Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 22 › Seite 158

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-06-22, Seite 158

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl—Krankenkommunion 44 · Austritt 1 · Beichte 4 · Krankheit 12 · Krankheit 14

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unter dem Pabſt in Welſchen Landen liegt, da
nicht allein die Elevation, oder ein Stück in der
Meſſe, den andern Kirchen, ſondern die ganze
Meſſe ungleich iſt, ſonderlich daß es den kleinen
canonem nicht hat, und aller Dinge eine eigene
Weiſe hält in der Meſſe, alſo daß ich Anno 1510,
da ich da durch zog, an keinem Orte konnte Meſſe
halten, und die Prieſter uns ſagten: Nos sumus
Ambrosiani, non poteritis hic celebrare.*)
Und was darfs viel Worte? Es iſt keine Kirche
auf Erden, da ſo mancherlei Ungleichheit und
Weiſe im Gottesdienſt, und in der Kirche iſt, als
eben in der Römiſchen Kirche. Das zeiget nicht
allein die Erfahrung, ſondern auch die Bücher im
geiſtlichen Recht; welcher gar viel weniger wären,
wo mehr Gleichheit in der Römiſchen Kirche blie⸗
ben wäre. Aber es hat dem Pabſt genützet, daß
viel oder alles ungleich zuginge, wenn ſie allein
darinne gleich würden, daß ſie ihn für das Haupt
der ganzen Chriſtenheit hielten.

Daher der Spruch unter ihnen ging: Si fueris
Romae, romano viuito more, wenn du zu
Rom biſt, ſo halte dich Römiſch. Alſo mag ich
hie auch ſagen: Wenn du an einen Ort kommſt,
da man die Elevation noch hält, ſo ſollſt du dich
nicht ärgern, noch ſie verdammen; ſondern laß
dirs gefallen, weil es ohne Sünde und Gefahr
des Gewiſſens geſchicht: vielleicht können ſie es
noch nicht ändern. Aber dennoch iſts ja feiner
und ſtehet beſſer, daß man ſich des Stückes in allen
Kirchen vergleiche. Und weil die Elevation un⸗
geboten und unnöthig iſt, als ohne Gottes Ge⸗
bot, von menſchlicher Andacht herkommen; ſo
iſts billiger, daß man ſich mit den Kirchen ver⸗
gleiche, ſo keine Elevation haben, denn wiederum
mit denen, ſo ſie haben. Denn Sanct Paulus
lehret uns treulich allenthalben, daß wir fleißig
ſein ſollen, gleich und einträchtig zu lehren und
zu leben, und uns hüten vor Uneinigkeit oder
Ungleichheit, wo wir können, Röm. 12, 16.:
Habt einerlei Sinn unter einander;
1 Cor. 1, 10.: Ich erinnere euch, lieben
Brüder, durch den Namen unſers HErrn
IEſu Chriſti, daß ihr einerlei Rede
führet und laſſet nicht Spaltung un⸗
ter euch ſein.

Wo aber ſolches nicht ſein kann, ſo laſſe das
14te Capitel Roman. V. 1 ff. gehen: Verwir⸗
ret die Gewiſſen nicht. Einer gläubet,
er möge allerlei eſſen; welcher aber
ſchwach iſt, der iſſet Kraut. Einer hält
einen Tag vor dem andern; der andere
aber hält alle Tage gleich. Ein jeg⸗
licher ſei in ſeiner Meinung gewiß.
Das Reich Gottes iſt nicht eſſen und
trinken, ſondern Gerechtigkeit, Friede
und Freude im Heiligen Geiſt. Darum
laſſet uns dem nachſtreben, das zum
Frieden dienet, und zur Beſſerung
unter einander dienen. Das helfe uns
allen unſer lieber HErr IéEſus Chriſtus,
mit GOtt dem Vater und dem Heiligen Geiſt,
gelobet in Ewigkeit, Amen. Anno 1544.

*) Wir gehören zu den Ambroſianern, ihr könnet hier
keine Meſſe halten.

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Auszug aus dem Pratokoll der vierteljährli⸗

chen, am 9. und 10. Januar 1850 zu Foart

Wayne abgehaltenen Conferenz des Canfe⸗
renzbezirks Fort Wayne.

Eingefunden hatten ſich:

1. Paſtor Dr. Sihler, 2. Profeſſor Biewend,
3. Paſtor Claus, 4. Paſtor Jäbker, 5. Paſtor
Streckfuß, 6. Paſtor Schuſter, 7. Paſtor Heid,
8. Paſtor Stürken, 9. Paſtor Bernreuther, 10.
Paſtor Fritze, 11. Paſtor Nützel, 12. Paſtor
Stecher, ſpäter noch Paſtor Husmann.

Die Conferenz richtete zunächſt auf die betrübte
Thatſache innerhalb dieſes Synodaljahres ihr
Augenmerk, daß in mehreren Gemeinden, die
theils zur Synode gehören, theils von berathen⸗
den Gliedern derſelben bedient wurden, böswilliger
Widerſtand gegen kirchliche Zucht und Ordnung
ſo entſchieden hervorgetreten war, daß ſie an eini⸗
gen Orten das heilige Predigtamt ſelbſt von ſich
geſtoßen hatten. In andern Gemeinden hatte es
Spaltungen gegeben; wieder in andern gährte es,
wie man vernahm, bereits, und noch in andern
ſtand ähnlicher Rumor bevor. In keiner dieſer
Gemeinden hatte der Paſtor irgend etwas ſeinen
Kirchkindern gewaliſam aufgedrungen; in keiner
hatte es derſelbe an geduldigem Lehren und Er⸗
mahnen in Hinſicht auf die betreffenden Punkte
fehlen laſſen. Dieſe waren: theils der hartnäckige
Widerſtand gegen die von Gott in ſeinem Worte
vorgeſchriebene Kirchenzucht überhaupt (Zumal
wenn die Leute früher einen Miethling aus der
2c. ꝛc.⸗Synode gehabt hatten, der ihnen für ſo
und ſo viel Geld jährlich ſo und ſo oft gepredigt,
ihre Kinder getauft, confirmirt, ihnen ohne nähe⸗
res Befragen das heilige Abendmahl gereicht
hatte u. ſ. f.), theils das Widerſtreben gegen ein⸗
zelne Stücke einer geſunden und bekenntnißmäßi⸗
gen Ordnung. wie z. B. gegen die Beichtanmel⸗
dung der Einzelnen vor dem Genuſſe des heiligen
Abendmahles, gegen das Abweiſen Reformirter
oder Unirter vom heiligen Abendmahl, ſofern ſie
ſich nach genugſamer Berichtung in der reinen
Lehre der lutheriſchen Kirche weigerten, ihre bis⸗
herige Lehre als falſch zu mißbilligen und aus
ihrer Kirchengemeinſchaft aus und in die luthe⸗
riſche Kirche einzutreten; ferner wider das Ver⸗
werfen alles zeitweiſen Miethens und Dingens
zur Uebernahme des heiligen Predigtamtes; wider
das Schicken ihrer Kinder in die Gemeindeſchule,
u. A. m.

Als die vornehmſten Urſachen dieſer betrüben⸗
den Thatſachen erſchienen der Conferenz

1. der furchtbare Verfall der Kirchenzucht in
Deutſchland und die ungemein große Verwilde⸗
rung, in welcher ſo viele, ſeit Kurzem erſt hier
anſäſſige, Leute ihr Vaterland verlaſſen haben;

2. der damit zuſammenhängende fleiſchliche
Freiheitsſchwindel, indem dieſelben Leute, hier
in dem „freien Lande“, da die weltliche Obrigkeit
ſich des Kirchenweſens gar nicht annehme, ihren
unverſtändigen und ſtörrigen Sinn wider allen
beſſeren Unterricht durchzuſetzen ſuchen und keine
heilſame kirchliche Ordnung leiden wollen;

3. die fleiſchliche Amerikaniſirung in den älte⸗
ren Anſiedelungen. Hier nemlich wollen die
Leute durchſchnittlich keine Seelſorger und Väter

in Chriſio, ſondern nur Predigthalter, Täufer,
Sacramentsreicher, Confirmirer, Copulirer und
Grabredner, die ſie jährlich für ſo und ſo viel

„gedingt“ haben. Und beſonders zeichnen ſich in
dieſer ſchändlichen Anſicht vom heiligen Predigt⸗
amte und vom Berufe zu demſelben die aus
Pennſylvanien oder Ohio hier in den Weſten
eingewanderten deutſchen lutheriſchen Amerika⸗
ner aus;

4. das in Deutſchland und Amerika ſo weit
verbreitete Blendwerk und Gaukelſpiel der heu⸗
tigen ſchrift- und kirchwidrigen Union zwiſchen
Lutheranern und Reformirten, der Wahn nem⸗
lich, daß dieſe Union etwas Gutes ſei, zuſammen
mit den örtlichen Verhältniſſen, wo meiſt Luthe⸗
raner und Reformirte durcheinander wohnen,
macht es, vornehmlich in kleineren Anſiedelungen,
ſehr begreiflich, daß es den fleiſchlich geſinnten
Lutheranern äußerſt widrig iſt, der Mithülfe der
Reformirten z. B. in dem Bau der Kirche und
in der Erhaltung des Predigers zu entbehren.

Dazu kommt nun noch, daß gemiſchte Ehen
vorhanden ſind und ſie auch fortlaufend ſich
durch einander verheirathen;

5. der Einfluß einzelner dummſtolzer und
dummkluger, vielleicht auch wohlhabender und
angeſehener Schwätzer in den Gemeinden, die
durch ihr loſes Geplauder und ihre Scheingründe
die Einfältigen und Unwiſſenden mit dahinreißen.

Es erſchien nun der Conferenz Angeſichts dieſer
Verhäliniſſe von Wichtigkeit, der Synode es als
einen Gegenſtand ihrer Berathungen auf der
nächſten Synodal⸗Verſammlung vorzulegen, ob
es nach wie vor genüge, bei Uebernahme des hei⸗
ligen Predigtamtes in dieſen und jenen Anſiede⸗
lungen ſich im allgemeinen confeſſionell zu ver⸗
wahren, oder ob es nach den jetzt eingetretenen
Umſtänden nicht vorzuziehen ſei, den berufenden
und vornehmlich kleineren Gemeinden gleich von
vornherein beſtimmte Bedingungen zu ſtellen,
unter denen allein ein Beruf von ihnen ange⸗
nommen werden könne.

Natürlich müßte denſelben der genugſame Un⸗
terricht über ihre Nothwendigkeit vorausgehen.

Dieſe Bedingungen nun wären vornehmlich
folgende:

1. daß die Gemeinde ſich zum Bekenniniß der

lutheriſchen Kirche mindeſtens in der Augsburger
Confeſſion und im kleinen Katechismus Luthert
mitbekenne;

2. daß demgemäß der Prediger nur eine rei
lutheriſche Gemeinde und keine gemiſchte, al
ſolche, bediene;

3. daß Glieder der reformirten oder unirter
Kirche nur dann das heilige Abendmahl von ih
empfangen könnten, wenn ſie nach voraufgegan
genem Unterricht die Lehre der lutheriſchen Kirch
auch inſonderheit vom heiligen Abendmahl al
allein ſchriftgemäß äanerkennen, die ihrer bisheri
gen Kirchengemeinſchaft als ſchriftwidrig miß
billigen und endlich das folgerichtige Ergebni
von beidem zugeben, nemlich, daß ſie durch de

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