Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 5 › Seite 43
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-10-27, Seite 43
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mPeunſylvaniſchen Geſangbuch findet ſich auch
das Lied (unter Nr. 241):
ö „Crhalt uns deine Lerre:“
In den alten Geſangbuchern — wie auch im St.
Leuis'er — hat dieſes Lied 7 Verſe, im neuen
Pennſolvaniſchen nur 5, welche noch dazu ver⸗
ändert ſind. Und ich will hier zuerſt den im Peñ⸗
ſolvaniſchen Buche veränderten 3ten Vers an⸗
fuhren, und hernach denſelben Vers ſo, wie er un⸗
verändert lautet, da wirſt Du gleich einen bedeu⸗
tenden Unterſchied finden.
Er lautet verändert:
„Erhait was du gebauet,
Und durch dein Blut erkauft;
Was du dir ſelbſt vertrauet,
Und was auf dich getauft.
So viele Feinde ſtürmen
Zu deiner Kirche Fall:
Du aber wollſt ſie ſchirmen
Als Hort und Felſenwall!
Derſelbe Vers lautet unverändert:
„Erhalt, was du gebauet
Und durch dein Blut erkauſt,
Was Du Dir haſt vertrauet,
Die Kirch, auf welch aulauft —
Der grimm'ge Sturm des Drachen:
Sei du ihr Schutz und Wall,
Daß, ob die Welt will krachen,
Sie nimmermehr verfall.“
Es ſcheint, daß die Ausdrücke „Der grimm'ge
Sturm des Drachen“ den Herausgebern des
Pennſylvaniſchen Buches wiederum nur zu alt⸗
fränkiſch geweſen ſeien, dieweil ſie dieſe Worte ſo
ausgemerzt haben. Allein, wenn dem alſo wäre,
ſo müßte man auch aus der Bibel manches die⸗
ſer Art herausnehmen, denn Du haſt neulich am
St. Michaelis Feſte gehöret aus der Lektion Off.
Joh. Kap. 12, 7-12., daß daſelbſt der Teufel
auch genannt wird „Der große Drache; die alte
Schlange, und Satanas, der die ganze Welt ver⸗
fuhret:“ ſomit ſtimmt ja dieſer Vers ganz mit
der Bibel überein, warum aber denn nun denſel⸗
ben veräudern? Etwa nur um der ſogenannten
„Gebildeten“ willen, die das Daſein des Teufels
perneinen? Jedoch, ich will folgende zwei Verſe,
welche im Pennſylvaniſchen Buche ganz aus dem
genannten Liede herausgeworfen ſind, anfuhren;
ſie lauten wie folgt:
„Erhalt, Herr! Deine Schaafe,
Der grimm'ge Wolf kömmt an;
Erwach ans deinem Schlafe,
Weil nieinand retten kann
Ohn' vich, du großer Hirte!
Veit uus auſ gute Weid',
Treib, näur, erſreu, bewirthe
Uns in der wüſten Haid.
Erhalt uns, Herr! dein Erbe,
Dein werthes Heiligthum,
Zerreiß, zerſchmeiß, verderbe,
Was wider deinen Ruhm;
Laß dein Geſetz uns führen,
Gönn' uns Dein Himmelbrod,
Laß Deinen Schmuck uns zieren,
Heil' uns durch deinen Tod.“
Daß dieſe Verſe reinen geſunden Schriftver⸗
ſtand enthalten, daran wird kein Rechtgläubiger
zweifeln; St. Paulus ſpricht auch von den fal⸗
ſchen Apoſteln: „Ich wollte, daß ſie ausgerottet
wuͤrden, die euch alſo verfüͤhren;“ und die Pſal⸗
men Davids, in welchen der Zuſtand der chriſtli⸗
chen Kirche abgemalet iſt, wie mit lebendiger
Farbe, ſind davon voll; und ich meine ja, die
chriſtliche Kirche hätte wohl Urſache genug, in
dieſen lezten Zeiten derlei herrliche Pſalmlieder
zu ſingen, und zu beten, duß des Satans Reich
zerrtrummert, und den Wölfen in Schaafskleidern
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gewe hret werde! Warum ſucht man aber derlei
Liederverſe aus der Kirche zu verbannen? —
Lieber Andreas! Ich habe in meinem letzten
Brief geſagt: „unſer einer findet nicht gleich im⸗
mer alles ſo heraus;“ Daß dem alſo ſei, kannſt
Du aus Folgendem erſehen. — Im Pennſyl⸗
vaniſchen Geſangbuch befindet ſich auch das Lied,
von Paul Gerhardt:
„Du Volk, das du getaufet biſt.“
Dieſes Lied hat im Original, wie ich es auch
im St. Louis Geſangbuch finde, 12 herrliche,
ein ſchͤnes Ganze bildende Verſe, alſo, daß weñ
man aus dieſem Liede auch nur einen Vers her⸗
ausuehmen würde, dasſelbe in ſehr uͤbel verſtum⸗
melter Geſtalt erſcheinen würde; und dennoch iſt
dieß im Pennſylvaniſchen Geſangbuch der Fall;
daſelbſt befinden ſich nur noch ſieben Verſe, und
ſelbſt an dieſen ſind ziemliche Veränderungen zu
finden, und die kräftigſten fünf Verſe, welche na⸗
mentlich die Lehren von den wichtigen Artikeln
von „der Erbſünde“ und „der Wirkung der Tau⸗
fe enthalten, ſind ganz ausgeworfen; dieweil es
aber ſo überaus herrliche Verſe ſind, aus welchen
allein ſchon ein Chriſtenmenſch erkennen könnte,
beides, ſeine unreine verdammte Adamsgeburt,
und ſeine neue Geburt durch die heilige Taufe, will
ich dieſelben allhier anführen, ſie lauten wie folgt:
„Du warſt, eh du noch wurd'ſt geboren
Und an das Licht gezogen,
Verdammt verſtoßen und verlor'n,
Darum daß du geſogen
Aus deiner Eltern Fleiſch und Blit
Ein Art, die ſich vom höchſten Gut,
Dem ew'gen Gott, ſiets wendet.
Dein Leib und Seel' war mit der Sünd,
Als einem Giſt, durchkrochen,
Und du warſt nicht mehr Gottes Kiud,
Nachdem der Bund gebrochen,
Den unſer Schöpfer aufgericht,
Da er uns ſeines Bildes Licht
Und herrlich's Kleid eribeilte.
Das alles hebt auf einmal auf,
Und ſchlägt und drückt es nieder
Das Waſſerbad der heil'gen Tauf;
Erſezt dagegen wie der,
Was Adam hat verderbt gemacht,
Und was wir ſelbſten durchgebracht
Bei unſerm böſen Weſen.
Es macht dies Bad von Sünden los,
Und gibet rechte Schöne.
Die Satans Kerfer vor beſchloß
Die werden frei und Söhne
Deß, der da trägt die höchſte Kron,
Der läßt ſie, was ſein einger Sohn
Ererbt, auch mit ihm erben.
Was von Natur vermaledeit
Und mit dem Fluch umfangen,
Das wird hier in der Tauf erneut,
Den Segen zu erlangen.
Hier ſtirbt der Tod, und würgt nicht mehr,
Hier bricht die Höll', und all ihr Heer
Muß uns zu Füßen liegen.“
Warum nun wohl die Herausgeber des Penn⸗
ſylvaniſchen Geſangbuchs dieſe 5 herrlichen Verſe
ausgelaſſen haben, darüber habe ich mich bereits
in meinem erſten Briefe genügend erklärt, alſo,
daß es nicht noth iſt, es hier nochmal zu wieder⸗
holen. — In dem Neujahrslied Nr. 581, iſt im
Pennſylvaniſchen Geſangbuch wiederum der
Hauptvers weggelaſſen, er lantet:
„Tröſte mich mit deiner Liebe,
Nimm, o Gott mein Flehen hin,
Weil ich mich ſo ſehr betrübe
Und voll Angſt und Sorgen bin.
Wenn ich gleich ſchlaf' oder wach,
Sieh, Du Herr, auf meine Sach
Stärke mich in meinen Nöthen,
Daß mich Sünd und Tod nichi tödten.“
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büchern, alſo, daß es ein allgemeines Bürger⸗
Ich meine ja, dieſer Vers enthalte nichts Un⸗
chriſtliches, ſondern herrliche Gedanken eines
Neujahrs⸗Gebetes; eben ſo mag hier niemand
ſagen, das Lied war zu lang, es enthalt nach dem
Original nur fünf Verſe. — Unter Nr. 602 im
Pennſylvaniſchen Geſangbuch befindet ſich das
Lied:
„Wie ſchön leucht uns der Morgenſtern.“
In alten Geſangbuchern — wie auch im Et.
Louis'er — hat dieſes Lied acht Verſe, und im
„neuen“ Pennſylvaniſchen nur 3 veränderte. —
Auch dieſe im Pennſylvaniſchen Geſangbuche ſeh⸗
lenden 5 Verſe mögen hier angeführt werden.
Sie lauten:
„Ich lag in ſtolzer Sicherheit,
Sah nicht, mit was Gefährlichkeit
Ih dieſe Nacht umgeben;
Des Teufels Liſt und Büberei,
Die Höll, des Todes Tyrannei,
Stund mir nach Leib und Leben,
Daß ich ſchwerlich
Wär entkommen
U“ẽnd entnommen
Dieſen Banden,
Wenn Du mir nicht beigeſtanden.
Allein, o Jeſu! meine Freud
In aller Angſt und Traurigkeit,
Du haſt mich heut befreiet;
Du haſt der Feinde Macht gewehrt,
Mir Schutz und ſanfte Ruh beſchert,
Des ſei gebenedeiet.
Mein Muth,
Mein Blut
Soll nun ſingen,
Soll nun ſpringen,
All mein Leben
Soll dir Dankeslieder geben.
Ei, mein Herr, ſüßer Lebenshort!
Laß ferner deine Gnadenpfort
Mir heut auch offen bleiben;
Sei meine Burg und veſtes Schloß
Und laß kein feindliches Geſchoß
Daraus mich nimmer treiben;
Stell Dich
Für mich
Hin zu kämpfen
Und zu dämpfen
Pfeil und Eiſen,
Wenn der Feind will Macht beweiſen.
Wend Unſall ab, kann's anders ſein;
Wo nicht, ſo geb ich mich darein,
Ich will nicht widerſtreben;
Doch komm, o ſüßer Morgenthau!
Mein Herz erfriſch,
Daß ich Dir trau,
Und bleib im Kreuz ergeben,
Bis ich
Endlich
Nach dem Leiden
Zu den Freuden
Werd erhoben,
Da ich dich kann ewig loben.
Indeß mein Herze! ſing und ſpring,
In allem Kreuz ſei guter Ding;
Der Himmel ſteht dir offen.
Laß Schwermuth Dich nicht nehmen ein,
Denk, daß die liebſten Kinverlein
Allzeit das Ungllick troffen.
Drum ſo
Sei frob/
Glaube ſeſte,
Daß das Beſte,
So bringt Frommen,
Wir in jener Welt bekommen.“
Es iſt in der That merkwurdig, wie gerade
auch dieſes Lied ſo ſehr abgekürzt im Pennſylva⸗
niſchen Buche erſcheint, indem bekannt, daß ge⸗
nanntes Lied faſt uberall bei dem deutſchen Vol⸗
ke noch wohl bekannt iſt aus den alten Gebet⸗
—
English translation
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