirchkinder gegen
einander, alſo daß, was Recht des Paſtors an
die Gemeinde, Pflicht derſelben gegen jenen und
umgekehrt iſt. Darüber aber, da es über die
Grenzen unſres in der Überſchrift angezeigten
Erweiſes hinausliegt, gedenken wir uns auf
diesmal nicht zu verbreiten. Nur ſo viel ſei

in ungehöriger Berufung auf ſein geiſtliches

*

beiſpielsweiſe angezogen, daß es in Gottes Wort
gegründetes Recht des Pfarrers iſt, daß ſeine
Kirchkinder ihm unbedingten Gehorſam, als
Gott ſelber ſchuldig ſind, wo er öffentlich oder
ſonderlich Gottes Wort rein und lauter lehret,
bei Gottes Zorn und Ungnade und bei Verluſt
ihrer Seligkeit; denn im Handeln der göttlichen
Gnadenmittel iſt er Gottes Mund und Hand an
die Gemeinde und hieher gehöret das Wort
Chriſti: „wer euch höret, höret mich!“ und alle
Stellen der heiligen Schrift, welche die Herr⸗
lichkeit des neuteſtamentlichen Predigtamtes be⸗
zeugen. Und ſodann iſt er ja kraft göttlichen
Befehls zur Aufrichtung des heiligen Predigt⸗
antts auch an ſeine Gemeinde mit dieſem Dienſt
am göttiichen Worte und an den dasſelbe beglei⸗
tenden und verſiegelnden Sakramenten von ihr
betraut worden, alſo daß kein Glied ſeiner Ge⸗
meinde Recht und Macht hat, in ſein Amt zu
greifen und irgend welche Verrichtung desſelben,

Prieſterthum, willkührlich zu verrichten. Da—
gegen iſt es umgekehrt Recht der Gemeindeglie⸗
der an ihren Pfarrer und Pflicht desſelben gegen
ſie, daß er nicht nur in Mitteldingen. wie z.
B. in Anrichtung oder Veränderung kirchlicher
Cärimonien, die nicht wider das Bekenntniß ſtrei⸗
ten, im Kirchenbau und Verwaltung des Kir⸗
chenvermögens und andern Stücken, die mehr
zum äußerlichen Kirchenweſen gehören, die chriſt⸗
liche Freiheit der Kirchglieder achte und nicht
durch angemaßtes, übergreifendes Amtsanſehen
ihre billige Mitwirkung untertrete, ſondern auch
in wichtigeren Stücken, als z. B. in der Aus⸗
übung des Bannes ihr in Matth. 18, 18. klar
gegründetes Recht der Mitvollziehung anerkenne
und ſie nicht desſelben beraube. — ö

So hätten wir alſo den Erweis geführt, ſowohl ö
aus der heiligen Schrift, als aus den kirchlichen
Symbolen, daß der HErr Chriſtus ſeiner Kirche!
d. i. der Verſammlung der Gläubigen und Hei⸗
ligen, den königlichen Prieſtern, den Kindern
Gottes weſentlich und eigentlich die Schlüſſel
des Himmelreichs übergeben und ſie auf oben
beſchriebene Weiſe auch zur öffentlichen Verwal⸗
tung bevollmächtigt habe, alſo daß das Predigt⸗
amt eine beſondere Ausrichtung des geiſtlichen
Prieſterthums iſt.

Wer aber anders lehret, der beweiſet zuerſt
daß er die evangeliſch- reine, geſunde Erkenntniß
vom eigentlichen Weſen der Kirche, als Verſamm—
lung der Heiligen, Gemeinde der Gläubigen
bereits verloren hat und ſie nur in der abgelei—
teten, zeitlichen und vorübergehenden Form des
Lehramts und der Hörerſchaft anſchaut; und
ſodann, daß er folgerichtig auf dem Wege zu dem
geſetzlichlevitiſch-papiſtiſchen Wahne iſt, als
gäbe es, neben und über dem gemeinen Chri⸗
ſtenſtand von der Apoſtel Zeit her einen beſon—
dern Prieſterſtand, der von Geſchlecht zu Ge⸗
ſchlecht durch die Ordination geiſtlich fortge—
pflanzt werde, und dem weſentlich und eigentlich
neben und über der Gemeinde die Schlüſſelge⸗
walt und deren öffentliche Handhabung von dem
HErrn befohlen und vertrauet ſei, alſo daß die
Gemeinde dieſe Gewalt nur mittelſt der Biſchöfe

English translation

Not yet translated.