Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 22 › Seite 160
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-06-22, Seite 160
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Glaube 7 · Geſang
gehörig zu verwahren, theils um das der Berich⸗
teten feſt und gewiß in der Erkenntniß zu machen.
Heucheln Letztere gleichwohl, daß ſie bei jenem
Billigen und Mißbilligen, Anerkennen und Ver⸗
werfen anders im Herzen meinen, als ſie mit dem
Munde ausgeſprochen, ſo machen ſich doch die
Prediger nicht dieſer ihrer Heucheleiſünde theil⸗
haftig, ſondern die Schuld und das Gericht
Gottes, ſo ſie nicht Buße thun, bleibt allein an
ihnen haften.
Aehnlich iſt und bleibt es hiebei ſachlich durch⸗
aus nothwendig, und hängt nicht etwa von der
Anſicht und Handlungsweiſe dieſes und jenes
lutheriſchen Paſtors ab, daß die Belehrten nach
jenem Bekennen der Wahrheit und Verwerfen
des Irrthums auch folgerichtig der Wahrheit
ihre Zuſtimmung geben, daß ſie durch den darauf
folgenden Abendmahlsgenuß aus den Händen des
lutheriſchen Paſtors und mit einer lutheriſchen
Gemeinde thätlich aus ihrer bisherigen Glaubens⸗
gemeinſchaft austreten und gliedlich in die luthe⸗
riſche Kirche eintreten.
Denn wenn z. B. lutheriſche Previger, wie dies
leider in der Ohio⸗Synode der Fall iſt, dieſe Zu⸗
ſtimmung und dieſes Thatbekenntniß nicht ver⸗
langen (wie ſie denn auch nicht jene obige Ver⸗
werfung des reformirten Irrthums von Unirten
und Reformirten begehren), ſo fördern ſie damit
nur eine neue Heuchelei und arbeiten der falſchen
Union unſerer Tage mittelbar in die Hände.
Denn in ſolchem Falle bleiben die Reformirten
durch Schuld der Prediger in dem Wahne hän⸗
gen, als könne man wohl die lutheriſche Lehre
als durchaus ſchriftgemäß anerkennen, und doch
ſich gliedlich zu einer Kirche bekennen und halten,
die in dieſen und jenen Lehrſtücken anders, alſo
irrig lehrt, und als könne man mit gutem Ge⸗
wiſſen mit einer lutheriſchen Gemeinde zum hei⸗
ligen Abendmahl gehen und dasſelbe aus den
Händen eines lutheriſchen Paſtors empfangen
und doch von Herzen und dem Namen nach
reformirt oder unirt bleiben.,
Wie der Profeſſor Schuppius zu Marburg
Europa unter die Marburger Studen⸗
ten vertheilt.
Johann Balthaſar Schupp (oder Schuppius,
wie man damals den Namen zu verlateiniſchen
anfing, wobei es denn auch ſeitdem geblieben iſt)
aus Gießen war zehn Jahre lang Profeſſor der
Beredſamkeit und Geſchichte zu Marburg, und
nicht allein ein ſehr gelehrter Profeſſor, ſondern
auch ein geſchickter und äußerſt eifriger Lehrer, der
es ſich hoch angelegen ſein ließ, daß die Studen⸗
ten etwas Tüchtiges bei ihm lernten. Geld
nahm er für ſeine Collegien faſt gar nicht, alſo
daß er während der zehn Jahre vielleicht keine
zwanzig Ducaten bekommen hat. Die vorneh⸗
men und reichen Studenten, deren es damals in
Marburg viele gab, waren von ihren Eltern oder
von den Freunden des Profeſſor Schuppius be⸗
ſonders an ihn empfohlen, und ſo wollte er denn
um der Freundſchaft willen nichts von ihnen neh⸗
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men, den armen aber, und deren fanden ſich da⸗
mals auch, und noch ärmere als heut zu Tage,
gab er lieber noch Geld dazu, lieh ihnen ſeine
Bücher, verſtattete ihnen früh und ſpät freien
Zutritt zu ſich und half ihnen in ihrem Studi⸗
ren überall fort, ſoviel er immer wußte und
konnte. Dafür genoß er denn auch allgemeine
Liebe und das größte Zutrauen bei den Studen⸗
ten, und es fiel nicht leicht einem von ihnen
etwas vor, ohne daß er den Profeſſor Schuppius
um Rath gefragt hätte, welchen denn dieſer treu⸗
lich ertheilte, und meiſt ſo, daß er dem Rathe
noch die That hinzufügte. Als nun im dreißig⸗
jährigen Kriege (denn während dieſer Zeit war
Schuppius Profeſſor zu Marburg) nach dem
Tode des Herzogs Bernhard von Weimar die
ſchwediſch⸗franzöſiſche Armee unter dem Herzog
von Longueville unverſehens ins Heſſenland kam,
gerieth beſonders Oberheſſen in große Noth und
Verwirrung. Die Univerſität glaubte ſich in
Gefahr, mehrere Profeſſoren gingen weg, und der
ganze Unterricht ſtockte, alle Collegien hörten auf.
Da kamen nun etliche arme Studenten, aus ver⸗
ſchiedener Herren Ländern gebürtig, zu dem Pro⸗
feſſor Schuppius, und fragten ihn auch diesmal,
wie ſie ſchon oft gethan, um Rath, was ſie thun
ſollten? In Marburg hätten ſie nichts mehr zu
thun, auch nicht ſo lange zu zehren, bis es wieder
Ruhe im Lande und in der Stadt werde; ſollten
ſie zu ihren Eltern gehen, ſo hätten dieſelben ſo
wenig wie ſie, daneben das Haus voll Soldaten.
Da hatte der redliche Schuppius großes Mitleid
mit den armen jungen Leuten, gab ſeinem Diener
den Schlüſſel zu ſeinem Keller, befahl ihm, ſie
mit ſich in ſeine Stube zu nehmen, und ſie mit
Wein reichlich zu erquicken, ihnen auch tröſtlich
zuzuſprechen, und ſie auf den andern Tag wieder
zu ihm zu beſtellen, der Herr Profeſſor wolle mit
Gottes Hilfe ſehen, wie ihnen zu helfen ſei.
Darauf ſchloß ſich Schuppius in ſein Stüblein
ein, und brachte die ganze Nacht mit Schreiben
zu, alſo daß ihn die Morgenſonne noch am
Schreibtiſche fand. Als nun früh ſechs Uhr die
Studenten wieder zu ihm kamen, ſagte er: Lie⸗
ben Freunde, die Erde iſt des HErrn, und mich
deucht, unſer HErr Gott hat mich zu eurem
Quartiermeiſter angenommen. Ich will ganz
Europa unter euch austheilen. Euch will ich die
Seeſtädte eingeben. Euch Dänemark. Euch
Preußen. Euch Lievland. Euch Frankreich.
Euch Holland. Euch die Reichsſtädte, und ſo
weiter, und damit übergab er jedem einige drin⸗
gende Empfehlungsſchreiben für die Länder und
Städte, die er ihm angewieſen (und Dr. Schup⸗
pius war in allen jenen Gegenden wohl bekannt
und hoch angeſehen), nahm Abſchied von ihnen
und ſprach: Gehet hin, und ſuchet euer Glück;
der HErr unſer Gott ſei mit euch. Und Gott
ſegnete dieſes treuherzige Beginnen des wackern
Schuppius; die Studenten wanderten aus, wur⸗
den an den Orten, wohin ſie gewieſen. waren, auf
Schupps Empfehlung wohl aufgenommen und
hinreichend unterſtützt; auch nicht ein einziger
war unter dieſen, dem nicht Gott ganz beſonders
und ſichtlich geholfen hätte, alſo daß ſie alleſammt
wohlſtehende und zum Theil ſogar angeſehene
Männer wurden. Lange nach dem Tode ihres
Wohlthäters erzählten ſie noch mit freudiger
Dankbarkeit, wie einſt Dr. Schuppius im Ver⸗
trauen auf Gott den HErrn die Welt unter ſie
ausgetheilt habe, und ſegneten das Andenken des
wackern Profeſſors zu Marburg.
*
(Eingeſandt.)
Kirchliche Nachricht aus dem nördlichen
Illinois.
Da die evangeliſch-lutheriſche St. Matthäus⸗
Gemeinde U. A. C. zu Dutchmans Point (zwölf
Meilen nordweſtlich von Chicago), welche bisher
als Filial von Paſtor Hoffmann bedient wurde,
einen eigenen Prediger begehrte, und ſich deßhalb
an unſere Synode gewandt hatte: ſo wurde ihr
Herr Georg Küchle, welcher ſich in unſerem Se⸗
minar zu Fort Wayne für das heilige Predigtamt
vorbereitet hatte, nach wohlbeſtandenem Examen
zugeſandt. Nachdem die Gemeinde den Candidaten
Küchle ordentlich berufen, wurde derſelbe am
30. April inmitten ſeiner Gemeinde durch Herrn
Paſtor Selle unter Aſſiſtenz des Herrn Paſtor
Volkert, im Auftrage unſerer Synode, ordinirt
und in ſein Amt eingewieſen. Paſtor Volkert
hielt die Predigt über Ap. Geſch. 20, 28.: „So
habt nun Acht auf euch ſelbſt, und auf die ganze
Heerde, unter welche euch der Heilige Geiſt geſetzt
hat zu Biſchöfen, zu weiden die Gemeine Gottes,
welche er durch ſein eigenes Blut erworben hat.“
Außer den zahlreich anweſenden Gliedern der Ge⸗
meinde, wohnten auch die Paſtoren Brauer und
Hoffmann dieſer Feierlichkeit bei.
Der treue Erzhirt Seiner Heerde wolle dem
lieben Gemeinlein, ſo wie ihrem theuren Seel⸗
ſorger Schild und Beiſtand ſein, damit unter den,
dort beſonders obwaltenden, vielen Kämpfen nach
Außen das Bekenntniß rein und lauter und die
feſte Zuverſicht auf Seine kräftige Durchhülfe
alle Zeit unwandelbar bleibe!
Die Adreſſe des lieben Bruders iſt: Rev. G.
Kuechle, Dutchmans Point, Cook Co., IIl.
(Eingeſandt.)
Von der Abſolution.
Meine Sünden ſind mir nun vergeben:
Sel'ger Troſt der Abſolution!
Damit ſchenket Seligkeit und Leben
Mir mein Heiland, IJESUS, Gottes Sohn,
Der zu mir durch ſeinen Diener ſpricht:
„Sei getroſt, mein Kind, und zage nicht!“
Zahllos iſt die Menge meiner Sünden,
Größer, als daß ich ſie merken kann.
Mein Verderben kann ich nicht ergründen;
Seh' ich mich im heil gen Spiegel an,
Welchen im Geſetz GOTT vor mir hält:
Ach, wie hat die Sünde mich entſtellt!
In mir find' ich keine heil'ge Schöne,
Nur ein armes ſündges Jammerbild;
Und mich ſchrecken Sina's Donnertöne,
Weil ich die Gebote nicht erfüllt.
Weh mir! vom Geſetz bin ich verdammt,
Und der Zorn des Richters dräut und flammt.
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