# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 01 19_S86 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) — mehr an die lutheriſche Kirche feſſelt, als die Lehre dieſer Lehrer. Wir bekennen uns zur evangeliſch— lutheriſchen Kirche: 2) Weil ich aus ihren Bekenntniſſen und ihrer Geſchichte weiß, daß ſie ſich von der Kirche, wie ſie vor Luther war, nicht muthwillig los⸗ geriſſen hat, daß ſie nicht etwas Neues, nie Dageweſenes aufrichten, Daß ſie nur das wahrhaft Alte, das wahrhaft Apoſtoliſche und wahrhaft Allgemeine der wahren Kirche von den unpaſſenden Zuthaten der frühern Jahrhunderte reinigen wollte; Daß ſie ſich an die Zeugen der Wahrheit in allen Jahrhunderten vor ihr anſchloß, vor allem an das Zeugniß der heiligen Apoſtel. Darum iſt ſie auch nicht bloß drei Jahrhunderte alt, ſondern ſie iſt die Fortſetzung der wahren apoſtoliſchen, wahrhaft allgemeinen Kirche der vorigen Zeiten, und darum älter als jede andere Kirchen⸗ gemeinſchaft, die jetzt auf Erden iſt. Auf die uralte Wahrheit gegründet iſt ſie ſelber uralt, mit unverfälſchtem Wort und Sacrament — und auch darum bekenne ich mich zu ihr. Wir bekennen uns zur evangeliſch— lutheriſchen Kirche: 3) Weil ihr große Feſtigkeit und zugleich große Bildungsfähigkeit gewährt iſt. Von apoſtoliſchen Geboten, wie von apoſtoliſchen Lehren — weicht ſie nimmer: apoſtoliſches Wort bleibt ihr unbe⸗ weglicher Grund für alle Zeiten. Darin beruht ihre Feſtigkeit und ihre Einigkeit mit allen Kindern Gottes in allen Landen und Zeiten. Findet ſie aber ſonſt in der Vorzeit etwas Löb⸗ liches und Schönes, das kann ſie wählen nach ihrer Freiheit; findet ſie in gegenwärtiger oder lünftiger Zeit irgend etwas, das der Kirche die⸗ nen und ihre Kinder fördern kann, ſo erwählt ſie auch das in Freiheit, und ſchreitet alſo in ruhigem Gewiſſen mit den Zeiten vorwärts. Be⸗ ſonders bleibt ihre in ihrer Freiheit apoſtoliſche Handlungsart lieblich und ehrwürdig. Sie kehrt, wo Zeiten und Verhältniſſe es geſtatten, mit Dank und Freude zu dieſer Handlungsweiſe wieder; kann's nicht geſchehen, ſo weiß ſie, daß ſie im Elend wandelt und im Jammerthal geht, und daß die Kirche dennoch die Kirche iſt, auch wenn ihr nicht geſtattet iſt, zu der beſten Praxis zurückzukehren. — Feſt, ſtrebſam, fügſam — das ſind Eigenſchaften, welche in dieſem Maße und in dieſer Weiſe keine andere Kirche hat, — Eigenſchaften, die der lutheriſchen Kirche auch nach dem Urtheile derer eine Zukunft ſichern müſſen, welche nicht glauben, daß ſie die Ver⸗ heißung hat, von den Pforten der Hölle nicht überwältigt zu werden. Wir bekennen uns zur evangeliſch⸗ lutheriſchen Kirche: 4) Weil ſie ſo einig und in ihrer Einigkeit ſo kenntlich iſt. Nur wer innerlich, im Geiſte einig iſt, iſt wahrhaft einig. —86 — Im Geiſte einig ſein, heißt in Gedanken und in Grundſätzen einig ſein. Die Einigkeit der evangeliſch-lutheriſchen Kirche iſt in himmliſchen Gedanken, ihr Handeln ge⸗ ſchieht nach himmliſchen Grundſätzen. Himm⸗ liſche Gedanken ſind Gottes geoffenbarte Worte, himmliſche Grundſätze göttliche Gebote. In denen iſt ſie einig. In einerlei Weiſe verſteht ſie dieſelben — und ihr Verſtändniß himmliſcher Gedanken und Grund⸗ ſätze gibt ihr Bekenntuiß an den Tag. Die evangeliſch-lutheriſche Kirche kennt keinerlei Zweideutigkeit. Nur die in ihren Bekenniniſſen mit ihr zuſammenſtimmen, ſind die Ihren. Sie dringt auf tiefſte, in⸗ nerſte Einigkeit der Seelen, und begehrt nicht, daß ihre Zahl vor der Welt größer ſei, als ſie vor Gott iſt. Wer ſollte nicht ſehen, daß dies ein Vorzug iſt? Und iſt das, worin ſie einig iſt, nicht kennt⸗ lich? Weiß man ewa nicht, was unter „Be⸗ kenntniſſen“ in ihrem Sinne zu verſtehen iſt? Es gibt keine einige reformirte Kirche, wie es kein einziges allgemein gültiges reformirtes Bekennt⸗ niß gibt. So manches Land, ſo manches Be⸗ kenntniß, heißt es bei den Reformirten. Kann man etwa ein Gleiches von den evangeliſch-luthe⸗ riſchen Chriſten ſagen? Gewiß nicht! Worin ſie einig ſein wollen, das iſt bekannt. Sie ha— ben allgemein angenommene und gel- tende Bekenntniſſe. Ihre Heerlager ſind überall an der Fahne kenntlich. Vielleicht redeſt du von Solchen, die nicht evangeliſch-lutheriſch ſind, und ſuchſt damit den Ruhm der Einigkeit unſerer Kirche zu vernichten? Dann freilich wäreſt du ſelber kein treugeſinntes Glied der Kirche, — und ſehr verſtändig wäreſt du auch nicht. Solche, die nicht lutheriſch ſind, ſind eben keine evangeliſch-lutheriſchen Chriſten. Das Unkraut auf dem Waizenacker iſt nicht Wai⸗ zen, ſondern Unkraut, wie es jeder Acker hat. Wir bekennen uns zur lutheriſchen Kirche: 5) Weil ſie ein Segen aller der Kirchengemein⸗ ſchaften geworden iſt, unter denen ſie lebte. Es ließen ſich dicke Bücher von dem Einfluß ſchreiben, den die heilige Lehre unſerer Kirche nach allen Seiten hin ausgeübt hat. Die neueſte Zeit würde dazu mit nichten die wenigſten Belege lie⸗ fern. In Erkenntniß deſſen freue ich mich um ſo mehr, dieſer Kirche anzugehören. Wir bekennen uns zu ihr: 6) Um der Kraft willen, vermöge welcher ſie ſich trotz ungünſtiger Verhältniſſe überall aus dem Staube erhebt. Seit wie lange her iſt es, daß man nicht mehr ſagt, es ſei aus mit ihr, d. i., mit ihrer Erſcheinung und ihrem Da⸗ ſein in der Welt?*) Vor zehn oder fünfzehn Jahren war einer, der von ernſter Umkehr zum Glauben der Väter ſprach, wie eine Mißgeburt *) „Matthäi am letzten Capitel ſei es mit der evange⸗ liſch⸗lutheriſchen Kirche“, ſagte ein Jeſuite; der dachte wohl nicht daran, daß dorten ja der HErr ſagt: Ich bin bei euch alle Tage — mir iſt gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. und wie ein Ungethüm angeſehn. Das iſt merk⸗ würdig anders worden. Von dem hohen Norden bis zu den Alpen hinauf, von dem weiten Oſten der ruſſiſchen Oſtſeeprovinzen bis in den weiten Weſten Nordamerikas ſtehen die Zeugen der Kirche — und das nicht vereinzelt, ſondern nahe genug, 1 um ihren gegenſeitigen Zuruf zu hören, und viele vom Volke hören mit auf ihren Zuruf. Wer hat dieſe Zeugen erweckt und wer hat ihnen das Volk gegeben, das mit ihnen zum alten Glauben ſich bekennt? Wer gibt ihnen den Sieg in einer Welt, der nichts widerwärtiger, nichis unleidlicher und unmöglicher ſchien und ſcheint, als gerade die Zeugen dieſer Kirche? Woher die Kraft zum Sieg? Es iſt des HErrn Kraft. Hier iſt Immanuel, d. i. Gott mit uns! Und deßhalb bekennen wir uns zu dieſer Kirche. Mag der Name „lutheriſch“ ſinken! die Kirche welche unter dieſem Namen verborgen iſt, wird bleiben! Ihre Miſſion, die evangeliſch⸗lutheriſcht Miſſion, wird aufblühen. Sie ſelbſt wird neu⸗ geboren werden und nicht mehr, wie früher, ihre Form und-Geſtalt vernachläſſigen. Der HEnr wird ihr Sieg geben und ſie zum Segen ſetzen allen Völkern! So denke ich, ſo hoffe ich; was du, mein Leſer? Ich wollte dir das in dieſem erſten Blatte zum Eingang ſagen. Mehr und anderes ein ander Mal. „Der Zuſchauer am Potomac“. Es iſt uns ſchon wirderholt die Klage zu Ohren gekommen, daß chriſtliche Prediger, wenn ſie von ihren Zuhörern um Zuweiſung einer politiſchen Zeitung angegangen werden, in Verlegenheit kommen, da inſonderheit die hieſigen deutſchen Zeitungen faſt ohne Ausnahme von Männern redigirt werden, welche erklärte Feinde des chriſt⸗ lichen Glaubens ſind, und die es nicht laſſen können, fort und fort ihren läſterlichen Spott dar⸗ über auszulaſſen. Es gereicht uns zu beſonderem Vergnügen, unſeren Leſern hierdurch melden zu können, daß am 10. d. M. die erſte Nummer eines politiſchen Blattes unter dem in der Ueber⸗ ſchrift angegebenen Titel erſchienen iſt, welches dem von Chriſten längſt gefühlten Bedürfniß ent⸗ gegen kommt, einen Berichterſtatter über die Zeit⸗ ereigniſſe zu haben, dem man, ohne durch Lächer⸗ lichmachung des Heiligen geſtört zu werden, ruhig zuhören kann. Der „Zuſchauer am Potomac“ wird nämlich von dem den meiſten Leſern des „Lutheraner“ ſchon bekannten Profeſſor Hrn. F. Schmidt redigirt, deſſen Name genugſame Bürgſchaft dafür iſt, daß das Blatt an Gediegen⸗ heit keinem anderen nachſtehen und dabei den großen Vorzug haben werde, daß es dem Grund⸗ ſatze huldiget: Sancta sancte! (Heiliges iſt auch mit heiligem Sinne zu behandeln!) Das Blatt wird übrigens nicht einen bloß localen Charakter haben; der Herr Redacteur beabſichtigt, demſelben eine weite Cireulation durch die ganze Union und Deutſchland zu ſichern. Es erſcheint von nun an jeden Donnerstag für den jährlichen Sub⸗ ſcriptionspreis von zwei Dollars und fünfzig