Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 22 › Seite 157

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-06-22, Seite 157

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wenn du zum Hauſe Gottes geheſt,
und komm herzu, daß du höreſt: das
iſt beſſer, denn der Narren Opfer, die
nichts wiſſen, wie böſe ihre Werke ſind.
Opfer iſt ja ein gut Werk; noch heißts böſe, wenns
die Narren, die nicht hören wollen (das iſt, die
Gottloſen oder Ketzer) thun. Aber viel ſchärfer
wird ſie dermaleins richten und ſchneiden der
Spruch Pſalm 50, 16.: Gott ſpricht zum
Gottloſen: warum nimmſt du mein
Wort in deinen Mund? Das ſei davon
genug, wer nicht hören will, der fahre hin.

Am Ende muß ich das auch anhängen. Ich
höre ſagen, daß etliche daraus bewogen ſind zu
denken, wir ſeien mit den Schwärmern eins, daß
wir in unſern Kirchen die Elevation“) haben fal⸗
len und anſtehen laſſen, damit wir bekennen ſoll⸗

ten, daß Chriſtus Leib und Blut nicht im Sacra⸗
ment ſei, noch mündlich empfangen werde. Aber
ſo hält ſich die Sache: Es iſt geſchehen vor zwan⸗
zig oder zwei und zwanzig Jahren, da ich anfing
die Meſſe zu verdammen, und hart wider die Pa⸗
piſten ſchrieb, daß ſie nicht ein Opfer noch unſer
Werk, ſondern eine Gabe und Geſchenk oder Te⸗
ſtament Gottes wäre, welches wir Gott nicht
opfern könnten, ſondern von Gott empfangen
ſollten und müßten: gleichwie die Taufe nicht ein
Opfer, ſondern eine gnädige Gottes Gabe wäre ꝛc.,
war ich zur ſelben Zeit wohl dazu geneigt, die
Elevation abzuthun, um der Papiſten willen, die
es ein Opfer und Werk, von uns Gott geopfert,
hielten, wie ſie noch thun, und über ſechs hundert
Jahr gethan haben.

Aber weil zu der Zeit unſere Lehre neu und
über die Maßen ärgerlich war in der ganzen Welt,
mußte ich ſäuberlich fahren, und um der Schwa⸗
chen willen viel nachlaſſen, das ich hernach nicht
mehr thät; ließ alſo die Elevation bleiben, weil
ſie doch eine gute Deutung haben könnte, wie ich
im Büchlein de captiuitate babylonica ſchrieb,
nemlich, daß es wäre ein alter Brauch, aus
Moſe genommen, und bei den erſten Chriſten für
und für blieben. Denn was Moſe vom Tnupha
und Thruma ſonderlich 2 Moſ. 35. und 25. ſchreibt,
kann nun ein jeglicher Laye in der deutſchen Bi⸗
bel leſen, daß es nicht Opfer geweſt ſind, Gott zu
verſühnen um die Sünde, wie die Papiſten ihre
Meßopfer hielten und verkauften aufs ſchändlichſte
u. ſ. w., ſondern eitel Dankopfer oder Dankſagung
für die empfangene Güter des Landes ꝛc.

Auch wäre das eine feine Deutung, daß der
Prieſter mit Aufhebung des Sacraments nichts
anders thäte, denn daß er die Worte verkläret
(das iſt mein Leib), als wollte er mit der
That ſagen: Sehet, lieben Chriſten, das iſt der
Leib, der für euch gegeben iſt. Daß alſo das
Aufheben nicht ein Zeichen des Opfers (wie
die Papiſten narren,) gegen Gott, ſondern eine
Vermahnung wäre gegen die Menſchen, ſie zum
Glauben zu reizen, ſonderlich weil ers ſo eben
auf hübe, bald nach den Worten (das iſt mein
Leib, für euch gegeben), und doch nicht
einen Buchſtaben vom Opfer dabei meldet. Sol⸗

*) Dit Aufhebung der Hoſtie.

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ches findeſt du im Buch de captiuitate babylo-
nica.

Indem ich ſo denke und bleibe, poltert und
rumpelt wider mich herein Hans Unvernunft D.
Carlſtad, mit ſeinen himmliſchen Propheten, und
läßt wider uns ein Büchlein ausgehen, darinn
ſchalt er uns Wittenberger Chriſtmörder, Chriſt⸗
kreuziger, neue Papiſten ꝛc. und machts ſehr grob
und uneſſe. Hatte doch keine andere Urſachen.
denn daß wir das Sacrament aufhüben. Solch
Aufheben deutet er, geopfert. Weiter, deutet er
geopfert, ſo viel als Chriſtum gekreuzigt, ermor⸗
det, geſchlachtet, und viel ärger gehandelt, weder
die Jüden je gethan hatten. Nun wußte er ſehr
und aus der Maßen wohl, daß wir Wittenberger
das Sacrament nicht ein Opfer hielten, ſondern
hatten nun faſt bei drei Jahren wider die Papi⸗
ſten geſtritten, daß es nicht ein Opfer ſein noch
heißen könnte, ſondern eine gnädige Gabe und
Teſtament Gottes (wie droben geſagt), und wir
ihm nicht zu danken hatten der Lehre, daß das
Sacrament kein Opfer wäre: denn wirs ſo lange
zuvor von ihm nicht gelernet, ſondern er uns zu
danken hatte, von welchem ers gelernet hatte:
ſonſt wäre es vielleicht in ſeinen Kopf nimmer⸗
mehr gefallen.

Da ich nun ſolchen tollen Geiſt toben ſahe
wider uns, ohne Urſache, daß er uns wollte
Sünde machen, und ſo greuliche Sünde, da doch
keine Sünde war noch ſein konnte, fuhr ich zu,
und behielt die Elevation, demſelben Teufel eben
zuwider und zu Verdrieß, welche ich doch geneigt
war fallen zu laſſen, wider die Papiſten. Denn
ichs nicht leiden wollte, auch noch nicht wollte,
daß der Teufel mich etwas lehren ſollte in unſer
Kirchen zu ordnen oder ſetzen. Sonderlich auch
darum nicht, daß mir ſollte ein ſolch ſcheußlich
Gewiſſen gemacht werden, als hätte ich Chriſtum
ermordet, gekreuzigt, geſchändet ꝛc., wo ich die
Elevation hielt und nicht abthät; wie der tolle
Geiſt fürgab, und um ſolches böſen Gewiſſens
willen müßte und gezwungen würde, die Eleva⸗
tion abzuthun. Nein, nein, ſolches Gewiſſens
war ich unſchuldig, das wußte ich fürwahr, und
konnte michs nicht annehmen, ſo wußte ers auch
wohl. Denn ehe ich ſolch Gewiſſen wollte an⸗
nehmen, oder auf mich laden, daß ich darum
müßte die Elevation fallen laſſen, daß ich durch die⸗
ſelbige mich einen Chriſtmörder, Creuziger, Henker
achten ſollte, wollte ich noch heutiges Tages die
Elevation nicht allein behalten; ſondern, wo es
an einer nicht genug wäre, drei, ſieben, zehen
Elevation helfen anrichten. Darum wollte ichs
frei haben (wie es denn auch ein frei Ding iſt,
und ſein muß), darinn keine Sünde geſchehen
könnte, man hielte oder ließe es fallen.

Aus dieſer Urſachen iſt die Elevation bei uns
blieben. Denn was frei iſt, nemlich weder ge⸗
boten noch verboten, darinn man weder ſündigen
noch verdienen kann, das ſoll in unſer Macht
ſtehen, als unſer Vernunft unterworfen, daß wirs

mögen, ohn alle Sünde und Fahr des Gewiſſens,

brauchen oder nicht brauchen, halten und fahren
laſſen, nach unſerm Gefallen oder Nothdurft;

und wollen kurzum hierinn freie Herren, und Spaltung.

nicht Knechte ſein, die es mögen damit machen
wie, was, wo und wenn ſie wollen, und nicht ge⸗
zwungen ſein abzuthun, bei ſolcher ſchwerer, großer,
ſchrecklicher Sünde, wie Carlſtads Geiſt wollte,
auch nicht zu halten bei Verluſt der Seelen Selig⸗
keit, wie des Pabſts Teufel will; ſondern ſoll
heißen: Willt du es nicht aufheben, ſo laſſe es
liegen; willt du es nicht liegen laſſen, ſo hebe es
auf. Was fragt Gott darnach? was fragt mein
Gewiſſen auch darnach? eben ſo wenig als der
Altar darnach fragt, ob du es darauf heben oder
legen willt, gilt ihm gleichviel.

Demnach haben die Sacramentsfeinde nicht

Urſache zu rühmen, als thäten wirs ihnen zu
Willen und Dienſt, daß wir die Elevation fallen
laſſen. Und ſolls niemapd dafür halten, daß
wir uns damit wollen zu ihrem läſterlichen Ir⸗

thum neigen, vielweniger begeben; ſondern wo⸗

len ſie beſtändiglich und veſtiglich für Gottes und
unſere verdammte Feinde halten, und nicht ſammt
ihnen Chriſti Wort leugnen, ſchänden und ver⸗
kehren, als müßten wir von ihnen lernen Brod
eſſen, und Wein trinken, welches wir wohl ohn
Chriſti Abendmahl thun können, und die ganze
Welt täglich ohn Gott allzuviel thut.

Sondern das iſt die einige Urſache, daß wir
das Aufheben laſſen anſtehen, weil faſt das meh⸗
rer Theil Kirchen lange zuvor haben das Aufhe⸗
ben nachgelaſſen; ſo wollten wir uns denſelbigen
vergleichen, und nicht ein ſonderes üben in ſolchem
Stück, das an ſich ſelbſt frei und ohne Gefahr des
Gewiſſens ſtehen oder liegen könnte. Sonderlich
weil ich vom Anfang darzu geneigt, und gewiß⸗
lich zu der Zeit gethan hätte, wo nicht Carlſiad
ſolche greuliche Sünde daraus gemacht hätte, wie
geſagt iſt. Denn wo es ſonſt ohne Sünde und
Gefahr, oder ohne Aergerniß geſchehen kann, iſts
gar fein, daß ſich die Kirchen, auch in äußerlichen
Stücken, die doch frei ſind, vergleichen, wie ſie ſich
im Geiſt, Glauben, Wort, Saerament ꝛc. verglei⸗
chen. Denn ſolches ſtehet fein, und gefällt jeder⸗
mann wohl.

Auch darum, daß ſolche Ungleichheit, weil ſie
unnöthig iſt, ſehr ähnlich ſiehet einem Schisma,“)
Uneinigkeit oder Trennung der Herzen. Denn
von Anfang der Kirchen haben die Ceremonien
viel Unluſt in den Kirchen angerichtet; als, das
Oſterfeſt richtete ein ſolch Weſen an, daß wenig
Kirchen mit ein ander drüber eines Sinnes waren.
Und der Biſchof zu Rom, Victor, that in den
Bann alle die Kirchen in Griechenland und ge⸗
gen Morgen, darum, daß ſie nicht mit der römi⸗
ſchen Kirche auf gleichen Tag Oſtern hielten.
Aber er ward geſtraft vom Biſchof zu Lyon,
Irenäo, daß er mußte abſtehen, und jeglicher Kirche
ihre Weiſe und Tag laſſen zum Oſterfeſt, weil es
ohne Gefahr und Aergerniſſe nicht konnte vergli⸗
chen werden, und keine Gefahr darauf ſtund, ob
Rom auf einen andern Tag Oſtern hielt, und
die Griechen auch auf einen andern.

Solches Dings iſt viel mehr, darinn ſich die
Griechen mit den Römern nicht verglichen, auch
noch nicht vergleichen. Und das thut das Bis⸗
thum Mailand noch heutiges Tages, welches doch

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English translation

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