# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 06 22_S158 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) unter dem Pabſt in Welſchen Landen liegt, da nicht allein die Elevation, oder ein Stück in der Meſſe, den andern Kirchen, ſondern die ganze Meſſe ungleich iſt, ſonderlich daß es den kleinen canonem nicht hat, und aller Dinge eine eigene Weiſe hält in der Meſſe, alſo daß ich Anno 1510, da ich da durch zog, an keinem Orte konnte Meſſe halten, und die Prieſter uns ſagten: Nos sumus Ambrosiani, non poteritis hic celebrare.*) Und was darfs viel Worte? Es iſt keine Kirche auf Erden, da ſo mancherlei Ungleichheit und Weiſe im Gottesdienſt, und in der Kirche iſt, als eben in der Römiſchen Kirche. Das zeiget nicht allein die Erfahrung, ſondern auch die Bücher im geiſtlichen Recht; welcher gar viel weniger wären, wo mehr Gleichheit in der Römiſchen Kirche blie⸗ ben wäre. Aber es hat dem Pabſt genützet, daß viel oder alles ungleich zuginge, wenn ſie allein darinne gleich würden, daß ſie ihn für das Haupt der ganzen Chriſtenheit hielten. Daher der Spruch unter ihnen ging: Si fueris Romae, romano viuito more, wenn du zu Rom biſt, ſo halte dich Römiſch. Alſo mag ich hie auch ſagen: Wenn du an einen Ort kommſt, da man die Elevation noch hält, ſo ſollſt du dich nicht ärgern, noch ſie verdammen; ſondern laß dirs gefallen, weil es ohne Sünde und Gefahr des Gewiſſens geſchicht: vielleicht können ſie es noch nicht ändern. Aber dennoch iſts ja feiner und ſtehet beſſer, daß man ſich des Stückes in allen Kirchen vergleiche. Und weil die Elevation un⸗ geboten und unnöthig iſt, als ohne Gottes Ge⸗ bot, von menſchlicher Andacht herkommen; ſo iſts billiger, daß man ſich mit den Kirchen ver⸗ gleiche, ſo keine Elevation haben, denn wiederum mit denen, ſo ſie haben. Denn Sanct Paulus lehret uns treulich allenthalben, daß wir fleißig ſein ſollen, gleich und einträchtig zu lehren und zu leben, und uns hüten vor Uneinigkeit oder Ungleichheit, wo wir können, Röm. 12, 16.: Habt einerlei Sinn unter einander; 1 Cor. 1, 10.: Ich erinnere euch, lieben Brüder, durch den Namen unſers HErrn IEſu Chriſti, daß ihr einerlei Rede führet und laſſet nicht Spaltung un⸗ ter euch ſein. Wo aber ſolches nicht ſein kann, ſo laſſe das 14te Capitel Roman. V. 1 ff. gehen: Verwir⸗ ret die Gewiſſen nicht. Einer gläubet, er möge allerlei eſſen; welcher aber ſchwach iſt, der iſſet Kraut. Einer hält einen Tag vor dem andern; der andere aber hält alle Tage gleich. Ein jeg⸗ licher ſei in ſeiner Meinung gewiß. Das Reich Gottes iſt nicht eſſen und trinken, ſondern Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geiſt. Darum laſſet uns dem nachſtreben, das zum Frieden dienet, und zur Beſſerung unter einander dienen. Das helfe uns allen unſer lieber HErr IéEſus Chriſtus, mit GOtt dem Vater und dem Heiligen Geiſt, gelobet in Ewigkeit, Amen. Anno 1544. *) Wir gehören zu den Ambroſianern, ihr könnet hier keine Meſſe halten. 157 Auszug aus dem Pratokoll der vierteljährli⸗ chen, am 9. und 10. Januar 1850 zu Foart Wayne abgehaltenen Conferenz des Canfe⸗ renzbezirks Fort Wayne. Eingefunden hatten ſich: 1. Paſtor Dr. Sihler, 2. Profeſſor Biewend, 3. Paſtor Claus, 4. Paſtor Jäbker, 5. Paſtor Streckfuß, 6. Paſtor Schuſter, 7. Paſtor Heid, 8. Paſtor Stürken, 9. Paſtor Bernreuther, 10. Paſtor Fritze, 11. Paſtor Nützel, 12. Paſtor Stecher, ſpäter noch Paſtor Husmann. Die Conferenz richtete zunächſt auf die betrübte Thatſache innerhalb dieſes Synodaljahres ihr Augenmerk, daß in mehreren Gemeinden, die theils zur Synode gehören, theils von berathen⸗ den Gliedern derſelben bedient wurden, böswilliger Widerſtand gegen kirchliche Zucht und Ordnung ſo entſchieden hervorgetreten war, daß ſie an eini⸗ gen Orten das heilige Predigtamt ſelbſt von ſich geſtoßen hatten. In andern Gemeinden hatte es Spaltungen gegeben; wieder in andern gährte es, wie man vernahm, bereits, und noch in andern ſtand ähnlicher Rumor bevor. In keiner dieſer Gemeinden hatte der Paſtor irgend etwas ſeinen Kirchkindern gewaliſam aufgedrungen; in keiner hatte es derſelbe an geduldigem Lehren und Er⸗ mahnen in Hinſicht auf die betreffenden Punkte fehlen laſſen. Dieſe waren: theils der hartnäckige Widerſtand gegen die von Gott in ſeinem Worte vorgeſchriebene Kirchenzucht überhaupt (Zumal wenn die Leute früher einen Miethling aus der 2c. ꝛc.⸗Synode gehabt hatten, der ihnen für ſo und ſo viel Geld jährlich ſo und ſo oft gepredigt, ihre Kinder getauft, confirmirt, ihnen ohne nähe⸗ res Befragen das heilige Abendmahl gereicht hatte u. ſ. f.), theils das Widerſtreben gegen ein⸗ zelne Stücke einer geſunden und bekenntnißmäßi⸗ gen Ordnung. wie z. B. gegen die Beichtanmel⸗ dung der Einzelnen vor dem Genuſſe des heiligen Abendmahles, gegen das Abweiſen Reformirter oder Unirter vom heiligen Abendmahl, ſofern ſie ſich nach genugſamer Berichtung in der reinen Lehre der lutheriſchen Kirche weigerten, ihre bis⸗ herige Lehre als falſch zu mißbilligen und aus ihrer Kirchengemeinſchaft aus und in die luthe⸗ riſche Kirche einzutreten; ferner wider das Ver⸗ werfen alles zeitweiſen Miethens und Dingens zur Uebernahme des heiligen Predigtamtes; wider das Schicken ihrer Kinder in die Gemeindeſchule, u. A. m. Als die vornehmſten Urſachen dieſer betrüben⸗ den Thatſachen erſchienen der Conferenz 1. der furchtbare Verfall der Kirchenzucht in Deutſchland und die ungemein große Verwilde⸗ rung, in welcher ſo viele, ſeit Kurzem erſt hier anſäſſige, Leute ihr Vaterland verlaſſen haben; 2. der damit zuſammenhängende fleiſchliche Freiheitsſchwindel, indem dieſelben Leute, hier in dem „freien Lande“, da die weltliche Obrigkeit ſich des Kirchenweſens gar nicht annehme, ihren unverſtändigen und ſtörrigen Sinn wider allen beſſeren Unterricht durchzuſetzen ſuchen und keine heilſame kirchliche Ordnung leiden wollen; 3. die fleiſchliche Amerikaniſirung in den älte⸗ ren Anſiedelungen. Hier nemlich wollen die Leute durchſchnittlich keine Seelſorger und Väter in Chriſio, ſondern nur Predigthalter, Täufer, Sacramentsreicher, Confirmirer, Copulirer und Grabredner, die ſie jährlich für ſo und ſo viel „gedingt“ haben. Und beſonders zeichnen ſich in dieſer ſchändlichen Anſicht vom heiligen Predigt⸗ amte und vom Berufe zu demſelben die aus Pennſylvanien oder Ohio hier in den Weſten eingewanderten deutſchen lutheriſchen Amerika⸗ ner aus; 4. das in Deutſchland und Amerika ſo weit verbreitete Blendwerk und Gaukelſpiel der heu⸗ tigen ſchrift- und kirchwidrigen Union zwiſchen Lutheranern und Reformirten, der Wahn nem⸗ lich, daß dieſe Union etwas Gutes ſei, zuſammen mit den örtlichen Verhältniſſen, wo meiſt Luthe⸗ raner und Reformirte durcheinander wohnen, macht es, vornehmlich in kleineren Anſiedelungen, ſehr begreiflich, daß es den fleiſchlich geſinnten Lutheranern äußerſt widrig iſt, der Mithülfe der Reformirten z. B. in dem Bau der Kirche und in der Erhaltung des Predigers zu entbehren. Dazu kommt nun noch, daß gemiſchte Ehen vorhanden ſind und ſie auch fortlaufend ſich durch einander verheirathen; 5. der Einfluß einzelner dummſtolzer und dummkluger, vielleicht auch wohlhabender und angeſehener Schwätzer in den Gemeinden, die durch ihr loſes Geplauder und ihre Scheingründe die Einfältigen und Unwiſſenden mit dahinreißen. Es erſchien nun der Conferenz Angeſichts dieſer Verhäliniſſe von Wichtigkeit, der Synode es als einen Gegenſtand ihrer Berathungen auf der nächſten Synodal⸗Verſammlung vorzulegen, ob es nach wie vor genüge, bei Uebernahme des hei⸗ ligen Predigtamtes in dieſen und jenen Anſiede⸗ lungen ſich im allgemeinen confeſſionell zu ver⸗ wahren, oder ob es nach den jetzt eingetretenen Umſtänden nicht vorzuziehen ſei, den berufenden und vornehmlich kleineren Gemeinden gleich von vornherein beſtimmte Bedingungen zu ſtellen, unter denen allein ein Beruf von ihnen ange⸗ nommen werden könne. Natürlich müßte denſelben der genugſame Un⸗ terricht über ihre Nothwendigkeit vorausgehen. Dieſe Bedingungen nun wären vornehmlich folgende: 1. daß die Gemeinde ſich zum Bekenniniß der lutheriſchen Kirche mindeſtens in der Augsburger Confeſſion und im kleinen Katechismus Luthert mitbekenne; 2. daß demgemäß der Prediger nur eine rei lutheriſche Gemeinde und keine gemiſchte, al ſolche, bediene; 3. daß Glieder der reformirten oder unirter Kirche nur dann das heilige Abendmahl von ih empfangen könnten, wenn ſie nach voraufgegan genem Unterricht die Lehre der lutheriſchen Kirch auch inſonderheit vom heiligen Abendmahl al allein ſchriftgemäß äanerkennen, die ihrer bisheri gen Kirchengemeinſchaft als ſchriftwidrig miß billigen und endlich das folgerichtige Ergebni von beidem zugeben, nemlich, daß ſie durch de