Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 22 › Seite 159
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-06-22, Seite 159
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jetzt folgenden Abendmahlsgenuß aus den Hän⸗
den eines lutheriſchen Predigers und mit einer
lutheriſchen Gemeinde thatſächlich aus ihrer bis⸗
herigen Kirchengemeinſchaft aus- und in die
lutheriſche Kirche eintreten;
4. daß der Prediger ſich unter keiner Bedin⸗
gung zeitweiſe miethen und dingen laſſe, dagegen
aber auch das Recht der Gemeinde anerkenne,
ihn, wenn er, was Gott verhüte, in falſche Lehre
oder ärgerlichen Wandel gerathe und wider alle
Ermahnung und Beſtrafung nach Matth. 18,
15—17. darin verharre, ſodann ſogleich abzu⸗
ſetzen;
5. daß die Gemeinde ſich verpflichte, die Kir⸗
chenzucht nach der Ordnung des HErrn Chriſti
in Matth. 18, 15—17. unter ſich aufzurichten
und zu erhalten;
6. daß jedes mitberufende Gemeindeglied dieſe
Punkte zu unterſchreiben gehalten ſei. Auch
wäre es fraglich, ob nicht gleichfalls die Aufrich⸗
tung und Erhaltung chriſtlicher Gemeindeſchulen,
welche im Durchſchnitt die Prediger ſelber beſorg⸗
ten, zu jenen Punkten gehören müßte, da die Er⸗
fahrung ausweiſ't, daß es hin und her auch Ge⸗
meinden älterer Anſiedler gibt, die das Erbieten
des Paſtors, Gemeindeſchule ohne alle beſondere
Vergütung zu halten, verachten und die Kinder
nur in die engliſche Diſtrictsſchule ſchicken. Wie
kläglich aber ſind da die Ausſichten in die Zu⸗
kunft ſolcher Gemeinden, die ſo leichtſinnig und
gottlos in Hinſicht auf die geiſtliche und kirchliche
Pflege ihrer Kinder ſind!
Zum Andern that der Vorſitzer Umfrage an die
verſammelten Brüder nach dem Amtsalter, daß
jeder, der etwas vorzubringen habe, darin er den
Rath der Conferenz begehre, dieſes jetzt thue.
Es ward nun die Frage aufgeworfen:
1. Ob man Kranke auch ungerufen beſuchen
müſſe? Antw. Es gehörte ſich eigentlich, daß
jeder Haus⸗ oder Herbergsvater (bei ledigen Koſt⸗
gängern) beim Eintritt einer bedenklichen Krank⸗
heit ſogleich zum Paſtor ſchickte und ihm Anzeige
davon thäte, damit dieſer alsbald ſeiner Pflicht
nachkomme, den Kranken zu beſuchen. Gleich⸗
wohl hat der Paſtor dasſelbe zu thun, wenn er
auch anderweitig von ſolchen Krankheitsfällen
hört, ſelbſt wenn er weiß, daß ſein Beſuch nicht
willkommen iſt. Denn da Gott nur um der
Seele willen den Leib ſchlägt, ſo hat der Prediger,
als der Seelen⸗Arzt, zumal in Fällen, wo der
Erfahrungs⸗Glaube des Patienten ihm nicht
gewiß iſt, zuzuſehen, ob und wie das Leiden des
Leibes auf die Seele des Kranken wirke, ob er
dadurch erſt gründlicher erweicht, und für die heil⸗
ſame Wirkung des Geſetzes Gottes zur Buße
vorbereitet werde: dieſes ſei ihm dann eben ſo
freundlich als ernſtlich vorzuhalten, um dadurch
die göttliche Traurigkeit zu erzeugen. Sei dieſe
aber ſchon vorhanden, ſo ſei der Beſuch des
Pfarrers eben ſo nöthig, um durch Vorhaltung
der evangeliſchen Gnadenverheißung den Glau⸗
ben um ſo kräftiger zu erwecken und zu beleben
und die Seele mit der Gewißheit der Ver⸗
gebung der Sünden im Blute des HErrn Chriſti
zu tröſten. Stehe aber der Kranke bereits im
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Glauben, ſo ſei auch dann der Beſuch des Pre⸗
digers angemeſſen, um den häufig in ſolchem
Falle abgeſchwächten oder angefochtenen Glauben
durch den Gnadentroſt des göttlichen Wortes zu
ſtärken.
Mit obiger Frage ſtand dann folgende in Ver⸗
bindung:
3. Ob man am Krankenbette den Leidenden
zum Genuß des heiligen Abendmahls ermahnen
müſſe? Antw. Da es leider eine gemeine Er⸗
fahrung iſt, daß ein Theil der Heuchler und
Maulgläubigen das heilige Abendmahl auf aber⸗
gläubiſche, gut papiſtiſche Weiſe als ein ſicheres
Mittel anſieht, durch ſeinen Genuß nach dem
Tode unfehlbar in den Himmel zu kommen, daß
dagegen ein anderer Theil dieſer Leute dafür hält,
daß alsbald der Tod eintrete, wenn das heilige
Abendmahl empfangen ſei, ſo habe der Paſtor
wohl aufzumerken und Unterſchied zu halten;
denn ſtatt ſolche Leute zum Genuß des heiligen
Abendmahls zu ermahnen, habe er ihnen viel⸗
mehr zuvor ernſtlich das Geſetz vorzuhalten und
es ihnen heilſam zu ſchärfen, auch dieſen zwei⸗
fachen Aberglauben, wo er offenbar werde, gründ⸗
lich zu ſtrafen. Die evangeliſche Lockung und
Reizung zum Sacrament ſei nur dann zu em⸗
pfehlen, wenn der Kranke einen aufrichtigen,
wenngleich ſchwachen Glauben hat.
4. Wie hat der Seelſorger ſich zu verhalten,
wenn den abfällig gewordenen und zuvor frucht⸗
los ermahnten Eltern ſodann auch die heran⸗
gewachſenen Kinder folgen, die zudem von ihm
confirmirt ſind?
Er hat letztere mit allem Ernſt und Fleiß zu
berichten und zu ermahnen, nicht die Eltern, ſon⸗
dern Gott zu fürchten, und in dieſem Falle das
hierher gehörige Wort zu beherzigen: man muß
Gott mehr gehorchen als den Menſchen. In
allen andern Stücken ſollten ſie ihren Eltern
unterthan ſein, aber wo es, wie hier, Gottes
Wort, den Glauben und das Gewiſſen gelte, da
ſollten ſie eben ſo freimüthig als demüthig ihren
Eltern erklären, daß ſie ſich nicht theilhaftig ma⸗
chen wollten und könnten ihrer Sünde. Hier
gelte es, Chriſtum zu bekennen und des Spruches
eingedenk zu ſein: „wer mich verleugnet vor den
Menſchen, den werde ich wieder verleugnen vor
meinem himmliſchen Vater.“ Jeder, der ſich von
einer rechtgläubigen Gemeinde wider allen beſſern
Unterricht ſcheide, ſei es nun aus Bosheit und
Eigenwillen, oder aus Schwäche und Menſchen⸗
furcht, trenne ſich nicht etwa nach eingebildeter
amerikaniſcher Freiheit von dieſer und jener Orts⸗
gemeinde und könne ungebüßter Weiſe etwa durch
Anſchluß an eine andere nach wie vor ein „guter
Chriſt“ ſein, ſondern er haue ſich durch ſolchen
Abfall zugleich von der ganzen Kirche und von
Gott ſelber ab, werfe deſſen Wort hinter ſich, be⸗
trübe und entrüſte den Heiligen Geiſt, falle vom
Glauben, ſündige gröbrich wider die Liebe und
trete Chriſti Blut mit Füßen und werfe ſich dem
Teufel in die Arme. Umgekehrt dagegen, wenn
Kinder in ſolchem Falle auch von den Eltern ver⸗
laſſen würden, ſo würde der HErr ſie aufnehmen,
äußerlich verſorgen und um ſo feſter begründen
im Worte und Glauben.
5. Kann ein Beichtvater mit gutem Gewiſſen
den Namen eines Diebes verſchweigen, welcher
ihm ſeinen verborgenen Diebſtahl gebeichtet, und
durch ihn denſelben erſtattet hat? Antw. Ja!
denn der Paſtor habe es nicht mit dem bürger⸗
lichen Rechte an und für ſich, ſondern mit dem
Gewiſſen ſeiner Kirchkinder zu thun. So nun
eines von dieſen aus ſeinem Sündenſchlafe auf⸗
wache und eine frühere bis dahin verborgen ge⸗
bliebene Sünde ſeinem Beichtiger, der ja an
Chriſti Statt ſtehe, bekenne, ſo ſei das ein Ge⸗
heimniß zwiſchen beiden, ſelbſt wenn jene frühere
Sünde ein Mord geweſen wäre. Doch muß
natürlich, wenn es, wie z. B. beim Diebſiahl,
möglich iſt, die Wiedererſtattung geſchehen und
dem Exempel des Zachäus gefolgt werden. Iſt
aber zu befürchten, falls z. B. der früher Beſtoh⸗
lene kein chriſtlich geſinnter Menſch iſt, daß ein
größeres Aergerniß daraus entſtehe, wenn dieſer
Letztere den Namen des vormaligen Uebelthäters
erfährt, ſo darf dies bei der Zurückerſtattung des
Entwendeten nicht geſchehen, ſelbſt wenn der frü⸗
her Beſtohlene darauf beſteht. Dieſer muß dann
wegen ſeines unbilligen Begehrens ernſtlich ver⸗
mahnt werden.
6. Iſt es denn durchaus erforderlich, nach ge⸗
nugſamem Unterricht Reformirter oder Unirter,
die das heilige Abendmahl von einem lutheriſchen
Paſtor und mit einer lutheriſchen Gemeinde em⸗
pfangen haben, darauf alle Zeit ausdrücklich zu
beſtehen, daß ſie nach ausgeſprochener Anerken⸗
nung der lutheriſchen Lehre vom heiligen Abend⸗
mahl als ſchriftgemäß, auch die reformirte als
ſchriftwidrig mißbilligen? Antw. Ja! weil man
nur durch dieſe rund und dürr ausgeſprochene
Mißbilligung über die Ehrlichkeit und Aufrich⸗
tigkeit der voraufgegangenen Anerkennung der
lutheriſchen Lehre gewiß werden kann; denn bei
der hergebrachten und landesüblichen Gleichgül⸗
tigkeit in Hinſicht auf Reinheit der Lehre und bei
der Trügerei und Täuſcherei des Herzens ſei ſehr
zu befürchten, daß gar Manche, um das heilige
Abendmahl zu bekommen, zwar das Schrift⸗
gerechte der lutheriſchen Lehre äußerlich bekennen,
innerlich aber doch in dem Wahne bleiben, die
reformirte ſei auch nicht unrecht. So behielten
ſie denn durch Schuld der belehrenden Prediger
und durch deren Menſchenfurcht und halbe Maß⸗
regeln ein unklares und unſicheres Gewiſſen über
Wahrheit und Irrthum in Sachen der Glaubens⸗
lehre und der Seelen Seligkeit, was ſicherlich
kein geringer Schade iſt. Verlangen dagegen,
wie billig, die lutheriſchen Prediger nach genug⸗
ſamem Unterricht über die Wahrheit der lutheri⸗
ſchen und den Irrthum der reformirten Lehre und
nach hinlänglicher Vergewiſſerung, daß die Be⸗
lehrten beides mit dem Verſtande ſattſam begrif⸗
fen haben — verlangen die lutheriſchen Lehrer
darnach nebſt der Anerkennung der lutheriſchen
Lehre als allein ſchriftgemäß, auch die ausgeſpro⸗
chene Mißbilligung und Verwerfung der refor⸗
mirten als ſchriftwidrig, ſo haben ſie wenigſtens
das Ihre gethan, theils um ihr eigenes Gewiſſen
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