Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 22 › Seite 156

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-06-22, Seite 156

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verwandeln. Ein wohlgetroffenes Bruſibild des
Seligen von der geſchickten Hand des Herrn
Pfau, Malers und Kupferſtechers zu New Nork,
gezeichnet, als derſelbe noch hier war, hängt in
der Wohnung ſeines ältern Sohnes zu Frohna.
Es wäre zu wünſchen, daß es lithographirt und
zugleich mit einem Band ausgewählter Predigten
herausgegeben würde.

Wenn wir ihn aber wiederſehen werden am
Tage unſers HErrn IEſu Chriſti, dann wird er
dieſem Bilde zwar noch ähnlich, aber weit ſchö⸗
ner uns erſcheinen in dem auferſtandenen Leibe
voll Unverweslichkeit, Kraft und Herrlichkeit und
ähnlich dem verklärten Leibe des himmliſchen
Adam, unſers HErrn IEſu Chriſti. Denn die
Lehrer ſollen ja leuchten wie des Himmels Glanz,
und die Viele zur Gerechtigkeit weiſen, wie die
Sterne immer und ewiglich. Dan. 12. Der
Gott aller Gnaden wolle auch durch dieſes arme,
unvollkommene Ehrengedächtniß unſers theuren
Löber die Herzen vieler Brüder und Amtsbrüder
ſtärken, daß ſie gleich ihm den guten Kampf bis
ans Ende kämpfen, den Glauben bewahren, ihr
Amt und Werk wohl ausrichten, ihren Lauf voll⸗
enden, und ſo die unverwelkliche Krone der Ehren
und Gerechtigkeit empfangen am Tage unſers
HErrn IEſu Chriſti! Amen.

Dr. Martin Luthers kurzes Bekenntniß vom
heiligen Saerament wider die Schwärmer.
Anno 1544.

(Schluß.)

Macedonius, Biſchof zu Conſtantinopel,
der Ketzer, gläubte auch alle Artikel, ohn den
einigen, daß der Heilige Geiſt rechter Gott wäre.
Was halfs ihn und die Seinen, es war ihm doch
ſo viel als gläubete er keinen. Und ob er ſie mit
dem Maul gleich recht ausſpräche und nennete, ſo
hat er doch keinen Gott, weil er den Heiligen Geiſt
für keinen Gott hält; darum hat er auch keinen
Schöpfer Himmels und der Erden. Da iſt ſeine
Taufe nichts mehr, keine Vergebung der Sünden,
kein Sacrament, kein ewiges Leben. Und ob er
ſtreng lebt und ein ſcheinbarlich chriſtlich Leben
führet, noch iſt er kein rechter Chriſt, ſondern ein
großer Heuchler, wäre ihm viel beſſer, daß er kein
Chriſt wäre, noch den Chriſtlichen Namen ſo miß⸗
brauchet, und fälſchlich führete, das iſt, ſo ver⸗
dammlich führet und ehret.

Alſo Neſtorius auch, Biſchof zu Conſtantinopel,
war mit den Seinen ein ſtrenger Mann in allen
andern Artikeln; aber in dem einigen war er ein
Ketzer, daß Gottes Sohn, Chriſtus, nicht wäre
von Maria der Jungfrauen geboren, und Maria
wäre nicht, könnte auch nicht ſein eine Mutter
Gottes. Damit wurden ihm die andern Artikel
alle auch zu nicht, ohn was er ſie mit dem Maul
nennen und mißbrauchen mochte. Daher auch
aus dieſen dreien Ketzern zuletzt viel mehr Ketzerei
herausbrachen, und an Tag ſich gaben (denn ſie
ſteckten zuvor drinnen verborgen), bis daß der lei⸗
dige Mahometh herauskommen iſt; denn alle
Hiſtorien zeugen, Mahometh ſei aus den Arianern,

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Macedoniern und Neſtoriten kommen, in welchen
er auch zeitlich und von Anfang geſteckt hat.

Und woher iſt der Pabſt ſo voll Ketzerei
worden, und hat immer eine Ketzerei nach der
an dern in die Welt bracht, bis ſie nun zu Rom,
ſonderlich in des Pabſts Hofe, eitel Epicurer und
Spötter des chriſtlichen Glaubens ſind? nemlich
daher, daß ſie vom Glauben Chriſti auf die Werke
gefallen ſind, das iſt, auf ihre eigene Gerechtigkeit.
Was iſt ihm da nütze blieben, von allen andern
Artikeln? Was hilfts ihn, daß er mit dem Maul
hoch rühmet den rechten Gott, den Vater, Sohn
und Heiligen Geiſt, und trefflichen Schein für⸗
wendet eines chriſtlichen Lebens? Gleichwohl iſt
und bleibt er der größeſte Feind Chriſti und der
rechte Antichriſt, hat ſich ſelbſt zum Haupt der
Chriſtenheit gemacht, ja zum Unterloch und Hinter⸗
loch des Teufels, dadurch ſo viel Greuel der Meſ⸗
ſen, Möncherei, Unzucht in die Welt geſchm iſſen
iſt, bis ſo lange auch die Mönche durch ihre lau⸗
ſigte Kappen den ſterbenden Chriſten gen Himmel
hülfen.

Alſo wirds die Schwärmer nichts helfen, daß
ſie bei dem Sacrament ſehr groß Gewäſch treiben
von dem geiſtlichen Eſſen und Trinken des Leibs
und Bluts Chriſti, und von der Liebe und Einig⸗
keit der Chriſten. Denn das ſind eitel Feigen⸗
blätter, da ſich Adam und Eva mit decken und
ſchmücken wollten, daß Gott ihre Schande und
Sünde nicht merken ſollte. Vielweniger wird
ſie helfen ihre große Arbeit mit lehren und ſchrei⸗
ben, mit ernſtem züchtigem Wandel; das iſt noch
alles heidniſch Ding. Dazu auch dies verloren
iſt, daß ſie Gott den Vater, Sohn und Heiligen
Geiſt, und Chriſtum den Heiland glänben. Alles,
ſage ich, iſts verloren, mit allen Artikeln, wie recht
und unſträflich ſie dieſelben mit dem falſchen Läſter⸗
maul nennen oder geben, darum, daß ſie dieſen
einigen Artikel leugnen und lügenſtrafen, da im
Sacrament Chriſtus ſpricht: Nehmet (das
Brod) und eſſet, das iſt mein Leib, der
für euch gegeben wird ꝛc.

Denn was ſie vom geiſtlichen Eſſen und von
der Liebe plaudern, iſt alles dahin gericht, daß ſie
ſolchen Schaden und Gift zudecken und ſchmücken
wollen, daß man denſelben nicht achten, noch
ſehen, ſondern ſie als die ſonderlichen und beſten
Chriſten achten ſolle. Das heißt auf Deutſch,
ein Teufelsgeſpenſt vor die Augen ſtellen, und den
finſtern Teufel (wie St. Paulus lehret 2 Cor.
11, 14. mit dem hellen Kleid der lichten Engel
ſchmücken. Darum iſt ihr groß Rühmen und
viel Arbeit, weil ſie in dieſem einigen Artikel nicht
wollen Chriſten ſein, verloren.

Davon redet der HErr Luc. 11, 35.: Siehe
zu, daß das Licht in dir nicht Finſterniß
ſei. So nun dein Körper ganz licht iſt, und
kein Stück Finſterniß hat, ſo wird er ganz licht
ſein. Da ſieheſt du, daß der HErr will, es ſolle
alles licht in uns ſein, und kein Stück der Finſter⸗
niß darunter ſein. Wie auch Matth. 6, 23.:
So das Licht, das in dir iſt, finſter iſt,
wie groß wird das Finſterniß ſelbſt ſein?
und Paulus Gal. 5, 3.: Ich bezeuge einem
jeden Menſchen, wer ſich beſchneiden

läßt (welches Ein Stücklein war), der iſt von
Chriſto und von der Gnade gefallen,‚,
und iſt ſchuldig des ganzen Geſetzes zu
halten. Daher kommen iſt der Spruch Jac.
2, 10.: Wer das ganze Geſetze hält, und
ſündigt in einem Stück, der iſt in allen
Stücken ſchuldig: denn der da geboten
hat, du ſollſt nicht ehebrechen, der hat!
auch geboten, du ſollſt nicht tödten ze.
Es iſt Ein Gott, der alles geboten hat; wer den
in einem erzürnet, mit dem zürnen wiederum alle
Creaturen und alle Gebote Gottes, auch ſeine
eigene gute Werke, die er nach den andern Ge⸗
boten vermeinet gethan zu haben; denn ſie ſind
nicht im rechten Gehorſam Gottes, noch im
Glauben Chriſti gethan ꝛc.

Möchteſt du ſagen: Ach lieber Luther, es iſt
zu hoffen, oder je nicht zu beſorgen, daß Gott ſo
ſehr heftig und grauſam geſtrenge ſein ſollte, daß
er die Menſchen um eines Artikels willen ver⸗
dammen wolle, wenn ſie ſonſt andere alle Artikel
treulich halten und gläuben. Denn alſo tröſten
ſich nicht allein die Ketzer, ſondern auch andere
Sünder, wie Sirach ſchreibt Cap. 7, 9., als werde
Gott ihre andere gute Werke anſehen und gnädig
ſein; wie auch der König Saul ſeinen Ungehorſam
mit ſeiner Andacht und Opfer ſchmücken wollte,
1 Sam. 15, 15. Gehen alſo dahin fein ſicher
und gewiß, als hätte es keine Noth mit ihnen, die
viel große Werk und Arbeit, ſo ſie ſonſt thun,
werden ein einiges Stücke überwägen. Dagegen
iſt zu ſagen, daß Gott vielweniger hoffen noch ſich
verſehen kann, daß ſeine arme, elende, blinde Crea⸗
tur ſo toll und ſtolz ſein ſollte wider ihren Schöpfer
und HErrn, daß ſie ſein göttlich Wort leugnen,
lügenſtrafen und läſtern würde; ſondern alſo iſt
ihm zu hoffen, daß ſeine demüthige, unterthänige‚
gehorſame Creatur, nicht ein einiges Wort leugnen
und läſtern, ſondern alle und ein jegliches inſon⸗
derheit herzlich annehmen, und mit allen Freuden
danken werde, daß ſie werth iſt ein einiges Wort
zu hören von ihrem lieben Gott; ja ſo ſtehets
Gott an, zu gedenken.

Nun aber thun die Ketzer nicht anders mit
Gottes Wort, denn als wäre es Menſchenwort,
oder eines Narren Wort, welches ſie verachten,
ſpotten und läſtern möchten, und alles beſſer ma⸗
chen könnten nach ihrem eigen ſchönen Dünkel.
Wollen ſich dazu nicht weiſen laſſen; da iſts
alles verloren. Und werden hie die großen viel
gute Werke und Arbeit das einige böſe Stücke
nicht überwiegen. Denn da iſt weder viel noch
wenig, weder kleine noch große gute Werke, ſon⸗
dern eitel nichtige, böſe, verdammte Werke; denn
der Unglaube oder Gottesläſterung macht auch
die guten (wie ſie es nennen) Werke zu nicht
und verdammt. Ja, ärger ſind ſolche gute Werke,
weder ſonſt die ſchlechten Sünden ſind, weil ſie
gehen und geſchehen in Gottes Namens und
Worts Läſterung und halsſtarriger Verleugnung;
daß gar viel beſſer und zu wünſchen wäre, ſie thä⸗
ten dafür Sünde und böſe Werke, ſo erkenneten
ſie doch und wüßten, was ſie thäten.

Nun gehets ihnen nach dem Spruch Salomo⸗
nis Prediger 5, 1.: Bewahre deinen Fuß,

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