Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 11 › Seite 86
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-01-19, Seite 86
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Lutheriſche Kirche · rutheriſche ainche 2 · Leutheriſce airhe 7
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mehr an die lutheriſche Kirche feſſelt, als die Lehre
dieſer Lehrer.
Wir bekennen uns zur evangeliſch—
lutheriſchen Kirche:
2) Weil ich aus ihren Bekenntniſſen und
ihrer Geſchichte weiß, daß ſie ſich von der Kirche,
wie ſie vor Luther war, nicht muthwillig los⸗
geriſſen hat, daß ſie nicht etwas Neues, nie
Dageweſenes aufrichten,
Daß ſie nur das wahrhaft Alte, das wahrhaft
Apoſtoliſche und wahrhaft Allgemeine der wahren
Kirche von den unpaſſenden Zuthaten der
frühern Jahrhunderte reinigen wollte;
Daß ſie ſich an die Zeugen der Wahrheit in
allen Jahrhunderten vor ihr anſchloß,
vor allem an das Zeugniß der heiligen Apoſtel.
Darum iſt ſie auch nicht bloß drei
Jahrhunderte alt, ſondern ſie iſt die
Fortſetzung der wahren apoſtoliſchen,
wahrhaft allgemeinen Kirche der vorigen
Zeiten, und darum älter als jede andere Kirchen⸗
gemeinſchaft, die jetzt auf Erden iſt. Auf die
uralte Wahrheit gegründet iſt ſie ſelber uralt,
mit unverfälſchtem Wort und Sacrament — und
auch darum bekenne ich mich zu ihr.
Wir bekennen uns zur evangeliſch—
lutheriſchen Kirche:
3) Weil ihr große Feſtigkeit und zugleich große
Bildungsfähigkeit gewährt iſt. Von apoſtoliſchen
Geboten, wie von apoſtoliſchen Lehren — weicht
ſie nimmer: apoſtoliſches Wort bleibt ihr unbe⸗
weglicher Grund für alle Zeiten. Darin beruht
ihre Feſtigkeit und ihre Einigkeit mit allen
Kindern Gottes in allen Landen und Zeiten.
Findet ſie aber ſonſt in der Vorzeit etwas Löb⸗
liches und Schönes, das kann ſie wählen nach
ihrer Freiheit; findet ſie in gegenwärtiger oder
lünftiger Zeit irgend etwas, das der Kirche die⸗
nen und ihre Kinder fördern kann, ſo erwählt ſie
auch das in Freiheit, und ſchreitet alſo in
ruhigem Gewiſſen mit den Zeiten vorwärts. Be⸗
ſonders bleibt ihre in ihrer Freiheit apoſtoliſche
Handlungsart lieblich und ehrwürdig. Sie
kehrt, wo Zeiten und Verhältniſſe es geſtatten,
mit Dank und Freude zu dieſer Handlungsweiſe
wieder; kann's nicht geſchehen, ſo weiß ſie, daß
ſie im Elend wandelt und im Jammerthal geht,
und daß die Kirche dennoch die Kirche iſt, auch
wenn ihr nicht geſtattet iſt, zu der beſten Praxis
zurückzukehren. — Feſt, ſtrebſam, fügſam
— das ſind Eigenſchaften, welche in dieſem
Maße und in dieſer Weiſe keine andere Kirche
hat, — Eigenſchaften, die der lutheriſchen Kirche
auch nach dem Urtheile derer eine Zukunft ſichern
müſſen, welche nicht glauben, daß ſie die Ver⸗
heißung hat, von den Pforten der Hölle nicht
überwältigt zu werden.
Wir bekennen uns zur evangeliſch⸗
lutheriſchen Kirche:
4) Weil ſie ſo einig und in ihrer Einigkeit ſo
kenntlich iſt.
Nur wer innerlich, im Geiſte einig iſt, iſt
wahrhaft einig.
—86 —
Im Geiſte einig ſein, heißt in Gedanken und
in Grundſätzen einig ſein.
Die Einigkeit der evangeliſch-lutheriſchen Kirche
iſt in himmliſchen Gedanken, ihr Handeln ge⸗
ſchieht nach himmliſchen Grundſätzen. Himm⸗
liſche Gedanken ſind Gottes geoffenbarte Worte,
himmliſche Grundſätze göttliche Gebote. In
denen iſt ſie einig.
In einerlei Weiſe verſteht ſie dieſelben — und
ihr Verſtändniß himmliſcher Gedanken und Grund⸗
ſätze gibt ihr Bekenntuiß an den Tag.
Die evangeliſch-lutheriſche Kirche
kennt keinerlei Zweideutigkeit. Nur die in
ihren Bekenniniſſen mit ihr zuſammenſtimmen,
ſind die Ihren. Sie dringt auf tiefſte, in⸗
nerſte Einigkeit der Seelen, und begehrt
nicht, daß ihre Zahl vor der Welt größer ſei, als
ſie vor Gott iſt. Wer ſollte nicht ſehen, daß
dies ein Vorzug iſt?
Und iſt das, worin ſie einig iſt, nicht kennt⸗
lich? Weiß man ewa nicht, was unter „Be⸗
kenntniſſen“ in ihrem Sinne zu verſtehen iſt? Es
gibt keine einige reformirte Kirche, wie es kein
einziges allgemein gültiges reformirtes Bekennt⸗
niß gibt. So manches Land, ſo manches Be⸗
kenntniß, heißt es bei den Reformirten. Kann
man etwa ein Gleiches von den evangeliſch-luthe⸗
riſchen Chriſten ſagen? Gewiß nicht! Worin
ſie einig ſein wollen, das iſt bekannt. Sie ha—
ben allgemein angenommene und gel-
tende Bekenntniſſe. Ihre Heerlager ſind
überall an der Fahne kenntlich.
Vielleicht redeſt du von Solchen, die nicht
evangeliſch-lutheriſch ſind, und ſuchſt damit den
Ruhm der Einigkeit unſerer Kirche zu vernichten?
Dann freilich wäreſt du ſelber kein treugeſinntes
Glied der Kirche, — und ſehr verſtändig wäreſt
du auch nicht. Solche, die nicht lutheriſch ſind,
ſind eben keine evangeliſch-lutheriſchen Chriſten.
Das Unkraut auf dem Waizenacker iſt nicht Wai⸗
zen, ſondern Unkraut, wie es jeder Acker hat.
Wir bekennen uns zur lutheriſchen
Kirche:
5) Weil ſie ein Segen aller der Kirchengemein⸗
ſchaften geworden iſt, unter denen ſie lebte.
Es ließen ſich dicke Bücher von dem Einfluß
ſchreiben, den die heilige Lehre unſerer Kirche nach
allen Seiten hin ausgeübt hat. Die neueſte Zeit
würde dazu mit nichten die wenigſten Belege lie⸗
fern. In Erkenntniß deſſen freue ich mich um
ſo mehr, dieſer Kirche anzugehören.
Wir bekennen uns zu ihr:
6) Um der Kraft willen, vermöge welcher ſie
ſich trotz ungünſtiger Verhältniſſe überall aus
dem Staube erhebt. Seit wie lange her iſt es,
daß man nicht mehr ſagt, es ſei aus mit
ihr, d. i., mit ihrer Erſcheinung und ihrem Da⸗
ſein in der Welt?*) Vor zehn oder fünfzehn
Jahren war einer, der von ernſter Umkehr zum
Glauben der Väter ſprach, wie eine Mißgeburt
*) „Matthäi am letzten Capitel ſei es mit der evange⸗
liſch⸗lutheriſchen Kirche“, ſagte ein Jeſuite; der dachte wohl
nicht daran, daß dorten ja der HErr ſagt: Ich bin bei euch
alle Tage — mir iſt gegeben alle Gewalt im Himmel und
auf Erden.
und wie ein Ungethüm angeſehn. Das iſt merk⸗
würdig anders worden. Von dem hohen Norden
bis zu den Alpen hinauf, von dem weiten Oſten der
ruſſiſchen Oſtſeeprovinzen bis in den weiten
Weſten Nordamerikas ſtehen die Zeugen der Kirche
— und das nicht vereinzelt, ſondern nahe genug, 1
um ihren gegenſeitigen Zuruf zu hören, und
viele vom Volke hören mit auf ihren
Zuruf.
Wer hat dieſe Zeugen erweckt und wer hat
ihnen das Volk gegeben, das mit ihnen zum alten
Glauben ſich bekennt? Wer gibt ihnen den Sieg
in einer Welt, der nichts widerwärtiger, nichis
unleidlicher und unmöglicher ſchien und ſcheint,
als gerade die Zeugen dieſer Kirche? Woher die
Kraft zum Sieg? Es iſt des HErrn Kraft. Hier
iſt Immanuel, d. i. Gott mit uns! Und deßhalb
bekennen wir uns zu dieſer Kirche.
Mag der Name „lutheriſch“ ſinken! die Kirche
welche unter dieſem Namen verborgen iſt, wird
bleiben! Ihre Miſſion, die evangeliſch⸗lutheriſcht
Miſſion, wird aufblühen. Sie ſelbſt wird neu⸗
geboren werden und nicht mehr, wie früher, ihre
Form und-Geſtalt vernachläſſigen. Der HEnr
wird ihr Sieg geben und ſie zum Segen ſetzen
allen Völkern!
So denke ich, ſo hoffe ich; was du, mein Leſer?
Ich wollte dir das in dieſem erſten Blatte zum
Eingang ſagen. Mehr und anderes ein ander
Mal.
„Der Zuſchauer am Potomac“.
Es iſt uns ſchon wirderholt die Klage zu Ohren
gekommen, daß chriſtliche Prediger, wenn ſie von
ihren Zuhörern um Zuweiſung einer politiſchen
Zeitung angegangen werden, in Verlegenheit
kommen, da inſonderheit die hieſigen deutſchen
Zeitungen faſt ohne Ausnahme von Männern
redigirt werden, welche erklärte Feinde des chriſt⸗
lichen Glaubens ſind, und die es nicht laſſen
können, fort und fort ihren läſterlichen Spott dar⸗
über auszulaſſen. Es gereicht uns zu beſonderem
Vergnügen, unſeren Leſern hierdurch melden zu
können, daß am 10. d. M. die erſte Nummer
eines politiſchen Blattes unter dem in der Ueber⸗
ſchrift angegebenen Titel erſchienen iſt, welches
dem von Chriſten längſt gefühlten Bedürfniß ent⸗
gegen kommt, einen Berichterſtatter über die Zeit⸗
ereigniſſe zu haben, dem man, ohne durch Lächer⸗
lichmachung des Heiligen geſtört zu werden, ruhig
zuhören kann. Der „Zuſchauer am Potomac“
wird nämlich von dem den meiſten Leſern des
„Lutheraner“ ſchon bekannten Profeſſor Hrn. F.
Schmidt redigirt, deſſen Name genugſame
Bürgſchaft dafür iſt, daß das Blatt an Gediegen⸗
heit keinem anderen nachſtehen und dabei den
großen Vorzug haben werde, daß es dem Grund⸗
ſatze huldiget: Sancta sancte! (Heiliges iſt auch
mit heiligem Sinne zu behandeln!) Das Blatt
wird übrigens nicht einen bloß localen Charakter
haben; der Herr Redacteur beabſichtigt, demſelben
eine weite Cireulation durch die ganze Union und
Deutſchland zu ſichern. Es erſcheint von nun
an jeden Donnerstag für den jährlichen Sub⸗
ſcriptionspreis von zwei Dollars und fünfzig
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