Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 8 › Seite 60

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-12-08, Seite 60

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(Otbenb. Joh. Cay. 14, v. 6. 7.)

„Gottes Wort und Luthers Lehr“ vergehet nun und nimmermehr.“

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Herausgegeben von der Deutſchen Ev. Luther. Synode von Miſſonri, Ohio und andern Staateu.
Redigirt von C. F. W. Walther.

Jahrg. 8.

St. Louis, Mo., den 9. December 1851.

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No. 8.

Bedingungen:

ed Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen
Subſeriptienspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszube ⸗
aablen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne No. für 5 Cents verkauft.

Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redakteur, alle anderer
aber, welches Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen. Gelder ꝛc. enthalten,
Mr. F. W. Barthel, care of C.

unter der Adreſſt
F. W. Walther, St. Louis, Mo., anber zu ſenten.

Beweis aus der heil. Schrift und den

ſymboliſchen Büchern, daß das Predigtamt

die Ausübung des geiſtlichen Prieſterthums
im öffentlichen Dienſte oder Amte ſei.

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Seit vier Monaten giebt Herr Paſtor Grabau
in Buffalo eine monatliche Zeitſchrift heraus,
die er „kirchliches Informatorium, ein geiſtliches
Lehrblatt für alle Chriſten“ nennt, darin er alſo
unternommen, als Informator (Schulmeiſter)
alle Chriſten zu lehren; und er muß dazu aller—
dings ungewöhnliche Luſt, Kraft und Geſchick
beſtzen, um den Titel ſeines Blattes zu recht—
fertigen.

In No. 3. nun dieſes Blattes hat er einen
Aufſatz unter folgendem Namen geliefert: „Be—
wiis, daß unſre Symbole nicht lehren, daß das
heil. Predigt- und Schlüſſel⸗Amt aus dem geiſt⸗
lichen Prieſterthum einer Gemeinde komme.“

Da hat er nun zuerſt dargethan, daß der ei⸗
gentliche und nächſte Sitz der Schlüſſel und des
heil. Predigtamts „das geoffenbarte Evangelium
Chriſti ſei,“ das nun aber auch öffentlich nach
Chriſti Befehl erſchallen ſolle, welcher Dienſt
durch das von dem HErrn verordnete Predigt—
amt geſchehe.

Und dieſes iſt gern und willig einzuräumen.

Sodann zeiget er den Ort an, darin ſich das
Predigt⸗ und Schlüſſel-Amt lebendig und wirk⸗
ſam erzeige, nämlich die Kirche; ja das Predigt⸗
amt, ſei „das Gnaden-Dienſtmittel, die Kirche

zu berufen und zu erleuchten und zu ſammeln,
dieweil der Glaube aus der Predigt komme.

Und auch dieſes iſt nicht in Abrede zu ſtellen
nach Art. 5. der Augsb. Conf. ſofern man zu—
gleich feſthält, daß weſentlich nicht durch das
Predigt amt, als ſolches, ſondern durch das
gepredigte Evangelium der Glaube erzeugt und
die Gemeinde der Gläubigen geſammelt wird.

Darnach ſaget der Informator, daß aber nur
in dem Verſtande, nach den Schmalkaldiſchen
Artikeln, der ganzen Kirche Chriſti die Schlüſſel
gegeben ſei, als ſie die „geordnete geiſtliche Stätte
ſei, darin ſie (die Schlüſſel) mittelſt des Evan—
gelii und Predigtamts, ihre Kraft zum Troſt und
Heil der Seelen erzeigten und im Gebrauche
ſtünden, darin ſie wohnten und hafteten; in
und an der Kirche Jeſu, die in ſeinem Namen
verſammelt iſt (Matth. 18, 20.) ſeien die Schlüſ—
ſel zu ſinden, nicht aber ſei ſie ſelbſt der Schlüſ—
ſel Quell und Kraft, noch weniger hätten die
einzelnen Kirchglieder ſolche Gewalt, ſondern ſie
habe in der Ordnung des Evangelii und Pre—
digtamts Chriſtum ſelbſt und ſeine Schlüſſel in
ihrer Mitte oder mitten unter ſich.“

Hier gilt es nun Aufmerkens, ob der Herr
Informator die ſymboliſchen Bücher richtig ver—
ſtanden und darnach auch recht gelehret, oder
nicht vielmehr Wahres und Falſches durch ein—
ander gemengt habe.

Zuerſt nun, damit wir ihn nicht unbillig er—
zürnen, wollen wir gern zugeben, daß weder die
einzelnen Kirchglieder, als ſolche, noch ihre Ver—

ſammlung weſentlich und urſprüngli
Grund und Quell der Schlüſſelgewalt ſei, ſondern
allein der dreieinige Gott und daß ſie weſentlich
begründet ſei und herausfließe aus der Gann
des Vaters, dem Verdienſte des Sohnes un
der Kraft des heil. Geiſtes oder kürzer und zu—
ſammengezogen, daß ſie in Chriſto beruhe, de
ſie in den Tagen ſeines Fleiſches, als der HErr,
in unumſchränkter Machtvollkommenheit ausge⸗
übt habe; und gern räumen wir auch dieſes ein,
was der Herr Juformator ſpäter ſagt, daß dir
Kirche Gottes die Schlüſſel nicht „aus ihrei
Seite erzeuge,“ wenn nämlich nach ihrem
eigentlichen Urſprunge gefragt wird.

Falſch aber, d. i. wider die heil. Schrift und
die auf ihr gegründeten kirchlichen Symbole iſt
es, wenn im Obigen geſagt wird, daß die Kirche
nur die „geordnete geiſtliche Stätte ſei, darin,
die Verwaltung der Schlüſſel geſchehe; daß ſie
nur deßhalb eine „Kraft und Gewalt der Kirche
heißen, weil ſie anderswo ſich nicht finden und
anderswo ſich nicht ſehen laſſen, als in und an
der Kirche Jeſu, die in ſeinem Namen ver—
ſammelt iſt;“ denn wie ſtimmte ſolche Beſchrän—
kung mit den Worten des HErrn in Matth. 18
18., da er im Zuſantmenhange mit V. 17. ſeine
Kirche alſo anredet: „Wahrlich ich ſage euch;
was ihr auf Erden binden werdet, ſoll auch
im Himmel gebunden ſein; und was ihr auj
Erden löſen werdet, ſoll auch im Himmel los
ſein.“

ä

Denn aus dieſen Worten leuchtet es einem

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