Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 5 › Seite 37

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-10-27, Seite 37

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worin es unter anderem folgendermaßen lautet:
„Alles iſt euer, es ſei Luther oder Gerhard, oder
Gellert oder Spitta.“— Hieraus iſt zu erſehen,
wie die Herausgeber den „Gellert“ mit Luther
in eine Reihe ſtellen, ohne allen Unterſchied. Es
heißt daher in genannter Vorrede weiten: „So⸗
mit wird man denn in dieſem Buche Lieder finden
wie aus der alten, ja älteſten Zeit, ſo auch aus
neuerer und neueſten Zeit, immer jedoch unſern
Wunſch erkennen, nichts gutes Altes zu nehmen,
nur gutes Neues zu geben;“ ferner heißt es: Ob
uns die Auswahl gelungen ſei, darüber ſteht nicht
uns, ſondern der Kirche das Urtheil zu.“ Letztge⸗
nannter Satz gefällt mir nicht ganz übel, denn
wie es ſcheint, zweifeln hiernach die Herausgeber
an der Richtigkeit der Auswahl ſelbſt, und über⸗
laſſen der Kirche das Urtheil. Das klingt ziem⸗
lich gut, daß die Kirche das Recht habe, darüber
zu urtheilen; wenn es nur nicht nach „Grabau⸗
iſchem“ Sinne zu verſtehen iſt, nach deſßſen Lehre
von der Kirche nur „die Pfarrer“ es ſind, welche
üher Lehre urtheilen ſollen! doch ich denke, die
Meinung iſt, ein jedes Glied der Kirche, und da—
rum habe auch ich mich meines Rechtes zu urthei⸗
len gebraucht. ö

Es wären allerdings noch mehr Lieder dieſer
Art anzuführen, allein ich eile zum Schluß, und
will nur noch etliche Lieder anmerken, welche im
Pennſylvarichen Geſangbuche durch Abkürzun⸗
gen und Veränderungen viel an Güte verloren
haben.
von uns Herr, du treuer Gott!“ Dieſes Lied hat

im Original, wie auch im Luth. St. Lonis Geſang⸗

buche, ſieben Verſe; im Pennſylvaniſchen ſind
zwei der ſchönſten Verſe ausgelaſſen, welche ich
hier, ihrer Vortrefflichkeit wegen, einſchalten
will. Sie lauten: „Die Sünd hat uns ver⸗
derbet ſehr, der Teufel plagt uns noch vielmehr,
die Welt, auch unſer Fleiſch und Blut,‚ Uns alle⸗
zeit verführen thut, Solch's Elend kennſt du
Herr! allein, Ach laß uns dir befohlen ſein.
Warnm willſt du ſo zornig ſein, Über uns arme
Würmelein? Weißt du doch wohl, o großer Gott!
Daß wir nichts ſind, denn Erd und Koth, Es
iſt ja vor dein'm Angeſicht, Unſre Schwachheit
verborgen nicht.“ Es ſcheint, dieſe zwei Verſe

waren den Herausgebern des Pennſolvaniſchen

Geſangbuchs zu altfränkiſch, oder es ſchien ihnen

gar zu anſtößig zu ſein, daß darin vom Teufel
in Cincinnati.

die Rede iſt, der die Menſchenkinder plage: —
wie wohl zu ſchließen wäre aus dem Liede Nro.
605. Daſelbſt heißt's in alten Geſangbüchern,
wie auch im St. Louis Geſangbuch, Vers 3:
„Du wollteſt auch behüten Mich gnädig dieſen
Tag, Fües Teufels Liſt: und Wüthen;“ im
Penſylvaniſchen ſind in dieſem Vers anſtatt der
Worte: „Teufels Liſ,“ jene feiner klingenden
„Satans Liſt,“ hineisgeſetzt.. Im 5. Vers heißt
es nach dem Original, wie auch im St. Louis

Geſangbuch: „Dein'n Engel laß auch bleiben, Und

weichen nicht von mir, 2 Den Satan zu vertreiben,
Auf daß der böß' Feind hier In dieſem Jammer⸗
thal Sein Tück an mir nicht übe, Leib und Seel
nicht betrube, Und bring mich nicht zu Fall.“
„Im Penſylvaniſchen heißt es in Vers 5: „Laß
Deine Engel bleiben, Und weichen nicht von
mir, Verſuchung abzutreiben, Die mich verlockt
von Dir. Umſchließ mich überall, So wird mich
nichts betrüben, So werd ich Gutes üben, So
komm ich nicht zan Fall.“ Hier im Penſylvani⸗
ſchen Buche iſt im angeführten, 5. Vers das,

Nro. 544 befindet ſich das Lied: „Nim

Wort „Satan“ ganz ausgelaſſen, und in das
Wort „Verſuchung“ umgewandelt. Das erin⸗
nert ſo recht an die „neuen Berliner unirten Ge⸗
ſangbücher,“ wo auch öfters da Wort „Tenfel“
ausgemerzt, und hie und da in das Wort „Sa⸗
tan“ oder „Böſen“ umgewandelt wurde; uament⸗
lich aber an die „ueue Preußiſche Unirte Kirchen⸗
Agende,“ wo der Täufling anſtatt der früher ge⸗
bräuchlichen Worte. bei der Taufe: „ Atſageſt
Du dem Teufel? „nach neuem Unirten Styl ge⸗
fragt wird: „Entſageſt Du dem Böſen

dieſer neuen unirten preußiſchen Agende das Wort
„Teufel“ in Parentheſe ugeklammert ſein mit

ganz k kleinen Lettern. 2 —
25 7³— — ———
7
Anszug

aus den Verhandlungen der fünften
jährlichen Sitzung der evang.⸗lutheri⸗
ſchen Synode von Indianopolis.

Die deutſche evangeliſch⸗lutheriſche Synode
von Indianopolis hiclt dieſe ihre fünfte Sitzung
in Gemäßheit der, in der letztjährigen Verſamm⸗
lung getroffenen Beſtimmung, in Cincinati, O.,
in der evang.-luth. Dreifaltigkeits Kirche, vom
Donnerſtag den 5. September bis Sonnabend
den 7. September 1850.

I. Sit u g,
den 5. September Vormittags.

Der Präſes des letzten Jahres eroffnete die
Synode mit Geſang, Verleſen des 4. Kapitels
des erſten Briefes an Timotheus und Gebet.

Da der Secretair der Synode abweſend war,
ſo wurde P. Th. Wichmann als Secretair pro⸗
temp. ernannt, der hierauf die Namen der Glie⸗
der der Synode verlas. Es waren anweſend:
P. P. J. F. Iſenſee, J. J. Meißner, A. Brand,
Th. Wichmann, Kand. H. S. Laſar, F. W.
John u. F. Th. Jungck.
rer, Deputirter der. evang. lutheriſchen Zions=
Gemeinde in Franklin Co. Ja.

Als berathende Glieder: P. J. Schulze, Mit⸗
glied der Ohio Synode, Hr. Cyriak. Meyer, Pre⸗
diger in Madiſon, Hr. Dieckwann, Deputirter
der evang. lutheriſchen Dreifaltigkeits Gemeinde
Beſuchsweiſe wohnten der Sitz⸗
ung bei: Herr Lehrer Breitfeld, Hr. Cand. Polack.
Abweſend waren: P. P. Dr. O. Hunger, F.
W. Wier, Chr. Buße, A. H. Lücken, J. F.
Hartmann, Ed. Leemhuis, M. During.

Hierauf verlas der Praͤſident ſeinen Bericht.

Zu Beamten für das laufende Jahr 1850-51
wurden durch Stimmenmehrh eit erwählt: Präſi⸗
dent: P. Dr. O. Hunger Secretair: P. Th.
Wichmann, Kaſſir irer: P. J. F. Iſenſer..

lich ſeinen Sitz nicht einnehmen konnte, aus ei⸗
nem an die Synode gerichteten Schreiben aber her⸗
vorging, daß er vielleicht etwas ſpäter eintreffen
werde, ſo wurde beſchloſſe ſen, daß P. J. F. Iſen⸗
ſee bis dahin präſidire, der auch ſeinen Platz ein⸗
nahu, nachden er erklärt hatte/ daß er den von

ihm geſchriebenen Aufſatz im Lutheraner Nr. 17

1850 überſchrieben: Für den Lutheraner auf

Paſtor Kuntze's Einſendung, nachdem langer A

hierüber ge ſprochen worden, zuruͤcknehme.
oahiezauß wurden voni Präſdenten folhende Co⸗

2. „und
wie mir einmal ein gelehrten Herr ſagte, ſoll in

Ferner Hr. G. Boh⸗

miteen ernannt: —
und Schreiben der luth. Zionsgemeinde an der.
Bluecreeck in Betreff des P. W. Wier und deſ⸗
ſen früheren Kirchenrath: P. Meißner, P. Brand
u. Bohrer. Nr. 2. ——.— verſchiedenen In⸗
halts: P. Schultze, H. L. Laſar. Nr. 3 Syno⸗
dal-Verhandlungen: J J. W. John und C. May⸗
er. Nr. 4 Letztjährige Verhandlungen: S. Laſar,
H. Dieckmann.
Sitzung beſchloſſen mit Gebet vom P. Brand.
II. Sitzun g,.

den 5. September Nachmittags.
Eröffnet mit Geſang und Gebet vom Se⸗
2— „

Bemiter Nr. 1 berichtet: Hu. 2 In Betreff
des P. W. Wier und deſſen früheren Kirchen⸗
vorſtandes.

Es ſind gegen den P. Wier und deſſ en frühe⸗
ren Kirchenrath der luth. Zionsgemeinde, an der
Bluecreeck, mehrere Beſchwerden, von einem ge⸗
weſenen Gliede dieſer Gemeinde eingebracht.
Die Comitee erſieht aber, aus einem in Händen
habenden Briefe, unterſchrieben von den Gliedern
jener Gemeinde, daß die Beſchwerden des Klä⸗
gers Hoffmann durchaus nicht triftig⸗ ſind, um
eine Anklage gegen den P. Wier und den Kirchen⸗
Vorſtand der Zionsgemeinde zu begründen. Da
der Ankläger Hoffmann, auf die geſchehene Vor⸗
ladung des Präſidenten, zur Synodalſitzung zu
erſcheinen, ſich nicht eingeſtellt hat, ſo beantragt
die Comitee, daß nach dem Schreiben der Ge⸗
meinde, was noch durch den anweſenden Depu⸗
tirten beſtätigt wurde, der P. Wier und deſſen
früherer Kirchen⸗Vorſtand von der gemachten
Anſchuldigung freizuſprechen iſt.

Vorſtehender Bericht wurde angenommen.

Zu 2 Der P. Wier und Kirchen⸗ ⸗Vorſtand
der ev. luth. Ziöonsgemeinde an der Bluecreeck
wird freigeſprochen.

Der Bericht des Präſidenten wird ange⸗
nommen.

Sitzung beſchloſſen mit Gebet v. P. Meißner.

ö III. Sitzung,
den 6. September Vormittags.
Eröffnet mit Gebet vom Kand. Laſar.
Comitee Nr. 4 berichtet: Wie aus den Ver⸗
handlungen der letztjährigen Sitzung erſichtlich
iſt, wurde der damalige Antrag: „Es darf kein

Prediger unſerer Synode eine vereinigte oder ſo⸗

genannte Evangeliſche Gemeinde organiſi iren u.
annehmen, auch kein Prediger, der eine ſolche be⸗
dient, in unſere Syuode aufgenommen werden“
etwas abgeändert worden. Die Comitee empfiehlt
dieſen Gegenſtand der Syhnode zur beſonderen Be⸗
rückſichtigung. Auch 2, die Miſſionsſache wird
der Synode zur Berückſichtigung empfohlen.
Vorſtehender Bericht wurde angenom men.
Zu. 1. Nachdem der letztjaͤhrige Beſe 6 noch

Da der P. Dr. Hunger abweſend war, folg⸗ einmal gehörig in Erwägung gezogen worden

war, erkannte die Synode an, daß der letztjährige
Beſchluß, in Betreſff der gemiſchten Gemeinden,
ſehr leicht umgaugen werden könne und beſchloß:
daß ſie hinfort keinem ihrer Prediger geſtattet,
gemiſchte oder ſegenannte Evangeliſche Gemein⸗
den zu organiſireu, auch nicht geſtattet, ſchon be⸗
ſtehende, vereinigte Gemeinden, als ſolche au⸗
nehmen, iudem ſie ale Giaubenemenhere ver⸗

abſcheut.

Oemiſhre Gemeinden ſind ſolche, die aus Litberanemn und

Reſormirten zuſammen geſe zt ſind und nicht ſelten von vie⸗

Nr. 1 Vericht des Präſideuten

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